Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 43 (28.10.1898)
- Date
- 1898-10-28
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43 Vr. Bloch'» Wochenschrift Sette 791 keimt. Noch schlimmer ist es bestellt, um das Bestreben, gewisse biblische Stellen durch Andeutungen zu überbrücken. Da ist es doch schon viel besser, Alles gerade herausznsagen und zu erklären, als durch Andeutullgen die Phantasie und die Neugier des Kindes zu erregen. Man vergißt, wie wir schon oben angedeutet, gemeiniglich in kurzsichtiger Pedanterei, daß die Bibel nicht nur ihrer selbst willen gelehrt werden soll, sondern um der anregenden Moral willen, die sie, wie kaum ein anderes Erziehnngsbuch enthält. Sie ist also für das jugendliche Gemiith, zumal in den frühesten Kinderjahren, insoweit zu gebrauchen, als sie ihm heilsame Nahrung geben und veredelnd auf dasselbe wirken kann, lind es wirkt bei der oben gezeigten Sterilität auf diesem Gebiete äußerst wohlthuend, endlich ein Büchlein vor uns zu sehen, dessen Verfasser (einer oder mehrere) — sie halten sich bescheiden im Hintergrund — bestrebt waren, den Anforderungen eines guten Religionsbüchleins gerecht zu werden. Man sieht, daß es von denkenden Pädagogen gemacht wurde, die sich bemühten, aus den Fehlern ihrer Vorgänger zu lernen. Mit der Bibel in der Hand und das 6jährige Kind vor Augen sind sie vorgegangen. Sie fragten sich, was paßt für dieses Kind? was kann auf sein Gemiith wirken? was ergiebt eine leicht erkennbare moralische Lehre? Dieses erzählen sie dem Kinde in einer leichten, demselben faßlichen, zu Gemüthe sprechenden Ansdrucksweise. Dies ist das ganze Geheimniß, warum das Büchlein so anmnthet und einen Lichtpunkt in dem öden Gestrüpp von biblischen Geschichten bildet. Jedes Kind versteht diese Sprache und kann, wenn es nur über die ersten Schwierigkelten des Lesens hinaus ist, das Büchlein zur Hand nehmen und sich daran erbauen. Ich habe bei meinem kleinen Jungen, einem 6jährigen Knirps, der kann! das Lesen weg hat, die Probe gemacht, und der Junge las und verstand den Inhalt des Gelesenen und freute sich über denselben. — Ein unbewußter aber treffender Kritiker. — Wir können daher dieses Büchlein, das sich durch fließende, leichtfaßliche Sprache, kindliche Ausdrucksweise, Vermeidungen Alles dessen, was für das Kind nicht paßt und alles unnützen Gedächtnißkrames auszeichnet, nur auf das Herzlichste begrüßen und hoffen, daß es Fortsetzung und Nachahmung findet. Daß die Arbeit den Verfassern bei den vielen Sünden ihrer Vorgänger nicht leicht wurde und daß es hier viel Unkraut ausznjäten gab, zeigt schon der Umstand, daß sie trotz aller Bemühungen nicht verhindern konnten, daß nicht doch auch Manches hineingeschlüpft, was besser hätte wegbleiben können oder, wenn es schon vorhanden, zum Verständniß hätte ergänzt werden müssen. So heißt cs in der Schöpfungsgeschichte des Weibes, daß sie aus einer Rippe Adam's gemacht wurde. Dies ist völlig unverständlich, wenn nicht gleich die wirklich erhebende Erklärung dafür gegeben wird, daß Adam gesagt: „Das ist Bein von meinem Beine, Fleisch von meinem Fleische". Die Bildung des Weibes aus der Rippe des Mannes soll ja die Bedeutung haben, daß Mann und Weib ein Leib sein, daß sie im Leben einig zusavnnengehören, sonst ist das Ganze unverständlich. Wenn