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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-10-21 · 42 (21.10.1898) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
42 (21.10.1898)
Date
1898-10-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Dr. Bloch'« Wochenschrift Seite 757 N/. 42 Und nun die zweite Erscheinung. (Zwischenruf: Lueger in der Gasfrage!) Nicht doch, — so verlockend es wäre, sprechen wir nicht davon, an dieser grellen Gasfrage wird sich noch manches wohlverdiente Schicksal erfüllen, — ich greife weit höher, wieder nach einem Erlasse, und erinnere Sie an den überaus bedeutungsvollen Erlaß des Justizministers rücksichtlich der Richter. Wie hoch und stürmisch muß der Gischt jener Schmutzwellen und Schlammfluthen, durch die man heute in unserem Vaterlande watet, aufspritzen, wenn schon die intangible Hoheit des Richterstandes von ihm bedroht ist, so daß die Verwaltung des Rechtes und der Gerechtigkeit, das Kleinod unparteiischer Rechtsprechung in Frage gestellt erscheint? Und doch, — wir stehen nur an einer neuen in die Tiefe führenden Stufe unserer gesammten öffentlichen Verhältnisse, wenn wir sehen, wie jetzt Stimmung gegen unseren Richterstand gemacht, wie derselbe zu terrorisiren gesucht, wie er seiner Würde und Autorität entkleidet wird, — weil, nun weil seine Richtersprüche der Wahrheit mehr, denn der parteisüchtigen Leidenschaft, dem Rechte mehr, denn dem Uebermuthe und der Vergewaltung dienen, (Lebhafter Beifall) — wenn wir sehen, wie diesen Richtersprüchen zum Trotze die von denselben getroffenen Personen und Verhältnisse demonstrativ verherrlicht und als die allein rechtlichen gepriesen werden. Billig aber drängt sich uns die Frage auf: Wenn es nöthig war, den Richterstand vor der Berührung mit diesen Elementen zu warnen und seine Integrität in Schutz zu nehmen, warum unterbleibt dann jede That und jede Repression gegen die Urheber dieser Nothwendigkeit? (Lebhafter, andauernder Beifall und Händeklatschen). Warum heilt man nicht die Krankheit selbst und beseitigt nicht die von chr für die ganze Gesellschaft ausgehende Ansteckungsgefahr?! (Neuerlicher stürmischer Beifall.) Hiemit möchte ich meine dem Gegenstände unserer heutigen Versammlung gewidmeten Erörterungen schließen, deren principielle Gesichtspunkte ich in einer Resolution zusammenzufassen suchte, durch deren vorbehaltlose, einmüthige Annahme wir unsere Einigkeit und Geschlossenheit im Urtheile, wie in der Atzweh r zu ernstem, feierlichen Ausdrucke bringen sollen. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Einmüthig soll unser Protest gegen die D u l d u n g des unstatthaften Erlasses seitens der obersten Unterrichtsbehörde dieser selbst zur Kenntniß gebracht und sie überdies mittelst einer vom heutigen Abend unabhängigen Massenpetition, welche von der Judenschaft Wiens unterschrieben werden soll (Beifall), um Aufhebung dieser Maßregel und aller auf Mund derselben bereits getroffenen Verfügungen gebeten werden. Wir proclamiren hiemit, geehrte Versammlung, daß wir in der Creirung confessionell getrennter Volksschulclaffen ein Unrech t, eine Rechtsverkürzung, eine Demüthigung und Beleidigung erblicken. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Sie könnten nun, meine Herren, die Frage erheben, welch' weitere Entfaltung die Situation gewinnen könnte? Ist nach den Bitternissen und Erfahrungen der letzten Jahre zu hoffen, daß unsere sittliche Empörung, daß unser Widerstand einen Wandel und eine Aenderung in diesen Verhältnissen schaffen werde? (Rufe: Nein!) Wir theilen diese betrübende Besorgniß mit Ihnen. Gleichwohl bleibt es unsere Pflicht, laut unsere Stimme zu erheben und den Kampf durchzuführen, weil wir sonst sehr leicht in den falschen Schein gerathen könnten, als ob wir einverstanden wären, und unsere Gegner dann nur ein allzu leichtes Spiel hätten, diese Waffe gegen uns zu kehren. Wir erheben daher laut und mächtig unseren Ruf zu einem kräftigen: Quodnon!, daß wir auf diesen Boden der Gesetzesverletzung unseren Gegnern nicht folgen und uns nicht ergeben. (Stürmischer Beifall.) Wenn wir aber vor der Frage stehen, wie wird die Zukunft sich gestalten, wenn diese Verhältnisse in Permanenz erklärt würden, wenn etwa binnen Jahresfrist, vom nächsten Schuljahre angefangen, vielleicht auf der ganzen Linie die confessionelle Trennung der Classen durchgeführt ist, dann werden wir antworten: auch dann verlassen wir den Boden des Gesetzes nicht, aber wir verlangen im Wege des Gesetzes anderweitige Remedur. (Stürmischer