Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 44 (4.11.1898)
- Date
- 1898-11-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 808 Dr. Bloch'» Wochenschrift Nr 44 hinwieder lege ich unter Anderem auf seinen Sarg im Namen einiger vaterländischer, armer kranker Jünglinge, denen er durch mich so hochherzig Hilfe nachsandte, in den sonnigen Süden, wo sie Heilung suchten und auch fanden, in dem Nizzaer Asyl, welches die französisch-jüdische Opferwilligkeit so recht im Geiste der Brüderlichkeit und der Humanität begründete und ausrecht erhält. Wahrlich, diesen mir unvergeßlichen Freund, Herrn Adolf Markbreit, hat zum „Zadik", zum frommen, gottgefälligen Juden das »Iew T o w«, das gute Herz, geadelt, welches, wie unsere alten Weisen sagen: »Rachmono übe bon«, die erste und höchste Forderung unserer göttlichen Religion ist, weil nur das gute Herz die gottgesegnete Quelle aller menschlichen Tugendenist, und weil nicht so sehr die Macht des denkenden Geistes, als vielmehr die Zauberkraft des edelsühlenden guten Herzens den Menschen auf jene ideale Höhe erhebt, auf der er mit Recht von sich behaupten kann, er habe als »Zelem Elohim«, als Ebenbild des allgütigen Gottes, seiner menschlichen Sendung würdig entsprochen, seine heiligsten Pflichten auf Erden erfüllt!! Und dieses »Lew tow«, dieses gute Herz meines theueren Freundes, hat leider nun für immer opferfreudig aufgehört zu schlagen für seine Gattin, für seine so innig und sinnig erzogenen und gebildeten Kinder, für seine väterlich treu umfaßten Geschwister, Verwandten und Freunde, für die von ihm so hochgehaltene Fahne seines jüdischen Glaubens und seines ungarischen Vaterlandes. Aber fest und darum tröstend ist unsere Ueberzeugung, daß seine gute Seele, die im Edenreich der ewigen Wahrheit und der ewigen Güte sich den würdigen Platz errungen hat, für alle Diejenigen, denen er hier auf Erden Liebesthaten erwiesen, inbrünstig betet vor dem himmlischen Throne des belohnenden Gottkönigs, so wie wir für sein Seelenheil stets andächtig beten werden im erhebenden Bewußtsein: »Secher Zadik liwrocho«, das Andenken auch dieses Frommen wird zum bleibenden, vorbildlichen Segen werden von Geschlecht zu Geschlecht, für das Heil und die Blüthe dieser von ihm so opferwillig geliebten und gepflegten jüdischen Religionsgemeinde. Amen." Hierauf hielt der Abonyer Oberrabiner Dr. Bela Vajda einen gedankenvollen und inhaltsreichen Nachruf, in welchem der obgenannte Redner sich an das strahlende Musterbild unseres erhabenen Stammvaters Abraham anlehnend, der reichen Verdienste Markbreit's als Mensch, Bürger und Jude in würdiger Weise gerecht wurde. Die beiden Trauerreden waren von mächtigster Wirkung und wir sahen selbst in den Augen des abgehärteten Landvolkes Thränen der tiefsten Ergriffenheit erglänzen! Der Trauerwagen brachte sodann die Leiche Markbreit's nach dem jüdischen Gottesacker, allwo er auf dem von ihm angelegten Erdbegräbnißplatze zwischen seinem frommen Vater und seiner biederen Mutter zur ewigen Ruhe gebettet wurde. Er schlafe wohl! Gelegentlich seiner Leichenfeier erhielten die Abonyer Chewra-Kadischa für die Armenvertheilung, ferner der israelitische Frauenverein zur Bekleidung armer Schulkinder und für Schulstipendien 1000 fl. und außerdem wurden an die Armen der Abonyer jüdischen und der Stadtgemeinde einige hundert Gulden vertheilt. Prestburg. (Gründung eines Pflegerinnenheims.) Die altehrwürdige Chewra-Kadischa der Preßburger israelitischen Cultusgemeinde hat über Anregung ihres Spitaldirectors, des Primararztes Dr. Jacob Fischer, den Beschluß gefaßt, zur Erinnerung an die unvergeßliche edle Königin Elisabeth eine Anstalt ins Leben zu rufen, in welcher jüdisches Krankenwärterpersonal sowohl männlichen als weiblichen Geschlechtes fachgemäß herangebildet werden soll. Außer den in Frankfurt a. M., Berlin unb Prag bestehenden und dem jetzt in Wien zu gründenden Pflegerinnenheim ist eine ähnliche israelitische Institution unbekannt. Dabei hat die zu gründende Preßburger Anstalt den Vorzug, daß sie nicht nur für weibliches, sondern auch für männliches Pflegepersonal Vorsorge trifft, wonach bekanntlich oft dringender Bedarf ist. Da es sich zunächst um die Heranbildung von 6 Personen handelt, welche sich ausschließlich diesem Berufe widmen und daher jedem Erwerbszweige entsagen müssen, welche Personen daher von der Anstalt unter allen Umständen erhalten werden, ist ein Stiftungscapital von 30.000 Gulden erforderlich und ist die Preßburger Chewra-Kadischa mit einem Stiftungscapital von 1000 Gulden sofort beigetreten. Es wird zweierlei Beitragsarten geben: Man wird als ordentliches Mitglied einen Jahresbeitrag von 2 Gulden zahlen, eventuell diesen Beitrag durch eine auf einmal zu erlegende Summe von 50 