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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-10-28 · 43 (28.10.1898) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
43 (28.10.1898)
Date
1898-10-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 43 Sette 778 Komfeld in Budapest, der, wie dem Schreiber dieses wohl bekannt ist, schon so viele Beweise liebevoller Pietät für seinen Onkel an den Tag gelegt — veranlassen, diese in Rede stehende Arbeit aus Lelioinsr z. h. als selbstständiges Merkchen in würdiger Ausstattung sä Perpetuum memoriam herausgeben zu lassen, damit Rabbi Aron Kornfeld ein ewiges Derckmal errichten. — Szanto, der glänzende und geistsprühende Stilist, dessen der geehrte Verfasser des Artikels in voriger Nummer als Schüler K.'s Erwähnung thnt, schüttet die ganze Schale seines überschäumenden Zornes über Grätz aus, daß er in seinem großen Geschichtswerke die culturhistorisch bedeutsame Persönlichkeit K.'s mit Stillschweigen übergeht. Dagegen hat der bekannte Gelehrte Schiller Szineßy, früher Rabbiner, zuletzt Professor in Cambridge, einer der treuesten Schüler Kornfeldes, ihm in der Einleitung zum Sefer hathilaus (Kimchi's Kommentar zu den Psalmen) einen unverwelklichen Kranz von Vergißmeinnicht gespendet. Indem nämlich der gelehrte Herausgeber alle seine früheren Lehrer erwähnt, weilt er auch in liebevoller Erinnerung bei Rabbi Aron in Goltsch-Jenikau: Dieser Gaon gehört zu den Auserwählten, welche die Vorsehung als Führer Md Rathgeber Israels zum Segen erstehen läßt; er war ebenso groß als Gelehrter, wie als Mensch und so groß sein Misten war, ebenso groß war seine Bescheidenheit. Ich habe ihm, also fährt Schiller Szineßy in seiner tief und innig ansprechenden, hebräisch gehaltenen Einleitung fort, im Kreise meiner nichtjüdischen Schiller einen Nachruf gehalten. Diese großangelegte Gedenkrede wurde in der: Grundzügen von einem Hörer Sch.'s in „Jewish World" vom 10. Kislew 5642 veröffentlicht, wovon der „Ungarische Israelit" seinerzeit eine Uebersetzung brachte. Von der großen Verehrung, deren sich Rabbi Aron Kornfeld auch in Prag erfreute, legen die in unserem Besitze befindlichen, nebst anderen handschriftlichen Werken sinnreich und kunstvoll ausgeführtcn Adressen an ihr Ehrenmitglied von der Beerdigungsbruderschaft, wie vom Afike Jehuda-Verein beredtes Zeugnis ab. Der Verfasser und Schreibererwähnter Diplome war mein väterlicher Freund, der Privatgelehrtc Kalman Lieben, Verfasser des Gal-Ed. Schließlich sei noch nebenbei die Bemerkung erlaubt, daß mit dem Erlöschen der Jeschiba in Jenikau diese Art jüdischer Hochschulen allerdings auf dem flachen Lande zu existiren aufhörte, daß aber noch gegenwärtig eine in der Landeshauptstadt von früherem Oberrabbiner Hirsch begründete, vom jetzigen Oberrabbiner Ehrenseld fortgeführte Jeschiba besteht, aus deren Mitte schon mehrere in verschiedenen Gemeinden der Monarchie amtirende Rabbiner hervorgegangen sind. Goltsch-Jenikau, am 23. October 1898. Dr. K. T Hieberger Rabbiner. Der Strike derKolomeaer Tallesweber dauert fort und ist seit drei Wochen ein allgemeiner. In sämmtlichen Tallesfabriken ruht jede gewerbliche Arbeit. Siebzig Weber, zumeist Familienväter, stehen im Ausstand. Die Unternehmer verhalten sich schroff ablehnend gegenüber den Forderungen der Arbeiter. Sie wollen sie zuerst gehörig aushungern und sie dadurch zur Nachgiebigkeit zwingen, um sie dann noch mehr auszubeuten. Ein Beleg mehr für die zionistische Heilslehre. In einer am 18. d. abgehaltenen Vollversammlung beschlossen die Strikenden einmüthig, lieber Hungers zu sterben, als unter den alten Lohnbedingungen die Arbeit wieder aufzunehmen. Sie beschlossen ferner, daß kein Einzelner mit den Unternehmern selbstständig verhandle, und daß nur das zu diesem Behufe eingesetzte Lobncomitä zu Unterhandlungen namens der Organisation autorisirt sei. Das Elend unter den Strikenden ist groß. Rasche und ausgiebige Hilfe thut dringe n d n o t h. („Arbeiter-Zeitung.") Die politischen Zionisten haben rascher als zu befürchten war, das Ziel erreicht, das alle Einsichtigen dieser planlosen Agitation vorher verkündet haben, nämlich das strenge Verbot jüdischer Einwanderung in Palästina. Zwar hat die türkische Regierung schon seit einigen Jahren jüdischen Auswanderern von Oesterreich, Rußland und Rumänien die Ansiedlung in Palästina verboten. Trotzdem haben sich Viele ansäßig gemacht. Neuerdings aber hat die zionistische Bewegung in Europa die Aufmerksamkeit der Behörden in dieser Angelegenheit erregt. Der Großvezier hat deshalb strengen Befehl erlassen, allen auswärtigen Juden aller Nationalitäten ohne Unterschied das Betreten Palästinas zu untersagen, wenn nicht hinlängliche Bürgschaft gegeben wird, daß sie innerhalb dreißig Tagen das Land wieder verlassen. Auch brittische Juden sind natürlich dieser Vorschrift unterworfen. Mehreren