Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 43 (28.10.1898)
- Date
- 1898-10-28
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021223-3021267--08268-3032639- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 786 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 43 Gibraltar. Die neue jüdische Freischule wurde am 5. October unter großer Feierlichkeit eingeweiht. General Sir Robert B i d d u l p h, der Gouverneur von Gibraltar, war anwesend und hielt die eigentliche Festrede, schließlich wurde eine Sammlung für die Armen gemacht, die immerhin 1000 Mk. ergab. Die neue Schule hat ihr eigenes Gebäude, das 260 Schüler faßt und ist von besonderem Vortheil für die Kinder der armen, aus Marokko hieher geflüchteten Juden. Jerusalem. Nun haben auch amerikanische Juden das neue Einwanderungsverbot am eigenen Leibe erfahren müssen. Neun Personen, die landen wollten, und darunter zwei Soldaten aus dem letztem Kriege, mußten wiederum umkehren, weil sie sich weigerten, Garantie dafür zu leisten, daß sie nach 30 Tagen das Land wieder verlassen würden. Ihr Hilferuf an den Consularagenten der Bereinigten Staaten aus Nordamerika in Jaffa und an den hiesigen Consul verhallte ungehört, während der französische Consul zwei Juden aus Algier mit großen Schwierigkeilen zwar, aber Dank seiner Energie doch schließlich hineinbrachte. Man erzählt sich, daß der amerikanische Consul von dem Generalconsul in Constantinopel verständigt sein solle, den türkischen Behörden keine Opposition zu machen. Diese Politik ist sicher sehr bequem, aber sie ist auch ein bitteres Unrecht gegen die betroffenen amerikanischen Juden. Vielleicht schafft Oscar Strauß, der neue amerikanische Gesandte in Constantinopel, bekanntlich selbst ein Jude, hierin Wandel. Da ist der deutsche Consul ganz anders aufgetreten. In seiner Beschwerde führt er aus. daß das neue Verbot gesetzwidrig ist, daß dasselbe ferner den deutschen Handel schädigt und das Ansehen der deutsch-jüdischen Colonie herabzusetzen geeignet ist. Der brittische Consul wiederum hat zwar auch Protest erhoben, aber da seine Beschwerde noch ohne Antwort ist, hat er denjenigen seiner Schutzbefohlenen, die inzwischen landen wollen, gerathen, die Garantie von 1000 Francs, die seitens des Gouvernements gefordert wird, zu erlegen. New-Aork. Die United Hebrew Charities veröffentlichen wieder ihren'Jahresbericht. Sie hatten im verflossenen Jahre die respektable Summe von circa 470.000 Mark, die Ausgaben werden -aber circa 510.000 Mark erreichen, so daß ein Deficit entsteht, um deffen Deckung die United Hebrew Charities sich in einem Appell an die jüdischen Gemeinden New-Iorks wenden. Vermischtes. Wie«. („Oesterreichisch-Jsraelitische Union.) Samstag den 29. October 1898, Abends 7'/, Uhr, findet im neuen Restaurant Khuner, t., Adlergasse Nr. 6, eine Vereinsversammlung der Oesterreichisch-Jsraelitischen Union statt. Tagesordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Bericht über unsere Rechtsschutz- und Abwehr-Action. 3. Discuffion über die bevorstehenden Wahlen in den Cultusvorstand, eingeleitet von Herrn Dr. Philipp Meitner. Nur von Mitgliedern ein geführte Gäste haben Zutritt. Wie«. (Vermählungen.) Am 30. October um 2 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel, IX., Müllnergaffe, die Trauung des Fräuleins Laura B r o d, Tochter des Herrn S. B r o d, mit Herrn Sändor G e i r i n g e r statt. — Sonntag den 30. d. M. findet im israelitischen Stadttempel die Trauung des Herrn Adolf E l i a s mit Fräulein Gisela Weiß statt. Wie«, 25. October. Heute fand das Leichenbegängniß des Herr Dr. Moritz Reiner, königl. Landessanitäts-Rath, Phystkus des Veröczer Comitates und der Stadt Essegg, Ehrenmitglied der Effegger israelittschen Cultusgemeinde, des kaufmännischen Vereines rc., unter großer Betheiligung aller Schichten der Bevölkerung vom Trauerhause statt. Wir bemertien unter den Erschienenen den Vicepräsidenten der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, Herrn Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, die Herren Cultusvorsteher Baurath Stiaßny, Architekten Max Fleischer, Universitäts-Docenten Dr. Grünfeld, den Berliner Rabbiner Dr. Ungerleider, Stadtbaumeister Donath Zifferer, den Gesammtvorstand 'des Tempelvereines im IX. Bezirk mit den Herren Dr. Schnepp und Cvmmercialrath Neustadtl an der Spitze, die Borstandsdamen des „Frauenhorts" unter Führung der Präsidentin Frau Rosa Zifferer, Vertretungen sämmtlicher Bethausvereine