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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-10-28 · 43 (28.10.1898) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
43 (28.10.1898)
Date
1898-10-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 43 Dr. Vloch's Wochenschrist Sette 777 meister, dieses G e s ch en k B ad en i's an di e S t ad t W ie n, längst bereits aus dem Rathhause hinausgejagt, in welchem er die Rolle eines Tyrannos mindestens von Niederösterreich spielt. Es gehört freilich große Naivetät dazu, von einem Ministerium Dipauli zu erwarten, daß es dem Dr. Lueger gegenüber eine Meinung bat. Gegen die Hausirer, da hat Herr Dipauli Courage, und seine erste That war ein Erlaß gegen die Hausirer. Sein College, der Herr Unterrichtsminister, hat bisher nicht den Muth und nicht die Zeit gefunden, sich über den ungesetzlichen Schulerlaß öffentlich zu äußern. Prof. Rohling durfte Jahre hindurch seine Lehrkanzel durch Fälschungen, im Dienste des Antisemitismus begangen, beschmutzen. Das hat Niemanden genirt. Weil er sich einer Verfügung des Vaticans gegenüber nicht vollständig gefügt und einen verlangten Widerruf nicht vollständig geleistet hat, suspendirt ihn die Regierung augenblicklich für sechs Monate. Oesterreich wird von Rom aus regiert und darum die Duldung aller antisemitischen Gesetzesverletzungen, aller demagogischen Aufreizung. Daher auch die sonst unerklärliche Machtfülle und die schamlose Verwegenheit des Dr. Karl Lueger, dieses Werkzeuges und Lieblings des Clericalismus. Wenn dieser Mann sich nichts Anderes hätte zu Schulden kommen lassen, als die Züchtung des Bacillus Bergani, so hätte er damit allein ein unverzeihliches Verbrechen gegen die Cultur, gegen die Intelligenz und den guten Geschmack der Wiener Bevölkerung begangen. Unter der Aegyde des Dr. Karl Lueger und unter seiner Führung wird gehetzt und geschürt gegen die Juden, die Liberalen, die Socialdemokraten, die Deutschnationalen, die Lehrer, die Aerzte, die Richter und die Beamten, die Czechen, die Ungarn, die Polen und weiß Gott gegen wen noch. Eine Atmosphäre von giftigem Haß, pöbelhafter Unwissenheit und frecher Anmaßung umwölkt die Stadt Wien, deren Universität von einem Gregorig ein Mauscholeum genannt werden darf und in welcher einem verklärten Märtyrer der Wissenschaft der Spottrefrain ins früh geschaufelte Grab nachklingt: „Hoch Nothnagel! Hoch Dr. Müller! Es lebe die PeP!" Robert Wolf. Die Regierung über die Pestfiille. Der Ministerpräsident Graf Thun beantwortete in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 25. d. M. die von Herrn Greg orig eingebrachte Interpellation, betreffend die Pestfälle in Wien. Die Antwort des Ministers enthält die entschiedene Abweisung des Versuches, die Wissenschaft zu terrorisiren, und sie bedeutet ungeachtet der überaus höflichen Form eine empfindliche Lectiou für die Verfechter der Altweibertheorie. Bor Allem .zerstörte der Minister die antisemitische Erfindung, daß die bacteriologischen Experimente in den Kliniken vorgenommen werden. Dieselben werden in den Räumen des pathologischen Instituts vorgenommen, welches nach der von Rokitansky stammenden Aufschrift der Erforschung v o n S i tz und Ursache der Krankheiten gewidmet i st, also weit entfernt von den Krankensälen. Der Ministerpräsident sagte ferner: „Jnsoferne die Interpellation darauf abzielt, den Aerzten überhaupt die Ausführung von. Studien über pathogone Batterien zu untersagen, möchte ich auf die Thatsache Hinweisen, daß die Resultate bacteriologischer Forschungen die wichtigsten Fortschritte der Medicin in der Neuzeit angeb ahnt haben, und angesichts des traurigen Ereignisses der letzten Tage behaupten, daß die neueren Erkenntnisse Tausenden von Menschen das Leben gerettet haben. Ich darf wohl an die erfolgreichen Vorkehrungen gegen die Cholera erinnern, deren Natur als bacterielle Infektionskrankheit erst im letzten Decennium erkannt wurde — eine in solchen Laboratorien erworbene Erkenntniß, welche die wirksamsten prophylactischen Maßnahmen an die Hand gab, so daß, während bei der letzten Cholera-Epidemie vor Gewinnung jener bacteriologischen Einsicht im Jahre 1866 in Oesterreich 120.000 Personen' dahingerafft wurden, bei ihrem Einbrüche im Jahre 1892 hingegen nur 125 und im darauffolgenden Jahre 913 (darunter 896 in Galizien) zum Opfer fielen. Wenn die neueren Forschungen über die Natur der Pest nicht ausgesührt worden wären und eine der unzähligen und unberechenbaren Zufälligkeiten den Ausbruch der Pest in Wien herbeigeführt hätte, so würden zahlreiche Kranke gestorben sein, ehe man die richtige Diagnose gefunden hätte; zu spät wäre die Größe der Gefahr erkannt worden, der wir