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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-10-14 · 41 (14.10.1898) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
41 (14.10.1898)
Date
1898-10-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 744 Vr. Bloch's Wochenschrist Nr. 4i tracht, althochdeutsch verbessert werran, verwirren) wird im Italienischen, Spanischen, Portugiesischen und Provencalischen g^erra, im Französischen guerre. Beispiele für den gleichen Lautübergang sind: Althochdeutsch warjan, italienisch guarire französisch §u nrir gu<§rir, althochdeutsch w a r d a nf italienisch guardare französisch guaräer garder u.s.w. In meinen Beiträgen zur Geschichte der jüdisch-französischen Sprache und Literatur im Mittelalter untersuchte ich das Phonetische und Orthographische dieses Lautwandels in Transscriptionen Raschi's und der jüdisch-französischen Glossare. Um schließlich auf den dritten Punkt der Untersuchung Gro dtzinski's zu kommen, scheint mir auch der Zusammenhang des hebräischen *0 mit »Gjaur, Giaour» unrichtig zu sein. Soweit mir bekannt, ist *Gjaur« eine Entwicklung aus dem semitischen »kiafir«, Leugner. Ich glaube, die vorstehenden Wortspielereien einer zu eingehenden Besprechung gewürdigt zu haben, doch scheint es mir principiell wichtig zu sein, wenn solchen wissenschaftlich sich geberdenden Sensationen unserer Glaubensgenossen rechtzeitig und kräftig Einhalt gethan wird. Dr. Josef Oe st erreiche r. Der Verein für ethische Cultur über den Zionismus. In der Zeitschrift „Ethische Cultur" schreibt ein unbefangener nichtjüdischer Beobachter über den Zionismus: „Im Zionismus offenbart sich ein „ethischer Pessimismus", den der vorurtheilslose Historiker als gänzlich ungerechtfertigt, der Ethiker als unbedingt culturfeindlich znrvckweisen muß. Ungerechtfertigt ist dieser ethische Pessimismus deshalb, weil die Geschichte klar und überzeugend lehrt, daß die Stellung der Juden unter den christlichen Völkern stets eine besiere und gesichertere geworden ist — wenn man sich nur die Mühe nimmt, größere Zeiträume zu überblicken. Je nach dem allgemeinen Culturzustand der einzelnen Nationen ist naturgemäß die Stellung der Juden eine verschiedenartige. Diejenigen Nationen, in welchen die Anschauung, daß der Staat auf rein humaner Grundlage ruht, am vollkommensten zur Anerkennung gelangt ist — beispielsweise England und die Vereinigten Staaten von Nordamerika —, kennen eine „Judenfrage" im Sinne der Zionisten und Antisemiteu überhaupt nicht mehr. Andere Nationen dagegen, in welchen in Bezug auf den Staat noch rückständige Anschauungen herrschend sind — beispielsweise Rußland und Rumänien —, gälten als die elastischen Nationen für die „Judenfrage". Die Geschichte lehrt uns, daß sich die Eulturentwicklung in der Regel so vollzieht, daß Staatengebilde, wie Rußland und Rumänien, allmälig die Civilisationsstufe von Ländern, wie England und der Vereinigten Staaten, erklimmen —, wenn man auch ftets^. auf Rückschläge gefaßt sein muß. Die Geschichte lehrt ferner, daß es Mittel und Wege gibt, um diese civilisatorische Arbeit zu fördern: nämlich Volksaufklärung und Volkserziehung. Culturfeindlich ist dieser ethische Pessimismus deshalb, weil er endgiltig an der Verwirklichung eines Ideals verzweifelt, das den Besten aller Völker seit Jahrtausenden als eines der höchsten ethischen Ziele des Menschengeschlechtes borgeschwebt hat. Bedeutet doch der Zionismus nichts mehr und nichts weniger als ein definitives Aufgeben der Hoffnung, daß sich auf Erden ein Zustand menschlichen Gemeinschaftslebens Herstellen lasten werde, in welchem der Mensch den Menschen ausschließlich nach seinen Handlungen und nicht nach seiner Abstammung oder religiösen Ueberzeugung wägen wird. Culturfeindlich wirkt jede Bankerotterklärung auf ethischem Gebiet. Was würde man von einem Menschen sagen, der etwa folgenden Aufruf erließe: „Seit Jahrtausenden wird in der Welt gestohlen; alle 'Mittel der Menschen haben sich als wirkungslos erwieseu; in Deutschland allein wurden in diesem Jahre wieder (folgt eine Riesenzahl) Diebstähle verübt! Jeder Einsichtige muß endlich erkennen, daß der Kampf gegen den Diebstahl hoffnungslos ist — geben wir ihn also auf! Ich fordere die Nichtdiebe auf, sich um mich zu schaaren, den Staub von den Schuhen zu schütteln und mit mir in ein anderes Land zu ziehen, wo sie bei gesichertem Eigenthum mit einander leben können!" Ein solcher Aufruf würde mit Recht allgemeine Heiterkeit