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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-10-28 · 43 (28.10.1898) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
43 (28.10.1898)
Date
1898-10-28
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 43 Vr. Bloch'» Wochenschrift Seite 789 3. Scene. (Vorige. Großvater Abraham und der kleine Felix.) Abraham: Welch ein Unfug! — (Alles schweigt betroffen und steht mit zorngerötheten Gesichtern da). Abraham: Bis in meine Studirstube hörte ich den Lärm. (Die fremden Knaben ziehen sich allmälig zurück. Die Brüder stehen beschämt.) Was war? Die Brüder: Wir spielten Zionismus! — Moritz (kläglich): Ich war König und da haben sie mich verhauen. (Weint.) Abraham (sieht gedankenvoll über Moritz hinweg ins Weite). Lylli: Sag', Großvater, gibts in Jerusalem Theater? Rosa: Concerte und Bälle? Jeanne: Und so große Modegeschäste wie in Wien? Abraham (sieht die Mädchen wie geistesabwesend an, schüttelt dann den Kopf). Rosa: Am Ende kriegen wir die Weltausstellung in Paris auch nicht zu sehen, wenn wir so weit weg sind, da unten — am Jordan. Abraham (bei dem Wort „Jordan" wird sein Auge feucht. Er winkt den Kindern hineinzugehen). Die Mädchen: Ach! wir bleiben lieber in Europa! da ist es viel amüsanter! Ha, ha, ha! (Sie springen davon. Die Knaben wollen folgen.) Abraham (zu Moritz): Bleib. — Wie'^kam's? Moritz (halb trotzig): Wir sind doch das „auserwählte" Volk - Abraham: Moriz, Du der Aelteste und Du, mein Felix, der Jüngste, hört: Ja wir sind anserwählt, aber — (bedeutsam, indem er auf die Stirn deutet) hier — (auf das Herz deutend) und hier. Felix (wiederholt des Großvaters Pantomime, für sich, leise, in aufdämmernder Ahnung): Hier — und hier ... Abraham (tiefbewegt): Im Uebrigen, meine Kinder, werdet treue Bürger des Landes, das Euch gebar und erzog. Das ist Eure Pflicht, und Pflichterfüllung ist die Krone des Lebens. (Er hebt Felix zu sich empor, reicht Moritz die Hand und geht mit den Kindern ins Hans. Drr Letzte. Erzählung von S. K o h n. Verfasser von „Gabriel". (Fortsetzung.) Der Pfarrer fuhr fort. „Zuerst schien es mir vollkommen unmöglich, daß ein so weichherziger, milder Mann, als welcher mir Abraham Duppau bekannt war, einen so entsetzlichen Mord verüben könne; und auch das will ich nicht verhehlen, daß ich einem auf der Folter erpreßten Geständniße keinen Werth beilege." Der Pfarrer wurde von Labwandl unterbrochen. „Es liegt nicht in der Absicht des Gerichtshofes," sprach er, „den Herrn Zeugen bei seinen Mittheilungen zu beschränken; aber es erscheint denn doch geboten, ihn daran zu erinnern, daß es sich hier um die Ablegung einer Zeugenschaft, nicht aber um seine Anschauung über ein in Oesterreich und noch vielen anderen Staaten zu Recht bestehendes Gerichtsverfahren handelt." „Ich hoffe," erwiderte der Pfarrer würdevoll, „daß dieses, von den edelsten Männern und sublimsten Geistern bekämpfte Verfahren von unserer Kaiserin demnächst aufgehoben werden wird; und ich würde es als die beste That meines Lebens betrachten, wenn mich der Allvater der hohen Gnade würdigte, ein kleines Schärflein zu dem großen Werke der Menschenerlösung beigetragen zu haben.doch lassen Sie mich in meinem Berichte fortfahren. — Ich fühlte mich durch Duppau's Verurteilung schon beunruhigt, und ich war schon nahe daran, mich hierher zu verfügen und dem Herrn Bürgermeister persönlich meine Bedenken mitzutheilen; aber bei längerem Nachsinnen kam ich, trotzdem mich dies ein schweres Opfer kostete, doch von meinem Vorhaben ab. Ich hatte das Vertrauen in meine Menschenkenntnrß, die mich bei Claudy Rodler schon einmal irregeleitet, verloren; auch mußte ich annehmen, daß dem Gerichtshöfe das makellose Vorleben des Verurtheilten ebenso wie mir selbst bekannt sei, daß jener Alles reiflich geprüft und erwogen, bevor er einen Mann wie Abraham Duppau zu so entsetzlicher Strafe verurtheilte, endlich — ich bin ja ein gläubiger, gottvertrauender Priester, — rechnete ich auch mit Zuversicht darauf, daß der allgerechte Gott nicht einen Unschuldigen einen so gräßlichen Tod erleiden lassen würde. — Gestern wurde ich durch den Besuch dieses großen, edlen Mannes" — er deutete auf Sonnenfels — „den der Actuar Globner begleitete, überrascht. In gedrängter