Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 40 (7.10.1898)
- Date
- 1898-10-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 40 Dr. Vloch'« Wochenschrift Sette 720 Obercantor Schwalb eröffnete den Tranergottesdienst. Herr Oberrabbiner B. W. Singer hielt die Trauerrede. Turu-Severin. Am 22. September wurde im Tempel der deutsch-israelitischen Cultusgemeinde zu Turn-Severin unter der Leitung des Obercantors Herrn Süssermann ein Trauergottesdienst für weiland Ihre Majestät die Kaiserin-Königin Elisabeth abgehalten. Nach Beendigung des Gottesdienstes sprach der erschienene österreichisch-ungarische Consul Herr Baron von T e u f f e n st e i n der Gemeinderepräsentanz und dem Obercantor einen Dank aus. Ungarisch-Brod. Die hiesige Cultusgemeinde veranstaltete eine Trauerfeier für die Kaiserin Elisabeth. Außer den Vertretungen der politischen und Cultusgemeinde, dem Lehrkörper der deutschen Volks- und Bürgerschule und fast sämmtlichen Gemeindemitgliedern, erschienen auch sämmtliche k. k. Beamte, der k. k. Bezirkshauptmann Mazlovsky, der k. k. Bezirksrichter und die Stadtvertretung mit ihrem Bürgermeister, dem Herrn Reichsrathsabgeordneten Seichert. Eingeleitet wurde die Feier durch einen Trauerpsalm, den Herr Obercantor S. Weiß wirkungsvoll vortrug. Die Trauerrede hielt Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. M. Jung. Dieselbe war in Form und Gedankenreichthum hervorragend. Treires6n-Baän, Ende September. Die von der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde veranstaltete Trauerfeier nahm einen äußerst würdigen Verlauf. In der Synagoge versammelten sich die Spitzen der Behörden und aller Aemter, die Repräsentanz der Cultusgemeinde unter Führung des Herrn H. Löwenbein, der Chewra-Kadischa unter Führung des Herrn Jacob Pollak rc. Nach Recitirung des Psalm 16, lauschte die Versammlung, in andächtiger Stille der tiefempfundenen und ergreifenden Rede, in ungarischer und deutscher Sprache, des Ehrw. Herrn Bezirks- Rabbiner Mor. Reich, während der sich so manches Auge, mit Thränen sich füllte. „Der Tag hat gewendet, die Sonne ist untergegangen und hat sich geneigt — nun kommen wir, o ewiger Vater in deine Thore!" — — „Ach es ist gekommen und ist geschehen! — das Entsetzliche, Furchtbare. — O verkünde! Ein Schwert, ein Schwert! Es ist geschärft, es ist geschliffen! Es ward geschärft, um zu morden, es ward geschliffen, um Blitze zu schleudern!" — waren die Hauptaccorde der vorzüglichen Gedenkrede. London. Samstag den 24. September wurde in der New-Road Synagogue Whitechapel von der Kaiser Franz Joseph- Hebrew-Siek Benefit Society und der Brodyer und Austrian Siek Benefit Society ein gemeinschaftlicher Trauergottesdienst für Kaiserin Elisabeth abgehalten. Die kleine Synagoge in der New- Road ist speciell eine Krakauer Gemeinde, welche von den meisten hier im East-End lebenden Krakauer» wie Galizianer frequentirt wird. Es ist ein niedliches, kleines Gebäude, welches im Ganzen 350 bis 400 Personen fassen kann. Der Andrang war aber so enorm, daß dieses kleine Gotteshaus bei 1000 Menschen fassen mußte, welche mit Andacht den Vorträgen des Herrn Cantors Perlzweig lauschten. Von der kais.-königl. Gesandtschaft war Herr Dr. K o h n anwesend, vom österr.-ungar. Consulate waren drei Herren erschienen. Sämmtliche hiesigen österr.-ungar. Vereine haben Repräsentanten entsendet. Leider wurde Herr Dr. Kästner, der die Trauerrede halten sollte, von einem plötzlichen Unwohlsein befallen und ließ durch einen Boten absagen. _ (Korrespondenzen. Wien. (Der amerikanische Botschafter im jüdischen Museum.) Montag besuchte der auf der Durchreise in Wien anwesende amerikanische Botschafter für Constantinopel, Mr. Oscar Strauß sammt seiner Familie, das jüdische Museum für Kunst- und historische Denkmäler, woselbst er von dem Präsidium: Baurath S t i a ß n y^ Adolf v. Sonnenthal, Professor Dr. Politzer, dann von den Curatoren Baurath v. Goldschmidt, Oberbaurath Taussig, Professor Horovitz, dem Honorarsecretär Dr. Taussig, ferner von dem Bicepräsidenten der Cultusgemeinde, Dr. Alfred Stern, und dem Vorstandsmitgliede Salo Cohn (beide Herren Stifter der Gesellschaft) und mehreren anderen Persönlichkeiten begrüßt wurde. Der Präsident des Curatoriums feierte in dem Gaste nicht nur den bewährten, ausgezeichneten Vertreter einer der größten und mächtigsten, gleichzeitig einer der freiesten und tolerantesten Staaten, sondern auch den treuen, anhänglichen