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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-10-07 · 40 (7.10.1898) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
40 (7.10.1898)
Date
1898-10-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 726 Vr. Vloch's Wochenschrift Nr. 40 Zeit und Mühe, Reichthum erwerben. Sehen Sie, lieber Herr Gregorig, das haben wir jüdischen Journalisten bisher gar nicht gewußt, daß es uns so ausgezeichnet geht. Es scheint aber, daß Sie durch Ihre goldene Brille die Dinge allzu rosig ansehen. So ist es z. B. keineswegs angenehm und auch durchaus nicht appetitlich, sich in der Zeitung mit den Koryphäen der Purschtpartei zu befassen, und doch sind wir gezwungen, über sie zu schreiben, gerade so wie über andere locale Unglückssälle, die sich täglich in einer so großen Stadt wie-Wien ereignen. Dagegen geht es dem antisemitischen Zeitungsmatador, Ihrem lieben Freunde Vergani viel besser als uns, obgleich außer einigen Reisebeschreibungen, die er aus fremden Büchern herausgeschnitten hat, nicht viel aus seiner Scheere erschienen ist. Er hat also weder Zeit noch Mühe aufzuwenden gebraucht, um reich zu werden; der Dummheit seiner Zeitgenossen hat er in der Josefsgasse ein, wenn wir nicht irren, dreistöckiges Monument gesetzt. Die jüdischen Journalisten untergraben auch Herrn Gregorig zufolge die Moral, und da können wir ihm nicht ganz Unrecht geben. Es schickt sich beispielsweise nicht, über die Geheimnisse eines Bordells am Spittelberg und über den factischen Inhaber desselben, sowie über dessen dicke Freunde mit einer Ausführlichkeit und Deutlichkeit zu schreiben, welche den ganzen Bürgerclub erröthen macht. * * * Wer von den „Judenblättern" getadelt wird, ist ein Ehrenmann, sagt Herr Ernst Schneider, und wer von ihnen gelobt wird, ist ein Schuft oder fängt an, ein Schuft zu werden. .Der hochzuverehrende Herr Reichsrathsabgeordnete möge es gütigst entschuldigen, wenn wir ihm. unbeschadet des aufrichtig gemeinten Lobes, welches wir ihm sonst zu spenden genöthigt sind, in dem ersten Punkte höflichst widersprechen. Es gibt nämlich eine hinreichende Anzahl von Persönlichkeiten, die von den Judendlättern häufig getadelt werden und trotzdem keine Ehrenmänner sind. Was aber, hochzuverehrender Herr Schneider, die Alternative betrifft, vor welche Sie Jedermann gestellt wissen wollen, der in den Judenblättern gelobt wird, so genehmigen Sie gütigst die respectvolle Versicherung, daß wir einen Anlaß, Sie zu tadeln, unmöglich entdecken können. Im Gegentheile, wir bewundern Ihre vornehme Sprache, Ihr feines Benehmen, Ihre umfassende Bildung und die geradezu antike Lauterkeit Ihrer Gesinnungen. Sie sollen einmal um ein falsches gerichtliches Zeugniß geworben haben; es war gewiß ein edler Zweck, welcher dieses Mittel heiligte. Ihre Stampiglien sind die echtesten in Europa. In Raufhändeln mit politischen Gegnern haben Sie Physische Kraft und männlichen Muth gezeigt. Die Lieferung von Gasmessern an die Commune sollte zeigen, mit welcher idealen Uneigennützigkeit Sie dem Wohle der Stadt zu dienen bemüht sind, damit nicht etwa von Anderen schlechte Gasmesser geliefert werden. Eine geistig und sittlich so hochstehende Persönlichkeit also zu tadeln, fällt uns durchaus nicht ein. Ihr Charakter und Ihr Betragen, hochzuverehrender Herr, stempeln Sie. zu einer Zierde unseres öffentlichen Lebens. Genehmigen Sie, daß Ihnen an dieser Stelle der Ausdruck wahrer Bewunderung dargebracht werde von Ihrem äußerst ergebenen, Sie herzlich lobenden Robert Wolf. Stimmen der Toleranz. In einer sehr bemerkenswerthen Rede: „Volk, Staat, Sprache", die U. von Wilamowitz-Möllendorff am 27. Jänner 1898, zum Geburtstag des deutschen Kaisers, gehalten hat, führt der Redner den Gedanken aus, daß ein Volk weder durch die Sprache noch durch die Religion geschaffen und zusammengehalten werde. Es wird gezeigt, wie Antiochus Epiphanes versuchte, durch die hellenische Sprache und die hellenische Religion sein Volk zu retten und in diesem Versuche scheiterte, und wie er für diese verfehlten Versuche in dem Andenken der Nachwelt als abscheulicher Tyrann fortlebt. Dann fährt der Redner fort: „Und doch sollten die Juden und solche Christen, die an dem Geist der Apokalypse Gefallen finden, ihm eigentlich danken; denn, daß er mit ungeduldiger Gewalt die Juden hellenisiren wollte, Jerusalem eroberte und den Tempel Jahves dem Zeus weihte, hat in Wahrheit erst das Judenthum zu unüberwindlichem religiösen