Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 43 (28.10.1898)
- Date
- 1898-10-28
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 784 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 43 Asch. Ein deutschvölkisches Bubenstück wurde hier verübt. In einer Nacht der verfloffenen Woche wurden einem seit mehreren Jahren hier ansässigen israelitischen Confectionär sämmtliche Firmatafeln überstrichen und überdies das neuerbaute Haus bis ungefähr zur Höhe des ersten Stockwerkes mit Theer besudelt. Die Thäter bedienten sich eines Maurerpinsels, der an einer langen Stange befestigt war; diese wurde am nächsten Morgen im Hofe des Nachbarhauses gefunden. In ähnlicher Weise wurde einem seit drei Monaten hier etablirten Manufacturwaarenhändler mitgespielt. Lemberg, im October. Die Einberufung eines zweiten israelitisch-galizischen Cultusgemeindetages nach Lemberg (der I. israelitisch-galizische Cultusgemeindetag fand im Monate August 1878 statt), welche seit längerer Zeit schon, angesichts der traurigen Zustände der galizischen Juden, die noch am Leben sich befindenden Mitglieder der ständigen Commifiion desselben beschäftigt, beginnt endlich Fleisch und Blut anzunehmen; denn, wie wir vernehmen, soll die Einberufung in der zweiten Hälfte des Monates December d. I. erfolgen. Die Verzögerung der längst beschlossenen Einberufung ist dem Umstande zuzuschreibeu, daß die Mitglieder der ständigen Commission, deren nur noch vier am Leben find, früher mit den größeren israelitischen Cultusgemeinden Galiziens wegen Beschickung desselben in Fühlung treten mußten. Nun bin ich in der Lage mitzutheilen, daß fast alle bedeutenden israelitischen Cultusgemeinden nach dem Beispiele von Lemberg und Krakau die Beschickung desselben zugesagt, ihre Delegirten*) bereits gewählt und die Gewählten der ständigen Commission namhaft gemacht haben. Außer den Vertretern der israelitischen Cultusgemeinden haben sämmtliche jüdischen Landtags- und Reichsrathsabgeordneten aus Galizien ihre Theilnahme zugesagt, was besonders hervorgehoben zu werden verdient. Bei dieser Gelegenheit erlaube ich mir, einen Wunsch an diejenigen Cultusgemeinden, welche Anträge beim Gemeindetage einzubringen gedenken, aussprechen zu dürfen, daß sie dies ehestens besorgen mögen, damit diese in der ständigen Commifiion durchberathen und zur Behandlung in pleno des Gemeindetages vorbereitet werden können. L. Budapest. Se. Majestät hat gestattet, daß der Budapester Einwohner Peter Herzog v. Csete das große Band des kais. ottomanischen Medschidje-Ordens, Frau Peter Herzog v. Csete den kais. ottomanischen Chefacat-Orden II. Classe, der Budapester Großhändler Moriz Leopold Herzog v. Csete den kais. ottomanischen Medschidje-Orden ll. Classe, Johanna Herzog v. Csete den kais. ottomanischen Chefacat-Orden ll. Classe, der Budapester Advocat Dr. Raphael N e u m a n n den kön. preußischen Rothen Adler-Orden IV. Classe, und der Budapester Kaufmann Alexander Brachfeld das Ritterkreuz des kön. belgischen Leopold-Ordens annehmen und tragen zu dürfen. — Der Schulstuhl des sechsten hauptstädtischen Bezirkes wählte in seiner jüngst abgehaltenen Sitzung an Stelle des vor Kurzem verstorbenen Ladislaus Szaszy, der 17 Jahre hindurch als Präsident fungirte, auf Antrag des Abt-Pfarrers Vincenz Stieber einstimmig den Stadtrepräsentanten und hervorragenden Publicisten Paul Tencer zum Präsidenten. Paul Tencer, welcher nach der vollzogenen einstimmigen Wahl durch eine Deputation eingeholt wurde, erhielt die herzlichsten Ovationen und wurde bei seinem Erscheinen lebhaft acclamirt. Der neue Präsident dankte für die ihm erwiesenen Ehrenbezeugungen und wurde bereits unter seinem Präsidium beschlossen, zum Andenken Szaszy's eine Schulstiftung zu machen, für welche die Anwesenden sofort eine größere Summe beisteuerten. Der IV. Bezirk, die ehemalige Theresienstadt, ist einer der volksreichsten der ungarischen Haupt- und Residenzstadt und war bisher von den sogenannten Spießbürgern beherrscht. Budapest. Die Spende für das Denkmal der Königin, welche die Elementar- und Knaben-Bürgerschule der Pester israelittschen Religionsgemeinde an den „Pester Lloyd" sendete, war von dem folgenden, an den Chefredacteur gerichteten Schreiben begleitet: „Ew. Hochwohlgeboren! Ich habe die Ehre, beigeschlossen für das Denkmal Ihrer Majestät unserer verewigten Königin Elisabeth 18 fl. 3 kr. zu übersenden. Die Jugend der unter meiner Leitung stehenden Elementar- und Knaben-Bürgerschule der Pester israelittschen Religionsgemeinde (Weffelänyigaffe) hat diesen Betrag aus den Jausen-Hellern eines *) Jede israelitische Cultusgemeinde wählt je zwei Telegirte zu