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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-11-11 · 45 (11.11.1898) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
45 (11.11.1898)
Date
1898-11-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 82q Vr. Bloch'» Wochrnschrifl Nr. 45 Eine Absage. Der Lemberger „Naprzod" berichtet: „Der berühmte Publicist und Gelehrte Georg B r a n d e s gab unlängst ein Werk: „Polen" heraus, in welchem er die politische Lage der Polen in Rußland schilderte. Der Verfasser sparte in seinem Werke nicht an Complimenten für die polnische Schlachta und erklärt, daß der Socialismus und der Liberalismus für Polen schädlich seien, denn sie schwächen die nationalen Kräfte im Kampfe gegen das Czarenreich. Das Werk wurde ins Polnische übersetzt, die „Patrioten", mit dem Pater Gnatowski an der Spitze, beschlossen, Brandes nach Lemberg einzuladen. Der Gelehrte acceptirte die Einladung. Plötzlich berichteten die Blätter, daß Brandes nicht kommen werde. Die Ursache dieser plötzlichen Veränderung war eine Entdeckung, die über die Person Brandes gemacht worden war. Gnatowski und der Bürgermeister Malachowski hatten nämlich in Erfahrung gebracht, daß Brandes Jude sei und zogen deshalb die Einladung zurück". Verhaftung von Zionisten in Russisch-Polen. „B,ueh katolicky“ erfährt aus Lo d z, daß daselbst Anfangs der vorigen Woche die Gendarmerie-Commandanten aus Warschau und Peterhof angekommen sind und mit Hilfe der Ortspolizei im Gebiete und in der Umgebung der Stadt zweiundsiebzig Israeliten, welche zionistischen Vereinen angehören, verhaftet haben. Gleichzeitig wurde eine geheime jüdische Druckerei entdeckt und Schriftstücke confiscirt, aus denen angeblich geschlossen werden kann, daß die Zionisten mit den Socialisten verbunden seien. Unter den Verhafteten befinden sich auch sieben jüdische Frauen. Es sind dies durchwegs Lehrerinnen, mit Ausnahme des Fräulein Sachs, der Tochter eines Fabriksbesitzers. Die „Lodzer Zeitung", ein den Juden wohlgesinntes Blatt, publicirte in der Nummer vom 3. November einen scharfen Artikel gegen die zionistische Agitation, richtet einen warmen Appell an alle Freunde der jüdischen Sache, dieser Agitation entgegenzutreten und schließt mit den Worten: „Mögen daran ihre Sachwalter denken, daß die Folgen dieser gefährlichen Bewegung nicht sie erleiden werden, sondern diejenigen, welche sie darin gestürzt." Antisemitismus und Mediein. Aus Magdeburg geht dem „Berliner Tagblatt" das nachfolgende Schreiben zu: „In welch' bedauernswerther Weise der Antisemitismus seine Früchte zeitigt, dafür hat ein ärztlicher Standesverein, die Medicinische Gesellschaft in Magdeburg, ein nicht gerade rühmenswerthes Beispiel geliefert. Ein junger jüdischer Arzt, Dr. St., ein Mann aus guter, ehrenwerther Familie, in jeder Beziehung geachtet und makellos dastehend, collegial gesinnt und bescheidenen, biederen Wesens, hat sich vor etwa zwei Jahren am hiesigen Ort niedergelassen. Um mit den übrigen Aerzten Fühlung zu bekommen und bekannt zu werden, läßt er sich durch einige ihm näher stehende Collegen in die Medicinische Gesellschaft einführen, verkehrt recht häufig dort und läßt sich im Frühjahr vorigen Jahres zur Aufnahme als Mitglied in dieselbe zum Vorschlag bringen. Es wird ihm der Bescheid zu Theil, man kenne ihn noch zu wenig, er möge sich nach Jahresfrist wieder melden. Dr. St. verkehrte nun noch fleißiger in der Medicinischen Gesellschaft, um eben bekannt zu werden, und läßt sich, dem Bescheid entsprechend, vor circa einem halben. Jahre durch seine Vertrauensmänner zum zweiten Male als aufznnehmendes Mitglied in Vorschlag bringen. Zu seinem Erstaunen wird er mit einer großen Mehrzahl von Stimmen abgelehnt. Ueber die Gründe seiner Ablehnung, die ihm anzugeben die Medicinische Gesellschaft nicht nöthig zu haben scheint, wird er auf feine Anfrage von intimerer Seite erst dahin aufgeklärt, daß er von der Mitgliedschaft der Medicinifchen Gesellschaft nur deshalb ausgeschlossen sei, weil er Jude ist. Nun gehören aber trotzdem schon mehrere jüdische Aerzte der Gesellschaft als Mitglieder an, und einer von diesen Herren hat es für angemessen gefunden, nach erfolgter Abstimmung eine Erklärung zu fordern und eine Discufsion über die Gründe der erfolgten Ablehnung herbeizuführen, ist jedoch mit dem Bescheid zurückgewiesen worden, daß eine Discufsion hierüber nicht zulässig wäre. Eine Motivirung des gegebenen Bescheides ist ebenfalls nicht erfolgt. Da es nun feststeht, daß der alleinige Grund des Ausschlusses des Dr. St. von der Mitgliedschaft der Medicinischen Gesellschaft nur darin zu suchen sein dürfte, daß Dr. St. Jude ist, so erscheint es unverständlich, daß die der Gesellschaft bereits angehörenden jüdischen Aerzte nicht sofort einmüthig zusammentraten und ihren Austritt anmeldeten. Es scheint