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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-10-14 · 41 (14.10.1898) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
41 (14.10.1898)
Date
1898-10-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 746 Dr. Bloch'» Wochenschrifi Nr. 41 er als Wahltag Sonntag den 27. November in Aussicht nehme, wie endlich, daß für Erstattung des Rechenschaftsberichtes des Vorstandes an die Wähler Sorge getragen werden wird. Der Obmann der III. Section, Herr Baurath Ritter von Goldschmidt, referirt über die aus Cultusmitteln im laufenden Jahre an Arme — abgesehen von den regelmäßigen periodischen Zuwendungen — verabfolgten Unterstützungen, wofür der Section budgetgemäß nur fl. 12.000 zur Verfügung standen. Mit diesem Betrage sei das Auslangen nicht zu finden. Die Armuth unter der Judenschaft hat in unerwarteter Weise zugenommen. An Juden werden weniger Arbeiten vergeben als früher, die jüdischen Armen werden von der Stadt so gut wie gar nicht unterstützt, daher der Andrang von Unterstützungsbedürftigen bei uns viel intensiver sei, als früher. Die Ul. Section beantrage, eine Erhöhung der Unterstützungen um fl. 6000 zu bewilligen. Am 10. d. M. hat der Reichsrathsabgeordnete Herr- Rudolf Auspitz für das anläßlich des Kaiserjubiläums von der Wiener Cultusgemeinde zu errichtende Siechenhaus dem Vorstande den Betrag von 1000 fl. eingesendet. Der Obmann der Finanzsection kais. Rath Hirsch macht darauf aufmerksam, daß das Budget mit einem namhaften Deficit schließen dürste, trotzdem verschließe er sich nicht der Nothwendigkeit einer Erhöhung, wünsche jedoch vorherige Berathung in der Finanzsection. Nachdem in Folge dessen der Präsident erklärt, daß jedenfalls die Berathung in der Finanzsection erfolgen werde, überträgt die Plenarversammlung die endgiltige Beschlußfassung in dieser Angelegenheit nach Berathung in der Finanzsection dem Vertretercollegium. Herr Vicepräsident Dr. Gustav Kohn referirt über die zur Ergänzung des Religionsunterrichtes an Volks- und Bürgerschulen geschaffenen 5 Leseübungsschulen, an denen gute Erfolge erzielt werden; es werde sich empfehlen, diese Einrichtung auszugestalten und über den Kostenaufwand hiefür zu berathen, da sehr viele Kinder abgewiesen werden mußten. Herr Dr. Markus Spitzer erklärt es gleichfalls für nothwendig, für eine weitere Ausgestaltung des Religionsunterrichtes zu sorgen. Herr kais. Rath Moriz Hirsch berichtet über die vorgenommene Caffen- und Bücherrevision. Hierauf erklärt der Präsident die öffentliche Sitzung für geschloffen. Im Anschlüsse an die öffentliche Sitzung folgt eine vertrauliche Plenarsitzung des Vorstandes, in welcher unter den Einläufen an Spenden bekanntgegeben werden: Bon Herrn Dr. Alfred Stern für Arme 50 fl., von Herrn Leopold Böhm 80 Paar Lederpantoffeln für die Insassen des Spitales und des neu zu erbauenden Siechenhauses, von eineui Anonymus unter Chiffre „L. H." für das zu errichtende Pflegerinneuheim 10 fl., von Herrn Adolf Pollitzer zur Ausspeisung jüdischer Sträflinge an den hohen Feiertagen 5 fl. Für das zu erbauende Siechenhaus sind ein.äelangt: Von Herrn N. S ch e ff t el '200 fl., von Herrn Ludwig Kohn 20 fl., von Herrn Albert Hohenberg 15 fl., von Frau Anna H ammel 15 fl., von Herrn I. Knopfmacher 5 fl. Ueber Antrag des Vertreter-Collegiums wird in Würdigung der Verdienste, welche sich die jüngst verstorbenen Herren Josef Hieldburghäusser und MorizLeinkauf um die Cultusgemeinde erworben haben, beschlossen, deren Porträts für den Sitzungssaal anzuschaffen. Der Antrag des Vertreters Herrn Dr. Steiner, betreffend die Eintheilung der Plenarsitzungen in solche, die sich mit Erledigung laufender Geschäfte, und in solche die sich mit principiälen Angelegenheiten befaffen, wird der V. Section zur geschäftsordnungsmäßigen Behandlung zugewiesen. Sohin wird der Bericht des Amtsleiters Wiener über seine im Aufträge des Präsidiums in den Bureaux der jüdischen Gemeinden Berlin und Breslau eingeholten Informationen zur Verlesung gebracht. Aus diesem Berichte ist unter Anderenr der bemerkenswerthe Umstand hervorzuheben, daß die Eingänge an Cultussteuern in der jüdischen Gemeinde Berlin bei einer Seelenzahl von 120.000 Juden, die Höhe von 1,025.000 Mark erreichen, während die der Cultusgemeinde Wien mit einer Seeleuanzahl von über 130.000 Juden nach erfolgter Steuerregulirung fl. 350.000 betragen. Es wird beschlossen, diesen ebenso interessanten als ausstihrlichen Bericht zu vervielfältigen und der IV. Section zuzuweisen. Nach Berathung über Aufnahmen in das Versorgungshaus erfolgt der Schluß der Sitzung um 7*9 Uhr Abends. Wien. (Jüdischer Volksverein.) Am 10. d. M. fand die I. ordentliche Generalversammlung des jüdischen Volksvereines in Breuer's