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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-11-11 · 45 (11.11.1898) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
45 (11.11.1898)
Date
1898-11-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr 45 Vr. Bloch'» Wochenschrift Sette 82l förmig und die Erde wie eine Kugel ist? Weil wir lernen, die Weisen sagen: Es ist verboten, nur jenen Götzen zu halten, der in der Hand einen Stock u. s. w. oder eine Kugel hält. Warum eine Kugel? weil die Erde wie eine Kugel ist." Ferner citirt der Midrasch einen Jeruschalmi, welcher lautet: nn b'rb pa'öb 'pn na numpia nmcabs : .Typ ms .nnppa dm nsi nroa nbipn ns nsmp np pmoi p-bo Rabbi Jona sagte: „Als Alexander von Macedonien in die Höhe steigen wollte, stieg er so hoch, bis die Erde ihm wie eine Kugel, das Meer wie eine Schüssel erschien". Da sieht man deutlich heraus, daß die Rabbinen von der Kugelform der Erde überzeugt waren. Die Anschauung von der Bewegung der Himmelskörper finden wir im Pesachim 94 p. b., wo daselbst erzählt wird, daß die Gelehrten Israels mit den Gelehrten der Weltnationen in Conflict waren, da die Ersteren die Sphären für fix und die Gestirne für kreisend und die Letzteren gerade das Gegentheil annahmen. Daß die Weisen Israels den Weltweisen darnach zugestimmt haben, finden wir, wie Hillel Kahane in seinem Werke „Gliloth Haarez" richtig bemerkt, nirgends erwähnt; es ist daher ein Wunder, wie Maimonices solches behaupten könnte. Wir finden nur, daß Rabbi Jehuda seine Privatansicht gesagt hat: (Daselbst) „M i r ist die Ansicht der Weltweisen einleuchtender, als die unsrige." Dagegen widerlegt sie Rabbi, indem er antwortet: (ibid) „Wrr sehen nie den Wagen im Süden und den Scorpion im Norden", welches bei einer Kreisung der Sphäre wohl zum Vorschein gekommen wäre. Der jüdische Geometer David Gans erzählt in seinem Werke »Nechmad wanaim«, daß Ticho de Brahe gesagt hat, mit Unrecht hätten die Weisen Israels den Weltweisen zugestimmt, da Erstere im Rechte waren. Markanter und deutlicher ist die Soharstelle (Abschnitt Wajikrah f. 10, p a ), die in wörtlicher Uebersetzung wie folgt lautet: „Im Buche des greisen Raw Gammuna findet sich eine ausführliche Erklärung. Tie von uns bewohnte Erde dreht sich im Kreise wie eine Kugel, diese nach unten, jene nach oben, und all diese Geschöpfe sind verschiedenen Aussehens durch die Verschiedenheit des Klimas, je nach dem Orte .... dazu ist es eingerichtet auf dieser bewohnten Erde, daß, wenn die Einen Licht haben, den Andern finster ist; haben diese Tag, so haben jene Nacht, und es gibt einen Ort, wo beständig Tag ist und die Nacht währt eine kurze Zeit (beim Pol)." (Siehe Kahane nib'br pan Seite 33.) „Wohl ist der Sohar in seiner gegenwärtigen Form", bemerkt hiezu der gelehrte Dr. Lippe aus Jassy, „kein gar antikes Werk und rührt sicherlich nicht von Schimon den Jochai her. Aber, wenn auch Mose de Lion obige Notiz geschrieben hat, so lebte er viel früher als Kopernikns. Ueberdies scheint Mose de Lion nicht der Verfasser, sondern blos der Redacteur des Sohar zu sein. Er hat ihn aus verschiedenen gesammelten Monographien, die ihm Vorlagen, compilirt und in der uns vorliegenden Form heransgegeben." (Lippe: Rabbinisch-wissenschaftliche Vorträge, S. 