Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 42 (21.10.1898)
- Date
- 1898-10-21
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 766 Dr. Vloch's Wochenschrist Nr. 42 Der Eindruck, den diese Ansprache hervorgerufen hat war ein tieser, nachhaltiger; in bewegter Stimmung verließen die Anwesenden den Sitzungssaal. — Am Dienstag den 19. September, fand hierauf ein Trauergottesdienst im Tempel statt, wobei Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. B. Oppenheim eine erhebende Trauerrede hielt, welche auf die Versammelten einen nachhaltigen Eindruck übte. Die cantoralen Functionen versah Herr Obercantor Schlesinger in wirkungsvoller Weise. Preßrburg. (Trauergottesdienst der israelitischen R e l i g i o n s g e m e i n d e.) Anläßlich des tragischen Ablebens Ihrer Majestät fand am 20. September. Vormittags 9 Uhr, im neuen Tempel der israelitischen Religionsgemeinde unter Betheiligung vieler Honoratioren, Gemeindemitglieder und der Schuljugend ein erhebender Trauergottesdienst statt. Der prächtige Tempel war zu dieser Gelegenheit sehr geschmackvoll drapirt und jeder Eintretende mußte den Eindruck gewinnen, daß das ganze Arrangement höchst taktvollen, feinfühlenden Händen anvertraut war. Den Empfang der Honoratioren und Gäste besorgten mehrere Gemeinde-Repräsentanten. Unter den Anwesenden bemerkte man in dem bis auf das letzte Plätzchen occupirten Raume: Bürgermeister königl. Rath Paul T a l l e r, Vicebürgermeister Theodor B r o l l y, Oberingenieur S e n d l e i n, die Vertreter der k. u. k. Garnison, Finanzdirector königl. Rath K a r t a k, Viccdirector K o n d e, seitens der Handels- und Gewerbekammer königl. Rath M i h ä l y i und Johann S e n d l e i n, eine Abordnung der evangelischen Gemeinde, Hochw. Pfarrer F ü r st und Ebner, seitens der Advocateukammer Dr. Rochlitz und Dr. Roßival. in Vertretung des Landesspitals Director Dr. Pantocsek, Primarii Dr. Dobrovits, Dr. P a v a y und Dr. Fischer, in Vertretung der orth. israel. Cultusgemeinde Vicepräses L. Gestettner, Cassier Herzfeld, F. D uschin ßky. D. Naß, Dr. Stein, Director I. Jsnäs, Viccdirector M. H a v a s, Director i. P. S a m a r j a y, die Fabrikanten M a r s ch a l l, S ch l e i f f e r u. A. Punkt 9' Uhr ertönten die feierlichen Klänge der Orgel in einem Präludium, welches mit dem tiefgefühlten Schmerz aller Anwesenden ob des unerwarteten Hinscheidens unserer heißgeliebten Landesmutter in vollem Einklänge stand und begleiteten den schönen Bortrag des Obercantors I. Hoffmann, welcher mit angenehmer Stimme deu Psalm 16 recitirte. Den Glanzpunkt des ergreifenden Gottesdienstes bot die Trauerrede des neugewählten Rabbiners Dr. Samuel Funk. In seiner Rede verstand er es besonders, die nationale Trauer in zündenden Worten und wirklicher Begeisterung hervorzuheben und zur Liebe und Treue für König und Vaterland zu begeistern, ewige Pietät der theuren Verblichenen zu bewahren. Nach vollendeter Rede betete Rabbiner Dr. Funk vor der offenen Bundeslade für das Seelenheil der der nunmehr verklärten, heißgeliebten Königin Elisabeth, und es folgte zum Schluffe die Absingung des »Ha kedveseinket« durch das Tempelchoral. (Korrespondenzen. Prag. Herr Redacteur! Sie veröffentlichten in Ihrem geschätzten Blatte vom 14. d. M. eine Zuschrift eines Anonymus, in welcher dieser unter Anderem bemerkt: „Man mag mir nicht damit kommen, daß die Eultusgemeinde im Adlersaal