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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-10-28 · 43 (28.10.1898) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
43 (28.10.1898)
Date
1898-10-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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f Seite 782 Vr. Vloch'» Wochrnschrist Nr. 43 dem liebenswürdigen Philosophen zu. Er hat drei sehr artige die lebhafteste Freude in seinem Leben sei der Fund von Töchter, davon die mittelste ein recht schönes Mädchen ist, und 20 Groschen gewesen, für welche er sich ein reines Hemd gekauft drei Söhne, denen man den Geist aus den Augen sieht." Am habe. In den Reden und Thaten eines ausgezeichneten Mannes 4. October ist Mendelssohn bei der Herzogin eingeladen; man ist kein Wort, kein Zug unwichtig." disputirt, ob eine gute That, wie er behauptet, an Werth ver- Sophie Becker hat den hochverehrten jüdischen Philosophen liert, wenn sie außer der Belohnung durch das eigene Bewußtnur um 3 Jahre überlebt. Sie ist jung gestorben, nur 35 Jahre sein noch äußeren Lohn erhält. „Als wir zum Speisen gerufen alt; aber mit ihrem Tagebuch, das außer den Stellen über wurden, war Mendelssohn ins Wirthshaus gegangen. Wir Mendelssohn noch sehr viel Interessantes enthält, hat sie sich saßen nur sehr kurz am Tische, um die Gesellschaft des Mannes ein unvergängliches Denkmal errichtet. Ein Jahr nach ihrem nicht lange zu entbehren." Tode gab Elise von der Recke ihre eigenen Gedichte und die Warum er nicht bei der Herzogin speisen wollte, brauchen Sophien's zusammen heraus. M. wir dem Leser nicht zu erklären. Interessant ist es aber, daß _ Sophie Becker einige Wochen später in Hamburg bei Reimarus (Korrespondenzen Am 10 October "wird er lieberVit Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen groberwrrd er wieder von ^e vesuchl. ,^re-mal Cultusgemeinde am 23. October 1898, unter- Vorsitz des Weib °°n >Ll.m wiflenschastlichen V-rst°nL zu' s-in ,ch-int. i „ r i ch K l i „ g ° r. Beginn Sie nimmt den innigsten Antheil an dem, was ihr Mann der Schung 10 Uhr Vormrttags spricht. Heute wurde viel über Lessing gesprochen". Von En Spenden sind emgelaufen. Hamburg zurückgekehrt, schreibt die Becker am 24. November in H^rrn Max Ritter von Gut mann der ihr Tagebuch: „Heute hatten wir endlich wieder die Freude,?^urk nnes Sohnes 1000 st-, der Widmung: 200 fl. dem unseren geliebten Mendelssohn in seinem Hause zu besuchen, rftaelflrschen Blmdemnstflute, 200 fl.dem israeüttschen Taub- Sein Willkommen zeugte von innerer Freude, uns wiederzusehen... stummemnstüute, und 600 fl. Wohlthatigkeit, anstalten nach dem Die Seele schließt sich so willig in seiner Nähe auf." )ef ^«ren. lieber Antrag des Pra- Bis Ende des Jahres dauert der Verkehr mit Mendelsstdmms werden ie 100 fl der Armenansta t, der Sperseanstalt sohn, worüber Sophie in ihrem Tagebuch treu berichtet. Wir dem Armenamte, der Talmud^Thoraschllle für Bekleidung arm r wollen aus den geführten Geiprächen nur Einiges mittheilen. ^ch^mder, der SpitalsaushilfsLasse und dem Vereme zur Als einmal die Rede davon ist, daß man bei den Christen Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender die Juden in ihrem verachteten Zustande als den redendsten zugefuyrl. B-wlis bet WZlheit der christliche» R-ligun -msst-llt-, ,°gt B°n Herrn Dr Maximilianl Steiner für de» israelitischen Mendelssohn lachend: .I-, ja, Ihr seht uns als lebendige Walsend-re,» 20 fl.; da» Herrn L°I°S^ Kri-,-r ,ur human,tare Docnmente Eures Glaubens an, und Dank sei dieser Einsall , don Herrn Dr. Adols Stein ftir verschiedene einem gewisien Bischos, dessen Name ich mich nicht besinne, daß WohlthatigkeltSzwecke 150 fl.; von Herrn Heinrich Guttmann er unsere Natron zum Beweise brauchte, sonst hätten uns die Tur 5 fl. , . .. ffbriften lanae aain vertilat" Bei Besprechung der Angelegenheit des zu errichtenden J ® ä t ® . ■ er t, x. n Siechenhauses verweist der Präsident auf das in den Mischen ®eCjn^er heißt es Meder rm Ta^buch: „Um Blättern veröffentlichte Verzeichniß der seit der letzten Sitzung 10 Uhr Morgens fuhren wir heute m Nicolais Gesellschaft zu ncu eingelaufenen freiwilligen Beiträge und betont, daß das im Moses Mendelssohn und brMten da