Sohn unseres Volkes. Der Botschafter erwiderte in englischer Sprache, daß es ihn außerordentlich freue, das Museum, über welches er in Amerika viel gelesen und gehört habe, kennen zu lernen. Die Regierung seines Landes sei frei von Vorurtheilen in Bezug auf das Bekenntniß der Staatsbürger. Es sei in der Nordamerikanischen Union allgemein bekannt, daß die republikanischen Institutionen von den Puritanern, welche mit der Bibel in der Hand ins Land eingezogen sind, auf biblischen, somit auf jüdischen Grundlagen aufgerichtet seien. Mit großem Interesse betrachteten die Gäste die zahlreichen Objecte von hervorragend archäologischem und künstlerischem Werthe, insbesondere die italienischen Majoliken, die Objecte für den rituellen Gebrauch, die alten Manuskripte und die Judenschutzbriefe (Hoffreiheiten) aus dem 18. Jahrhundert, von deren Existenz man in Amerika natürlich keine Kenntniß besitzt. Herr Strauß äußerte den Wunsch, daß die interessanten Vorträge, welche ihm inhaltsweise bekannt waren, durch die Gesellschaft publicirt werden mögen. Nach fast zweistündigem Aufenthalte und unter herzlicher Verabschiedung von den Anwesenden verließ der Botschafter und seine Familie das jüdische Museum. Vom 15. October d. I. an ist das Museum (!., Rathhausstraße 13) an jedem Samstag von 11—1 Uhr Mittags für den Besuch des Publicums geöffnet. Wien. (Der ungesetzliche Schulerlaß.) Der Reichsrathsabgeordnete Hofrath K a r e i s hat im Abgeordnetevhause eine Interpellation bezüglich der durch den Wiener Bezirksschulrat!) verfügten Trennung der Schüler nach Confessionen an den Minister für Cultus und Unterricht eingebracht. Wir lassen hier den Wortlaut dieser Interpellation folgen: „Der Wiener Bezirksschulrath hat mit dem Erlaffe vom 5. September 1898 die Leitungen der Wiener Volks- und Bürgerschulen angewiesen, bei der Bertheilung der Schulkinder in Classen und Classenabtheilungen darauf Rücksicht zu nehmen, ob die Kinder Christen oder Juden sind. Die Unterzeichneten sind der Ansicht, daß die Bestimmungen des Reichs-Volksschulgesetzes nach ihrem klaren und unzweideutigen Wortlaute in keiner Weise die Deutung zulassen, daß eine räumliche Trennung der Kinder nach Confessionen in der Schule platzgreifen dürfe; sie sind der Ueberzeugung, daß dieser Erlaß des Bezirksschulrathes, aus parteipolitischen Gründen hervorgegangen, eine flagrante Verletzung der Staatsgrnndgesetze und einen gegen den Geist und den Wortlaut des Volksschulgesetzes gerichteten Angriff i n v o l v i r e. der mit aller Entschiedenheit von vornherein zurückgewiesen werden muß. Die Unterzeichneten stellen deshalb die Anfrage: „Ist dem Herrn Minister der erwähnte Erlaß bekannt und ist derselbe geneigt, diesen gesetzwidrigen Erlaß schleunigst aufzuheben?" K a r e i s, Dr. K op p. Dr. Kronawetter, Noske, Wrabetz, Dr. F o u r. n i e r, Dr. H a b e r m a n n, Dr. S t ö h r, Dr. G ö tz, Julius Pfeifer, Günther, Dr. M e n g e r. R ö h l i n g, Dr. Ruß, Dr. Lecher, Dr. S ch ü ck e r, Dr. P e r g e l t, Dr. Funk e, Dr. G r o ß," Die auffällige Verzögerung, welche die vom Vorstande der Cultusgemeinde angerufene Entscheidung der obersten Unterrichtsbehörde über den Erlaß des Bezirksschulrathes, betreffs der Claffeneintheilung nach Confessionen erleidet, hat unter der israelitischen Bevölkerung lebhafte Erregung wachgerufen. Samstag, den 15. October, 7 Uhr, soll im Saale des kaufmännischen Vereines eine große Protestversammlung der israelitischen Wählerschaft stattfinden; ferner wird beabsichtigt, eine Massendeputation der von dem Erlasse betroffenen Familienväter an den Unterrichtsminister zu entsenden. Wien. (Brigitte uauer Tempelbau.) Die politische Behörde hat dem Brigittenauer Belhausverein die Bewilligung ertheilt, zu dem von ihm geplanten Tempelbau Sammlungen bei bekannten Wohlthätern einzuleiten. Wie bekannt, ist der Vorstand des Brigittenauer Bethausvereines seit jeher und mit allen Kräften bemüht, für die namentlich in letzter Zeit sehr rasch anwachsende jüdische Bevölkerung eine würdige Andachtsstätte zu erlangen. Ein in jeder Beziehung paffender Baugrund wurde bereits erworben und ausbezahlt; die einleitenden Schritte für die Inangriffnahme des so nothwendigen Baues sind bereits gethan, und der löbliche Cultusvorstand hat für diesen Zweck eine Bausubvention von 15.000 fl. bereits zugesagt. Es handelt sich nun darum, die noch fehlenden nicht unbeträchtlichen Mittel baldigst aufznbringen. Darum