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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-10-14 · 41 (14.10.1898) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
41 (14.10.1898)
Date
1898-10-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 41 Dr. Vloch'» Wochenschrift Sette 745 Correspondenzen. Oeffentliche Sitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde am 6. October 1898 unter Borsitz des Präsidenten kais. Rath Heinrich K l i n g e r. Beginn der Sitzung 5 Uhr Nachmittags. Bor Uebergang zur Tagesordnung begrüßt der Präsident den von seinem mehrmonatlichen Urlaube zurückgekehrten ersten Vice-Präsidenten Dr. Alfred Stern, und gibt der Ueberzeuguug Ausdruck, daß derselbe sich nunmehr mit ganzer Kraft den Arbeiten des Borstandes wieder widmen werde. Der Vorsitzende berichtet sodann in Angelegenheit der vom Vorstande zum Andenken an weiland Ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth beschlossenen Errichtung einer Pflegerinnenschule und eines Pflegerinnenheims und bemerkt, daß die UL Section sich mit den Vorarbeiten für diesen wichtigen Gegenstand beschäftigt, und daß demnächst im Wege der Cabinetskanzlei um die Allerhöchste Be-' williguug eiugeschritten werden wird, daß dieses Institut den Namen der verewigten Kaiserin tragen dürfe. Weiters berichtet derPräsident über den Erlaß des Bezirksschulrathes, betreffend die confeffionellen Claffen und benrerkt, daß er zur Zeit der Publication dieses Erlasses vom Präsidiunl allein anwesend war, daher den Vice-Präsidenten Landesschulrath Dr. Gustav Kohn sofort telegraphisch Hieherberufen habe, mit welchem er Tags darauf beini Unterrichtsminister vorgesprocheu, diesem die schweren Folgen der vom Bezirksschulrathe getroffenen Verfügungen dargelegt und zunächst um eine Sistirung der durch den Erlaß bezweckten Maßnahmen dringendst angesucht habe. Der Minister erklärte, vorerst ein Referat des Landesschulrathes abwarten zu müssen; auch seither habe des Präsidium alles aufgeboten, um eine Rücknahme jener Verfügungen des Bezirksschulrathes zu erwirken. Herr Vicepräsident Dr. Gustav Kohn ergänzt über Aufforderung des Präsidenten dessen Mittheilungen dahin, daß Grund vorhanden sei, eine wenigstens theilweise günstigere Erledigung demnächst zu erwarten, daß es jedoch unthunlich sei, bei dieser Sachlage sich derzeit ausführlich darüber auszusprechen. (Zur Kenntniß.) Sodann berichtet der P r ä s i d e n t über die vorgenommene Renovirung des Tempels in der Leopoldstadt und die Herstellung der Nothausgänge für die Frauengalerien des Stadttempels und beantragt, dem um diese baulichen und künstlerischen Herstellungen besonders hochverdienten Herrn Baurath Stiaßny den aufrichtig gefühlten Dank und die besondere Anerkennung des Vorstandes auszusprechen; die Versammlung stimmt denk Anträge, die Kundgebung des Dankes für Baurath Stiaßny dem Protokolle der Sitzung einzuverleiben, beifällig zu; sodann dankt der Präsident auch den Mitgliedern des Baucomites, den Herren Architekten Max Fleischer, Baurath Ritter von Goldschmidt und Oberingenieur Edlen von Mises für deren erfolgreiche Mitwirkung bei der Lösung der schwierigen Frage der Herstellung der Nothausgäuge im Stadttempel; auch dem Bethausvorsteher Herrn S. A. Wasservogel, welcher die sorgfältige, zeitraubende Ueberwachuug des Fortschreitens der Bauarbeiten im Leopoldstädter Tempel freiwillig übernommen hatte, wird über Anregung des Vorsitzenden für seine rastlose Mühewaltung die wärmste Anerkennung des Vorstandes ausgesprochen. Des Weiteren berichtet der Präsident, in Angelegenheit der vom Vorstände anläßlich des Kaiserjubiläums beschlossenen Errichtung eines Siechenhauses im Anschlüsse an das Altersversorgungshaus undtheiltmit, daß Frau BaroninHirsch eine diesbetreffend auch an sie gerichtete Einladung zur Betheiligung an der Sammlung mit folgender sehr bemerkenswerthen Zuschrift beantwortet habe: Paris, 19. Juli 1898. »An den v ere hr lich e n Vorstand der i sr. Cnltusgemeinde in Wien. Sehr geehrte Herren! Ich erhielt Ihre geschätzte Zuschrift vom 22. Juni, und von der großen Nothwendigkeit eines Siechenhauses für die Gemeinde überzeugt, bin ich gerne bereit, Ihrer Aufforderung zu entsprechen. Nur möchte ich der localen Opfer Willigkeit unserer dortigen Glaubensgenossen in Nichts vorgreifen und gehe voit der Ansicht aus, daß es diesen Letzteren speciell obliegt, für