Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 42 (21.10.1898)
- Date
- 1898-10-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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.. 42 Vr. Bloch's Wochenfchrifi Seite 765 .abbi" nennen ließ — entsprechende Proben ihrer Hochachtung und Verehrung liefern zu können. Zahlreiche Verehrer, die verhindert waren, persönlich zu erscheinen, sandten schriftlich ihre Glückwünsche ein. Ein besonders treffliches hebräisches Gedicht schrieb bei dieser Gelegenheit mein sehr geehrter und gelehrter Freund Rabbiner Dr. Unger in Jglau. Mit seiner edlen, frommen und äußerst tugendhaften Gattin, Frau Julie Kornfeld, lebte Rabbi Aron 65 Jahre lang in äußerst glücklicher Ehe. Als sie am 18. September 1880 das Zeitliche gesegnet, rief er aus: „Ich danke Dir o guter Gott, daß Du mir die große Gnade (Chesed) erwiesen, mir sie so lange zu schenken". Bis dahin erfreute er sich der besten Gesundheit und Geistesfrische. Er fungirte sogar noch ein Jahr vor seinem Tode aut Neujahrsfeste als Boal Tokea in der Synagoge* *). Von dent Momente an aber, als ihm seine theure Gattin entrissen wurde, fing auch sein Körper an, nach uud nach zu siechen. In der Nacht vom 26. auf den 27. October 1881 wurde dieser Gaon, dieser edle Lehrer Israels, vom Schauplatze seiner langjährigen segensreichett Thätigkeit abberufen. Das Leichenbegängniß fand Sonntag den 30. October 1881 um 1 Uhr Nachmittags unter ungewöhnlich großer Theilnahme der Bevölkerung statt. Zahlreiche Deputationen aus vielen Gemeinden waren erschienen, um dem Heimgegangenen das letzte Geleite geben zu können. Aus Prag waren die Herren Oberrabbiner Hirsch, Rabbiner Adler, Rabbiner Dr. Bak, eine Deputation der Chewra-Kadischa, des Beerdigungsvereines, dessen Ehrenmitglied der Verewigte war, und viele andere Honoratioren erschienen. Auch die Rabbiner Dr. Guggenheimer, Polatschek, Leugsfelder rc. waren anwesend. Um 1 Uhr waren die Trauernden um die Bahre versammelt, zu denen sich auch viele achtbare christliche Bürger, die Stadtvertretung und die Geistlichen des Ortes gesellten. Die Rabbiner traten ein und stellten sich an den Sarg. Die erste Trauerrede hielt der Ortsrabbiner M. Zacharias Spitz s. A. der in dem Verewigten einen überaus treuen Freund und Gönner besaß. Wehmuthsvoll rief er aus : „Viel, unsäglich viel haben die Söhne, viel, unsäglich viel die Geschwister und Verwandten, viel, unsäglich viel die Gemeinde, viel, unsäglich viel die ganze jüdische Welt verloren; aber in meinem tiefen Schmerze rufe ich aus: Mein Lehrer, mein Meister, mein Vater, tnein Freund, mein Rathgeber, meine Stütze, mein Stab, mein „Mate Aharvn", der Blüthen und Früchte getragen, liegt vor mir gebrochen. Bei meinem Eintritte in Jenikau, der bereits vor einem Vierteljahrhundert stattgefunden hat, ging mir Aron entgegen „umi scherooh es Aron jauze welan jauze", da folgte ihm die ganze Gemeinde nach, mich zu begrüßen. Dir Rabbenu Hakodausch hatte ich es zu verdanket», daß ich zu jener Zeit, da so viele „Lomde Thora" hier waren, meine Stellung behaupten konnte; Du warst mir auch Kefirs Enajim nach Außen hin. Von Dir und Deinem großen Bruder, Rabbi Mischl Kornfeld *), konnte ich sagen: „Weaharon umischl tomchu bejadi mise echod umise echod" „Aron und Mische! unterstützten mich, von dieser Seite Einer und von dieser Seite Einer". Dann wurde der Sarg von den Verwandten des Verewigten aus dem Trauerhause in den schwarz decorirten, prachtvollen großen Tempel getragen und vor der Bundeslade ausgestellt, wo Herr Oberrabbiner Hirsch dem großen Lehrer Israels einen äußerst warmen Nachruf widmete, der einen tiefen Eindruck auf die zahlreichen Anwesenden machte. Auch die Rabbinen Pollatschek und Lengsfelder schilderten in beredten Worten die hohen Tugenden wie die unverwüstlichen Verdienste des Verewigten, der sich einen Weltruf erworben hatte.' *) In jüngeren Jahren hatte Rabbi Aron' auch als Kaure- Thoravorleser in der Synagoge fungirt, und sich, da er ein großer Grannnatiker war, auch auf diesem Gebiete als Meister bewährt. Merkwürdig ist es aber, wie Dr. Kraus berichtet, daß bei ihm der Text des Pentateuch und die Accente so ineinander verwachsen waren, daß Rabbi Aron, wenn man ihm die „Taamim" eines Bibelverses ohne die Textworte niederschrieb, nach kurzer Betrachtung, ohne je zu fehlen, den betreffenden Vers sofort errieth und angab, ein Kunststück, das bei jedem Anwesenden gerechtes Erstaunen hervorrief. *) Rabbi Misch?! Kornfeld, einer der hervorragendsten Schüler des berühmten Rabbi Moses Safer, verdiente als scharffinniger Talmudist, wie als biederer Charakter seinem großen allgemein gefeierten Bruder Rabbi