17.) Demgemäß muß obige Notiz wirklich von einem der ältesten Rabbinen stammen. Am merkwürdigsten ist jedoch die Stelle, die ich in Jalkut gefunden und die bisnnn, wie mir scheint, noch von keinem der Talmudnnd Midraschgelehrten beachtet worden ist. Dieser Midrasch drückt klipp und klar die Kopernikanische Anschauung ans. Er lautet: p peatm p npn bs »nnaip nbipb psm an mm “bn mrpmsis nnnp nrp D.Tirpä ippu 'ab 'm:ip nbipb mm nsn psi nnbn ps sbs nbip biP imna nrrbp Rabbi Jesosuah ben Korcha sagte: „Es steht (npw ’D 'MV taipb). Ein Geschlecht geht, ein Geschlecht kommt, die Erde steht ewig, (Koheleth 1, 4) lies nicht so, sondern: die Erde geht, die Erde kommt (Kreisbewegung), aber das Geschlecht steht ewig, nur weil sie (die Menschen) ihre Handlungsweise änderten, hat er (Koheleth) durch sie das Weltsystem geändert." Bekanntlich ist dieser Satz in Koheleth 1, 4 das beste Argument, womit viele jüdische Gelehrte das Kopernikanische System vom religiösen Standpunkte zu widerlegen suchten. -Dies Alles dient zum kräftigsten Beweise, was für große Gelehrsamkeit unsere Rabbinen besaßen. Die Wahlen der Israel. Cultusgemrinde. Wählerverfammlnng der ,,Oesterr-Israel. Union''. Das Wahlcomite der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" veranstaltete Sonntag den 6. d. M. im Saale des „Hotel Stefanie" eine Versammlung der Leopoldstädter Wähler, welche überaus zahlreich besucht war. Der Präsident der „Union", kais. Rath Anninger, eröffnete die Versammlung, indem er den Zweck derselben des Näheren kennzeichnete. Es handle sich nicht nur darum, die Stellungnahme der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" zu den Wahlen öffentlich bekanntzugeben, sondern auch die' Wünsche und Beschwerden der Wählerschaft zur Kenntniß zu nehmen. Es werden auch noch in anderen Bezirken Wählerversammlungen abgehalten werden, der Vorstand habe jedoch geglaubt, mit der Leopoldstadt den Anfang machen zu sollen, da hier die jüdische Bevölkerung am dichtesten beisammen wohne. (Beifall.) Es nahm nunmehr der Referent, Herr Sigmund Mayer das Wort zu folgenden Ausführungen: „Meine Herren! Lassen Sie mich vor Allem der großen Beftiedigung Ausdruck geben, daß es mir nach langer Zeit wieder einmal gegönnt ist, auf meinem alten Boden stehend zu einem Kreise von Wählern zu sprechen, mit denen mich die Erinnerung an zahlreiche gemeinsam gelieferte Wahlschlachten verbindet, zu Wählern, die ich schon vor und seit 30 Jahren in den mannigfachsten Stellungen, als Ortsschulrath, als Bezirksausschuß, als Gemeinderath, stets mit aufrichtigem Vergnügen und ich darf wohl sagen, mit selbstlosem Eifer vertreten habe. Lassen Sie mich aber auch, gleichsam zur Legitimirung meines jetzigen Auftretens nach einer nahezu achtjährigen Unterbrechung hinzufügen, daß ich nicht etwa inzwischen geschlafen habe. Ich war in diesem Zeiträume keineswegs müßig, eher darf ich sagen im Gegentheile. Es ist mir gelungen, im Kreise der „Oesterr.