entfesteln. Aber wir fragen: Folgen die Zionisten nickt einem ähnlichen^Gedankengange?" Der Artikel schließt mit der nach verschiedenen Richtungen hin charakteristischen Mahnung: „Die Anhänger der ethischen Weltanschauung können nur wünschen, daß die Vorkämpfer für den Zionismus bald einsehen mögen, daß sie sich auf falschem Wege befinden. Aber wie sich auch der Zionismus in Zukunft gestalten möge — eine gute Wirkung hat er ohne Zweifel gehabt. Er hat rückständigen Völkern gezeigt, daß weite Kreise.innerhalb des Judenthums endgiltig daran verzweifeln, jemals einen humaneren Geist in die christlichen Nationen einziehen zu sehen, und so steht die zionistische Bewegung da als ein „Monument von unserer Zeiten Schande"." Johann Hock und Capitain DreyfuS. Zu wiederholten Malen ist der bekannte Pfarrer und Abgeordnete Johann Hock für die Unschuld des auf der Teufelsinsel schmachtenden .Verurtheilten eingetreten. Angeblich soll auch Hock wegen dieser seiner Stellungnahme bei der Pfarrerwahl für die Ofner Burgcapelle in der Minorität geblieben sein, denn man hätte gegen ihn als einen Diener des Dreyfus-Syndicatus agitirt. Trotzdem schrieb Hock nun abermals einen Artikel für die Unschuld Dreyfus' und schloß ihn mit folgenden Worten: „Für die Schuld des Generalstabes wollte man ein armes Opfer unschuldig verurtheilen. Das ist dieselbe Begründung, welche wir einst aus dem Munde der aufgeblasenen Pharisäer vernahmen: „Eher soll ein Mensch für das Volk zugrunde gehen!" Das ist eine schmachvolle Rede, denn Niemand besitzt das Recht, einen Unschuldigen für die Sünden Anderer zum Martyrium zu zwingen. Stehe Jeder für seine eigenen Sünden ein, denn dem einzelnen Menschen ist seine Ehre ebenso kostbar, wie es ihre einem ganzen Volke ist. Das Vaterland kann unser Leben verlangen, doch nicht unsere Ehre. Man darf einer verkommenen Gesellschaft wegen nicht einen Einzigen ermorden. Das konnte blos mit meinem Herrn Jesus Christus geschehen, der freiwillig sein Leben für die Erlösung der Menschheit opfern wollte." Trauerkrundgebungen für die Kaiserin. Wien. Der Vorstand des (polnisch-)israelitischen Frauen- Wohlthätigkeitsvereines für Hausarme in Wien hat in seiner letzten, am 4. d. M. stattgefundenen Sitzung nach einer Trauerkundgebung den einstimmigen Beschluß gefaßt, zum Andenken an das jähe Hinscheiden Ihrer' Majestät der geliebten Kaiserin Elisabeth alljährlich am Sterbetage — 10. September — eine Betheilung armer, würdiger Witwen mit Geldspenden vorzunehmen. Wien. In der am 6. d. M. stattgefundenen Vorstandssitzung des „Allgemeinen Kranken- und Unterstützungsvereines Montefiore" hielt der Obmann in Anwesenheit des Gesammtvorstandes für weiland Ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth einen warmempfundenen Nachruf und wurde diese Trauerkundgebung dem Bereinsprotokolle einverleibt. Weiters wurde beschlossen, für das Seelenheil Ihrer Majestät 30 Tage hindurch das Seelenlicht im Vereinslokale brennen zulassen. Salzburg. Die hiesige israelitische Cultusgemeinde veranstaltete am 17. September eine Trauerfeierlichkeit, bei welcher der Rabbiner und Feldprediger D r 0 b n i s k i eine ergreifende Trauerrede hielt. Obercantor Kurzweil trug einen Trauerpsalm vor. Gewitsch. Am 20. September l. I. fand hier ein feierlicher Trauergottesdienst statt. Herr Rabbiner Jsak Weiß hielt eine tvürdige Trauerrede, wonach derselbe bei offener Bundeslade das »Menucho nechono« hebräisch und deutsch recitirte. Sodann wurden 3 Capitel Psalmen vom Cantor recitirt, worauf das Kadischgebet verrichtet wurde. Wadowiee. Am 21. September d. I. veranstaltete die hiesige Cultusgemeinde über Initiative ihres Präses Herrn Hermann Reich in der hiesigen Synagoge einen Trauergottesdienst für unsere dahingeschiedene Kaiserin. Nachdem die hiesige, noch junge Cultusgemeinde weder Prediger noch Chor besitzt, wurde Herr Dr. Thon und Herr Obercantor Fischer mit seinem Chor aus Krakau berufen. An der Feier betheiligten sich die Spitzen der Civil- und Militärbehörden fast vollzählig. Unter Anderem war erschienen : Der Kreisgerichtspräsident Herr Landesgerichtsrath P r u ß n i g g, Staatsanwalt Sulkowski, Bezirkshauptmann Franz, Obercommissär Pias ecki, W elecki, Bürgermeister Dr. O p y d 0 re. Kuty, im September. Unser Rabbiner Chaim Gelernter, hielt am 17. September in Gegenwart einergroßen Anzahl versammelter Personen eine erschütternde Trauerrede über den Tod unserer verewigten Kaiserin.

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