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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-10-07 · 40 (7.10.1898) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
40 (7.10.1898)
Date
1898-10-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 40 Vr. Moch's Wochenschrifi Seite 731 zu sprechen. Erst in diesem September hielt die Kaiserin ihr Versprechen; aus Caux kam das Aviso, die Kaiserin werde in Pregny erscheinen und daselbst gerne den Lunch nehmen. Hocherfreut trug die Baronin der Kaiserin ihre Dacht an, die von Caux, beziehungsweise Territet direct nach Bellevue gefahren wäre, ohne daß. die Kaiserin hätte Genf berühren müssen. Die Kaiserin lehnte ab. Die Kaiserin erschien mit der Gräfin Sztaray in Pregny, ließ den Lohnwagen in einiger Entfernung halten und legte den Weg zu Fuß zurück. Die Kaiserin war bester Laune, sprach huldvoll den Gutsdirector Hirsch an, den sie vorn letzten Besuche kannte; nach dem Dejeuner, bei dem eine Capelle concertirte, wurde ein Rundgang durch den imposanten Park mit seinen wechselvollen Grotten und Baumgruppen angetreten. Die Kaiserin schritt voraus, mit der Baronin französisch conversirend; auf dem Wege bewunderte die Kaiserin die Cascade», dann das träumerische Bauernhäuschen und legte den Rest des Weges bis Bellevue am Genfersee- Ufer im Wagen zurück. Von hier kehrte die Kaiserin zurück und blieb in Genf, wo das Furchtbare geschah; dieselben Orchideen, welche die Kaiserin in Pregny bewunderte, derentwegen sie den Gärtner in englischer Sprache belobte, liegen nun auf ihrem Sarge. Petersburg. Wohl in keinem Bevölkerungstheile des vielgestaltigen russischen Reiches ist das Friedensmanifest des russischen Czaren mit solcher Begeisterung ausgenommen worden, als von den russischen Juden. Freilich hat auch keine andere der vielen Secten und Stämme so schwer unter der Militärlast zu leiden, als die Judenheit, und gegen kein anderes Volk werden die Recrutirungsgesetze so grausam gehandhabt, wie gegen die russischen Inden. Eine Bewegung ist jetzt im Zuge, eigene Gymnasien für die Juden zu errichten, aber man kann diesem Unternehmen kein günstiges Prognosticon stellen. Ein solches Gymnasium nur für Juden bestand eine Zeit lang in Odessa, und eine ähnliche Anstalt existirt noch in Schaterinoslaw, aber beide sind sehr schlecht besucht, und diese schlechte Frequenz ist auch ganz berechtigt, denn die Schüler wissen nur zu wohl, daß sie keine Aussicht haben, nach Absolvirung dieser Institute auf einer russischen Universität Zulassung zu erlangen. Uebrigens plant man im Unterrichtsministerium eine Reform der jüdischen Schulen und speciell der Talmud-Thora- und der Sabbath- und Abendschulen. Freilich darf man kaum hoffen, daß ein erfreuliches Resultat bei diesen „Reformen" herauskommen wird. Ueberhaupt beschäftigen sich die Ministerien eifrig nrit der Judensrage; im Ackerbauministerium bearbeitet man ein neues Gesetz über die Colonien in Südrußland; im Justizministerium liegen zwei Entwürfe vor: über das Aufenthaltsrecht der Juden in Sibirien und über ihre Zulassung zur Advocatur; endlich im Ministerium des Innern ein Reformproject für die jüdische Fleischsteuer. Auf Veranlassung des Justizministers erscheint übrigens demnächst ein Buch von Losinsky, einem hervorragenden Senatsbeamten, in dem die Entscheidungen des Senats, soweit sie die Juden betreffen, zusammengestellt sind. Jerusalem. Noch immer ist nicht bestimmt, an welchem 'Platze das Zeltlager des Kaisers aufgeschlagen werden wird. Zuerst war der Bauplatz der Jerusalemstiftung dazu bestimmt. Derselbe erwies sich als zu klein, und auch ein Platz vor dem Herodesthor genügte den Anforderungen nicht. Jetzt ist die Wahl zwischen einem Platz an der Jaffastraße und einem Bauplatz der hiesigen Templergemeinde noch nicht entschieden. Es bedarf kaum der Erwähnung, daß hier bereits die Preise der Fremdenführer erheblich gestiegen sind, ebenso wie die Miethspreise für Wagen oder Reitthiere. Selbst die Preise für Pferdefutter, Gerste und Stroh, sind um 25 Percent gestiegen. Die Preise für alle Reisen während der Kaisertage sind auf mehr als das Doppelte gestiegen. So zahlt man für eine Reise nach Jericho und dem Todten Meer 130 Francs, während man früher nur 40—60 Francs zahlte. Deutsch sprechende Dragomane sind sehr gesucht, und manchem Juden werden seine Kenntnisse der deutschen Sprache zu einem Verdienste verhelfen. Eine ganze Reihe neuer Straßen werden gebaut, vom Oelberg nach Bethanien, dann von Jericho nach der Elisa-Quelle, von der Jordanbrücke bei Jericho nach es-Salt und von es-Salt nach Muserib. Freilich wird der