Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 40 (7.10.1898)
- Date
- 1898-10-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 730 Dr Vloch's Wochenfchrifi Nr. 40 werden in den nächsten Wochen bei israelitischen Wohlthätern autorisirte Sammler vorsprechen, und wir dürfen uns wohl der berechtigten Hoffnung hingeben, daß auch der so dringend nothwendige Tempelbau in der Brigittenau zahlreiche Förderer finden wird. Die Namen der Spender werden der Controle wegen in der „Oesterreich-schen Wochenschrift" veröffentlicht werden. Lemberg, 25. September. Dank der fürstlichen Hochherzigkeit der Frau Baronin Hirsch ist das unmittelbarste Elend unter den jüdischen Bergarbeitern in Boryslaw zum größten Theile bereits gelindert. Die edle Frau hat 20.000 Gulden gespendet, welche Herr Dr. Friedländer vertheilt hat. Dadurch wurden 239 Familien von gräßlichem Elend befreit und in die Möglichkeit versetzt, sich eine neue Existenz zu schaffen. Ungefähr vierzig Familien, welche Verwandte in Amerika haben, bekamen die Reisespesen; einige dreißig Familienväter im Alter von 25—42 Jahren wurden für die Rothschild- Gutmann'schen Kohlenbergwerke bestimmt. Zwei hervorragende Bergbauingenieure und Directoren großer Bergwerke haben über die Brauchbarkeit der jüdischen Bergarbeiter sehr Werths volle Gutachten abgegeben. Prag, 27. September. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Verehrte Redaction! M '"MK In Nummer 36 Ihres geschätzten Blattes wurde ganz richtig darauf hingewiesen, daß die Schüler der deutschen Gymnasien in Prag der Mehrzahl nach Israeliten sind. Umso merkwürdiger erscheint daher der Umstand, wie wenig man an diesen Anstalten die Juden berücksichtigt. An den größten jüdischen Feiertagen erhalten die mosaischen Schüler meist nur Vormittag frei. Dabei wird aber schon den Tag zuvor angekündigt, daß sie den am Feiertage vorgetragenen Lehrstoff gleich am nächsten Schultage so beherrschen müßten, als ob sie anwesend gewesen wären. Und es werden thatsächlich, fast ostentativ, nur lauter Juden geprüft, gleichwie um sich zu überzeugen, ob sie der drückenden Maßregel nachgekommen. Wenn sie aber, da ihnen doch das Hauptsächlichste, der lebendige Vortrag, fehlt, nicht gut entsprechen, heißt es: „Sie hatten doch gestern frei!" Was Wunder, wenn dann mancher Schüler selbst am Bersöhnungstage auf den Tempelbesuch verzichtet? Statt mit allen Mitteln für den Frömmigkeitssinn aller Schüler zu sorgen, sucht man unserer ohnehin leider wenig religiösen Jugend durch erkünstelte Rücksichtslosigkeit die Ausübung der religiösen Pflichten schwer zu machen, während sich doch die Schule die Förderung des religiösen Bewußtseins bei den Christen in löblicher Weise so angelegen sein läßt. Warum so stiefmütterlich? Gleiches Recht für Alle und Achtung vor Jedermanns Glauben! In der'Hoffnung, daß durch Veröffentlichung dieser-Zeilen etwas zur Behebung dieses Uebelstaudes beigetrageu werde, zeichnet Achtungsvoll Leopold Federer." Prag. Die hiesige Cultusgemeinde-Repräsentanz veranstaltet alljährlich im Adlersaale des Grand-Hotels, einem der schönsten Säle Prags, einen Gottesdienst an den hohen Feiertagen für die israelitischen Schüler der Mittel-, Bürger- und Gewerbeschulen; es muß anerkannt werden, daß die Repräsentanz bei Veranstaltung dieses Gottesdienstes nicht kargt, vielmehr dahin strebt, denselben solenn auszugestalten. Das ganze Arrangement ist ein sehr weihevolles; hiezu trägt noch der Umstand bei, daß die Schüler an den gottesdienstlichen Handlungen sich direct betheiligen; zur Thora werden ausschließlich Schüler aufgerufen. Mavtir wird von einem Schüler vorgetragen. Es wurde überdies heuer der erfolgreiche Versuch gemacht, einen Talmud- Thoraschüler am Versöhnungstage das Minchagebet vortragen zu laffen; auch am Priestersegen betheiligte sich ein kleiner Kohen. Es darf aber nicht unbemerkt bleiben, daß zur Hebung der Andacht und Stärkung des religiösen Bewußtseins auch die Ansprachen und Predigten des für diesen Gottesdienst jeweilig bestellten Predigers wesentlich beitragen. Heuer wurde Herr Phil. Dr. Moritz Emil Proßnitz aus Wien zu dieser Function berufen. Herr Dr. Proßnitz, begabt mit einem schönen Organ, hervorragendem Rednertalente und reichem jüdischen Wissen, hat durch seine Predigten seine jungen Zuhörer sofort für sich gewonnen. Mit der ganzen Leitung des Gottesdienstes waren die Repräsentanzmitglieder Herr Dr. Friedrich D u s ch e n e s und U. D. Bunzl-Feileru betraut. Radautz, Ende September. Nach einem langen zehnährigen Interregnum, in welchem die hiesige israelitische