Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-11-11 · 45 (11.11.1898) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
45 (11.11.1898)
Date
1898-11-11
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3020846-3021223-3021269--08308-3032681
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Sette 826 Vr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 45 Kolomea (Der Tod d es Hotelverwalters R u ck e n st e i w.) Sonntag den 30. October brachte der Courier - zng einen k. u. k. Lieutenant nach Kolomea, welcher in ein Hotel ging, um daselbst Logis zu nehmen. Als er aber in diesem Hotel keine freie Wohnung fand, ging er in das benachbarte Central- Hotel, wo ihm ebenfalls bedeutet wurde, daß kein Zimmer zu haben sei. Als jedoch der Militär durch ein Thürfenster in einem Zimmer kein Reisegepäck gewahrte, verlangte er kategorisch die Eröffnung dieses Zimmers, trotzdem der Hotelleiter betheuerte, daß dieses Zimmer an einen Reisenden, welcher kein Reisegepäck mitbrachte, bereits vermiethet sei und daß dieser sogar den Thürschlüffel mit sich genommen habe. „Sie jüdischer Lump", herrschte den Hotelverwalter R u ck e n st e i n der Lieutenant an; „mich werden Sie nicht begaunern" und befahl dem mitgenommenen Soldaten die Thüre gewaltsam einzubrechen. Als hierauf der Hotelverwalter mit gebührendem Anstand erwiderte: „Herr Lieutenant, ich bitte Sie, hier keinen Scandal zu machen, ich werde mir von Ihnen keine Beleidigung gefallen lassen und eventuell Schadenersatz verlangen", zog der Lieutenant vom Leder, verfolgte Ruckenstein unter den schmählichsten Beschimpfungen die Balcongalerie hinab bis auf den Ringplatz, wo Ruckenstein stürzte, und versetzte diesem mit blanker Waffe zwei Hiebe auf den Kopf, so daß Ruckenstein blutüberströmt liegen blieb, und nach dreitägigen Schmerzen starb.-- Emil von Schneider heißt jener Lieutenant des 9. Dragoner- Regimentes, welcher den traurigen Muth gehabt hatte, einen unschuldigen wehrlosen Menschen, der zu Boden gestreckt war und um Erbarmen flehte, zu ermorden. Trotzdem Lieutenant von Schneider, während der Leichnam des Gemordeten zur Erde bestattet wird, noch frei herumspaziert und sich darauf etwas zu gute thut, einen „frechen Juden" erschlagen zu haben, hoffen wir, daß in den maßgebenden Kreisen das Rechtsgefühl noch lebt, welches dem Mörder die gerechte Strafe angedeihen lassen wird. Wir erwarten und fordern in erster Reihe von unseren jüdischen Abgeordneten des Reichsrathes, daß sie dieses tragische Ereigniß zum Gegenstände einer Interpellation an den Herrn Kriegsminister machen werden. Wir sind überzeugt, daß der gesammte Militärkörper mit einem Individuum sich nicht identificiren wird, an dessen Händen unschuldiges Menschenblut klebt.) Budapest. (Israelitische Gemeindewaljlen. Am 23. October fand im Schulgebäude der Budapester israelitischen Cultusgemeinde (Pfeifergasse) die Wahl in die Gemeindercpräsentanz statt, welche ohne Unterbrechung von 9 Uhr Vormittags bis 6 Uhr Abends dauerte. Von 6615 stimmberechtigten Gemeindemitgliedern erschienen 1066 an der Wahlurne, um sich an der Wahl von 108 Gemeinderepräsentanten zu betheiligen. Um 8 Uhr Abends verkündete Wahlpräsident Paul Tencer das Wahlresultat, indem er