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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-09-30 · 39 (30.9.1898) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
39 (30.9.1898)
Date
1898-09-30
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 39 Vr. Bloch'» Wochenschrift Sette 719 Präsidentin Frau Sophie Grünfeld, Herrn Doc. Dr. Josef Grünfeld und dem Vorstande empfangen. Gleichzeitig mit der Rossitzer Colonie traf die Vice-Präsidentin des Mädchen-Comites Frl. Caroline Schneider, hier ein, welche durch drei Monate die Interessen des Vereines in Rossitz förderte. Ungefähr eine Stunde später kamen auf deni Nordbahnhofe 58 Kinder unter der Leitung von zwei Herren aus Petrau in Wien an. Auch diese Colonie wurde vom Vereinsvorstande empfangen. Wien. (Ferienheim.) In Folge des tragischen Ereignisses in unserem Kaiserhause unterblieb die für den 14. September in der Jugendhalle vorbereitete Production der aus der Feriencolonie zurückgekehrten Knaben und Mädchen. Aus Anlaß des Namensfestes Sr. Majestät des Kaisers findetz wie alljährlich, am 4. October d. I. um 4 Uhr Nachmittags im Ballsaale Ronacher, I., Schellinggasse, ein Kinderfest statt. Die Kinder werden sich in Declamation und Gesa'.kg produciren und die Knaben Proben ihrer militärischen Abrichtung vorführen. Kinderfreunde, sowie Kinder als Gäste herzlichst willkommen! Wien. Das Tanzunterrichts-Jnstitut des I u l i u s H e im a n n, Mitglied der k. k. Hofoper, II. P r a t e r st r a ß e 43, hat wieder seine'Saison eröffnet. Das Vertrauen, welches seit Jahren seitens der distinguirtesten Familienkreise diesem Institute zu Theil wurde, hat dem Eigenthümer desselben als Ansporn gedient, seine Anstalt auf jene Höhe zu heben, welche ihren erziehlichen Aufgaben entspricht, daß die über die Sitte wachsamsten Mütter ihm die Kinder anvertrauen dürfen. Prospecte über Lehrplan und Honorarbedingungen sind vom Institute gratis zu erhalten. Mähr.-Aufsee, 20. September. (Todesfall.) Wenige Stunden vor Anbruch des Neujahrsfestes wurde hier unter überaus zahlreicher Betheiligung seiner Freunde und Schüler Herr Wolf Minder zur Ruhe bestattet. Der Verblichene, der durch lange Jahre als Religionslehrer in der hiesigen Gemeinde gewirkt hatte, erfreute sich wegen seines lauteren Charakters, seines profunden Wissens und seiner außergewöhnlichen Pflichttreue allgemeiner Werthschätzung. Bielitz - Biala. (Todesfall.) In Lipnik ist im 73. Lebensjahre der Hausbesitzer Moritz Reich, der Vater der Herren Med. Dr. Ludwig Reich in Bielitz und des Advocaten Dr. Samuel Reich in Biala, verstorben. Der Verstorbene Vorsteher und Obmann der Chewra-Kadischa, war viele Jahre hindurch Mitglied der Lipniker Gemeindevertretung und des dortigen Cultusvorstandes, in welchem er auch die Stelle des Vorsitzenden bekleidete. Galantha, 25. September. (Ein Wohlkhäter.) Ein nachahmenswerthes Muster edler Menschenliebe ist Herr Jacob Adler in Wien. Schon seit einer langen Reihe von Jahren sorgt er väterlich für unsere armen Schulkinder, indem er sie immer zu „Ostern" für den Sommer und zu „Sukos" für den. Winter von Kopf bis Fuß neu bekleidet. Er vergißt aber auch an die armen Eltern nicht. Zweimal jährlich, vor „Purim" und vor „Jom-Kippur", langt hier eine große Geldsendung von Herrn Adler an, welche dann unter die Armen vertheilt wird. So hat er auch vorige Woche für die jüdischen Armen Galanthas und der Umgebung, Jedem per 10 fl., zusammen 810 fl. gesendet._ Der Letzte. Erzählung von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel". (Fortsetzung.) Siebe Utes Capitel. Der 22. December, Freitag, an dem Abraham Duppau hingerichtet werden sollte, war angebrochen. Der Verurtheilte hatte die ganze Nacht schlaflos verbracht. Sobald der Morgen graute, hatte er von der Bewilligung, in Gebetmantel und Philakterien seine Andacht verrichten zu dürfen, Gebrauch gemacht. Plötzlich war wieder eine glühende Gottgläubigkeit über ihn gekommen. Er hatte das Gebetbuch vor sich aufgeschlagen, znerst las er aus demselben die täglichen Pflichtgebete der Juden, das Sch'ma Jisroel'), die Schmone Eßre* 2), dann gelangte er 0 Höre Israel .... der Ewige unser Gott ist ein einigeinziger Gott. -) Die von dem großem Synhedrion eingeführten achtzehn Segenssprüche. zu