Cultusgemeinde ihrer Autonomie entbehren mußte, und deren Verwaltung durch ein von der Behörde eingesetztes Comitä geführt wurde, ist endlich, Dank der thatkräftigen Initiative unseres neuernanten Herrn Bezirkshauptmannes Julius Patak, der im Jänner d. I. gewählte Cultusrath von Seite der Regierung endgültig bestätigt worden. In der am 21. d. M. stattgefundenen constituirenden ersten Sitzung des Cultusrathes, wurde Herr Emanuel A x e l r a d, Großindustrieller, zum Präsidenten, Herr B. T e r n e r als dessen Stellvertreter und die Herren Israel Mensche l, I. Rucken st ein und M. Maidonek als Beiräthe gewählt. Die in den Cultusrath gewählten Persönlichkeiten überhaupt, die Vorstandsmitglieder insbesondere, namentlich aber der Präsident, dessen Mnnificenz sich erst vor Kurzem durch eine Spende von 6000 Kronen behufs Gründung einer Volksküche glänzend bethätigte, lassen erhoffen, daß unsere Gemeinde unter deren gewissenhaften Leitung in jeder Beziehung prosperiren werde. Berlin, 29. September. Die Herren Rabbiner Dr. Maybaum - Berlin und Dr. David- Düsseldorf hatten heute bei dem Herrn Minister des Innern, Freiherrn von der Recke, eine Audienz, um in Erfüllung eines von ^„Rabbiner- Verband in Deutschland" ihnen ertheilten Auftrages wegen des in Rheydt durch die B e s ch r ä n k u n g der S ch ä ch tf r e i h e i t im dortigen städtischen Schlachthofe geschaffenen Mißstandes vorstellig zu werden. Herr Rabbiner Dr. Maybaum trug das Gesuch vor, das die religiösen Forderungen ebenso betonte, wie es die hygienischen und humanitären Momente berücksichtigte. Er überreichte zugleich eine Zusammenstellung der Gutachten deutscher wissenschaftlicher Sommitäten, die übereinstimmend das Schächten als die vorzüglichste und einwandfreieste Schlachtmethode bezeichnen. Er wies namentlich darauf hin, daß in der militärischen Conservenfabrik zu Mainz das Schächten gerade aus humanitären und hygienischen Rücksichten eingeführt sei. und daß die holländische Regierung zu der gleichen Maßnahme aus den gleichen Beweggründen sich entschlossen habe. Herr Rabbiner Dr. David legte namentlich die Mißstände dar, die in Rheydt sich heraus gebildet haben, wie dort theils Gewissensbedrängniß empfunden, theils der Grund zu einer Mißachtung gesetzlicher Vorschriften gelegt wurde. Der Herr Minister versicherte in seiner Antwort, daß er in Uebereinstimmung mit dem ressortmäßig in erster Reihe zuständigen Herrn Handelsminister der Meinung sei, daß die R e y d t e r Schlachthof-Ordnung einen unhaltbaren Zu st and geschaffen habe. Eine Remedur sei dadurch erschwert, daß die Betheiligten die Beschwerdefrist ungenützt hätten verstrichen lassen. Immerhin müsse und werde sich e i n A u s w e g f i n d e n, um zu verhindern, daß irgendwo die extreme Wahrung des „Hausherrn-Standpunktes" seitens der Schlachthofbesitzer, d. i. der Communen, sich geltend mache. Der Zwang, ausschließlich im Schlachthofe zu schlachten, sei unvereinbar mit dem Verbot bestimmter Schlachtmethoden. — Eine Stunde spät« wurde dieselbe Deputation von dem Handelsminister Herrn B r e f e l d im Beisein des Unterstaatssecretärs L o h m a n n empfangen. Der Herr Handelsminister sicherte beschleunigte Prüfung und Erledigung der Angelegenheit zu. London. Mr. Woolf Joel, der bekannte südafrikanische Millionär, der in Johannisburg ermordet wurde, hat die respectable Summe von 500.000 Mark letztwillig für wohlthätige Zwecke in England hinterlassen. Seine Testamentsvollstrecker können selbstständig die Institute bestimmen, denen diese große Summe zufließt. — Bei dem großen Preßbazar, der zu Gunsten des Londoner Hospitals veranstaltet wurde, erzielte die Jewish-Chronicle-Bude die enorme Summe von circa 18.000 Mark Ueberschuß. — Auch in diesem Jahre erschien Lord Rothschild am Jom-Kippur während des Mussaphgebetes in dem großen Festgottesdienst in Beaumont Hall und betete mit lauter, im ganzen Saal vernehmlicher Stimme die ersten Abschnitte, die aus die Abodah folgend, vor. Auch für Jugendgottesdienste war diesmal reichlich gesorgt. Genf. Baronin Julie Rothschild, Gemalin des Barons Adolphe Rothschild in Paris, bei der die Kaiserin Elisabeth zu Besuche war, ist eine Schwester der Wiener Barone Nathaniel und Albert Rothschild. In ihrem Pariser Palais war die Schwester der Kaiserin, die Königin von Neapel, oft zu Besuch, und als die Kaiserin im vorigen Frühling den herrlichen Besitz Pregny besichtigte, versprach sie, im September wieder zu kommen, um die Baronin, die sie seit dreißig Jahren nicht gesehen und von der ihre Schwester so viel erzählte, selbst