zwer Stunden der ange- Allgemeinen wohl unter den Erwartungen zurückbleibende Er- Unterhaltung zu. Dresmock betraf unser Gespräch die gxpniß die Erklärung auch in dem Umstande finden dürfte,- daß AUistk, und zwar hauptscwhlich die Gluck sche, von der Remhardt anläßlich dieser Wohlthätigkeits-Action persönliche Besuche der sehr eingenommen ist. Mendelssohn ist für den fimplen Gesang Gemeindemitglieder durch Vorsteher — wie solche in anderen und verwirft Coloraturen, welche Nicolai vertheidigt. Corporationen üblich sind — nicht stattgefunden haben. Am 25. Deceurber besuchte Mendelssohn mit Frau und Mt Rücksicht auf die am 27. November l. I. statt- Töchtern Frau von der Recke. Es war sein letzter Besuch bei findenden Neu- und Ergänzungs-Wahlen gibt der Präsident die den Curländerinnen, vielleicht sein letzter überhaupt. Am von ihm statutengemäß designirten Obmänner und Obmann- 4. Jänner 1786 schreibt Sophie Becker ganz verzweifelt in ihr Stellvertreter sowie die Mitglieder der einzelnen Wahlcommiffionen Tagebuch: „Die Herzogin schickte mir ein Billet, dessen erste Zeilen bekannt, mit der Bemerkung,- daß dem Wahltage behufs unmein Herz erstarren machten; „„Unser großer weiser mittelbaren Contactes der Wähler mit dem Vorstande jedenfalls Mendelssohn ist diesen Morgen entschlafen."" von letzterem einzuberufende Wählerversammlung voran- — Welche sonderbare Revolution erregten diese wenigen Worte gehen werde; dieselbe soll in einem entsprechend großen Saale in meiner, bald auch in Elisen's Seele! Er, den wrr so zärtlich wahrscheinlich am 15. oder am 19. November 1898 stattfinden, liebten, der vor wenigen Tagen ftoh in unserem Kreise saß — (Zustimmung.) er ist - so plötzlich hinausgetreten, hat so Viele verwaist zurück- Ueber Antrag des Herrn Baurathes Theodor Ritter von gelassen. Die ersten Theiluehmer unseres Schmerzes waren die -Goldschmidt wird beschlossen, im Sitzungssaale der israelitischen Herzogin, die Campe, Stamford, Nicolai und Parthey. Da Cultusgemeinde neben dem Porträt des seligen Predigers saßen wir und verstummten, Keines konnte sprechen. O, wie Mannheimer auch Bildnisse der verewigten Professor Salomon laut sprachen unsere Thränen: „Er ist nicht mehr!" Und das Sulzer und Prediger Dr. Adolf Jellinek anzubringen, mußten wir noch hier miterleben! Welche unersetzliche Lücke hat Den nächsten Gegenstand der Tagesordnung bildet die Berlin, hat die ganze Welt erhalten. Elise, deren Befinden Bestellung eines Gemeinderabbiners für die Bezirke XVI und ohnehin schon schlecht war, litt vrel." XVll. Der Präsident bemerkt, daß er im Sinne des Statutes zur „Morgen Früh wird sein Körper in die Erde gelegt. Theilnahme an der Berathung über diese Angelegenheit Herrn Wie viele, viele neue Wahrheiten hat indes sein freier Geist Oberrabbiner Dr. Güdemann eingeladen habe und dankt erfaßt! Er genießt vielleicht schon in dem näheren Umgänge demselben für sein Erscheinen. mit Lessing Seligkeiten, die er hier nicht ahnte, vielleicht, arm- Von den beiden in dieser Angelegenheit von der Section seliges Wort! Indessen sitze ich hier, wo noch vor wenigen bestellten Referenten Herren Dr.Alfred Berger und Dr.Mar- Tagen unser Mendelssohn saß, und irre mit meinen Vorcus Spitzer hat der Letztere seine Abwesenheit von der Plenarstellungen in dem großen Reiche der Möglichkeiten umher." Versammlung mit einer unaufschiebbaren Reise entschuldigt und Am 5. Jänner: „Um 10 Uhr Morgens ist heute die bezüglich seines Votums auf seine in der Sectionsberathung ab- Leiche, von vielen Hunderten seiner Nation begleitet, an ihre gegebene Erklärung hingewiesen. Ruhestätte gebracht worden. Er lebt nicht mehr unter uns. Referent Herr Dr. Berg er gibt in formeller Hinsicht eine Theurer, unvergeßlicher Name, du stirbst nicht!" Darstellung der verschiedenen Stadien, welche diese Angelegen- Am 7. Jänner: „Theurer Moses, wie äußerst interessant heit durchlaufen hatte; er erwähnt, daß über erfolgte Corcurs-. müßte Deine Biographie sein! Bon der bittersten Ärmuth ausschreibung 47 Bewerber sich gemeldet haben, daß sohin im schwang er sich zum Wohlstände auf. Er sagte unter Anderem, Sinne des Statutes eine Anzahl von circa 100 Vertrauensmännern

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