Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 44 (4.11.1898)
- Date
- 1898-11-04
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 44 Dr. Bloch'» Wochenschrrfl Sette 807 kämpfen hat, dennoch fleißig dem Studium obliegt, wenn ihr auch wenig Aussicht auf Erreichung einer würdigen und einträglichen Stellung nach zurückgelegtem Studium winkt. Unsere Jünglinge lind aber gute Turner, Fechter, Fußballspieler, namentlich aber vorzügliche, ja nahezu unübertreffliche Schwimmer. Letzten Sonntag fand im Dianabade ein Preisschwimmen statt, bei welchem ausschließlich jüdische Bewerber Preise erzielten, respective Sieger geblieben sind. Wir bringen nachstehend einen Bericht des, soweit es sich um Lob und Preis von Glaubensgenossen handelt, gewiß unverdächtigen antisemitischen „Deutschen Volksblatt" über dieses Preisschwimmen. Derselbe lautet: I. E l e v e n s ch w i m m e n: 68 Meter. Popper, 1 : 56, Erster; Freund Zweiter. 6 starteten. II. Schwimmer-Derby: I. Heat. 100 Meter. Otto Wahle 1 : 25% sehr leicht Erster; Hetsey 1 : 29, Zweiter. 5 starteten. — II. $eat. 1000 Meter. Otto Wahle, 17 Minuten 8 Vs Sekunden, mit großem' Vorsprung, Erster Mudolf Taußig, 6 Bahnlängen zurück, Zweiter. Wahle hat in diesem Heat den europäischen Record um 6'/-, geschlagen und stellte damit einen neuen continentalen Record auf. Lebhaft zu wünschen wäre, daß unsere Jugend sich von der urgermanischen Sitte der Kneiperei fernhalte und nach wie vor in sittlichen Spielen, die den Körper kräftigen, Herz und Gemüth erheben, den Charakter stählen und Trost in dem Kampf ums Dasein spenden, Zerstreung und Erholung suchen und finden mögen. An uns Alte tritt aber auch die Pflicht heran, die große Zahl der jüdischen unbemittelten Studenten, welche mit harter Roth, mit Hunger und Elend kämpfen, moralisch und materiell zu fördern und zu unterstützen. Eduard Beer. Budapest. Im Namen der orthodoxen Durchführungscommissio» richtete ihr Präsident Rabbiner Leopold L i p s ch ü tz ein offenes Schreiben an die vaterländische Judenheit, indem er einen Rechenschaftsbericht über die gegenwärtige Lage der confeffionellen Angelegenheiten ertheilt und darauf hinweist, daß, nachdem sich die Verhältnisse geändert haben, eine Ergänzung und Modifikation der Organisationsstatuten nothwendig wird. Nachdem diese unter Mitwirkung eines Rabbinercollegiums festgestellt wurden, ist dem Cultus- und Unterrichtsministerium in dieser Angelegenheit eine Denkschrift zugegangen mit der Bitte, es möge seine eventuellen Einwendungen der Durchführungscomission bekanntgeben, bevor diese der einzuberusenden Landes-Hauptversammlung orthodoxer Gemeinden vorgelegt werden. Doch das Ministerium wolle, wie es in dem Schreiben heißt, die meritorische Erledigung der Denkschrift nicht vornehmen und auch den Congreß nicht einberufen, sondern habe die den neuen Verhältnissen entsprechenden Modifikationen des Organisationsstatutes in Aussicht genommen, doch wolle es erst dann Verfügungen treffen, wenn sich die Vertretung der Confeffion darüber geäußert haben wird. Letzteres veranlasse nun den Schreiber des offenen Briefes die Landescommisiion zu einer Versammlung behufs eingehender Besprechung der Lage einzuladen. Adolf Markbreit. Der vor Kurzem im Sanatorium zu Maria - Grün verstorbene Großkaufmann und Grundbesitzer Adolf Mark breit wurde — wie uns aus Abony berichtet wird — in Graz eingesargt und nach Abony, seiner Geburtsstadt, überführt, woselbst dessen Sarg im Markbreit'schen Stiftungshause aufgebahrt wurde und die imposante Leichenfeier ihren Anfang genommen hatte. Markbreit — ein wahrhaft frommer, strenggläubiger und dabei überaus wohlthätiger Mann — erreichte das Alter von 66 Jahren. Er war der Sohn des Ignaz Markbreit, eines großen Talmudisten, welcher ein hervorragender Schüler des berühmten Rabbi Moses Szofer g. A. gewesen, widmete sich jedoch dem Kausmannsstande und cultivirte nebstbei auch die Landwirthschaft. Durch vier Decennien war er ein angesehener Woll- und Fruchthändler, sein Geschäft florirte und er erwarb sich ein großes Vermögen, von dem er den besten Gebrauch machte. Er war in den Comitaten Jäsz- Nagy-Kun-Szolnok und Heves, sowie im Pester Comitat begütert und war auch Mitglied des Municipal-Ausschusses der beiden Comitate. Sowohl iit Budapest, als auch in Abony und Tisza-Bärkony, sowie in vielen Jsraelitengerneinden des Pester-, Szolnoker- und Heveser-Comitates hat er Liebeswerke von dauerndem Werthe errichtet, die sein Andenken stets wach erhalten werden. Was Markbreit im Leben gewesen, wie sehr er die Achtung und Werthschätzung seiner Mitbürger