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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-11-04 · 44 (4.11.1898) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
44 (4.11.1898)
Date
1898-11-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 44 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 801 vorzeitig und kurzweg unterbunden wurde. Hoffentlich werde sich dies bei den diesmaligen Wahlen nicht wieder ereignen, weil es die oberste Aufgabe eines jeden ehrlichen Wahlkampfes ist, jenen Personen, die es unternehmen, in die Bewerbung um das Vertrauen der Wählerschaft einzutreten, das freie Wort und die Möglichkeit zur Beurtheilung der Verhältnisse zu gewährleisten. Der Redner verbreitet sich sodann über die wichtigsten Aufgaben, welche die Cultusgemeinde zu erfüllen hat, und möchte dieselben eher als auf dem vielseitig betonten politischen Gebiete in der Pflege der religiösen und culturellen Bedürfnisse gelegen, erblicken. Gewöhnlich aber schießen die aufgestellten Programme über dieses Ziel weit hinaus, und es werden an das Vertretercollegium häufig Ansprüche gestellt, Venen es beim besten Willen und selbst unter den günstigsten politischen Verhältnissen nicht gerecht werden könnte. So will neuestens auch die Frage der durch den Wiener Bezirksschulraths-Erlaß verfügten Trennung der Schulkinder nach Confessionen zur Parole des Wahlkampfes gemacht werden. In dieser Beziehung darf aber nicht geleugnet werden, daß der Cultusvorstand nach den vorliegenden Berichten das innerhalb seines Wirkungskreises Allermöglichste gethau hat, um dieser dem Judenthum angethanen Schmach wirksamst zu begegnen. Bedauerlich sei es nur, daß es nicht gelungen ist — vielleicht ist auch gar nicht daran gedacht worden —, auch jene Vertreter des Reichsrathes, welche gleichfalls der jüdischen Confession angehörig, innerhalb des Polenclubs und somit sogar innerhalb der „geehrten" Majorität ihren Sitz haben, zur Unterstützung der eingeleiteten Action mit heranzuziehen. Wichtig sei es ferner, ob im Kreise des Bertretercollegiums selbst über die verdiente Verdammung des Bezirksschulraths-Erlasses volle Einigung herrscht, besonders soweit jene konfessionellen Schattirungen in Frage kommen, die dem Orthodoxismus zuneigen. Eine dahingehende Aufklärung wäre nicht blos erwünscht, sondern im allseitigen Interesse auch geboten. Anerkannt möge es sein, daß die Obsorge der Cultusgemeinde gegenüber den vorortlichen, selbständigen Bereinsorganisationen theilweise eine nachhaltigere geworden ist, obschon in dieser Richtung noch Vieles besser zu machen wäre. Es darf nicht übersehen werden, daß jene Angehörigen der Cultusgemeinde, welche vom Centrum entfernt wohnen, doppelt belastet sind, weil sie nicht blos die ordentliche Cultussteuer zu entrichten, sondern auch zur Bestreitung ihrer Vereins-Bethäuser ansehnliche Beiträge zu bestreiten haben, da die von der Gemeinde gewährten Subventionen lange nicht ausreichend sind. Die Förderung der von einzelnen Bezirksvereinen geplanten Tempelbauten verdiene daher die größte Aufmerksamkeit des Vorstandes. Dem Versuche, in der bevorstehenden Wahlcampagne den Zionismus als Schiboleth zur Geltung zu bringen, stellt sich die Erwägung entgegen, daß das von zionistischer Seite aufgestellte Programm ein utopisch, viel zu weitgehendes ist, und daß es die Staatsbehörde kaum dulden könnte, auf Grund eines solchen Programmes gleichsam einen Staat im Staate entstehen zu lassen. Zum Schluffe meldet der Redner seine Candidatur an mit dem Versprechen, sich im Falle seiner Wahl für die Interessen der Tempelvereine einzusetzen, nicht ohne die großen Ziele im Auge zu behalten, welche geeignet sind, der großen Allgemeinheit zu dienen und vor Allem auch die durch die Reaction hervorgerufene und immer unerträglicher werdende Bedrückung unserer Glaubensgenossen abzuwehren. Nachdem noch Herr Fleischmann zu den Cultuswahlen Stellung nahm, schließt der Vorsitzende, nach dem Schlußworte des Referenten gegen Mitternacht die Versammlung. Geschäftsbericht des Centralvereirres zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag, erstattet in der a m 30. O c t ob e r 1898 abgehaltenen General- Versammlung feite ns des Geschäftsleiters Dr. Friedrich Duschenes. Sehr geehrte Versammlung! Unser Bericht über das abgelaufene Vereinsjahr kann Ihnen nur einen summarischen Ueberblick bieten, weil die Hauptthätigkeit unseres Vereines in dem vergangenen Jahre in der Abwehr der Angriffe gegen unsere Conseffion gipfelt, und unsere Wirksamkeit erstreckte sich im Wesentlichen auf unsere geradezu trostlosen Zustände. Wir waren vollauf im Kampfe mit unseren Gegnern beschäftigt, einen Kampf, den