fl. ablösen, man wird aber auch als Stifter mit einem größeren Beitrag aus einmal die Sache fördern können. Gegen einen Beitrag von 5000 fl. wird eine ganz neue Pfleger- oder Pflegerinnen stelle creirt und erwirbt der betreffende Stifter hiefür das Recht der Nominirung bei Besetzung der betreffenden Pfleger- oder Pflegerinnellstellc. Anmeldungen von Beiträgen als Mitglieder oder von Stiftungsbeiträgen sind an die unter dem Aufruf gezeichneten Stellen zu richten. Wir wünschen dem eminent wohlthätigen und Humanitären Unternehmen den besten Erfolg. Bukarest. Die Schulfrage ist mit dem neuen Halbjahr wieder sehr brennend geworden, denn Tausende von Kindern jüdischer Eltern treiben sich in den Gaffen umher, weil sie in den Schulen keine Ausnahme finden. Besonders schlimm ist es mit der Aufnahme in den Gymnasien bestellt, wo nicht ein Percent der jüdischen Schüler, die sich gemeldet haben, angenommen worden sind. So fand in Bukarest von 60 Meldungen nicht eine Berücksichtigung, in Jassy, wo mehr Juden als Christen wohnen, wurden 270 Christen und nur 10 Juden ausgenommen u. s. w. Das stärkste aber .ist, daß auch die Kunstschule bestimmt hat, in das Architekturdepartement dürfen Juden nicht zugelassen werden. Neben diesen großen gehen noch viele kleine Chicanen, durch die die jüdischen Schulen behindert werden sollen. So dürfen nur im Lande gedruckte Schulbücher benützt werden, den sephardischen Juden ist der Gebrauch des spagnolischen Dialects in der Schule verboten rc. Die anderen Minister wetteifern natürlich mit denk Unterrichtsminister in Chicane gegen die verhaßten Juden. So hat der Minister des Innern den Juden den Zutritt zu den öffentlichen Auctionen untersagt. Auch die Studenten nehmen natürlich an t er Hetze Theil; auf einem Congreß, den sie kürzlich in Jassy abgehalten haben, faßten sie den Beschluß, an die Regierung zu petitioniren, um Gesetze zum Schutz gegen die Juden zu erbitten. Paris. Die Zeitungen veröffentlichen die Ordres, welche der hiesigen Polizei bei Gelegenheit der letzten Straßendemonstration ertheilt worden sind. Diese Ordres schreiben die Verhaftung aller Personen vor, welche auf der Straße aufrührerische Ruse ausstoßen. Nach der Instruction werden nun auch zu diesen Rufen gezählt. „Nieder mit den Juden", und „Tod den Juden". So selbstverständlich dies auch ist, so müssen wir doch davon Notiz nehmen, weil es das erste Mal ist, daß die Polizei dahingehende Instructionen erhält. Petersburg. An den hiesigen Gymnasien ist jetzt durch Verfügung des Unterrichtsministers jüdischer Religionsunterricht eingeführt worden. Die Kosten werden durch Erhöhung des Schulgeldes, außerdem durch einen Zuschuß der jüdischen Gemeinde gedeckt. Diese Neuerung erregt allgemeine Freude, denn da der Unterricht obligatorisch ist, kann es nicht mehr, wie früher, Vorkommen, daß jüdische Gymnasiasten die Schule verlassen, ohne eine Spur von Kenntnissen in der jüdischen Religion. Noch ein erfreuliches Factum ist zu berichten. Der Ackerbauminister hat endlich die Frage der Reserveländereien in dcn jüdischen Colonien in günstigem Sinne entschieden. Bekanntlich hatten seinerzeit die jüdischen Colonisten bei ihrer Ansiedlung ein Terrain von 72 Acres erhalten und außerdem wurde für jede Familie ein Reservegrundstück von 36 Acres bestimmt, welches bei Vergrößerung der Familie überwiesen werden sollte. Diese Ueberweisung erfolgte indessen nicht, alle Beschwerden blieben lange erfolglos, endlich gelang es einer Deputation von Colonisten, welche bei dem Minister gelegentlich seines Besuches in Odessa Audienz hatte, eine Aenderung zu erwirken. Die jüdischen Bauern in Loovo haben bereits ihre Reservegrundstücke erhalten und die anderen Colonien werden mit der Verkeilung folgen. — Aus Kiew wird mitgetheilt, daß eine Prüfung der Aufenthaltsberechtigung jener 5369 Juden, denen jetzt die Ausweisung angedroht ist, folgende Resultate ergeben hat: 2434 Juden dürfen doch wohnen bleiben, da sie schon vor dem Maigesetz 1882 dort gewohnt haben, 1924 Israeliten, deren Papiere nicht in Ordnung sied, müssen sich einer Nachprüfung ihrer Documente unterwerfen, endlich 1006 Juden müssen sofort ihren Wohnsitz verlassen und 5 haben dies aus freien Stücken gethan. — In der Universität von Kiew sind außer den 50 jüdischen Studenten, die nach dem Percentsatz zulässig sind, noch weitere 27 zugelassen worden, während bei 20 die Aufnahme verweigert wurde. — In Tuapse am schwarzen Meer ist eine Schule für Obstbau eröffnet worden, bei der Juden ohne Beschränkung der Zahl Aufnahme finden. London. Dem eifrigen Kämpfer für die Dreyfus-Sache und Herausgeber des „Siöcle", Mr. Ives Guyot, zu Ehren veranstalteten die „Makkabäer" kürzlich ein Banquett. Mr. Guyot steht jetzt im Alter von 55 Jahren, wurde im Jahre