Kürze und doch mit überzeugender Gründlichkeit bewies er mir, daß Duppau nicht der Thäter sein könne; daß wenn das über ihn gefällte Urtheil vollstreckt, das Blut eines Unschuldigen in grausamer Weise vergossen würde; und daß er nur dadurch gerettet werden könnte, wenn es in der kurzen Frist, die nur noch nach Stunden zählte, gelänge, den Mörder zu eruiren, oder wenigstens einen gegründeten Verdacht auf eine andere Person zu lenken. Herr Regierungsrath Sonnenfels hob hervor, daß das befangene Gericht gar nicht die Möglichkeit in Betracht gezogen, daß die beiden anderen Männer, der Gatte der Ermordeten, und Dr. Wallbruck die sich eingestandenermaßen zur Zeit, als das Verbrechen verübt wurde, am. Orte desselben befunden, die Thäter sein könnten und daß in dem Maße, als die Anklage gegen Duppau ungerechtfertigt erscheine, sich die Berdachtsgründe gegen die anderen verstärkten. Regierungsrath Sonnenfels frug mich, ob ich Claudy Rodler genauer kenne, in diesem Falle, ob ich ihn eines Gattenmordes für fähig halte und, — was er hauptsächlich betonte, ob es mir bekannt wäre, daß der Tod der Barbara Rodler ihrem Gatten aus irgend einem Grunde wünschenswerth sein könnte. Bei diesen Worten wurde mir's, als wenn man mich mit einem Topfe siedenden Wassers übergießen würde. Clandy Rodler war ein Heuchler, ein ehrgeiziger Mann, dem es unerträglich erscheinen mochte, in den Augen der Welt herabgesetzt zu werden; — so ruhig er gewöhnlich schien, so konnte er doch leicht in zornige Aufregung versetzt werden, und das ließ auch im Allgemeinen auf eine hochleidenschaftliche Natur schließen. Mir war sein Berhältniß zu seiner ehemaligen Magd bekannt, ein außerordentlich ehrliebender, leidenschaftlicher Mann, der eine eifersüchtige, ältere Frau besaß, konnte allerdings ein Interesse daran haben, daß seine Frau stürbe. Mir erschien es nun plötzlich als meine heilige Pflicht, Claudy Rodler zu sprechen, ihn zu fragen, ob er unschuldig an dem Tode seines Weibes sei; ob er ruhig schlafen, ruhig wachen, ruhig seiner letzten Lebensstunde, seinem Tode, dem Jenseits, entgegensetzen könne, — wenn Abraham Duppau morgen gerädert würde! Ich entschloß mich sofort, auf den Rodlerhof zu fahren; Regierungsrath Sonnenfels bot mir seinen Wagen, er und der Actuar auch ihre Begleitung an. Der Weg zum Rodlerhof kam mir endlos lang vor, wir trieben den Kutscher zur höchsten Eile an, unwillkürlich erhob ich mich jeden Augenblick, als könne ich versuchen, zu fliegen! Bei Anbruch der Nacht langten wir im Rodlerhofe an. Der Oberknecht Mathias kam uns bleich, verstört entgegen. ,>Ein neues, entsetzliches Unglück habe sich in diesem traurigen Hause zugetragen", meldete er. „Als er von der Feldarbeit nach Hause gekommen, hätte er Claudy Rodler mit einer klaffenden Wunde im Unterleibe in seinem Blute schwimmend, gefunden, und dieser hatte ihm zugerufen: „Lauf nur schnell um den Doctor, sonst verblut' ich mich!" Wie Dr. Wallbruck, den er auf der Straße, vom kranken Müller reitend getroffen, den Verwundeten untersucht, habe er gesagt, Rodler sei an einem edlen Theile verletzt und rettungslos verloren, doch wolle er Alles, was die Kunst vermag, aufbieten, dessen Leben zu verlängern; er solle ihn allein bei dem Schwerverwundeten lassen, da das leiseste Geräusch seinen Tod beschleunigen könne. Der Knecht wollte, so berichtete dieser weiter, mich holen lasten, damit der Arme nicht ohne die Tröstungen der Religion stürbe, aber Dr. Wallbruck, der ein halber oder gar ein ganzer Heide sei, hatte ihm erklärt, daß dies eine vergebliche Mühe wäre, daß Rodler die Sinne schwänden, er in kürzester Zeit besinnungslos, und bevor der weite Weg vom Rodlerhof nach Luck hin und zurück gemacht werden könnte, jedenfalls schon der Tod eintreten würde; — und nun führte mich sichtbarlich der liebe Gott her! ... . Während der Knecht uns den Fußweg zum Wvhnhause begleitete, erzählte er noch, daß sich Dr. Wallbruck gegen den Kranken so theilnehmend und freundlich benehme, wie er sich das von dem Manne gar nicht vorgestellt hätte. Seitdem er gekommen, lasse er den Kranken nicht allein; er — der Knecht nämlich — klopfe alle Viertelstunden an die Thüre, um sich nach dem Befinden des Bauern zu erkundigen;

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