Gasthaus, II., Kleine Schiffgasse 8, statt. Der Vereinssecretär Herr Moritz Pilpel führte aus, daß die Idee, die der Gründung des jüdischen Volksvereines zu Grunde lag, namentlich darin gipfelte, die Zusammengehörigkeit und das Nationalitätsgefühl unter allen Schichten der jüdischen Bevölkerung zu heben und namentlich dem Politisch und ökonomisch arg bedrückten Mittelstände eine Stätte zu schaffen, wo ihm nach jeder Richtung Hilfe und Erleichterung in seinen wirthschaftlichen Nöthen geboten wird. Ferner wolle der jüdische Volksverein durch Schaffung eines compacten, großen politischen Körpers es dahin bringen, daß die bürgerlichen Rechte, die unser Volk sich mit schwerer Mühe in diesem Staate errungen hat, nicht ungestraft von unfern Gegnern mit Füßen getreten werden dürfen. Der Verein hat, um diese Ziele zu erreichen, in diesem Jahre circa 40 große und kleinere Versammlungen in allen Bezirken Wiens veranstaltet, hat also in diesem einen Jahre mehr geleistet, als alle anderen politischen Vereine zusammengenommen, seitdem sie bestehen, und was die Hauptsache ist, es ist ihm gelungen, das Vertrauen der breitesten Schichten des jüdischen Volkes zu gewinnen. Mit Befriedigung blickt der Berein also auf das abgelaufene Arbeitsjahr zurück, die Anzahl der Mitglieder und Anhängerschaft beläuft sich schon - an Tausende, und wir hoffen, im nächsten Jahre schon darangehen zu können, unseren Mitgliedern sowohl auf politischem, wie auch auf wirthschastlichem Gebiete etwas Positives zu bieten. Der Bericht wurde mit großen! Beisall zur Kenntniß genommen und dem abtretenden Ausschuß das Absolutorium mit Stimmeneinhelligkeit ertheilt. In den Vorstand wurden folgende Herren einstimmig gewählt: Zum Präsidenten Herr Hermann Eltbogen und in . den Ausschuß die Herren Dr. Richard Rappaport, Friedrich Schneid, Dr. Arnold Ascher, Herr Dr. Rudolf Weiß, Herr Heinrich Korn mehl, Herr Dr. A. Stransky, Herr Dr. Hermann Engländer, Herr Prof. A. Weiß, Herr Max Emanuel Frommer. Dem abtretenden Obmannstellvertreter Herrn Hermann Plaschkes wird, da er zur Beibehaltung seines Mandates nicht zu bewegen war, der Dank der gesammten Generalversammlung protokollarisch ausgesprochen. Ferner wird dem Herrn Prof. Weiß, dem bisherigen Obmanne, der aus Gesundheitsrücksichten auf seine Obinannstelle resignirt hat, jedoch als Mitglied im Ausschuß verbleibt, von der Generalversammlung der Dank und die Anerkennung für sein bisheriges Wirken ausgesprochen. Zum dritten Punkt (Anträge und Interpellationen) fordert Herr Plaschkes den neugewählten Ausschuß des Vereines auf, anläßlich der bevorstehenden Neuwahl in die Wiener israelitische Cultusgemeinde mit aller Energie dafür einzutreten, daß der Wahlcensus herabgesetzt wird, damit auch dem nichtbesitzenden Volke die Möglichkeit geboten wird, in Cultusangelegenheiten mitzustimmen und mitzusprechen. Nachdem noch sämmtliche neugewählte Ausschußmitglieder erklärt haben, daß sie sich alle Mühe geben werden, dem in sie gesetzten Vertrauen ihrer Wähler auf das Vollkommenste zu entsprechen, schließt der Vorsitzende Herr Friedrich Schneid die Versammlung mit einem Appell an die Besucher für das Wohl und Gedeihen des Vereines nach Kräften' zu agitiren. Prag. Sehr geehrter Herr Redacteur! Mit Bezug auf die in Nummer 40 Ihres geschätzten Blattes von einem Herrn L. Fedcrer aus Prag herrührende Eorrespondenz, erlaube ich mir Folgendes zu bemerken mit der Bitte, meinen Zeilen in Ihrem Blatte Raum zu geben: Der Einsender, Herr Federer, hat Recht, wenn er meint, die Mehrzahl der Schüler an den deutschen Mittelschulen Prags (insbesondere den Gymnasien) sei — mit Ausnahme des Kleinseitener Gymnasiums — niosaisch. Doch entspricht es nicht den Thatsachen, wenn er schreibt, die Juden hätten am Neujahrs- und Versöhnungstag nur den Vormittag frei. An diesen hohen Feiertagen ist für sie überhaupt kein Unterricht, und die Herren Professoren richten es gewöhnlich so ein, das; sie in Abwesenheit der jüdischen Schüler entweder nur prüfen oder, wenn sie schon vortragen, den Vortrag beim Erscheinen derselben wiederholen. Der Herr Einsender möge ungescheut den Namen jenes Lehrers nennen, der trotz des vorhergegangenen Versöhnungsfestes die Lection darum verlangt hätte, weil die Juden ftei hatten! Darin stimme ich ihm aber bei, daß die jüdischen Schüler auf den Tempelbesuch verzichten und dies nicht blos am Versöhnungstage, sondern an allen übrigen Sabbathen und Festtagen. Man mag mir nicht damit kommen, daß die Cultusgemeinde im Adlersaal einen Gottesdienst abgehalten hat, denn demselben blieben die meisten Schüler fern. Wer soll sie hiezu anleiten, wer denn anders als die p t. Herren Rcligionslehrer? Ein Paragraph der Disciplinarordnung für die

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