Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 40 (7.10.1898)
- Date
- 1898-10-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 732 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 40 bringen. Bisher war es im Hause D. L e s s n e r Gebrauch, daß avl Jom-Kippur die Angestellten mosaischer Confession vom Dienste enthoben wurden, um ihren religiösen Verpflichtungen nachkommen zu können. Heuer wurden wir zur allgemeinen Ueberraschung abwechselnd nur auf einen halben Tag vom Dienste dispensirt. Wie wir da unseren religiösen Bedürfnissen Rechnung tragen sollten, mag der Jude Lessner mit seinem Gewissen abmachen. Soweit wäre die Sache nicht besonders bemerkenswerth. Die Rücksichtslosigkeit dieses Herrn forderte aber auch ein Opfer. Ein Commis, Namens L. T . . ., ein Familienvater, konnte es nicht über sich bringen, den Versöhnungstag durch rauhe Arbeit zu entlveihen; er hatte das Bedürfniß, an diesem Tage ganz seinem Gotte zu dienen und ging statt in das Geschäft in den — Tempel, wo er bis Abends verblieb. Nachdem er nach mehr als 24stündiger Kasteiung genachtmahlt, ging er Abends noch in das Geschäft und bat den Chef unter Hinweis auf die Bedeutung des Tages um Entschuldigung, daß er tagsüber nicht zu seinen Diensten sein konnte. Herr Leffner aber, ohne auf ihn recht zu hören, sagte brüsk: „Schon gut, ich will nichts wissen; in acht Tagen können Sie gehen". So wurde der Mann, der nur gebetet hat, brotlos. Ich habe dem nichts weiter beizufügen und bitte, von dem Erzählten, für dessen Richtigkeit ich einstehe, entsprechenden Gebrauch zu machen." (Name und Adresse des Einsenders sind der Redaction bekannt. Wie«. (Kinderheim.) Wie uns Herr I. L e v i n mittheilt, sind die Statuten des zu constituirenden Vereines „Kinderheim" noch nicht bestätigt. Außerdem theilt uns derselbe mit, daß nicht er, sondern in erster Reihe Herr Johann Eißler, 1., Stadiongasse 6, Proponent des gedachten Vereines ist. Wien. (G r ü n d u n g s f e st.) Der wohlthätige Geselligkcitsclub „Eichenlaub" feiert Samstag den 6. d. M. Abends in Riedl's Festsaal im Hotel „Bayerischer Hof" sein erstes Gründungsfest unter dem Protektorate des Reichsrathsabgeordneten Hofrath Kareis. Ihre Mitwirkung haben zugesagt: Herr k. k. Hofschauspieler Josef Lewinsky, Mitglied des Hof-Burgtheaters, Herr Julius Spielmanu, Mitglied der Hof-Oper, Frl. Anna D r o z d a, k. k. Hof- Opernsangerm, Herr Wilhelm Müller, Mitglied des Theaters in der Josefstadt, Theodor Woller, Salon-Humorist und Mitglied des Theaters a. d. Wien, Herr Prof. Rudolf Marian, Prestidigitateur, mid andere hervorragende Kunstkräste. Wie«. Herr Obercantor Kläger beginnt am 16. October d. I. seinen Curs zur Ausbildung von Cantoren. Aufnahme und Stimmprüfung von Schülern täglich von 9—12 Uhr Vormittags, IX., Rothe Löwengasse 12, Mezzanin. Butschowitz. (Todesfall.) Von Seite des israelitischen Frauenvereines .^babetb Chesed“ in Butschowitz wird uns vom Ableben seines Vorstandsmitgliedes, der Frau Kathi Wiesner, Gattin des I. Gemeinderathes Herrn Samuel Wiesner, Mutter von neun Kindern, berichtet. Die Verblichene war seit Gründung dieses Vereines, 1883, ein bewährtes Vorstandsmitglied und wirkte als solches in jeder Beziehung ersprießlich und besonders für arme und kranke Mttglieder stets in humanster Weise. Auch im häuslichen und Privatleben zeichnete sich die Dahingeschiedene durch Religiosität und stillen Wohlthätigkeitssinn aus. Dem am 30. September l. I. stattgefundenen Leichenbegängnisse wohnten zahlreiche Leidtragende, darunter der älteste Sohn, welcher Regimentsarzt in Innsbruck ist, der Schwiegersohn Med. Dr. Baruch aus Gänserndorf, ein Schwager Med. Dr. Wiesner aus Brünn und ein Bruder der Verstorbenen, k. k. Landesgerichtsrath aus Mistek, bei. Brünn. (Die Wohlthätigkeitsacte der Baronin Hirsch-Gereuth.) Herr Landesrabbiner Dr. Placzek hat, wie man uns mittheilt, jede weitere Mitwirkung bei den Wvhlthätigkeitsacten der Frau Baronin H i r f ch- Gereuth abgelehnt und wird daher in Angelegenheiten ihrer Armenpflege weder eine Auskunft ertheilen, noch interveniren. Biala, im September. Am 21. d. M. fand, wie bereits kurz gemeldet, die Beerdigung des früheren langjährigen Vorstehers der hiesigen Gemeinde, zuletzt Obmann der Chewra-Kadischa und des „Bikkur-Cholim"-Bereines, des im 73. Lebensjahre verstorbenen Herrn Moritz Reich, statt. Der fast unabsehbare Leichenconduct, welcher aus Bekennern aller Confessionen der Schwesterstädte Bielitz-Biala bestand, gab Zeugniß von dem großen