ohne Unterschied des Bekenntttisses sich zu erringen verstanden, davon gab die große Theilnahme das vollgiltigste Zeugniß. In dem Stiftungs- Hanse, welches Markbreit der Abonyer Jsraelitengemeinde schenkte, haben die Eltern Markbreit's ihre Seelen ausgehaucht, dasselbe soll nun der jeweilige Rabbinersitz werden, mit der Verpflichtung, daß der Rabbiner daselbst wohne und durch tägliches Studium diesem Hause eine gewisse Weihe verleihe. Daselbst sind auch aus einer eingefügten Marmortafel die Sterbetage der Markbre it'schen Familie ein gezeichnet. Markbreit hiuterließ 3 Söhne, von denen Alexander Großgrundbesitzer und Julius Dr. jur. ist, und eine Tochter Irma, welche mit dem gewesenen Reichstags-Abgeordneten Dr. Arthur Jell inek verehelicht ist. An seiner Leichenfeier betheiligten sich viele hervorragende Bürger aus Budapest, Abony, Szolnok, Heves, Tisza-Värkony und noch aus vielen anderen Gemeinden. Es waren erschienen: als Vertreter der Bndapester Straßenbahn- Actiengesellschaft das Mitglied der Direktion Ministerialrath Josef v. Steßer und der Ober-Inspektor Ignaz Josai; eine Deputation der Szolnoker israelitischen Cultusgemeinde mit ihrem im Ornat erschienenen Rabbiner Dr. Cornsl Heves; in Vertretung der großen Pester Chewra-Kadischa deren Obervorsteher Eduard Fleischmann und Samuel Münz; den ungarischisraelitischen Handwerks- und Ackerbauverein vertrat dessen Vorstandsmitglied JUDr. Emil Farkas; in Vertretung des „Charitas"-Humanitätsverein war dessen Bicepräses Director Arnold Kohn gekommen; der Bndapester Talmud-Verein entsendete unter Führung seines Präsidenten E. Fleischmann eine Deputation, bestehend aus den Herren Rabbiner Sigmund Szosfer, Salamon Taub und Ludwig Herzog; ferner erschienen seitens der Abonyer Jsraelitengemeinde deren Präsident L. Goldschmidt, der Präsident der Chewra-Kadischa Julius Pintär u. A. Endlich bemerkten wir die Mitglieder vieler Städtevertretungen, viele Grundbesitzer, die Beamten der Markör ei t'schen Gutsverwaltungen u. A. — Nachdem Cantor L. Rosen zweig einen Trauerpsalm recitirt hatte, hielt der aus eigenem Antriebe zur Leichenfeier seines väterlichen Freundes herbeigeeilte Oberrabbiner von Arad, Dr. Alexander Rosenberg, einen ergreifenden Nachruf. Der berühmte Kanzelredner war tief ergriffen und sagte in ungarischer Sprache ungefähr Folgendes: „Nicht der traurige Berus des Geistlichen ist es, der mich aus weiter Ferne zur Bahre des verklärten Herrn Adolf Mark breit, dieses verdienstreichen Glaubensbruders und patriotischen Mitbürgers führte, damit auch ich hier öffentlich seine wahrhaft reine, innige jüdische Religiosität und stets opferbereite Glaubenstreue in Worten verherrliche, denn dieser schmerzlichen Pflicht wird gewiß in höchst würdiger Weise der biedere, wiffenschaftliche, eloquente Priester der Abonyer Gemeinde entsprechen, der es ja am besten weiß und daher auch treu zu schildern vermag, mit welch' hingebungsvoller, flammender Begeisterung dieses verklärte Mitglied aus dem Altäre der Religionsgemeinde, in der er geboren wurde, reiche Opfer brachte, um ihre Existenz zu sichern, ihre heiligsten culturellen und humanen Institutionen zu fördern. — Mich führte einzig und allein jene aufrichtig liebende und ehrende Freundschaft hieher, deren Band mich schon in meiner Jugend an diesen verklärten vorzüglichen Mann knüpfte, und die mich jetzt verpflichtet, eine bescheidene Palme meiner ihm schuldigen pietätvollen Dankbarkeit und Anerkennung auf den Sarg zu legen mit jenem schönem Lobspruche, den der lausende Wochenabschnitt der göttlichen Thora über unseren frommen Urahn Nov verkündet: »Isch zadik tomim hojo bedoroszom \ Auch mein edler Freund, Herr Adolf Markör eit, war ein gerechter, gutherziger, jedem Menschenbruder liebevoll entgegenkommender Mann alle Tage seines wackeren, arbeitsamen Lebens; ein jüdisch Frommer seiner Zeit, der da dem Grundsätze des Judenthums: „Liebe Deinen Nächsten" — ohne Unterschied des Stammes und Glaubens — „wie Dich selbst", in stets hilfsbereiter That huldigte. Jenen pietätsvollen Dank schuldet ihm mein kindliches Herz, das bis zum letzten Pulsschlag ihm jene uneigennützige Liebe und Treue nicht vergessen wird, die er beim Begräbniffe meiner guten, theuren Mutter, ihrer irdischen Hülle und auch mir erwiesen hat, indem er ihr als hervorragendes, einflußreiches Mitglied, im Vereine mit den hier erschienenen verdienstvollen Vorstands-Mitgliedern der mit Recht weltberühmten Pester „C h e w r a-K a d i sch a" ein Ehrengrab erwirkte, das man mit Gold nicht erkaufen könnte. Den Kranz der pietätsvollen Anerkennung