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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-11-04 · 44 (4.11.1898) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
44 (4.11.1898)
Date
1898-11-04
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 44 Vr. Vloch's Wochenschnfl Sette 811 Kaaden. Herr Phil. Dr. Wilhelm Klauber aus Mascha» iit Böhmen, der feilte Gymnasialmtb akademischeu Studien mit der Erlangung der Doktorwürde in Prag vollendet hat, seine theologischen Studien an der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthnrns in Berlin begonnen und an der israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien beendet hat, wurde zum Rabbiner und Prediger dn-israelitischen Eultusgemeinde Lichtenstadt und Umgebung einstimmig gewählt. Serajewo. Zu Schöffen bei den Strafgerichten wurden auch folgende Israeliten gewählt: Elias B a r u ch, Elias K a j o n, I. Zadik Fi n z i, Armin B i r n b a u m, Israel Atia s, Jakob B r u ck n e r, Avram D. S a l o m, Isidor S. S a l o m, Danon Juso Behorovi 6. Berlin, 1. November. Unwillige Entrüstung erregt in allen liberalen Kreisen eine Regiernngsinaßregel, wonach in Berlin soeben jüdische Lehrerinnen, die das Ordinariat ihrer Classe hatten, dieses Amtes, obwohl sie es theilweise seit 20 oder mehr Jahren ausgeübt haben, entsetzt wurden, mit der ausdrücklichen alleinigen Motivirnng, das; sie jüdischer Religion seien. Diese Angelegenheit wird in der Stadtverordnetenversammlung zur Sprache kommen. Cassel. An dem Israelitischen Seminar zu Cassel, dem einzigen israelitischen Lehrerverein Preußens, welcher das Recht zur Abhaltung der zweiten Volksschullehrerprüfung besitzt, fand in der Zeit vom 24. bis 26. October unter dem Vorsitz des Provinzialschulrathes Dr. Otto und unter Theilnahme des Geheimen Regiernngsrathes Sternkopf diese Prüfung statt, in der vier Lehrer bestanden. Der Letzte. Erzählung von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel". (Fortsetzung.) Clandy Rodler war stets ein kluger, denkender Mensch gewesen und entledigte sich seiner harten Aufgabe in vortrefflichster Weise. — Ich glaube, es ist am Besten, wenn ich ihn selbstredend anführe, ich kann so das Gehörte am getreuesten wiedergeben und Ihr, meine Freunde", der Pfarrer wandte sich an seine Mitzeugen, „werdet, wenn ihr findet, daß ich etwas ausgelassen oder unrichtig angeführt habe, mich sofort unterbrechen und corrigiren. Wir werden unsere Aussagen beeiden müssen," fügte er schwer betonend hinzu," und aus diesem Grunde will ich auch", er wandte sich wieder an Labwandl, „mit allem Nachdruck betonen, daß ich wohl die volle Gewähr für meine Mittheilungen übernehme, aber damit durchaus nicht sagen will, daß ich die Worte Clandy Rodler's völlig unverändert wiedergebe." Die außerordentliche Scropulosität des würdigen Geistlichen rief auf Labwandl's Lippen ein leichtes Lächeln hervor, das der Pfarrer gar nicht bemerkte, und er begann nun: „Clandy Rodler berichtete: Am 18. November in der Nacht bin ich von einem Wochenmarkte, in dem ziemlich entlegenen Tippelsgrün, allein nach Hause gekommen, weil ich meinen Knecht dort gelassen .... er hätte von einem Müller, dem ich Korn verkauft Hab', Geld für mich kriegen sollen . . . Mein Weib hat auf mich im Wächterhäuschen gewartet, war mir entgegengangen und als ich ihr: Grüß' Gott! sagte und die Hand reichen wollte, ist sie wie toll auf mich losgefahren und hat geschrieen: Du elender Lump! Du Schuft, Du Mistkerl, Du miserabler Betteljunge, der Du schon als Bub' an der Hecke verhungert und erfroren wärst, wenn Dich nöat mein braver, alter Cajetan aus Barmherzigkeit zu sich genommen! Wie erfrechst Du Dich noch, Du Auswurf der Menschen, meinen Hof zu betreten, der Hof g'hört mir, mir hat ihn mein Mann selig vermacht. . . Troll' Dich nur gleich weiter, Du verfl. Hund, der Du bist und komm' mir nie mehr unter die Augen! Ich Hab' acht Jahre mit meinem Weibe friedlich zusammengelebt .... freilich war seit der Zeit, wo die Blattern ihr Gesicht zerstört, sie häßlich und auch unförmlich dick geworden, war sie zuweilen zänkisch; aber sie hat doch immer Respect vor mir gehabt; — Hochwürden! Ihr kennt mich von klein auf und wißt, ich bin ein jähzorniger Mann, und Hab' schon als Bub' keine Vorwürf' ertragen können; — das Blut is mir zu Kopf gestiegen; — aber ich war so verdutzt, daß ich eine ganze Weile nöat Hab' reden können, dann aber schrie ich: Weib! Wenn Du fein nöat verrückt bist, bist betrunken; die Barbara aber sagt: Ich bin nöat verrückt und nöat betrunken — aber jetzt kenn ich Dich, Du Scheusal schwarzes, das Du bist! ... . Heut' war eine Botenfrau da und wollt mit Dir sprechen, und wie ich ihr sag', sie soll mir nur sagen, was sie will, ich kunt ihr eben so gut Bescheid geben, als wie du; — weiß das Weib nöat, was sie reden soll, und