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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-10-28 · 43 (28.10.1898) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
43 (28.10.1898)
Date
1898-10-28
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Sette 788 Vr. Vloch'» Wochenschrift Nr. 43 Moritz: Das — das ist — das ist, wo man uns Nichts thun kann .... Eine Bank ist auch schon gegründet. Leo: (deutet auf die Gartenbank) Die da. Moritz: Eine Million ist deponirt. Walter (schleppt einen Sack Gartenkies herbei:) VoilK. Hans.: Aber wo ein König ist, muß doch auch ein Ministerium sein? Moritz: Selbstverständlich. Ihr seid meine Minister. Alle (werfen die Mützen in die Luft): Hurrah! wir sind Minister. Christian (ein stämmiger Bursche, sich vordrängend): Ich bin Cultusminister. Mein Alter war 'mal Hostheaterintendant. Peter (schreit): Und ich bin Justizminister! Ich habe den ganzen Proceß Zola durchstudirt! Moritz: Dann freilich weißt Du Bescheid . . , Bruno: Ich bin Minister des Innern. Die Polizei gehört dazu und ich spiele gar zu gerne Polizei. Arthur (schüchtern): Könnte ich nicht Minister des Aeußern sein -? Moritz: Allerdings, (guckt in seinen Zettel) Deine Beziehungen zu allen ausländischen Staaten sind immer die cordialsten gewesen — Arthur (sanft): Ja, — ich habe noch nie Einen geärgert — Moritz: Der reine Bismarck also. Wer will Bautenminister sein? Hans: Ich! Ich stehe bei allen Bauten und schaue zu, ob's 'ne Brücke oder 'n Haus wird, oder ob die englische Gesellschaft Gas buddelt, immer stehe ich da und warte wie lange cs dauert. Moritz: Das muß belohnt werden. (Hefter ihm einen Orden an.) Wem soll ich zum Verkehrsminister ernennen? Joses: Mich! Ich kenne alle Verkehrsmittel. Früh fahr' ich per Elektrische zur Schule, retour mit der Tramway, Sonntag per Dampfer und in den Ferien mit der Eisenbahn, von Papa's Equipage und meinem Ziegenbock nicht zu reden. Oswald: Jetzt bleibt noch der Kriegsminister. Alle (mit großem Lärm): Das bin ich! nein ich! ich! ich! ich Moritz (großartig): Den brauch' ich nicht in meinen Staate. Ich proclamire den ewigen Völkerfrieden. (Hebt den Stock.) Und wer mich angreist, der wird niedergehauen. Punktum. Josef: Der Finanzminister fehlt noch! Moritz: Finanzminister bin ich selbst. Es wird so viel wie möglich eingenommen und so wenig als möglich ausgegeben. Basta. Oswald (schmollend): Ich will aber auch etwas sein. Moritz: Ich mache Dich zum Vicekönig des Sultans — L y l l i: Wo ein König ist, ist doch auch eine Königin? Moritz: Das bist Du. L y l l i: Ach, das ist reizend! Dann will ich gleich einen Hofstaat bilden. (Zu den Freundinnen): Kommt, wir müssen uns Nutzen! (Sie eilen in die Laube und behängen sich mit bunten Tüchern und allerhand Firlefanz.) M o r i tz: So, meine Getreuen. Jetzt auf nach Jerusalem! (Er führt sie an. Sie marschiren kreuz und quer durch den Garten, klettern tapfer schreiend über Tische und Bänke, setzen turngewandt über Hängematte und Schaukelpferd und jubiliren stürmisch, wenn sie wieder ein „Hinderniß" genommen haben. Endlich hält der Zug. Moritz stellt sich in feierlichste Positur.) Mein Volk! Wir sind da! — 14 Tage hat die Reise gedauert. Ueber Stock und Stein, Eisenbahnunfälle, Schiffsentgleisungen, Feuersbrünste, Fata Morgana, Erdbeben, Heuschreckenplage, wilde Thiere, Räuberhorden, feindliche Nachbarstämme, Drusen und Beduinen, Alles haben wir siegreich überwunden — Alle: Natürlich: siegreich! inmrer siegreich! Moritz: Jetzt also besteige ich meinen Thron, (er setzt sich aufs Schaukelpferd) setze mir die Krone auf, und das ist mein Scepter (nimmt den Stock in die Hand). Wenn ich ihn hochhebe, müßt Ihr „Hurrah" schreien, wenn ich ihn senke „bravo! bravo!" jedenfalls, ob so oder so, immer müßt Ihr Beifall schreien, so laut Ihr könnt! (Er verliest eine ebenso schwungvolle wie verheißungsvolle