Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 44 (4.11.1898)
- Date
- 1898-11-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 806 Vr. Bloch'» Wochenschrift Nr. 44 sinnigen Volkspartei, die so ziemlich in einer Droschke Platz hätte, Widerstand. Herr Eugen Richter ist, wie männiglich bekannt, kein Freund der Juden; er unterscheidet sich als verschämter Antisemit von den unverschämten Judenfressern nur darin, daß er wohl sein Töpfchen an dem Feuer des Judenhaffes wärmen will, aber letztere nicht in das officielle Parteiprogramm aufnehmen läßt. Gleich den Socialdemokraten von der Religion heißt es bei ihm von dem Judenhaß, daß es Privatsache sei. In Berlin wollte er von der Candidatur des Justizrath Friedemann nichts wissen; dieser sei ihm nicht „unentwegt" freisinnig genug. Nun bot man ihm die Candidatur des Stadtverordneten Hugo Sachs an, der „voll und ganz" auf dem Programm der Partei Richter saus phrase steht; aber auch daraus wurde nichts, ebenso wenig wie aus der Candidatur des Justizrathes Lewinski in Posen. Hingegen ist unerwartet die Wahrscheinlichkeit ausgetaucht, daß in dem Kreise Mogylno (in der Provinz Posen) der jüdische Landesgerichtsrath Peltasohn gewählt wird, der freilich nicht der Partei Richter angehört. Man spricht so viel von dem großen Einfluß der Juden in Berlin.. Anläßlich her Wahlen zum Landtag hat sich dieser „glänzend bewährt". Indessen muß man auch zugeben, daß die Juden in der Hauptstadt doch nicht so ganz einflußlos wären, wenn sie nur eine bessere Organisation hätten. Aber gerade hier happert es. Viele „jüdische" Wähler wollten eben von einem „jüdischen Candidaten" nichts wissen, weil dies in irgend einem demokratischen Organ getadelt wurde. Wenn ihr "euch auf einen jüdischen Abgeordneten capricirt, so ist es damit bewunderungswürdige Logik, so gibt ihr ja den Antisemiten, die von jüdischen Sonderinteressen sprachen, vollständig Recht. Um nun zu beweisen, daß es keine .jüdischen Sonderinteressen" gebe, verzichteten Viele auf die Ausübung ihrer politischen Rechte. Es ist ein offenes Geheimniß, daß Justizrath Friedemann von vielen Juden deshalb nicht gewählt wurde, weil er von Juden candidirt worden ist; freilich wäre er auch sonst nicht gewählt worden, da die freisinnige Volkspartei nur in solchen Kreisen einen Juden aufstellen läßt, wo er absolute Sicherheit hat — nicht gewählt zu werden. In wenigen Tagen wird die Wahl stattfinden, und nach dieser Richtung hätten wir für fünf Jahre Ruhe. Hingegen beginnt jetzt der Wahlkampf für unsere jüdische Gemeinde, die am 28. November die „bessere" Hälfte der Repräsentanten, nämlich 11 von 21, neu zu wählen hat. Ueber diesen Wahlkampf, in dem sich das Gemeindeleben der Berliner Judenheit abspielt, im nächsten Brief. Kaph. Correspondenzen. Sitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde. Die am 30. October 1898 unter dem Vorsitze des Präsidenten kais. Rath Klinger stattgefundene Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde war vorwiegend der Berathung und Beschlußfassung über eine große Anzahl von Stiftungen gewidmet; und zwar gelangten zur Erledigung: die Solomon Altman n'sche Waisenstiftung mit dem Stiftungszinsenbetrage von je fl. 29*29 an zwei gänzlich verwaiste Knaben; die Andreas Feig l'sche Stiftung mit je fl. 52 für acht arme Witwen; die Nathan und Jda Figdo r'sche Widmung mit dem Slistungs-Zinsenbetrage von fl. 10 an eine Wöchnerin; die Marie Goldschmid t'sche Stiftung mit fl. 20 an eine Wöchnerin; die L. G. G o l d st e i n'sche Ausstattungsstiftung mit fl. 140 an eine arme Braut; die Clara Kr.asnopolsk y'sche Armenstiftung mit den Stiftungszinsen von zusammen fl. 58 für fünf Personen; die Ignaz Klepetas ch'sche Ausstattungsstiftung im Zinsenbetrage von fl. 100 und die I s a a c K u f f l e r'sche Ausstattungsstiftung in dem Zinsenbetrage von fl. 215 für je eine arme Braut; die Rosalia Polla k'sche Blindenstiftung mit den Stiftungszinsen per fl. 38; die Heinrich S. R e i t l i u g e r'sche Stiftung mit dem