wie ich sie frag', woher sie eigentlich is, redt' sie wieder nix — kurzum das Ding is mir verdächtig vorkummen .... ich bin — Du weißt es, Clandy — ein resolutes Weib, ich hol' aus der Kammer zehn fnttkelnageluene Maria-Theresienthaler, leg' sie vor ihr auf den Tisch, und sog ihr: All' das Geld g'hört Ihr, wenn Sie mir fein die Wahrheit soagt — und das Weib gibt mir das Briest von dem nichtsnutzigen Weibsbild, von der Elsbeth, und ich erfahr' daß sie Deine Liebste gewesen, daß sie ein Kind von Dir hat; dann erhebt mein Weib den Arm, und ich seh' daß sie einen Knüppel in der Hand hat und sagt mir. m i r ihrem Gatten — Ihr Hochwürden, habt uns ja copnlirt — Hundsfott: die Pferd' in den Stall; den Wagen in die Schuppe — und dann marsch und untersteh' Dich nöat mehr, mein Hof zu betreten, sonst hetz' ich den Hund auf Dich, wie ich's dem Juden Duppau than Hab! ... . da is mir die Geduld 'rissen, ich tret' an sie heran, faß' sie am Arm und schrei': Schweig' Weib! oder es gibt ein Unglück! .... und das unglückselige Weib schlägt mit dem Stock auf mich los! .... Ich war ja doch der Stärkere! ich entriß ihr den Stock, aber dabei gleit ich auf dem feuchten Boden aus und fall' nieder; und das unglückselige Weib stürzt wie rasend auf mich nieder, schlägt mich mit den Fäusten ins Gesicht, krallt sich mit den Nägeln ihrer Hände in meine Backen; — sie will mir die Augen bei lebendigem Leibe herrausreißen und zerrt mich an den Haaren, ich schrei: Bärbel! laß ab, es geschicht sonst ein Unglück; — sie aber quält mich fort und fort, und würgt mich nun auch am Hals, daß ich fein bald d'erstickt war' ... ich greif in voller Wuth in meine Jackentasche und zieh' mein Taschenmesser .... ich ..... . .... Hab' sie ja nöat d'erstechen wollen, — ich Hab' sie nur verwunden wollen, daß sie von mir laßt — und es war eine finstere Nacht; — und ich .... ich stoß zu — und sie schreit laut auf — und fällt von mir ab ... . wie eine Raupe .... ich ... . erheb' mich — und da is gerade der Mond aus den Wolken 'rauskrochen, als wollt' er so recht meine That bescheinen — und schau! . . . . mein Weib zuckt — und aus ihrer Brust läuft stromweis' das Blut .... es war grausig .... ich Hab' gemeint, icb werd' wahnsinnig! .... Ich denk' nur, — was ich Hab', mein ganzes Vermögen gäb' ich drum, wenn ich schnell einen Doctor herbeischaffen könnt' — und denkt Euch Hochwürden! — wie ich wie ein Verzweifelnder hin und her renne, hör' ich von ferne Pferdegetrappel .... und denk' mir, wenn das der Dr. Wallbruck wäre', das war' das größte Glück; dann spend' ich meinem Schutzpatron die schwerste Wachskerze, die nur zu haben is — richtig .... es war Dr. Wallbruck auf seinem Grauschimmel — aber ein Glück is nöat gewesen! .... Athemlos lauf ich zu ihm, und bitt ihn mit mir zu kommen, mein Weib sei unglücklich gestürzt — ich Hab' selber nöat gewußt, was ich ihm sag! — Eine Visit' in der Nacht kostet fünf Gülden, hat Dr. Wallbruck gesagt, hat sein Pferd gewendet und is bei mir eingeritten. Der Doctor hat sich zu meinem armen Weib niedergebeugt, dann is er neben ihr niedergekniet, zwei Minuten is alles stille gewesen, dann erhebt sich der Doctor, sieht mich eine Weile starr an und sagt: Seid Ihr allein zu Haus? und wie ich nur schweigend ja! nick', sagt er: Freund Rodler! Euer Weib is todt — die bringt kein Mensch mehr zum Leben zurück .... als Arzt Hab' ich nichts mehr bei Euch zu thuu .... das Einzige, was ich eigentlich thun sollte, wäre: dem Criminalgericht in E. die Anzeige zu erstatten — daß Ihr Euer Weib ermordet habt! ». . . Ich mein Weib ermordet?! Bin ich vor Zorn, Wuth, Angst, Schrecken wahnsinnig aufgefahren. Das werdet Ihr doch nicht leugnen können, hat mir der Doctor ruhig geantwortet. Das Weib ist todt, das Taschenmesser da in ihrer Brust, welches wie ich schätze, die rechte Vorkammer des Herzens durchbohrt hat, kenn' ich ja ganz genau, es gehört Euch, es ist ja auch am Heft C. R. kunstreich ausgeschnitzt .... Diese braunen Haarbüschel in den Händen der Leiche, sind offenbar von Euerem Kopfe .... da ... . er hatte mir mit seinen kalten Fingern auf meinen heißen Kopse getippt — fehlen sie ja, auch wenn der Gerichtshof aus lauter kleinen Kindern bestände, müßte er erkennen, daß Ihr der Mörder seid! . . . . Es thut mir leid um Euch, Rodler! — ein Gattenmord wird als ein überschweres Verbrechen behandelt, darauf steht rädern von unten nach oben, das ist grauslich, Freund Rodler! — aber der Mensch muß seine Pflicht thun . . . — Rodler war von seiner Erzählungso erschüttert, daß er innehalten mußte. Wir Alle glaubten schon, daß die Agonie eintreten würde; aber nach kurzer Zeit erholte er sich und sprach: Ich seh' es geht jetzt schnell mit mir zu Ende, ich muß es mit dem Erzählen kurz machen! (Fortsetzung folgt.)

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