Vrogrammrede und hebt dabei unaufhörlich den Stock auf nun ab.) Alle: Hurrah! Bravo, bravo! Hurrah! Bravo, bravo! Christian: Wenn aber der König 'mal Unsinn schwatzt? L y l l i: Ein König schwatzt nie und am wenigsten Unsinn. Oswald (als Türke): Als Vicekönig gebiete ich Dir, Fremdling, lasse dieses Frauenzimmer entfernen. Moritz (und seine Geschwister) : W—a—s? Oswald (von Christian heimlich gestachelt): In diesem Lande müssen Weiber schweigen, dürfen Fremden nie sich zeigen. Moritz: Undankbarer! (Zu den Jungen, die sich neugierig um Oswald schaaren): Nichts da! Ich bring europäische Sitte — Oswald: Die wollen wir nicht! Moritz: Ich vertrete die Cultur. Ich bin Euer Anführer! DieKnaben (lachend): Ja, ja, er führt uns an. (Da Moritz wieder den Stock hebt und senkt) Hurrah! bravo, bravo! Hurrah! (Sie schreien unaufhörlich Beifall, bis ihnen der Athem ansgeht.) Leo (heiser): Aber Bruder — Moritz (hochmüthig): Majestät heißt es jetzt. Leo: Majestät! Wir können doch nicht blos Beifall schreien, wir müssen doch etwas thun? Moritz: Hier habt Ihr Gold und Silber — (bewirft sie niit Kies). Die Jungen: Du schmeißt uns ja Sand in die Augen! Moritz: Na, dann wollen wir zu regieren versuchen .. . Herr Justizminister halten Sie Vortrag. Peter (verlegen): Ich bitt' um Urlaub... (er entfernt sich.) Moritz (unsicher): Herr Minister des Äußern — Arthur (zaghaft): England — England verlangt, daß wir eine Eisenbahn durch die Wüste bauen, sonst entzieht es uns seine Protection. Moritz (stolz): Wir brauchen Niemandes Protection. Herr Minister des Innern — Bruno: Der Sultan will eine Million haben. Vorläufig. Moritz (nobel): Bewilligt. Herr Bautenminister — Hans: Der Khedive von Egypten will, daß wir den Snezkanal verbreitern. Moritz: Herr Verkehrsminister, was sagen Sie dazu? Josef: Hm, hm. (Sie überlegen. Plötzlich regnet es Steine und Sand über die Schaar. Christian und Oswald mit ihrem Anhang hatten sich unbemerkt entfernt und erscheinen jetzt an den Nachbarzäunen, wilde Rufe ausstoßend.) Christian, Oswald und deren Sippe: Raus! Raus aus Jerusalem! Moritz: Was? Man will uns verjagen?. Mein Volk, zeigen wir uns tapfer. (Er springt auf einen großen mit Tellern und Tassen gedeckten Gartentisch, alle Jungen ihm nach, die Mädchen verstecken sich, Lylli kauert sich in die Hängematte.) Wer greift uns an? Wer darf es wagen? Christian: Wir haben ältere Rechte! Oswald: Wir haben das Land erobert! Moritz: Wir sind das angestammte Volk! Alle drei Parteien (durcheinander schreiend): Es ist unser Land! Nein unser Land! Palästina gehört uns! Nein, uns! Raus! Raus! Wo Ihr hergekommen seid, da gehört Ihr hin! Christian: Wir dulden Euch, wenn Ihr zusehen wollt — Oswald: Und unsere Unterthanen sein! Wenn Ihr aber König spielen wollt, dann raus mit Euch! Raus! Raus! (Alle Jungen werden handgemein. Moritz und seine Genossen wehren sich nach Kräften, werden aber herabgezerrt. Auf einmal bricht der Tisch zusammen. Alles stürzt chaotisch durcheinander. Moritz verliert seine papierne Krone. Christian -setzt sie triumphirend auf. Christian: So! jetzt bin ich König! (Die Jungen jubeln ihm zu.) Hurrah! Moritz: Treulose Bande! Oswald: Wenn Du noch schimpfst, König außer Diensten, kriegst Du Haue! (Er packt Moritz so heftig an, daß dieser rücklings zu Boden fällt-. Alle Jungens lachen aus voller Kehle.) Moritz: Hilfe! Hilfe! Christian: Pah! Wer soll Dir Hilfe bringen? Sieh, wie sie Alle ringsum stehen und Dich auslachen. (Die Brüder wollen Moritz beistehen. Christian verächtlich): Gebt Euch keine Mühe! Ihr seid ja doch die Minderheit. Moritz (in ohnmächtiger Wuth): Jerusalem ist unser! unser! unser! Christian (prügelt ihn): Nein unser! unser! unser! (Allgemeiner Tumult. Auf der Veranda erscheint ein ehrwürdiger Greis; er hält den jüngsten Enkel an der Hand.)

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