einen Gottesdienst abgehalten hat, denn demselben blieben die meisten Schüler fern". Ich greife aus dieser Zuschrift diesen Passus heraus, um die unerquicklichen Verhältnisse unserer Eultusgemeinde näher zu beleuchten. Ich bin der vollsten Ueberzeuguug, daß der Herr, der obige Zuschrift an Sie richtete, über den im Adlersaale veranstalteten Gottesdienst nicht im Entferntesten informirt ist, noch weniger aber je oder gar im heurigen Jahre dem Gottesdienste im Adlersaale beiwohnte. Es liegt dies aber leider in dem Naturell unserer Glaubensgenossen, daß sich jeder competent erachtet, über Dinge zu sprechen, für die er oft gar kein Verständniß hat, oder wo ihm die Sachlage ganz fremd ist. Ich fühle mich nicht animirt, mich mit dem genannten Herrn in eine nähere Polemik einzulafsen und bitte nur in Ihrem nächsten geschätzten Blatte Folgendes zu constatiren: „Der Gottesdienst im Adlersaale wird an den hohen Feiertagen nur für jene Schüler abgehalten, deren Eltern nicht in Prag domiciliren und für jene nach Prag zuständige Schüler, deren Eltern arm sind; wenn es der Raum gestattet, wird auch von diesen Anordnungen abgesehen. Es wird ferner constatirt, daß insbesondere am letzten Versöhnungstage, wo die auswärtigen Schüler bereits in Prag anwesend waren, der große Betsaal bis auf den letzten Platz von den Schülern frequentirt wurde und der Gottesdienst ein weihevoller war, dem die Schüler mit größter Andacht folgten". Es zeichnet sich mit vorzüglicher Hochachtung D. (Name und Adresse des Einsenders sind der Redaction bekannt.) Kuttenberg» 16. October. Die Correspondeiiz aus Prag in der letzten Nummer, veranlaßt mich zu diesen Zeilen, obwohl der Anfang eigentlich, wie man entnehmen kann, gegen die Herren Neligionslehrer in Prag gerichtet ist; der Schluß hingegen bildet eine allgemeine Apostrophirung, die nicht unerwidert bleiben soll. Die Herren in Prag in Schutz zu nehmen gegen allgemeine Angriffe von Laienscite, fällt mir int Traume nicht ein, denn die Herren treffen dies allein; doch den Stab über deren Thätigkeit so rasch zu brechen, ohne die Verhältnisse zu kemten, ist denn doch etwas, was man gewöhnlich »Chiliul haschem« nennt. Wie das Judenthunl heute vom Elteruhause gefördert wird, ist wohl nicht nöthig, erst zu erwähnen, es ist eben viel bequemer, die Schuld den Neligionslehrern in die Schuhe zu schieben. Ter Schreiber dieses Angriffes scheint wohl daran vergessen zu haben, daß von allen Prager Neligionslehrern nur zwei in Prager Tempeln als Rabbiner fungiren, die aber doch nicht das Recht haben, den Tempel mit, sagen wir rund, 250 Studenten an den hohen Feiertagen zu füllen; denn wo fänden die ständigen Tempelbesucher mit ihren eigenen Kindern Platz? Man kann aber doch ebensowenig verlangen, das; diese Rabbiner ihre Pflichten der Gemeinde gegenüber an solchen Tagen vernachlässigen und nur dem Gottesdienste der Studenteil beiwohnen. Dem könnte nur dann abgeholfen werden, wenn ein Thcil der Gemeindcmitglicdcr dem Gottesdienste beiwohnen würde, so daß er beide Pflichten gemeinschaftlich erfüllen könnte. Daß ein Gottesdienst ohne Gemeindemitglieder und ohne Aufsicht des Religionslehrers nicht entspricht, ist selbstverständlich, da die Studenten die Alttorität eines Fremden nicht anerkennen und geradezu die Gelegenheit haben, Allotria zu treiben, statt andächtig zu beten. Und daß dem so ist, beweist ja diese Korrespondenz. Es nützt