Widerstande aufgerüttelt. Hätte er, wie seine Vorfahren, die gelinde Gewalt der hellenischen Cultur gewähren lassen, wer weiß, ob nicht dieses Volk und dieser Gott ebenso, wie unzählige andere, langsam hellenisirt worden wären, was der Adel und die Hohepriester schon mehr als zur Hälfte waren. Jetzt riß sie die Volksbewegung fort, und der national-jüdische Staat entstand. Auf die Sprache kam dabei wenig an. Sprachlich ging die Hellenisirung des Judenthums weiter, das sich erst nach der Zerstörung durch Titus künstlich die abgestorbene Sprache seiner Ahnen erneut hat. Aber ihre Religion hat aus der Zeit der Verfolgung durch den nationalen Fanatismus des Antiochus die Kraft geschöpft, Jahrtausende hindurch ihre Bekenner, einerlei, welche Sprache sie redeten, als eine eigene Race abzusondern." * * * Aus Kiew wird gemeldet: Bei der vor wenigen Tagen erfolgten feierlichen Eröffnung des von Nicolaus II. begründeten Polytechnicums hielt der Gehilfe des Commandirenden des Kiew'schen Militärbezirkes, General K o s s i t s ch, eine Rede, die von den freisinnigen Blättern Rußlands mit großer Genugthuung begrüßt wird. General Kossitsch tadelte in scharfen Worten die Hetze gegen die andersgläubigen Nationalitäten im Czarenreiche und sagte zum Schluffe: „Wir hoffen, noch mehr, wir sind überzeugt, daß wir unter der wohlthätigen Regierung unseres jungen, aber bereits großen Herrschers zu jener Einigung gelangen werden, bei der alle Angehörigen der verschiedenen Nationalitäten Rußlands sagen können: „Ja, ich bin ein Deutscher, ein Pole, ein Jude, zugleich aber ein aüftichtiger russischer Patriot." Es wäre voreilig, aus den Worten, die General Kossitsch gesprochen, auf einen alsbaldigen Wandel in der russischen Judenpolitik zu schließen. Doch als ein erstes Anzeichen des heranbrechenden Tages darf man sie mit Freuden begrüßen. Einwanderungsverbot für Palästina. Dem „Woschod" wird aus Palästina gemeldet, daß die dortigen Staatsbehörden von der Centralregierung in Constantinopel die strengste Weisung erhalten haben, darüber zu wachen, daß Verkäufe von Grund und Boden an Juden nicht stattfinden, auch nicht an solche, die türkische Unterthanen sind. Desgleichen sind Transacttonen auf den Namen von Vertretern des Baron Rothschild, des Baron Hirsch und der Alliance Isiaelite Universelle verboten worden. — Der Anlaß dieser bedauerlichen Maßregel ist leicht zu finden. Es wird Mühe genug kosten, diese Wirkung des Staatszionismus wieder auszugleichen. („Allg. isr. Wochenschr.") Wieder Einer. Hagen, 25. September. Ueber eine Verhandlung der hiesigen Strafkammer vom 20. August schreibt die „Hagener Zeitung" vom 22. d. M.: „Wegen Unterschlagung, Urkunden^ fälschung und Sittlichkeitsvergehens hat sich der Bureaubeamte H. St. von hier zu verantworten. Er soll im Laufe dieses Jahres Geldbeträge von insgesammt circa 85 Mark, die er im Pfandleihgeschäft von H. B. I. als Ueberschüsse aus dem Verkauf von Pfändern für die Armenverwaltung zum Theil unter Vorlegung gefälschter Quittungen behob, unterschlagen und am 13. Juni l. I. an einem kleinen Kinde unzüchtige Handlungen vorgenommen haben. Des letzteren Delictes will sich Angeklagter, der totale Trunkenheit vorschützt, nicht entsinnen, die anderen Strafthaten räumt er reumüthig ein. Unter Annahme mildernder Umstände kommt Angeklagter mit 1 Jahr Gefängniß davon." Es betrifft dies Urtheil den städtischen Verwaltungsbeamten H. Steinbeck, welcher Mitglied des Vorstandes des antisemitischen Vereines zu Hagen war und vielleicht noch ist. Xou olvt, uou ölet. Das jüngste Heft von „Nord und Süd" bringt das Porträt Humperdinck's, der durch sein Talent und durch die geschickte Verwendung populärer Kinderlieber in seiner „Hänsel und Gretel"-Oper zu einer großen Beliebtheit gelangt ist. Merkwürdig ist der Text, mit dem Herr N e i tz e l, der ausgezeichnete Kritiker der „Kölnischen Zeitung", in der genannten Monatsschrift das Porträt seines. Freundes begleitet. Das Berliner „Kleine Journal" schreibt hierüber unter der. Chiffre St. (Stettenheim?) Folgendes: „Dieser Text ist sehr indiscret und läßt Herrn Huwperdinck erzählen, er habe sich einst um den Preis derMeyerbeer-Stiftung beworben. Natürlich habe er Wagner gegenüber nichts von seiner Bewerbung geäußert, da er fürchtete, der Name Meyerbeer würde seine Laune verderben. Er habe sich daher wie ein armes, junges Mädchen geschämt, das sich soeben mit einem reichen, alten Herrn

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