Ansehen und der seltenen Hochachtung, welcher sich der Verblichene in den besten Kreisen der Bevölkerung erfreute. Als besondere Auszeichnung, sowie als Anerkennung für dessen Verdienste um die hiesige Cultusgemeinde und um die Erbauung des Gotteshauses, wurde die Leiche von den Vorstehern der Gemeinde in den Tempel getragen und daselbst aufgebahrt. Es hatte sich daselbst inzwischen ein auserlesenes Publicum eingefuuden, in dessen Reihen man den Bezirkshauptmann Statthaltereirath v. Korytowski, Mitglieder des k. k. Bezirksgerichtes, der Bürgermeister, Gemeinderäthe, höhere Beamte, Advocaten, Aerzte u. s. w. bemerkte. Ein trefflich geschulter Knabenchor mit Orgelbegleitung intonirte einen Trauerpsalm, worauf der Ortsrabbiner, Se. Ehrwürden Herr Dr. Glaser, von der Kanzel herab die Verdienste des Verewigten gebührend würdigte und namentlich hervorhob, daß die Gemeinde keinen Ersatz für den Dahingeschiedenen habe, der rast- und selbstlos seit Decennien deren Wohl mit Rath und That gefördert, viele löbliche Institutionen eingeführt, den Gottesdienst gehoben und den Tempel mit reichen Schenkungen bedacht habe. Auf dem Friedhofe war das Publicum derart angewachsen, daß die Halle sich zu klein erwies und der Schwiegersohn des Verstorbenen, Se. Ehrwürden Herr Dr. Groß, Rabbiner zu Lundenburg, im Freien zu sprechen geuöthigt war. Derselbe hielt dem Verblichenen einen ergreifenden Nachruf, schilderte ihn als Familienhaupt, als Bürger, als Mensch, und als Bertteter jener Geistesrichtung im Judenthum, welche durch reiches, religiöses und profanes Wissen, verbunden mit wahrhaft gottesfürchtiger Gesinnung, ein segensreiches Wirken entfaltet, deren Träger aber zum Schaden des Judenthums immer mehr schwinden. Die zahlreiche Menge war tief ergriffen. Brody. (Todesfall.) Am 30. September ist hier ein Mann zu Grabe getragen worden, der zu den geachtetsten und ehrenhaftesten Bürgern der Stadt gehörte. Sein Hinscheiden hat in den weitesten Kreisen unserer Stadt, besonders aber unserer Glaubensgenossen, die aufrichtigste Theilnahme hervorgerufen. Der durch Herzensgüte, Menschenfreundlichkeit und Wohlthätigkeitssinn hier allseitig beliebte Herr Lazar Landau ist einem Schlaganfalle erlegen. Herr Lazar Landau entstammte der weitbekannten Rabbinerfamilie selben Namens, er selbst war ein vielseitig gebildeter Mann, gehörte dem Cultusvorstande seit 40 Jahren dem Vorstande der hiesigen Filiale der Wiener Israelitischen Allianz seit ihrem Bestehen an, war durch viele Jahre Gemeinderath und Mitglied mehrerer humanitärer Institute. Seine Gewissenhaftigkeit, Pflichttreue und Leutseligkeit erwarben ihm zahlreiche Freunde und Verehrer. An seinem Leichenbegängnisse nahm die ganze hiesige Bevölkerung theil. Vor der großen Synagoge hielt der Kreisrabbiner Herr Isaak Chajes dem Hingeschiedenen einen warmen, wohlverdienten Nachruf. Effegg. (Todesfall.) Der Doyen des hiesigeu Kaufmannstandes, Rudolf Ungar, wurde am 28. September am Oberstädter israelitischen Friedhofe zur ewigen Ruhe beigesetzt. Vor und im Trauerhause hatte sich eine nach vielen Hunderten zählende Menschenmenge eingefuuden, um dem im Leben hochgeachteten Manne die letzte Ehre zu erweisen. Unter den Trauergästen bemerkten wir unter Anderem: Obergespan Dr. Theodor Gras Pejacsevich, Bürgermeister G r a f f, Comitats- Secretär K r § n j a v i, Realschul-Director K r e m a, Kammerpräsident Julius M i s k o l c z y, die Beamten und Censoren der' Oesterr.-Ungar. Bank-Filiale, die Directoren der hiesigen Geldinstitute, zahlreiche Gemeinderäthe, Kaufleute und Gewerbetreibende. Oberrabbiner Dr. Kaminka hielt eine Trauerrede, in welcher er das segensreiche Leben des Heimgegangenen rühmte. Halle a./S. Das hiesige Stadttheater wurde vergangenen Samstag unter Leitung unseres vorzüglichen Dirigenten Herrn Moriz Grimm mit „Lohengrin" eröffnet. Den Lohengrin sang zum ersten Male Herr Singer, ein Sohn des Wiener Obercantors, der erst jüngst ins Heldentenorfach überging, mit großartigem Erfolge; sowohl im „Lohengrin", wie auch in der darauf stattfindenden „Walküre" rühmt die Presse seine prachtvolle jugendfcische Stimme, die bedeutsame geistige Auffassung, sein wohldurchdachtes Spiel. Das Orchester brachte Grimm in der „Walküre" auf eine ganz bedeutend künstlerische Höhe. Athen. Die Griechen in Larissa haben erreicht, was sie wollten, sie haben die Juden dieser Stadt nach und nach zur Auswanderung gedrängt und damit sich lästige Concurrenten vom. Halse geschafft. Es waren zum großen Theil gebildete