kaiserliche Zug schon durch seinen Umfang etwas Außergewöhnliches sein. Derselbe soll aus 800 Personen bestehen und erfordert nicht weniger als 2000 Lastthiere (Kameele, Esel, Maulthiere und Pferde) und 50 mit je 3 Pferden bespannte Wagen. Sehr überrascht hat hier zu Lande die Nachricht, daß der Kaiser in Cesarea übernachten wolle. Gerade die Gegend von Cesarea ist sehr sumpfig, und wenn dieselbe als außerordentlich ungesund bekannt ist, so beruht dies auf den Fiebermiasmen, die durch diese Sümpfe erzeugt werden. Man wundert sich daher, daß gerade dieser gesundheitsschädliche Platz ausgesucht worden ist. Jerusalem. Der in Aussicht stehende Kaiserbesuch in Palästina spornt sowohl die türkischen Behörden wie die Privaten zu äußerster Thätigkeit an. Außer den schon mitgetheilten Straßenbauten wird jetzt auch auf der Strecke Jericho—Todtes Meer—Jordan-Badeplatz-Jordan-Brücke—Jericho ein neuer Fahrweg gemacht. Am Jordan werden zur Zeit der Anwesenheit des Kaisers eine Menge Beduinen versammelt sein, um dem Kaiser ihre Reiterkunststücke zu zeigen. In Jerusalem selbst wird die Stadtbehörde an der Jaffaftraße auf der sogenannten Gottfriedshöhe am Stadthospital einen Triumphbogen errichten und einen zweiten zwischen dem Lloyd-Hotel und Howards-Hotel. Das circa 1000 Meter lange, zwischen beiden Bögen liegende Stück Jaffastraße soll eine via triumphalis werden, beide Seiten der Straßen mit Fahnen und Guirlanden geschmückt. Wie man hört, so sind für die Zeit des Kaiserbesuches alle Zimmer und Plätze in den Hotels und Hospizen jetzt schon belegt. Bon der Wasserleitung Ain-Arrub-Jerusalem ist es wieder ganz Me geworden, dagegen wurde die alte salomonische Wasserleitung in letzter Zeit einer gründlichen Reparatur unterzogen und fiihrt das Wasser nach einer 18jährigen Unterbrechung wieder auf den Tempelplatz. Für die Stadt im Allgemeinen kommt die Wasserleitung kaum in Betracht, da die zugeführte Menge zu gering ist. Dieselbe kommt nur den in der Nähe des Tempelplatzes wohnenden Mohammedanern zu Gute. Uebrigens weilen auch gegenwärtig wichtige Besucher in unserer Stadt. Die Gesandten des Königs Menelik von Abessinien haben auf der Rückreise von Paris eine Pilgerfahrt hieher angetreten. Der ruffische Generalconsul und ebenso die französischen Beamten haben ihnen einen feierlichen Empfang bereitet. _ Vermischtes. Wie«. (Verein „ F r a n e n h o r t".) Am 29. September hat der Wohlthätigkeitsverein „Frauenhort" seine regelmäßigen allwöchentlichen Sitzungen wieder ausgenommen und dieselben mit einer feierlichen Trauerkundgebung für die verblichene Kaiserin eröffnet. Die Präsidentin, Frau Rosa Zifferer, hielt eine ergreifende Ansprache und gab sodann dem Ausschüsse bekannt, daß auf Grund eines in außerordentlicher Sitzung seitens des Präsidiums gefaßten Beschlusses in pietätvoller Erinnerung an die dahingeschiedene Kaiserin während der Trauerwoche 625 fl. an Arme vertheilt wurden. Der Ausschuß beschloß, die alljährliche Bekleidung armer Schulkinder Heuer am 19. November, dem Namenstage der Kaiserin, vorzunehmen. Wien. Am 29. d. M. fand die Bermälung des Ingenieurs Josef K a r e i s mit Fräulein Elsa S ch e f f t e l, Tochter des kaiserl. Rathes Herrn N. Schefftel, statt. — Der k. k. Landesschulrath, Bice-Präsident der israel. Cultusgemeinde, Herr Dr. Gustav Kohn, hat einen herben Verlust erlitten. Am 23. d. M. starb in Prag dessen Schwester, Frau Caroline Littra, im 56. Lebensjahre. Zum Leichenbegängniffe, das unter großer Theilnahme stattfand, hatte sich Herr Dr. Gustav Cohn nach Prag begeben. Wien. (Eine verdienstvolle Lehrerin.) Frau Charlotte Frischauer, Gattin des bekannten Med. Dr. Eduard Frischauer, feierte am 1. October den Gedenktag ihrer 25jährigen Lehramtsthätigkeit. Im Jahre 1873 trat dieselbe als Unterlehrerin in städtische Dienste und erwarb fich durch ihre Berufstreue, Gewissenhaftigkeit und humane Denkungsweise die allgemeine Anerkennung. Auch als pädagogische Schriftstellerin hat sich Frau Frischauer bemerkbar gemacht. Wien. Dienstag den 11. Oktober um 4 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Blinden-Jnstitute, Hohe Warte, Wien, eine Trauerfeier für weiland Ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth statt. Wien. (Die Firma Lessner und der Versöhn u n g s t a g.) Wir erhalten folgende Mittheilung: „Sehr geehrter Herr Redacteur! Gestatten Sie, daß ich einen Fall zu Ihrer Kenntniß bringe, der abermals darthun soll, _ wie schwer es dem Juden gemacht wird, Jude zu sein und daß Glaubensgenossen selbst dazu beitragen, um das Jndenthum zu Falle zu

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