Stiftungszinsenbetrage von fl. 100 cin eine verarmte Familie; die Josef Spitze r'sche Armenstrftung mit den Stiftungszinsen von zusammen fl. 128 an vier Personen; die Josef und C ä c i l i e Adle r'sche Stiftung behufs Unterstützung zur Bezahlung der Wohnungsmiethe im Stiftungszinsenbetrage von zusammen fl. 125 an sechs Familien; die Adam H e r z f e l d'sche Ausstattungsstiftung mit dem Zinsenbetrage von fl. 120 an eine Braut; die Therese Werthei m'sche Stiftung mit dem Betrage von je fl. 177 an zwei mittellose Mädchen; die Max Ritter von P f e i f f e r'sche Stiftung mit einem Stipendium von fl. 200 für einen Juristen und die Moritz Goldberge r'sche Stiftung für einen Rabbinats-Candidaten mit dem Stipendium-Beträge von fl. 300 an einen, in der Wiener israelitisch-theologischen Lehranstalt herangebildeten Candidaten. Der sodann zur Verlesung gebrachte motivirte Dringlichkeits-Antrag der Herren: kais. Rath Hirsch, Gottlieb T aus s ig, Dr. Stege r, Dr. Berger, Dr. Spitzer und Carl Cohn zur Bestellung eines Comitss behufs Förderung der Sammlungen für das in Errichtung begriffene Siechenhaus wurde einstimmig angenommen und wurden die Antragsteller ersucht, sich als Comitö zu constituiren. Der Präsident berichtet über die in Ausführung eines behördlichen Auftrages anläßlich der Epidemiegefahr von ihm getroffene Verfügung, betreffend die Errichtung neuer Thüren aus der Leichenkammer am Central-Friedhofe, und ertheilt die Plenarversammlung die nachträgliche Genehmigung zu dieser Adaptirung. Nach dem Referat des Herrn Vertreters Dr. Steiner wurden die neuen Statuten des israelitischen Frauen- Wohlthätigkeitsvereines in Wien mit den von der III. und V. Section beschlossenen Amendements genehmigt. Ueber den von Herrn Dr. Spitzer namens der V. Section gestellten Antrag, betreffend den Beitritt der Cultusgemeinde als ordentliches Mitglied zur israelitischen Allianz, wird der Beitritt mit einem Jahresbeiträge von fl. 200 beschlossen. Das von Herrn Baurath von Goldschmidt namens des Baucomitös erstattete Referat bezüglich der bisher vorgenommenen . Umgestaltungen und Adaptirungen der Bureaux im I. und II. Stockwerke des Hauses I., Seitenstettengasse 4, und im I. Stockwerke des Hauses Seitenstettengasse 2, wurde nach längerer Debatte genehmigend zur Kenntniß genommen und dem Referenten über Antrag des Präsidenten für seine außerordentliche die Zeitdauer von eineinhalb Jahren in Anspruch genommene Mühewaltung der Dank ausgesprochen. Von 83 derzeit die Aufnahme in das Altersversorgungs- Haus anstrebenden Petenten wurden nach gründlicher Sichtung der vorliegenden Gesuche über namens der III. Section von Herrn Ober-Ingenieur von Mises gestellten Antrag zunächst 12 Personen (Männer und Frauen) zur Aufnahme bestimnrt. Die von Herrn Vice-Präsidenten Dr. Gustav Kohn namens des Vertretercollegiums begründeten Anträge auf Gewährung von Pensionen und Gnadengaben an Witwen und Kinder von verstorbenen Gemeindeangestellten wurden aufrecht erledigt. Nach Behandlung mehrerer Steuerrecurse und Personalien erfolgt der Schluß der Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten Nachmittags. Wien. (Verzeichniß der eingelaufenen Spenden zum Siechen Hausbau der Wie ne r israelitischen Cultusgemeinde): Frau Malviue Rosenthal fl. 6000, Herr Karl Kohn fl. 250, Firma I. Eißler undBrüder 200fl.; je fl. 100 die Herren: kais.Rath Friedr. Pollak, Adolf Jellinek und „Ungenannt"; je fl. 50 die Herren: kais. Rath Wilhelm Pollak, Director Alois Weißhut und Frau Jeanette Schneck; fl. 30 Herr Jonas Weil; fl. 25 Herr Jacob Moor; endlich 3 Parteien in Beträgen von fl. 10 und darunter, zusammen fl. 25, und zwar die Herren: Julius Bergstein, Dr. Emanuel Arnstein und „A. F." Unsere Jugend. Gegenwärtig, wo wir Alten fortwährend Gegenstand der Verhetzung und Anfeindung sind, muß es uns zu umso höherer Befriedigung gereichen, wenn wir auf unsere Jugend blicken. Auf den Hochschulen bildet unsere Jugend ein starkes Contigent, das, trotzdem ein erheblicher Theil mit Hunger und Noth zu