schließlich doch gänzlich machtlos gegenüber stünden. Ein Verbot aber, das die experimentelle Erforschung infectiöser Krankheiten trifft, würde für das Wohl unserer Mitbürger nur schädlich wirken. Möge man somit die wohlthätigen Erfolge der wissenschaftlichen medicinischen Forschung, der wir ja den unvergleichlichen Aufschwung der öffentlichen sanitären Verhältnisse verdanken, nicht verkennen, es vielmehr vermeiden, daß ihrer Entwicklung Hindernisse bereitet (Mgeordneter G r e g o r i g: Hört! Hört!) oder gar gegen dieselben in dem leicht erregbaren Gemüthe der Bevölkerung unberechtigte Befürchtungen und Mißtrauen erweckt werden." Obersanitätsrath G r e g o r i g, eine Autorität auf dem Gebiete der öffentlichen und der geheimen Hygiene, war natürlich mit dieser Antwort höchst unzufrieden. Er behauptete, daß die Antwort Unwahrheiten enthalte. Das Haus beschloß, über die Antwort eine Debatte zu eröffnen. Der Vater des Dr. Müller. Wir erhalten folgende Zuschrift: Geehrter Herr Redacteur! Es dürfte die Leser Ihrer geschätzten Wochenschrift interesiiren, daß der Vater des als Märtyrer der Wissenschaft verstorbenen Dr. Müller, k. k. Universitätsbibliothekar in Graz, Dr. Alois Müller, im Jahre 1884eine Schrift: „Brauchen die Juden Christenblut? Ein offenes Wort an denkende Christen" verfaßte. Er beginnt jene Schrift mit den Worten: „Im Interesse der Wahrheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit veröffentliche ich als Glied der katholischen Kirche, der ich seit meiner Geburt angehöre, ohne jeden Rückhalt im Herzen, unter Berufung auf Ehre, Gewissen und Alles, was mir lieb, werth und theuer ist, diese Schrift." Er schließt, nachdem er die Blödsinnigkeit dieser Beschuldigung wissenschaftlich zurückgewiesen, mit den Worten: „Möge die Wahrheit endlich in dieser gerechten Sache obsiegen! Möge diese erste Gottestochter aller Derjenigen, sich erbarmen, welche trotz der Helle des XIX. Jahrhunderts in der Finsterniß des Vorurtheils herumtappen, damit sie endlich erkennen, daß die Juden keine Cannibalen sind, sondern Menschen wie wir Christen, nicht ohne Fehler, aber auch nicht ohne Tugenden, und insbesondere unsere jüdischen Mitbürger, Angehörige eines und desselben Staates, denselben Gesetzen gehorsam, dieselben Bürgerpflichten erfüllend, gebend dem Kaiser, was des Kaisers, und Gott, was Gottes ist." Kurz zuvor (Seite 15) bemerkt er: „Meinen Glaubensgenossen aber rufe ich die Worte unseres täglichen Gebetes ins Gedächtniß: „Zu uns komme Dein Reich", das ist das Reich der Wahrheit, Gerechtigkeit und Nächstenliebe, das wir nie und. nimmer durch Haß, Lieblosigkeit, finsteres Vorurtheil, sondern durch Versöhnlichkeit, Liebe, echte Aufklärung, welche Tugenden der wahren Christuslehre entsprechen, herbeiführeu werden." Rabbiner Dr. Ad. B i a ch. B r ü x, 25. Oetober 1898. Rabbi Aron Kornfeld f. A. Gestatten Sie, Herr Redacteur, zu den interessanten Anssührungen in Nr. 42 dieser Zeitschrift meines geehrten hierortigen Amtsvorgängers, des Herrn Dr. M. H. Friedländer, über den genannten indischen Gelehrten, einige ergänzende Bemerkungen, die vielleicht wesentlich genug sind, um sie durch diese geschätzten Blätter der weiteren Oesfentlichkeit zugänglich zu machen. Vor allem sei die allerdings weiterenKreisen nicht bekannteThatsachc festgestellt, daß außer dem auch von ehrwürdigen Collegen angeführten Werke Zijunim ledibre Kabbala, das mehr seinen Werth in dem Ermessen, was menschlicher Scharfsinn, Gedächtniß- und Combinationskraft zu leisten vermag — besitzt, noch eine andere von Aron Kornfeld herruhrende, mit seinen Namen und Wohnort gezeichnete, und seine profunde Gelehrsamkeit, historischen Freisinn, wie seine aus religionsphilosophischer Grundlage ruhende, durchaus nicht blinde Frömmigkeit trefflich charakterisirende Arbeit existirt, deren Titel lautet: Lieharh baab im haben al audans hapochsim daubre osok al kadmonim zl. — Diese Arbeit im elastischen Hebräisch ist in 15 Fortsetzungen von Nr. 35 bis 51 des Jahres 5608 (1847) in der von Jakob Ettlinger und Samuel Josef Enoch in Altona herausgegebenen ausschließlich religiös-wissenschaftlichen Zwecken gewidmeten 'Wochenschrift 8ehomer zijon hanesnon erschienen. Wie schon der Titel ankündigt, ist die ganze Abhandlung in Form eines Dialoges, der zwischen Vater und Sohn stattfindet, gehalten, wobei der Sohn die reformistische, namentlich die Partei I. S. Reggio's, der Vater hingegen die conservative Richtung vertritt. — (Es versteht sich von selbst, daß der Sohn schließlich eines Besseren belehrt wird.) Wie gesagt, die Arbeit lobt beit Meister und werden vielleicht diese Zeilen Herrn Bankdirector

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