-Jsr. Union" eine eigene, wirkliche Abwehr- und Rechtsschutz-Action, eine Art „Freiwillige Rettungsgesellschaft" zu schaffen, deren Thätigkeit ich, offen gestanden, für erfolgreicher und wirksamer halte als meine frühere Thätigkeit. Wenn wir für einen Juden eintreten, welcher ganz ungerecht von antisemitischen Geschwornen zu lebenslänglichem schweren Kerker verurtheilt wird, eine Anullirung des Urtbeils, eine neue Verhandlung und für denselben einen Freispruch durchsetzen, wenn wir für galizische jüdische Handwerker den Kampf führen gegen die Zunft, die sie nicht aufnehmen will, so daß die jüdischen Handwerker keine Lehrlinge aufnehmen, keine öffentlichen Arbeiten annehmen dürfen, wenn wir durch einen systematisch betriebenen Berichtigungsdienst die antisemitischen Zeitungen zwingen, in ihren Verleumdungen sehr vorsichtig zu werden, wenn wir durchsetzen, daß der Hauptverein der Antisemiten in einer Provinz aufgelöst wird, so sind das Erfolge, die man selbst sieht, die man selbst greift, wenn man sie auch nicht gleich des anderen Tages in der Zeitung liest, wenn man auch andere, gerade die wichtigsten Dinge in denselben gar nicht lesen dürfte. (Beifall.) Unsere Bestrebungen in dieser Richtung sind so weit gelungen, daß man sich aus ganz Oesterreich an uns wendet. Wir legen Ihnen, meine Herren, hiemit den letzten Bericht vor und bitten Sie, denselben, wenn er auch nur die Hauptpunkte enthält, einer Würdigung zu unterziehen. Diese reguläre tägliche Arbeit nun, meine Herren — wir haben monatlich einen Einlauf von mehr als 100 Stücken — hat uns, d. h. das Präsidium der Union, die Jahre her vollauf beschäftigt, so daß wir uns vor zwei Jahren den Cultus-Vorstandswahlen gegenüber nahezu passiv verhalten haben, und wir hatten auch diesmal, bei den jetzt bevorstehenden Wahlen nicht die Absicht, uns mit denselben zu beschäftigen. Aus dieser Reserve herauszutreten, hat uns die bekannte Affaire des Bezirksschulrathes gezwungen. Das heißt nicht etwa, daß dieser Bezirksschulrats - Erlaß an sich eine Wahlparole, zumindest nicht für uns, die „Union" wäre. Denn diesem kecken Versuche, unsere Kinder aus das Niveau der Negerkinder, die in Amerika nicht neben den weißen sitzen dürfen, hinabzutauchen, sind ja alle Juden in Wien entgegenzutreten einig. Sondern wir haben die Notwendigkeit gesehen, uns mit dem Verhalten des Cultusvorstandes zu diesem Erlasse zu beschäftigen. Ich will nur gleich loyaler Weise selbst anerkennen, daß die beiden Herren, der Herr Präses Klinger und der Herr Vicepräses Dr. Gustav Kohn, durch unser Präsidium von dem Erlasse verständigt und um Intervention angegangen, sich die größtmöglichste Mühe gegeben haben, von Seiten des Ministers eine Sistirung zu erlangen. Aber — es thut mir leid — wir kommen zu einem ganz merkwürdigen Ergebniß, wenn wir doch rückwärts gehen. Wie war also der Verlauf der ganzen Angelegenheit? Der Plan, die Judenkinder in eigene Classen zusammen zu geben, datirte schon seit Monaten. Der Referent Deipenbrock hatte hierüber referirt, das Referat war ihm über Antrag Lueger's zurückgestellt worden, weil ja offenbar jeder gesetzliche Anhalt fehlte, und mit dem weiteren Aufträge, in Gemeinschaft des Bezirksschul-Jnspectors Hinterwalder eine solche an den Haaren herbeizuzerren. Dann ist nochmals, und zwar am 15. Juli mit dieser scheinbaren Motivirung referirt, der Beschluß gefaßt, aber erst am 11. September, kurz vor Schulbeginn publicirt worden, wo also ein tait accompli,. eine Zwangslage schon geschaffen war. Und das Alles ist geschehen, ohne daß

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