Beifall.) Nehmt Ihr uns die Schule, die uns Gesetz und Recht geschaffen haben, dann gebt uns im Wege des Gesetzes eine andere, in welcher unsere Ehre und unser Selbstgefühl und das unserer Kinder unverletzt gewahrt bleiben. (Lauter Beifall und anhaltendes Händeklatschen.) Wir unterscheiden somit, geehrte Versammlung, zwischen diffamirenden Classen und legitimen Schulen, haben aber das Terrain unserer heutigen Verhandlung und Entschließung naturgemäß abgegrenzt, weil wir ja zunächst mit allen Kräften uns anstrengen und versuchen müssen, das, was uns den derzeitigen Bestand stört und beeinträchtigt, zu beseitigen. Wir werden nicht so weit gehen — und es wäre verhängnißvoll für uns, ein solches Mißverständniß auskommen zu lassen —, wir werden nicht soweit gehen und sagen: Schaffet uns an Stelle jenes Zustandes, der noch vor drei Monaten intact vorgewaltet hat, etwas Anderes. Wir werden vielmehr vernehmlich declariren: Bewahret diesen Zustand in seiner Reinheit und Integrität. Bevor er aber verschimpft und versumpft werden soll, wollen wir neue reine Verhältnisse im Wege neuer Gesetze. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Wie immer aber die Dinge sich gestalten mögen, und müßte es selbst, geehrte Versammlung, dazu kommen, daß wir in dieser Frage als die Schwächeren, als die an Zahl geringeren kämpfend unterliegen, so wird sich unserer gleichwohl keine Hoffnungslosigkeit und keine Verzweiflung bemächtigen. Wir sind keineswegs von der Furcht erfüllt und unterliegen ihr noch weniger, daß diese Strömung, welche heute so große und mächtige Kreise und Staaten Europas vergiftet, wirklich unser Verderben herbeiführen werde. Gewiß nicht? In dieser fieberkranken Erschütterung der Völker wird sich mit Naturnothwendigkeit baldiger Wandel ergeben. Derartige Erscheinungen verlaufen acut, — acut im Sinne der Geschichte und ihre Nachwirkungen verschwinden allmälig. Blicken wir um uns, geehrte Versammlung, so gewahren wir auf dem düsteren Horizonte der Zeitgeschichte, an vielen seiner Stellen unverkennbare Lichtschimmer. Gedenken wir nur jener in der Geschichte kaum noch dagewesenen Bewegung und Erschütterung, welche mit dem Namen D r e y f u s verknüpft ist. Vergegenwärtigen wir uns, wie die edelsten Geister jenes Landes sich einmüthig und machtvoll erhoben haben, um der Wahrheit, um der Gerechtigkeit, um dem Rechte und der Gesetzmäßigkeit zum Siege zu verhelfen! Vergegenwärtigen wir uns, daß dieser gigantische Kampf, welcher die große französische Republik aus den Angeln zu heben droht, ihr ganzes Staatswesen ergriffen hat, die Frage des Rechtes und der Freiheit eines E i nz e l n e n, eines Juden, zum Inhalte hat, den eine clericalantisemitische Verschwörung zu vernichten suchte, — vergegenwärtigen wir uns aber auch, daß den ganzen Chimborasso von Lüge und Trug, von Fälschungen und Meineiden, der sich in dieser Sache vor der staunenden Mitwelt erhebt, lediglich Arier aufgehäuft haben, in deren Händen zum Theil die Geschicke und alle Machtmittel des Reiches lagen, — so muß uns die Ueberzeugung erfüllen, daß Wahrheit und Gerechtigkeit — und nichts anderes verlangen wir — (lebhafter Beifall) niemals aussterben und vereint mit jener Menschenliebe, welche das Judenthum seit seinem Bestände gelehrt und geübt hat, das Gebreste unserer Tage, die Schmach unserer Zeit vernichten und vertilgen werden. (Stürmische Zustimmung.) Gestehen wir uns ferner, daß die abscheuliche Bewegung auch in Deutschland, der Stätte ihrer Entstehung, in sichtlichem Niedergange ist auf allen Gebieten, auf denen der Politik, wie der Gesellschaft, und erkennen wir richtig, daß auch bei uns in Oesterreich die arg verfahrenen Verhältnisse desto dringender einer durchgreifenden Aenderung zustreben, je mehr, wie ich früher bemerkt habe, die schädlichen und verderblichen Wirkungen schon ihren Höhepunkt erreicht zu haben scheinen, — dann können wir von Muth und Hoffnung erfüllt, die Resolution, die ich Ihnen verlesen werde, annehmen und ich darf mit dem Zurufe an Sie, meine Freunde, schließen: „Harren wir aus in unserem Glauben und beharren wir auf unserem Rechte!" (Dreimalige stürmische Beifallssalven, anhaltendes Händeklatschen und brausende Rufe: Hoch Fialla!) Die Ihnen, geehrte Versammlung, unterbreitete Resolution, welche auch gedruckt an Sie vertheilt werden wird, lautet folgendermaßen: „In Erwägung, daß der Erlaß des Wiener Bezirksschulrathes vom 5. September 1898 mit dem Fundamentalfatze unseres Reichsvolksschulgesetzes,

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