beinahe, als ob die Medicinische Gesellschaft durch die Ablehnung des Dr. St. das Letztere hat bezwecken wollen, da. die stark antisemisische Strömung den betheiligten Kreisen kein Geheimniß ist. Das ganze Verhalten der Medicinischen Gesellschaft bedeutet für Dr. St. nicht nur die größte Beleidigung, sondern auch die bedenklichste Schädigung seines Emporkommens. Für einen jungen praktischen Arzt, der sich eine Praxis gründen will, ist die erste Hauptsache, in die Krankencassenthätigkeit hineinzukommen, und das kann für den größten Theil der Krankencaffen nur dadurch geschehen, daß er Mitglied der Medicinischen Gesellschaft wird, weil dieselbe mit dem Ortskrankencassenverband ein Abkommen geschlossen hat, nach welchem nur Mitglieder der Medicinischen Gesellschaft für denselben thätig sein dürfen. Wenn die Medicinische Gesellschaft abermals einwenden sollte, man habe den Dr. St. deshalb als Mitglied abgelehnt, weil man ihn zu wenig kenne, so ist dem entgegenzuhalten, daß christliche Collegen, welche kaum mehrere Wochen am hiesigen Orte ansäßig waren, also demnach noch weniger bekannt sein mußten, sofort anstandslos ausgenommen worden sind. Ich habe nur die nackten Thatsachen wiedergegeben und sehe von einer weiteren Kritik ab, da der ganze Sachverhalt sich selbst genügend kritisirt. Ein nichtjüdischer College." Die Redaction fügt dieser Zuschrift folgende Anmerkung bei: Es ist sehr traurig, daß diese widerliche Hetze, welche der unvergeßliche Kaiser Friedrich als eine Schmach des Jahrhunderts bezeichnete, sogar auch in diejenigen Berufsarten Eingang gefunden, die, wie die Ausübung der Heilkunde, doch in erster Linie der Linderung menschlicher Leiden geweiht sein sollten. Aber leider ist diese betrübende Thatsache nicht wegzudisputiren. Was noch vor wenigen Jahrzehnten in unserem deutschen Vaterlande für unmöglich gehalten wurde, das ist eben heutzutage bedauerliche Wirklichkeit. Hoffentlich sind die Tage dieser unser Volksempfinden vergiftenden Hetze gezählt. Wenigstens ist's ein Ziel, auf's Innigste zu wünschen. Vom französischen Adel. Aus Paris wird geschrieben: Großes Aufsehen erregen trotz aller politischen Wolken hier die genealogischen Untersuchungen eines Herrn A. v. Rouher, aus denen hervorgeht, daß die „V e r j u d u n g" der wenigen echten Adelsfa milienFrankreichs vollständiger sei, als die irgend eines anderen Adels. Der Herzog von Wagram, Fürst von NeufchLtel, hat > 882 Fräulein Bertha von Rothschild geheirathet; der Herzog von Gramont, Fürst von Bidache, Guich6 und Lesparre, 1878 Fräulein Margarethe von Rothschild; der Herzog von Rivoli 1882 Frau Marguerite Furtado, verwitwete Herzogin Ney von Elchingen: Fürst Chalenoon-Poliquare eine Mires; der Herzog von Richelieu Fräulein Marie Alice Heine, die nach dem Tode des Herzogs den Fürsten von Monaco heirathete und jetzt regierende Fürstin ist; die Herzogin d'Estampes ist eine Rammingen, die Marquise de Plancy eine Oppenheim, die Marquise de Salignac-Fenelon eine Herz, die Marquise de Breteuil eine Fould, die Vicomtesse de la Panouse eine Heilbronn, die Marquise de las Marismas eine Jacob, die Fürstin della Rocca eine Heine-Embden, die Marquise de Rochechouart-Mortemart eine Erard, die Vicomtesse de Quelin, die Marquise de Saint-Jean de Lentilhac und die Baronin de Baye sind drei Schwestern Hermann-Oppenheim, die Marquise du Taillis und die Fürstin de Lucinge-Faucigny zwei Schwestern Cahen d'Anvers, die Marquise de Presles ist eine Klein, die Marquise de Noailles eine Lachmann u. s. w. Man kann also ruhig sagen, daß die meisten französischen Adeligen ihren Adel selbst geprägt haben, und die sehr wenigen echten, geschichtlichen Adeligen jüdisches Halbblut sind. Wohlgemerkt: diese Söhne jüdischer Mütter sind (wie die Breteuils, die Rochechouarts u. s. w.) die Führer der antisemitischen Bewegung in Frankreich, die Schildknappen von Drumont und Mores, die Bewunderer von Esterhazy und du Paty de Clam. Sie suchen auf diese Weise Verzeihung für ihre Abstammung mütterlicherseits zu erlangen. Das Kopernikanische System im jüdischen Schriftthum. Von Samuel M e i s e l s (Przemysl). Daß in Zeiten, als man noch die Erde als eine vom Meere umgebene Ebene hielt und die Bewegung der Himmelskörper in Abrede stellte, bereits unsere Rabbinen und Gelehrten von der Kugelförmigkeit der Erde gewußt, und der Anschauung von der eliptischen Kreisung der Gestirne gehuldigt haben, .ist nunmehr bewiesen und zweifellos. Wer im Stande ist, mit klarem Blick im Talmud und Midraschim Einsicht zu nehmen, wird viele Belegstellen, daß die Rabbinen das Kopernikanische System einige Jahrhunderte vor dem Erscheinen Kopernikus gelehrt hatten, sehr leicht finden können. So z. B. lesen wir im Midrasch (Bamidbar 13): „Woher weiß man, daß das Meer schüssel-

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