constatirte, daß die officielle Liste des Candidatencomites mit sehr geringer Aenderung durchgedrungen sei. Als ordentliche Mitglieder erscheinen gewählt: Dr. Sigmund Adler, Philipp Back, Dr. Ludwig Ballai, Dr. Jonas Bäron, Benedikt Baronyi de Csängoh^tfalu, Ludwig Baumgarten, Max Beck de Madaras, Ferdinand Beck de Madaras, Salamon Beer, Adolf Bergl, Max Bettelheim, Julius Biro, Adolf Blau, Jacob Boschau, Sigmund L. Breitner, Edmund Brüll de Domonyi, Sigmund Brüll, Dr. Franz Chorin, Dr. Philipp Darvai, Dr. Sigmund Decsey, Anton Deutsch, Simon Deutsch, Moses Ehrlich, Heinrich Fanto, Adolf Fenyvessy, Eduard Fleischmann, Gabriel Forrai, Dr. Alexander Fränkel, Adolf Freund, Wilhelm Fuchs, Joseph Galitzenstein, Berthold Goldberger de Buda, Michael Goldmann, Ignaz Goldstein, Karl Gomperz, Dr. Julius Groß, Bernhard Grünwald, Moriz Grünwald, Adam Guttmann, Dr. Friedrich Haläsz. Jonas Händler, Moritz Heidlberg jun., Leopold B. Höllischer, Dr. Josef Hüvös de Boffa, David Kallmann, Rudolf Kampl, Dr. Moritz Kärmän, Dr. Max Kelemen, Dr. Philipp Klein, Adolf Kleinmann, Sigmund Kornfeld, Max- Kramer, Samuel Kramer Ludwig Krauß de Megyer, Moritz Kunstädter, Moriz Lemberger, Moriz Lindenbaum, Dr. Samuel Löw, Moriz Löwy, Josef Lukcs, Ignaz I. Mandel, Dr. Moriz Mezei, Moriz Müller, Dr. Armin Muränyi, Samuel Münz, Dr. Anton Neumann, Dr. Armin Neumann, Dr. Adolf Onody, Max Oesterreicher, Sigmund Pinkas, Dr. Rudolf Pollak, Stephan Popper, Ad,olf Revesz, Emanuel Rosenfeld, Dr. Lazar Samuel, Dr. Max Schächter, Dr. Adolf Schermann, Ignaz Schlesinger, Ignaz Schmidt, Baron Ferdinand Schosberger, Dr. Jacob Schreier, Armin Schwarz de Zimony, Armin Schwarz, Ignaz Schwarz, Paul Sandor, Jacob Simon, Dr. Jacob S' - g-r-, D. H. Spitzer, Dr. Samuel Steigenberger, Friedrich Stern, Max Stern, Adolf Sternthal, Karl Svab, Max Szabv, Panl Tencer, Alexander Tsuk, Emil Ullmann de Baranyavar, Dr. Sigmund Vidor, Dr. Soma, Visontai, Dr. Jacob Weiß, Manfred Weiß de Csepel, Emanuel, I. Weiß, Jacob Weißkopf, Franz Weißmayer, Alex Winter, Ludw. Wolfner, Jos. Zwack, zu Ersatzmitgliedern wurden gewählt: Dr. Jgn. Miesner und Adolf Fröhlich. Budapest. Jacob S u s ch n y ist am 25. October d. I. plötzlich gestorben. Der Musikkritiker des „Pester Lloyd" widmete dem Vollendeten einen Nachruf, den wir hier folgen lassen: „Nach kurzer Krankheit ist hier der Cantor der Pester israelitischen Religionsgemeinde, Jacob Suschny, im 66. Lebensjahre verschieden. Der unerwartete Tod des ausgezeichneten Sängers wird bei Allen, die ihn gekannt — es sind deren zwei Generationen — aufrichtige Theilnahme wecken. Denn Cantor Suschny erfreute sich einer seltenen Popularität in allen Kreisen des hiesigen Gemeindewesens. Er war nicht nur ein vornehmer Künstler und begeisterter, von echter Frömmigkeit durchdrungener Functionär des Gottesdienstes, sondern auch ein durch und durch biederer Charakter, ein herzensguter, liebenswürdiger Mensch. Suschny stammt aus einer berühmten Cantorenfamilie in Mähren. Schon als kleiner Knabe wirkte er im Tempelchor mit, und als seine glühende Liebe zur Musik sich immer heftiger äußerte, ging er nach Wien, wo er ernste Gesangsstudien machte. Dort erregte er mit seiner schönen Stimme die Aufmerksamkeit Salvmon