wir nie gewollt, den man durch langjähriges Schüren, durch planmäßige Aufreizungen heraufbeschworen hat. Erlassen Sie mir es — es liegt dies in der Natur der Sache —, in die einzelnen Details einzugehen, denn Sie alle waren Zeugen, daß wir nur für unser höchstes Gut, unsere Conseffion und unsere Ehre eintraten, und deshalb, weil wir nicht, wie dies leider Jahre hindurch geschah, blos stille Beobachter blieben, weil wir im öffentlichen Leben Protest erhoben gegen Jene, die uns und unsere Conseffion fast täglich verhöhnten, entbrannte ein wilder, ungezügelter und wüster Kampf gegen uns auf der ganze» Linie. Hiezu gesellten sich die December-Unruhen, in welchen die antisemitische Bewegung ihre Orgien feierte und in Verwüstung, Verheerung, Raub und Plünderung ausartete. Unsere Pflicht war nunmehr es, an die hohe Regierung heranzutreten und die tiefliegenden Gründe, welche diese Bewegung großzog, klar und wahrheitsgemäß darzustellen. Wir überreichten Sr. Excellenz dem früheren Herrn Ministerpräsidenten ein Promemoria, welches das angesammelte Material hinsichtlich der antisemitischen Strömung in Böhmen erschöpfend beleuchtete und den Nachweis enthielt, daß die antisemitische Bewegung nie und nimmer zu ihrer verheerenden Ausdehnung herangewachsen wäre, wenn man unseren Gegnern nicht schon seit einem Jahrzehnt den freiesten Spielraum zu ihren Angriffen gegen uns gewährt hätte, wenn wir den Schutz der bestehenden Gesetze in ausgiebiger Weise genossen hätten und wenn diese Bewegung schon in ihrem Keime unterdrückt worden wäre. Wir müssen mit verbindlichstem Danke anerkennen, daß Se. Excellenz unserer Denkschrift, sowie jenen Beschwerden, die ihm auch noch von anderen berufenen Factoren unterbreitet wurden, die vollste Aufmerksamkeit schenkte. Wir sind allerdings nicht befugt, heute constatiren zu können, ob und welche Maßregeln infolge unseres Schrittes seitens der hoben Regierung eingeleitet wurden. Wir müssen nur mit vflichtschuldigem Danke constatiren, daß ein Verein, der es sich zur Aufgabe machte, die großen Volksmassen in Böhmen gegen uns aufzureizen und zum Hasse und zur Feindschaft anzuregen, aufgelöst wurde, daß ferner seitens der Landesschulbehörde ein Erlaß an die Schulleitungen erfloß, mittelst welchem letztere au'- gefordert wurden, ein streng wachsames Auge auf alle antisemitischen Erscheinungen, die sich auf dem Gebiete der Schule geltend machen, zu richten und entschieden gegen dieselben aufzutreten; wir müssen mit vollstem Danke anerkennen, daß die hohe Regierung einen nicht unbedeutenden Betrag jenen unglücklichen Glaubensgenossen, die durch die Plünderungen im December vergangenen Jahres ihr Hab und Gut verloren, zur Linderung ihres Elends beitrug. Das edle und erhabene Wort unseres ritterlichen, vielgeliebten. durch Herz und Gemüth wahrhaft ausgezeichneten Monarchen: „Ich dulde keine Judenhetzen in meinem Reiche!" widerhallte insbesondere in jenen bewegten Tagen in unseren Herzen, belebte und stärkte unseren Muth und verlieh uns die Hoffnung, daß uns bessere Tage beschieden sind. Das Jahr 1897, daß uns soviel seelischen Kummer und Schmerz brachte, zeitigte aber auch in uns den Gedanken eines engeren und innigeren Anschlusses unserer Glaubensgenossen. Wir erachten es als eine unserer wichtigsten Pflichten, wenn wir in unserem Berichte insbesondere zweier hervorragender Corporationen gedenken, die sich in jenen bewegten Tagen um unseren Verein und unsere Glaubensgenossen unvergängliche Verdienste erworben haben; es ist dies die „Israelitische Allianz in Wien" und die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" ebendaselbst. In welcher geradezu bewunderungswürdig munisicenteu Weise die „Oesterreichische Allianz" den Opfern der December-Plünderungen beisprang und zu helfen suchte, wo rasche Hilfe nothwendig war, ist uns allen bekannt. Die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" entsendete sofort einen Abgeordneten zu uns, um unt uns gemeinschaftlich und solidarisch vorzugehen und stand uns ams Wackerste zur Seite. Der „Union" ist es durch ihr brüderliches und liebevolles Eingreifen auch gelungen, einen innigen Contact zwischen ihr und unserem Vereine, sowie allen anderen Verbänden, die eine ähnliche Tendenz wie wir verfolgen, herzustellen. Es zeigte sich allzubald, wie wahr das Wort ist „Einheit gibt Macht"; ich will nur einen einzigen Fall berühren. Das Verschwinden zweier christlicher Mädchen, die m jüdischen Häusern in Prag und Wien bedienstet waren, orenre den antisemitischen Blättern als Handhabe zu den gehäfflgsten Angriffen. Als wir hievon Kenntniß erlangten, haben wir ge-

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