also die Bildung aus der Rippe erzählt wird, so darf auch das Weitere nicht fehlen. Daß die Frau Lot's zur Salzsäule wurde, ist eine dem kindlichen Gemiith unbegreifliche Härte. Sie hat ja nichts Böses gethan, als sich neugierig umgeschaut, und die trockene Mittheilung der Thatsache enthält keinerlei ethische Anregung für ein Kind. Neugierde, die Mutter der Wißbegierde, liegt so lieb im kindlichen Gemiith, daß ihm dieselbe kaum als schwere Sünde erscheinen wird. Doch das sind Fehler, die bei einer zweiten Auflage und nochmaliger Durchsicht leicht beseitigt werden können; denn nicht nur was er sagt, sondern „was er weise verschweigt, zeigt uns den Meister des Styls". Hauptsache ist, daß endlich einmal eine neue Bahn betreten und eine gesunde Basis geschaffen wurde und dies im Interesse der guten Sache — und nicht, wie leider sonst üblich als Geschäft. Das ganze Büchlein kostet 4 kr., kann also leicht auch vom ärmsten Kinde angeschafft'.werden Daß hier von einem Geschäfte nicht die Rede sein kann ist klar, übrigens gehört das Büchlein dem Lehrerverein und fließt ein etwaiges Reinerträgniß dem Vereine zu. Wir können nicht schließen, ohne dem Büchlein, das einem wahren Bedürfniß entspricht, die beste Aufnahme zu wünschen und die Erwartung ausznsprechen, daß die Fortsetzungen für die weiteren Elaffen recht bald erscheinen. * * * „Die Bedeutung des Gebetes und des Gottesnamens" von Leopold B u x b a u m, Religionslehrer in Wien. Der Verfasser, Herr einer. Rabbiner L. B u x b a u m, ist keine unbekannte Erscheinung auf pädagogisch schriftstellerischem Felde. Hat er sich bereits im Vorjahre durch seine unter dem Titel „Tikkun l'el Schimurim" heransgegebene, für die Jugend bearbeitete, sinngemäße deutsche Uebersetzung der Pessach-Hagadah bemerkbar gemacht, so wird jeder verständige Jude dem vorliegendem Werkchen, die vollste Würdigung und Anerkennung anssprecheu nrüsseu. Herr Buxbaum ist tief in seinen Gegenstand eingegangen, und man fühlt es, daß hier die innerste Ueberzeugung des Verfassers ausgesprochen wird. Wie viele Menschen „beten" und wissen nicht was „Beten" bedeutet!! Fast scheint es uns, daß die Schrift mehr für die Schriftgelehrten geschrieben sei, aber gerade für unser Laienpublicum und für die israelitische Jugend beiderlei Geschlechtes ist eine ans dem Herzen stammende Belehrung und Aufklärung, von der größten Wichtigkeit — da beide, Belehrung und Aufklärung Bedürfniß sind, nnd darnm wird die Burbaum'sche Schrift Eingang in die israelitischen Familien finden. Zu beziehen vom Verfasser, II., Leopoldgasse 26. —ss— Geschichte der Juden in Kreinsier. Band l und 2, Preis 4 fl.; zu beziehen durch den Verfasser Dr. Frankl in Kremsier. Der Kreulsierer Reichstag wird irr derselben nach den Protokollen ausführlich behandelt. Ter 3. Band enthält nebst einem für die allgemeine Geschichte der Inden wichtigen llrknndenmaterial viele Biographien bedeutender Zeitgenossen. Briefkasten. I. V. in L. Nach eingeholten Informationen nicht verläßlich. Für den versprochenen Artikel besten Dank. Herrn Julius S—♦ Mädritz. Es erscheint uns leider nicht recht thunlich. von dieser Ihrer internen Eoncurrenz-Angelegenheit die große Oeffentlichkeit in Kenntniß zu setzen. Wir zweifeln nicht im mindesten dran, daß Ihr antisemitischer Eoncurrent nncorrect