Wiens, viele Wohlthätigkeitsvereine rc. rc. Unter Absingung eines Chorals setzte sich der aus einer langen Wagenreihe bestehende Leichenconduct in Bewegung und langte um 10'/, Uhr am Central-Friedhof an. Hier executirte Herr Obercantor Kläger die rituellen Trauergesänge in ergreifender Weise, wobei er von dem verstärkten Tempelchor des IX. Bezirkes aufs Wirksamste unterstützt wurde. Hierauf ergriff Herr Rabbiner Dr. Gelbhaus das Wort zu einer-tiefempfundenen Trauerrede. Erschilderte den Verblichenen als Schriftsteller, als idealen Israeliten, als edlen Familienvater und als Menschenfreund. Die formschöne, in einer edlen Sprache gehaltene Rede war für alle Anwesenden von mächtiger Wirkung. Hierauf wurde der Verewigte zur letzten Ruhe gebettet. Mit Wehmuth nahmen die Leidtragenden Abschied von dem edlen Menschenfreunde. Wien. (M i n i st e r i a l r a t h C a m i l l Kuranda.) Die „Wiener Zeitung" publicirt die Ernennung des Sectionsrathes Camill K u r a n d a, des Sohnes des verstorbenen langjährigen Reichsraths- und Landtagsabgeordneten der Stadt Wien und Publicisten Dr. Ignaz Kuranda, zum Ministerialrathe extra Ltatum. Herr von. Wittek hat mit dieser Ernennung beit Beweis männlichen Muthes geliefert, denn die Hindernisse, welche jahrelang gerade diesem Avancement entgegengestellt wurden, waren enorm. Aber Herr Hofrath Kuranda ist der Schöpfer der in aller Welt berühmten österreichischen Eisenbahnstatistik, und der Eisenbahnminister wollte dem Verdienste die Anerkennung nicht länger vorenthalten wissen. Wie«. Der erste Vortrags-Nachmittag des Vereines jüdischer Mädchen „Hadassa" wurde am 16. d. M. von seiner Präsidentin Fräulein Bertha Schulmann mit einer solennen Trauerkundgebung für unsere Kaiserin eröffnet. An die würdige Feier schloß sich ein Vortrag von Herrn Armin Friedmann über den Lieblingsdichter der verewigten hohen Frau: „Heinrich Heine in seiner poetischen Werkstätte". Der liebenswürdige und geistreiche Verfasser konnte natürlich nur liebenswürdig und geistreich sprechen, was, verbunden mit der schneidigen Vortragsweise, einen unterhaltenden, interessanten und pikanten Bortrag gab, der die Anwesenden zu den lebhaftesten Beifallsäußerungen hinriß. Leider entfernte sich Herr Friedmann so schnell, daß den Dankesbezeugungen der Mitglieder und Gäste des Vereines ein vorzeitiges Ende bereitet wurde. Anschließend. las die Vice-Präsidentin Fräulein Caroline Lederer einige Gedichte Heine's vor und erzielte damit einen vollen Erfolg, was Diejenigen nicht Wunder nehmen wird, die schon öfter Gelegenheit hatten, die vollendete Art zu bewundern, mit der Fräulein Lederer unsere Dichter zu interpretiren Pflegt. — Der nächste Vortrags-Nachmittag findet Sonntag den 30. d. M. im Sitznngssaale der israelitischen Cultusgemeinde, I., Seitenstettengasse, statt und sind Gäste herzlich willkommen. Wie«. (Humanitärer Verein „M e ch i s ch I e s ch i u h" II., I o s e f i n e n g a sse 10.) Die am 16. d. M. stattgefundene VH. ordentliche Generalversammlung dieses Vereines wurde von Obmann Herrn N. Saczik mit einer herzlichen Begrüßungs-Ansprache eröffnet. Nach Erstattung des Rechenschaftsberichtes seitens des Schriftführers ergriff der Vertreter der isr. Cultusgemeinde Herr Dr. Marcus Spitzer das Wort, um in schwungvoller Rede die Bestrebungen des humanitären Vereines in Ausübung der Thora, Awoide und Gemilis Chasudim zu beleuchten, insbesondere wies Herr Dr. Spitzer auf die Chewre-Mischnaies dieses Vereines hin, welche das Licht der Thora unter den Mitgliedern aufleuchten und verbreiten helfen, und schloß mit der Versicherung, dass die isr. Cultusgemeinde alle Bestrebungen des Vereines kräftig unterstützen wird, wenn dieselben, wie bisher, von Liebe, Hingebung und Friede geleitet sein werden. Bei der hierauf vorgenommenen Vorstandswahl wurden folgende Herren gewählt: A. I. S ch o r, M. R. S a l zm a n n, S. Sperling, M. K o l i e b, M. W e i n st e i n, S. V o g e l h u t, O. B i r k e n h o l z, I. H e b e r, M. Krug, M. W a g n e r M. E l i a s, N. P a c z i ck, M, Gimpel, A. D on, M. Fion. Wien. (Verein „Chewra B i k u r-E Hali nt".) In der am 11. d. M. stattgefundenen Ansschußsitzüng. des Kranken- und Unterstützungs-Vereines „Chewra Bikur-Cholim" hielt der Obmann- Stellvertreter Hermann Rosenzweig in Anwesenheit des gesammten Ausschusses für weiland Ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth einen warm empfundenen Nachruf, welche Kundgebung dem Vereinsprotokolle einverleibt wurde.