den wehmüthigen Worten des Psalmisten: „Mir ist sehr weh! — möchte ich doch in Gottes Hand fallen, denn seine Huld ist groß, nur in Menschenhand will ich nicht fallen" .... fast scheute er sich ein Gebet über seine Lippen zu bringen, an dessen Nichterfolgung er nicht mehr zweifeln konnte; dann aber bewegten sich seine Lippen in leisem Gebete, das aus dem Innersten seiner Seele strömte. Er flehte: Der Allmächtige möge ihm Körper und Seele stärken, daß er die Marter ertrage, wie ein Mann und rechtgläubiger Jude; daß er nicht in den letzten Momenten seines Lebens glaubensschwach und irre würde in der Zuversicht zur Allgerechtigkeit des großen, unerforschlichen Gottes, der ihn in so unsagbar harter Weise auf die Probe stellte. Dann flehte er inbrünstig aus den tiefsten Tiefen seiner schmerzdurchbebten Seele: Gott möge seine unglückliche Witwe, seine verlassenen Waisen unter seinen Schutz nehmen. Er war schon lange Zeit in seiner Andacht versunken, als der Kerkermeister geräuschlos die Thüre öffnete. „Abraham Duppau!" sprach er, „Euer Kreisrabbiner ist aus Lichtenstadt angekommen, er will Euch sprechen, wollt Ihr ihn sehen?" Duppau nickte, vor Bewegung wortlos, nur mit dem Kopfe. Es herrschte Halbdunkel in der Zelle und der Gefangene bemerkte erst nach einiger Zeit eine Gestalt, die bis jetzt außerhalb der Thüre stehend, sich ihm langsam näherte. Der Kreisrabbiner Rabbi Jossef war ein Altersgenosse des Verurtheilten, etwas über Mittelgröße und breitschulterig. Sein wohlgeformtes Gesicht war gut gefärbt, sein weit auf die Brust niederwallender Bollbart war, wie sein Kopfhaar, noch immer von dem dunkelsten, glänzendsten Schwarz, seine Augen leuchteten wie die eines zwanzigjährigen Jünglings. Er erschien in seiner Amtstracht. Ein langer, schwarzseidener, bis an die Knöchel reichender Kaftan, um die Lenden von einem breiten Seidenbande zusammengehalten, umfloß seine Gestalt. Am Haupte trug er eine hohe cylindrische Mütze von dunkelm Zobelpelz mit einem Deckel von feinstem schwarzen Sammt. „Rabbi!" rief Duppau und ein mattes Lächeln wehmüthiger Befriedigung überzuckte sein Antlitz. „Ihr kommt zu mir! . . . Seht, das freut mich, freut mich mehr als ich es auszudrücken vermag. Es wäre mir gar so bange worden, wenn ich auf dem letzten Gange auf dieser irdischen Welt so ganz verlassen gewesen, ganz allein aus diesem düsteren Raum geschieden wäre!" und in überströmender Dankbarkeit erfaßte er die Hand des Rabbi und wollte sie inbrünstig an seine Lippen führen. „Was fällt Dir ein, Reb Abrohom! wir sind ja Chawerim') gewesen, nenn mich nur Du! — Hast Du es denn schon vergessen, wie wir zusammen in's Cheder2) zu dem alten Melamed3) Reb Boruch gingen? .... Wir hatten uns schon als Kinder lieb gehabt und haben manchen lustigen Knabenstreich zusammen ausgeführt!" „Ob ich's gedenke!" rief Duppau und ein Moment seligen Vergessens und seligen Erinnerns überkam den unglüÄichen Mann. „Ah! Du warst immer ein treuer Chawer ... Denkst Du's noch, wie ich einmal im Cheder eine Fensterscheibe zerschlagen, und Du Dich als Thäter angabst, und dafür auch vom Rebbe4) die Prügel erhieltest, die von rechtswegen mir gebührt hätten?" „Ich war Dir aber zu großem Danke verpflichtet, ich war das achte Kind armer, Du der einzige Sohn wohlhabender Eltern. Wie oft gabst Du mir, wenn Du erfahren hattest, daß wir zu Hause kein Frühstück oder kein Mittagmahl gehabt, die Semmel, das Obst, das Backwerk, das Dir Deine Mutter mit ins Cheder gab ... . Und dann, als mich der große wilde Hund des Bauern Kunz anfiel, wer - kam mir da zur rechten Zeit zur Hilfe? Du! Du, ein achtjähriger Knabe, kamst herbeigelaufeu und obwohl Du vor Schrecken roth wie ein Krebs warst, schlugst Du doch tapfer mit einem Zaunpfahl auf den bösen Hund los, bis er sich zur Flucht wandte; oh!" — ein Schatten tiefsten Schmerzes überflog des Rabbi edlen Züge — „ich wollte, ich könnte Dich heute eben so vor der unverdienten Strafe schützen." Mit einem Schlage war nun wieder die freundliche Erinnerung an die längst verschwundene Jugendzeit verwischt und ') Genossen, Kameraden. . 2) Lehrzimmer, in welchem der Elementarunterricht im Hebräisch- Lesen und der Bibel ettheilt wurde. 3) u. 4) Lehrer.

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