nichts, wenn zlvei oder drei Herren der Repräsentanz dem Gottesdienste beiwohnen, die Altdacht kann bei jungen Leuten nur durch das Beispiel der Erwachsenen geweckt werden. Die Controle über den pünktlichen Besuch könnte lvieder durch einen Schüler jeder Classe besorgt werden, ebenso 'deren sittliches Betragen, und ich bin überzeugt, wenn der Religionslehrer eirtmal ein Exempel wegen Nichtbesuches statniren würde, der jüdische Schüler würde seinem Glauben ebenso Respect entgegenbringen, wie der katholische. Ich z. B. habe als Religionslehrer der hiesigen Staats-Oberrealschule folgenden Modus eingcführt, der sich vorzüglich bewährt. Jeder Schüler der Mittelschule, der Volks- und Bürgerschule muß jeden Freitag dem Gottesdienste beiwohnen. Hat ein Schüler am Samstage während des Gottesdienstes eine freie Stunde, wie katholischen Religionsunterricht, muß er den Gottesdienst besuchen; jede Vernachlässigung desselben wird dem Director angezeigt, der dies strenge rügt, sogar mit schlechten Fortgangs- oder Sittennoten bestraft. Ich habe mich selbst verbürgt, daß ich für die Aufsicht Sorge trage. Ich muß gestehen, daß dies für die jungelt Leute von großem Vortheile ist; denn sie lernen dadttrch praktische Lithnrgie, sie werden häufig zur Thora gerufen, oder wenn sie einst Barmizwa sind, mit Hagbe oder Gelila bedacht, was ihnen nicht nur Freude bereitet, sonderir auch ihr Ehrgefühl weckt. Ich habe z. B. am zweiten Tage Succos und am Simchas thora alle Realschüler collectiv direct aus der Religionsstnnde ins Gotteshaus geführt, es fand sich Keiner, der nicht bei Lol hanorim seinen und seiner Eltern hebräischen Namen wußte, sie mußten aber über mein Geheiß sich ztt Hause informiren lassen. Es war eine Freude, die jugendlichen Gentüthcr dabei zu sehen, wie ihr Gesicht vor Freude strahlte. Ich zwinge aber auch dieselben, wenigstens die, die das 13. Jahr erreicht, das Minjam zu besuchen, wenn Jemand Jahrzeit hält. Auf diese Weise lernen die jungen Leute nicht blos die praktische Lithnrgie an den verschiedenen Tagen, sondern sie lernen auch die einzelnen Gebräuche im Tempel kennen, was von großem Vortheil für die Generation ist, sie lernen ihren eigenen Werth kennen, daß man sie bei einem Minjam zählt. Dic Disciplin selbst wird dadurch bedeutend gehoben, besonders wenn sie sehen, daß von Seite der Anstalt ihrer Ausbildung in der Religion die nöthige Aufmerksamkeit gewidmet wird. Oefter inspicirtc der Herr Director die Religionsstnnde und blieb die ganze Stunde da, um die Fortschritte kennen zu leruen, lobte sie für deren Fleiß und ermahnte sie zum fleißigen Studium, da jeder Mensch Religion haben müsse. Besonders wohlthuend wirkte auf die Jugend, als der Herr Realschnl-Director sich bciin Schlußgottesdienste des Schuljahres, der aber gemeinschaftlich mit dent der Erwachsenen stattfand, betheiligte. Er selbst ersuchte mich, ohne daß ich ihn speciell einlud, ihm die Stunde desselben bekanntzugeben, um zu sehen, ob die Schüler sich angemessen betragen. Es machte einen wohlthuenden Eindruck, die große Kinderschaar in Gemeinschaft mit den Eltern bei der Andacht zu sehen. Ich bin fest überzeugt, daß jeder Director seinen jüdischen Katecheten aufs Wärmste darin unterstützt, die Schüler religiös zu erziehen, da er dies ja auch beim katholischen thilt und die Schüler zwingt, dem Gottesdienste beizuwohnen. Der Religionslehrer muß ihn nur darum ersuchen. Wir