die gesammten Baukosten des geplanten Institutes allein aufzukommen. Ich meinerseits verpflichte mich, nachdem Jbnen die veranschlagten Baugelder zugesichert sein werden, dem Siechenhause, für die Erhaltungskosten von wenigstens 6 Belten (ä circa fl. 8000 per Bett) ein Capital von fl. 50.000, sage f ü n f z i gtausend Gulden ö. W. zu schenken. Ich bitte Sie, mich davon zu unterrichten, sobald Sie die für den Bau benöthigte Summe gesammelt haben werden, und zeichne mit vorzüglicher Hochachtung Baronin de Hirsch-Gereuth" m. x>. Der Präsident betont, daß dieser Widmung der hochherzigen Spenderin gewiß der lebhafteste Dank und die ungetheilte Zustimmung entgegengebracht werde, wie auch, daß^die Erfüllung der an diese Spende geknüpften Voraussetzung im Vertrauen auf den nie versiegenden Wohlthätigkeitssinn unserer Gemeindemitglieder mit Sicherheit zu erwarten sei. Die Errichtung eines Siechenhauses bedeutet für Biele der bemitleidenswerthesten unserer Glaubensgenossen eine solch' eminente Wohlthat, daß wohl zu gewärtigen ist, es werden die Spenden zu diesem Zwecke reicher als bisher einfließen, auch schon im Hinblick auf den Umstand, daß viele unserer wohlhabenden Mitglieder, an welche der Aufruf ergangen, nunmehr von ihren Sommerausflügen zurückgekehrt sind. Der Präsident berichtet ferner, daß ein W o h l t h ä t e r, der während seiner Lebenszeit nicht genannt werden will, hunderttausendGuldenin Silberrente bei dem Vorstande erlegt hat, um hiemit aus Anlaß des Jubiläums unseres Kaisers eine Stiftung für Waisenkinder zu errichten, deren Väter in Wien verstorben sind. Die Verwaltung und Verleihung dieser Stiftung bleibe dem Cultusvorstande überlassen. Der betreffende Stiftbrief, sowie jener für die durch die Freiherren Nathaniel und Albert von Rothschild errichtete Künstlerstiftung mit einem Capitale von zweihunderttausend Kronen wurden bereits der Statthalterei behufs Genehmigung überreicht. Der Vorsitzende gibt noch die näheren Bestimmungen der letztgenannten Stiftung, betreffend die Verleihung, die Zusammensetzung des Curatoriums und die Höhe der Stipendien bekannt. Die Versammlung erklärt einhellig ihre Zustimmung zu den diesbezüglich von dem Präsidium getroffenen Verfügungen. Im weiteren Verlaufe seines Berichtes verweist der Präsident darauf, daß die Bemessungen der Cultussteuer, trotzdem solche durch Bezirkscollegien, aus Vertrauensmännern bestehend, vorgenommen wurden, theilweise Beschwerden und Unzufriedenheit hervorgerufen hätten. Der Vorstand beabsichtige nun, sich mit der Frage einer Revision des Steuerregulatives zu befassen und habe das Präsidium zum Zwecke der Vorarbeiten den Amtsleiter der Caffa und des Steueramtes Herrn Gustav Wiener nach Berlin und Breslau entsendet, welcher über die in den dortigen jüdischen Gemeinden üblichen Steuersysteme eingehende Informationen gesammelt habe. Der diesfällige interessante Bericht, wird demnächst den Vorstand beschäftigen. Der Präsident gibt noch bekannt, daß die „Oesterreichisch- Jsraelitische Union" sich an das Präsidium mit der Mittheilung gewendet habe, daß sie eine Enquete, betreffend die Verhältnisse der galizischen Glaubensgenossen veranstalte und daß er behufs Theilnahme an diesen Berathungen die Herren Dr. Grünfeld, Oberingenieur von Mises und Baurath Stiaßny delegirt habe. Es folgt sodann die Wahl eines Obmannes der I. Section an Stelle des dahingeschiedenen Herrn Josef Hieldburghäusser. Die Wahl fällt auf Herrn Architekten Max Fleischer, welcher jedoch erklärt, daß er im Hinblick auf seine Berufsgeschäfte und andere Obliegenheiten die Wahl nicht annehmen könne. Es wird sodann Herr Dr. Maximilian Steiner gewählt, welcher die Wahl unter Ausdruck des Dankes für das ihm zugewendete Vertrauen anzunehmen erklärt. Hierauf wird die statutengemäße Auslosung von acht Vorstandsmitgliedern vorgenommen, und zwar wurden ausgelost die Herren: Theodor Ritter von Goldschmidt, Karl Kohn, Moriz Hirsch, Dr. Josef G r ü n f e l d, Wilhelm Stiaßny, Edler von Mises, S. Ritter von Hahn und Dr. Markus Spitzer. Der Präsident enuncirt somit, daß außer den acht Neuwahlen für je sechs Jahre noch zwei Ersatzwahlen für die Dauer von je vier Jahren, somit im Ganzen zehn Wahlen in den Vorstand vorzunehmen sein werden und gibt bekannt, daß vom 15. October an die Wählerlisten in der Kanzlei aufliegen, daß

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