Aron würdig an die Seite gesetzt zu werden, Trauerkundgebungen für die Kaiserin. Wien. (Ferienhei m.) In der ersten Vorftandssitzung hielt die Vorsitzende Frau Sofie Grünseld einen warmempfundenen Nachruf für die verblichene Kaiserin Elisabeth. In der Ansprache wurde hervorgehoben, daß die jüdische Feriencolonie in Nauheim (Frankfurter Kinder) eine der letzten Institutionen war, welche weiland Ihre Majestät mit Ihrem Besuche auszeichitete. Sie duldete es nicht, daß die Kinder, welche die unmittelbaren Nachbarn der hohen Frau waren, Ihretwegen delogirt werden. Dieser Liebesbeweis, gegeben einem die gleichen Interessen verfolgenden Vereine, sichert das Andenken der Kaiserin im Verein Ferienheim. Die Trauerkundgebung wurde über Beschluß des Vorstandes vott der Präsidentin und der Bice-Präsidentilt Frau Dr. Fialla dem Statthalter persönlich überreicht, welcher für die Theilnahme dankte und sich um die Interessen des Vereines, den er von seiner Thätigkeit kenne, angelegentlichst erkundigte. Wien. Sonntag den 15. d. M. fand anläßlich des Beginnes des Jugend-Gottesdienstes für die Zöglinge des Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten im Tempel, IX., Müllnergasse, unter Anwesenheit des Vereins-Vorstandes eine Trauerfeier für Kaiserin Elisabeth statt. Herr Moriz A n t s ch e r l pries in warmempfundenen Worten die Verblichene als Beschützerin der Arbeit und der Künste. An der offenen Bnndeslade wurde sodann ein Gebet für das Seelenheil Ihrer Majestät und für das Wohl des Kaisers verrichtet. Mit der Absingung der Bolkshymne unter Leitung des Cantors Pekarnik schloß diese erhebende Feier, welche auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. Olmütz. In der am 13. September l. I. abgehaltenen Sitzung des Gesammtausschuffes hielt der Vorsitzende Herr Eduard Hamburger aus Anlaß des Hinscheidens Ihrer Majestät der Kaiserin folgende Aitsprache an die in Trauerkleidung versammelten Anwesenden, welche stehend und sichtlich ergriffen die Worte des Vorstehers anhörten: „Eine entsetzenerregende Gräuelthat ist der traurige Anlaß unserer heutigen ernsten Versammlung. In tiefer Trauer befindet sich unser Vaterland, und in den Herzen seiner Bewohner zittert das unermeßliche Leid um unsere inniggeliebte und verehrte Kaiserin Elisabeth, die vom Mordstahl eines Verruchten getroffen, fern von der Heimat, ihr edles Leben aushauchle. Vorzeitig wurde sie von der Seite ihres hohen Gemahls, unteres theueren Monarchen. weggerissen, dem sie, wie er selbst rühmend von ihr sagte, in den trübsten Tagen seines Lebens eine feste Stütze war. Vorzeitig wurde sie auch dem Vaterlande entrissen, in welchem ihr Walten reichen Segen, ihr Wirken unbegrenztes Wohlthun bedeurete, und gebrochen in innerster Seele empfinden wir nun ein Gefühl im Herzen, das des unnennbaren Schmerzes um die edle hohe Frau, deren geheiligtes Andenken fortleben wird für alle Zeiten. Ihr Bild taucht frisch vor unserem Geiste auf. und wir neigen uns in Ehrfurcht vor demselben, wir fühle« mit dem Kaiser den herben Verlust, den uns der Allmächtige zu tragen auferlegte. Wir fühlet! aber auch von Neuem den inächtigen Trieb unserer grenzenlosen Liebe und Verehrung für den erhabenen Monarchen, zu dem wir in huldigender Treue und dankbarer Anhänglichkeit aufblicken. Ein schwacher Ausdruck dieser Liebe und Anhänglichkeit an ihn, unseren gütigen Herrscher, ist es, wenn wir es aussprechen, sein edles, von Pflichtbewußtsein erfülltes Herz möge vollen Trost schöpfen aus der Erken itniß, daß alle Bürger des Staates mit ihm verbundeu sind im gemeinsamen Gefühle des Schmerzes, unter welchem fein Herz leidet. Wir, die wir in guten wie in schlimmen Tagen stets in Treue zum Vaterlande und seinem Herrscher, unserem geliebten Kaiser, standen, wollen auch heute unserer ehrfurchtsvollen Theilnahme Ausdruck geben. Ich schlage Ihnen vor, daß dies in der Weise geschehe, daß der Ausschuß beschließe: 1. Das Andenken an die verblichene Kaiserin Elisabeth in dem Protokolle der heutigen Sitzung zu verewigen. 2. lieber unsere heutige, in feierlicher Sitzung kundgegebene Trauer an das hohe Statthaltereipräsidium zu berichten mit der Bitte, den allerunterthänigsten Ausdruck schmekZerfüllter Antheilnahme, unererschiitterlicher Liebe und Treue für Seine Majestät den Kaiser und das Allerhöchste Kaiserhaus an die Stufen des Allerhöchsten Thrones gelangen zu lassen. 3. Nach der Beerdigung der dahiugeschiedenen Kaiserin einen feierlichen Trauergottesdienst int Tempel abzuhalten, unter vollzähliger Bethciligung unserer Schuljugend, und «ach^althergebrachter jüdischer Sitte für die hohe Verblichene durch dreißig Tage ein Seeleulicht anzuzünden."