Vertretern derselben beim Gemeindetage. Tages zusammengelegt. Die Kinder verzichteten am Tage nach unserer Trauerfeier, einer Anregung des Lehrkörpers folgend, willig auf die Zehn-Uhr-Jause, die sie sonst im Schulhause zu beschaffen pflegen, solcherart theilnehmend an jenem gemeinsamen Werke der Pietät, welches durch die Errichtung eines Elisabeth- Denkmals für ewige Zeiten zeugen soll für die Liebe, den Dank und die Pietät, denen, gleichwie sie freiwillig und machtvoll aus der Seele der ungarischen Nationen gesprudelt, in jedem Ungarherzen ewiges Leben gesichert ist. Gering ist die eingeflossene Summe, allein sie wurde gesammelt ohne Inanspruchnahme der anderwärts ihre Opferfreudigkeit bekundenden Eltern; gering ist die Summe, allein wir hegen den Glauben, daß die Gesellschaft das anspruchslose Opfer unserer Jugend liebevoll entgegennehmen und als zarte Blüthe jener Saat betrachten wird, welche die Schule sorgsam Pflegt, damit sie im Laufe der Zeiten die edlen Früchte nationaler, religiöser und ethischer Empfindungen zeitige. Genehmigen Ew. Hochgeboren den patriotischen Gruß unserer Schule. Hochachtungsvoll Abraham Stern, Director." Berlin, 22. October. Geehrter Herr Redacteur! Der Verfasser der Recension über meine Broschüre: „Herr Mozkin und die Wahrheit über die Colonisation Palästinas" hat mein Schriftchen offenbar mißverstanden. Nicht um Meinungsverschiedenheiten handelt es sich, sondern darum, ob Herr Mozkin in der Lage ist, die Behauptung zu beweisen, daß die Administration der Colonie in Palästina mit rühmenswerthen Ausnahmen ein Herd der Corruptron und des Protectionismus ist. Ich bestreite diese ehrenkränkende Behauptung und die aus derselben gezogenen Folgerungen auf das Entschiedenste und fordere Herrn Mozkin auf, seine Beweise vor einem Schiedsgericht zu erbringen. Dies der Inhalt der kleinen Broschüre. Hochachtungsvoll ergebenst W. Bambus. Berlin. Die Frage einer jüdischen Landtagscandidatur in Berlin bildete im „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" den Gegenstand lebhafter Erörterungen. Der Referent des Abends,Justizrath Dr. Friedemann, bemerkte unter Hinweis auf ein Wort Andrassh's, daß die Concessionen der Lauen und Halben an den Antisemitismus gefährlicher seien, als dieser selbst. Er bezeichnete es als eine bedenkliche Concession dieser Art, daß zur Zeit, abgesehen von den Socialdemokraten, kein einziger Jude im Parlament säße. Ein „bloßer Zufall", wie man von freisinniger Seite glauben machen wolle, sei dies gewiß nicht. Charakteristisch für die ganze Sachlage erscheine die Thatsache, daß sich die Juden in der Provinz, vielfach selbst gegen jüdische Candidaturen sträuben, um nicht der antisemitischen Bewegung neue Nahrung zu geben. Kaufmann Weinberg empfahl, was in dieser Beziehung bei den Reichstagswahlen versäumt worden sei, bei den bevorstehenden Landtagswahlen nachzuholen. Die Gründe, die vielleicht in der Provinz gegen die Aufstellung jüdischer Candidaturen maßgebend wären, hätten in Berlin keine Geltung. Wenn alle jüdischen Urwähler ihre Schuldigkeiten thäten, gelänge es nicht allzuschwer, einen jüdischen Candidaten durchzubringen. Es sei Sache des Centralvereines, den Juden zn ihrem Rechte zu verhelfen. Schriftsteller Wohlberg erinnerte daran, daß der neue Landtag sich wahrscheinlich auch mit der Revision des Judengesetzesvon 1847 zu beschäftigen haben werde. Wie viel Böswilligkeit und bodenlose Unkenntniß jüdischer Verhältnisse werde sich da offenbaren! Es sei geradezu eine Schmach, daß keinem einzigen. Juden Gelegenheit geboten werde, in dieser Sache mitzuberathen.. Apotheker L ö w e n st e i» nannte als geeignete jüdische Land-, tags candidaten Stadtrath Weigert und Justizrath Friedem ann. Redacteur Klausner meinte, der Freisinn sei es sich selbst schuldig, jüdische Candidaten aufzustellen, nicht den Juden, sondern seinem Princip zu Liebe; statt defien gefalle es der Parteileitung, den Juden, wie es in Posen geschehen sei, Vorwürfe zu machen, wenn sie sich von anderen Parteien als Candidaten aufstellen lassen. Die Juden im Parlamente haben ihrer Partei, wie ihrem Vaterlande zur Zierde gereicht. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. H o r w i tz, erklärte im Namen des Vorstandes, der Verein sei wohl bereit, für jüdische Candidaturen nach Kräften einzutreten, von besondereil Centralvereinscandidaten könne aber unter keinen Umständen die Rede sein. Berlin. Zum ersten Verbandstage des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes waren zahlreiche Vertreter von Provinzial- und Landesverbänden dieses über ganz Deutschland sich ausdehnenden Gemeindebundes eingetroffen. Der Vorsitzende des.