brittischen jüdischen Familien, die kürzlich in Jaffa eintrafen, wurde die Landung nicht gestattet. Sie waren gezwungen, mit demselben Schiffe, das sie gebracht hatte, zurückzukehren, und ihre Proteste bei den Consuln blieben vergeblich. („Allgemeine Zeitung des Judenthums" Nummer 42.) Der Meineid-Canonieus auf Urlaub. Aus Prag wird gemeldet: „Dem Profeffor Rohling, bekannt durch seine Schriften „Die Talmudjuden" und „Meine Antworten an die Rabbiner" wurde der „Politik" zufolge mit dem Beginne des Studienjahres an der deutschen theologischen Facultät zu Prag die venia legendi nicht mehr ertheilt. Rohling gab im Mai eine Schrift heraus, betitelt „Der Zukunftsstaat". Wegen dieses Buches gerieth er mit den Kirchenbehörden in Widerspruch und die päpstliche Curie setzte die Schrift auf den Index, als eine Schrift bedenklichen Inhalts. Rohling Verfocht seine Ansichten ganz entschieden gegenüber dem Vorsitzenden der Jndexcommission, Cardinal Steinhuber. Deshalb hat der österreichische Unterrichtsminister den Professor wegen des Conflictes mit Rom auf ein halbes Jahr beurlaubt." Herr Profeffor Rohling hat bekanntlich schon früher einmal einen anderthalbjährigen unangenehmen Urlaub verbracht. Es war dies anläßlich der Artikel, welche Dr. B l o ch über ihn veröffentlichte und in welchem er ihn des Meineids beschuldigte. Der ehrenwerthe Canonicus mußte klagen, und. trat, um den Proceß durchführen zu können, einen Urlaub an. Von diesem Augenblicke bis zur eventuellen Gerichtsverhandlung überzog sich der Weg ungefähr so wie von Stockerau nach Amerika. Anderthalb Jahre verfloßen, der Herr Canonicus war diese ganze Zeit über auf Urlaub, und nach Ablauf dieser Zeit ließ er die Ehrenbeleidigungsklage fallen nnd entzog sich der ihm drohenden Führung des Wahrheitsbeweises. Das verhinderte nicht, daß er nach wie vor Universitätsprofessor blieb, und um sich ein Urtheil über den Mann zu bilden, brauchen wir nichts anderes zu erwähnen, als daß V e r g a n i ihn anläßlich der nunmehrigen Beurlaubung einen „v e r d i e n t e n G e l e h r t e n" nennt. Eine Brandrede des Mechanikers Schneider. In Fünfhaus fand Mittwoch im „Bacchussaale" eine antisemitische Versammlung statt, in welcher der Abgeordnete Schneider eine furchtbare Brandrede über die Pestfälle in Wien hielt. Er brachte dieselben mit den Juden in Verbindung, indem er angab, Stellen aus dem Talmud zu kennen, in denen es den Juden gestattet wird, derartige Experimente, wie sie im bakteriologischen Institute betrieben wurden, an Christen vorzunehmen. Abgeordneter Schneider griff sodann in schärfster Weise die Regierung an, indem er ihr zunmthete, alle Unzukömmlichkeiten wissentlich geduldet zu haben. Als darauf der anwesende Regierungsvertreter Polizeicommissär Rohaczek die Versammlung als für aufgelösterklärte, erhob sich ein furchtbarer Tumult nnd wilde Sch mähungen wurden gegen den Regierungsvertreter ausgest o ß e n. Plötzlich flog, von kräftiger Hand geschleudert, ein massives Bierkrügel auf die Tribüne, das den Regierungsvertreter an der Schulter traf. Der Attentäter, der nach dem P o l i z e i c o m m i s s ä r geworfen hatte, wurde sofort von anwesenden Deck ectiv es fest genommen, doch gelang es seinen Parteigenossen, ihn, als er zur Thür hinausgeführt wurde, zu befreien. Unter großen Demonstrationen und t u m u l t uösen Auftritten leerte sich der Saal. Eine Scene im Eisenbahneoups. Herr Franz Klein, Colonialwaarenhändler und Kaffee- Engrosiist, I., Schellinggasie 6, ist ein überzeugungstreuer Antisemit. Als solcher hat er seine Grundsätze und Anschauungen. Da wir nun in einem Staate leben, dessen Grundgesetz das Recht der freien Meinungsäußerung ausspricht, muß es auch ihm freistehen, seinen Ansichten über die Juden im Allgemeinen und Jüdinnen im Speciellen ungestört Ausdruck zu geben, und nur die in letzter Zeit von hervorragender Seite, wie es der Bürgermeisterftuhl der Haupt- und Residenzstadt ist, constatirte Thatsache, daß unsere Richter gar zu objectiv sind und sogar nicht Rücksicht nehmen auf die höheren und hehren Zwecke der Antisemiten, brachte es mit sich, daß Herr Franz Klein dieses Recht nicht so auffassen durfte, wie es ihm beliebt. Die Gattin eines hiesigen hochgeachteten Papier-Engrossiften, Frau Johanna T, fuhr im Monate Juli l. I. mit ihren zwei kleinen Kindern, von denen das eine 1'/- Jahr, das andere '/, Jahr alt war, in Begleitung zweier Dienstmädchen mit der Verbindungsbahn von Hütteldorf nach Meidling. In der Station St. Veit stieg ein Herr ein und setzte sich der Dame gegenüber. In der nächsten Station der Verbindungsbahn stiegen nach und nach Freunde dieses Herrn ein, die sich zu ihm setzten und mit denen er sich in ein höchst anregendes, so recht zeitgemäßes Gespräch einließ. Er begann nämlich, ohne daß die ihm gegen-

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