Sulzer's, des genialen Schöpfers des modernen Tempelgesanges, zu dessen Lieblingsschülern er bald gehörte. Im Jahre 1863 wurde er als Cantor an den israelitischen Tempel in der Tabakgasse berufen. Seine glockenhelle, blühende Tenorstimme, welche dank einer vorzüglichen Schulung und ihrer natürlichen Biegsamkeit noch den Ziergesang virtuos beherrschte, der edle, echt musikalische, dabei zum Herzen sprechende Bortrag und seine tiefe Kenntniß alles Liturgischen eroberten ihm mit eineni Schlage die Liebe und hohe Werthschätzung der Gemeinde." Am Nüsttage des Sabbaths wurde er unter ungewöhnlich großer Betheiligung seitens der Mitglieder der Pester israelitischen Religionsgemeinde, der Pester Chewra-Kadischa, sowie mehrerer hauptstädtischer Humanitätsvereine zu Grabe getragen. Obercantor Professor Adolf Lazarus celebrirte unter Assistenz des vollzähligen Tempelchores die Trauerceremonie, Rabbiner Dr. Samuel Kohu würdigte in einer geradezu meisterlichen Rede die reichen Verdienste Suschny's, die er — wie kaum ein Zweiter — kannte und zu schätzen wußte. Der gelehrte Kanzelredner führte das Bild eines Scheliach-Zibur nach der Auffassung der jüdischen Lehre an und wies nach, daß wir die Verkörperung dieser Vorschriften in dem Heimgegangenen voll und ganz gefunden haben. Die Musterrede machte einen großen uud nachhaltigen Eindruck auf die tiefergriffeuen Zuhörer. Berlin. Bekanntlich ist in Frankfurt am Main der.Hauptsitz des C e n t r a lc o m i t e s für die Errichtung eines jüdischen Krankenhauses in Jerusalem, dessen Vorsitzender Herr Rabbiner Dr. Breuer in Frankfurt am Main ist. Es ist diesem Comitä nach jahrelangem Bemühen gelungen, mit Hilfe des kaiserlich deutschen auswärtigen Amtes, der kaiserlich deutschen Botschaft in Constantinopel und des kaiserlich deutschen Consulates in Jerusalem vor etwa zwei Jahren die Erlaub»iß zum Bau eines großen jüdischen Krankenhauses in Jerusalem seitens der türkischen Regierung zu erlangen. Der Bau des an der Jaffastraße gelegenen Krankenhauses das allen Anforderungen der modernen Hygiene entspricht, wurde sofort in Angriff genommen und ist jetzt so weit vorgeschritten, daß es das Centralcomitä im nächsten Jahre zu eröffnen gedenkt. Gelegentlich des Einzuges des deutschen Kaiserpaares in Jerusalem hat nun das Centralcomits ein Huldigungs-Telegramm an den Kaiser gesandt, worauf folgende Antwort eingelausen ist: „Centralcomite zur Errichtung eines jüdischen Krankenhauses in Jerusalem Frankfurt-Main. Jerusalem, 31. October. Seine Majestät der Kaiser und König lassen für den Huldigungsgruß bestens danken. Allerhöchsten Befehl, v. Lucanus, Geheimer Cabinetsrath." Berlin, 31. October. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach am Dienstag den 26. d. M. Herr Rabbiner Dr. Rosenberg aus Thorn über Kohelet und Faust. Der Vortragende stellte interessante Vergleiche zwischen diesen beiden Dichtungen an, welche, obwohl zu verschiedenen Zeiten entstanden, doch in ihrer Grundtendenz völlig übereinstimmen. Das ungestüme Suchen nach Wahrheit, die endliche Zuflucht zum Unsichtbaren sei beiden Dichtungen eigen, ziehe sich wie ein rother Faden durch beide in ihrem Jdeengange ein-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.