vorgeht, aber die jüdische Kundschaft wird sich von ihm deswegen doch nicht abwenden. Tie Juden kaufen eben mit eigener Vorliebe beim sie übervortheilenden Antisemiten, unterstützeil ihre grimmigen Feinde, und lassen den ehrlichen und billigeren Stammesgenossen bei Seite stehen. „Abonnent in Baden bei Wien". Danken für die Mittheilung, daß das Badener Antisemitenblatt Schönerer'scher Richtung endlich eingegangen ist. Josef Herzog hat seine Stelle als Obmann seines Hetzvereines niedergelegt nnd droht — o wie schrecklich! — das blos im Winter antisemitische Baden gänzlich zu verlassen. „Abonnent aus der Rathhausstraße". Am L0. d. M. erschien eine Deputation der Wiener Zuckerbäcker-Genossenschaft im Parlamente, um unter Intervention des antisemitisch e n Reichsrathsabgeordneten Weißkirchner dem neuernannten Handelsminister Baron Dipanli eine Reihe von Wünschen christlichsocialer Färbung vorzutragen. Unter den Sprechern dieser Deputation befand sich auch der im Rathhansviertel erablirte Herr Slnga recte Slncka. „Jüdischer Hausirer". „Die Sicherheitswache soll für jede Ergreifung eines unbefugten Hausirers eine Prämie erhalten". Dieser Antrag des Bezirksausschusses Scholz von Mariahilf würde, zur Ausführung gebracht, alle Hausirer, auch die berechtigten, schwer treffen. O, diese Volksfreunde! — „Kapitalist". Scheint sich vollkommen zu bewahrheiten: „Nach den auf dem Realitätenmarkte cursirenden Mittheilungen hat der über kein bekanntes Vermögen verfügende Graf Julius Reischach die herzoglich Arenberg'sche Schloßrealität in Hacking um den Betrag von 885.060 fl. gekauft und die Niederösterreichische Landes-Hypothekenbank hat darauf diese Realität mit 400.006 fl. in Pfandbriefen belehnt." Die Landes-Hypothekenanstalt war in voller Kenntniß, daß die Realität, welche sie mit 400.000 sl. belehnte, um 385.000 fl. vom Grafen Julius Reischach gekauft wurde. Sowohl nach dem Allgemeinen bürgerlichen Gesetzbnche in seinen Bestimmungen über die Sicherheiten für pupillarmäßige Werthe als auch das Statut der Niederösterreichischen Landes-Hypotbekenanstalt bestimmt, daß „Häuser bis zur Hälfte und Grundstücke bis zu zwei Drittel des Werthes belehnt werden dürfen." Das Land Niederösterreich haftet bekanntlich für alle von der Hypothekenanstalt eingegangenen Verbindlichkeiten. Tie Pfandbriefbesitzer werden von dieser Art von Geschäften nicht sonderlich erbaut sein! Lemberg» A. S. Das dort erscheinende Blatt „Naprzod' wurde unter Anderem auch confiscirt, weil es behauptete, der Herr Staatsanwalt Kalitowski habe in Artikeln des „Glos Rarodu" zu Ercessen gegen Inden angeeifert. Das k. k. Oberlandesgericht Lemberg entschied diesbezüglich, „indem im obigen Aufsatze bemerkt lvird, daß Kalitowski in amtlicher Stellung eines Staatsanwaltes zu Unruhen gegen die Juden auffordert, hat der Autor die Absicht, den Leser zum Hasse gegen diesen Regierungsfunctionär in Rücksicht auf seine Amtsthätigkeit aufzureizen. In diesem Sinne hat er nämlich bemerkt, daß Kalitowski Staatsanwalt ist, somit enthält auch dieser Absatz die Merkmale des Vergehens nach 8 390 St.-G." Herr Kalitowski ist in seiner freien Zeit antisemitischer Journalist und Verfasser antisemitischer Theaterstücke. Vermuthlich wird er infolge des Erlasses des Justizministers seiner Lieblingsbeschäftigung jetzt entsagen.