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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-09-30 · 39 (30.9.1898) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
39 (30.9.1898)
Date
1898-09-30
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. S9 Vr. Bloch'» Wochrnschrisl Seite 717 als Hoboist in das 7. Infanterie-Regiment ein, mit dem er aus Schleswig im Frühjahr 1851 in Glogau einrückte. In den folgenden Jahren vertrat Goldschmidt seinen Vorgänger, den Kapellmeister Lange, und wurde 1858 dessen Nachfolger. Während des Königsmanövers in demselben Jahre wurde er dem Chef des Regiments, dem damaligen Prinzregenten, nachmaligen Kaiser Wilhelm I., vorgestellt, der ihn später wiederholt ausgezeichnet hat. Dies geschah auch durch den Kronprinzen bei jeder sich bietenden Gelegenheit. 1869 wurde er zum königlichen Musikdirektor ernannt. Der französische Feldzug brachte ihm Gelegenheit, in der Nähe des Königs zu sein. Nach der Schlacht bei Sedan ließ Goldschmidt bei der Tafel den Sedanmarsch blasen, den sein Vorgänger 1871 in Sedan gespielt hatte, als der damalige Prinz Wilhelm das Regiment zum ersten Male als Chef besichtigte. Der Kaiser trat in den Kreis des Musikcorps, um sich über das eigenartige Zusammentreffen mit Goldschmidt zu unterhalten. Am 26. September überreichte ihm der Kronprinz das Eiserne Kreuz für Weißenburg und Wörth. Solange das Hauptquartier in Versailles war, hatte er alle MusikauMhrungen zu leiten. Am 18. Jänner, bei der Kaiserproclamation, hatte er über 180 Hoboisten und Sänger eingeübt, die die Feier begleiteten. Seit Juni 1860 wirkt Goldschmidt, der sich im Besitze vieler Ordensauszeichnungen befindet, in Liegnitz. In der großen Zahl seiner musikalischen Compositionen steht der Königs-Grenadier- Marsch obenan. Amsterdam. Bei Gelegenheit der T h r o n b e* steigung der Königin Wilhelmine der Nieder' lande erhielten Oberrabbiner Dr. Ritter in Rotterdam den Ritterorden des Niederländischen Löwen, der Rabbiner der portugiesischen Gemeinde in Amsterdam, Jacob A. M e n d e s, den Orden von Oranien-Naffan. Zum Commandeur desselben Ordens wurde der Generalconsul I. H. v. L i e r in Paris ernannt, zum Ritter des Löwenordens Rechtsanwalt I. A. L e v y, Baron Georg R o s e n t h a l, E. A. L i n d o, Eisenbahn-Director in Java, A. S. van Prag, Mitglied der Colonialstaaten in Surinam, H. M. de B r i e s, Agent der Niederländischen Bank im Haag, E. E. van R a a l t e, Kronanmalt in Rotterdam; das Commandeurkreuz des Löwenordens erhielten I. F. Israel, erster Secretär der Regierung in Bangolmas, das Commandeurkreuz des Ordens von Oranien und Nassau M. C a tz, Vicepräsident der Gesellschaft ,Nederland in Oranje" in Berlin, E. P i n n e s, Secretär der Deutschen Wohlthätigkeitsgesellschaft in Paris, E. W. van R a a l t e, Polizeicommiffär in Amsterdam. Dr. B. C. G o u d s m i t, Oirector der städtischen Bürgerschule in Zutphen. Dr. D. de Costa GomezdelaPenha, Arzt in Amsterdam, M. H i p m a n s van Wandenoyen, Präsident des Vereins zur Hebung der Volkswohlfahrt im Haag, S. van D i a s, Generalsecretär des Festcomitss im Haag, das Offfcierkreuz desselben Ordens I. I. P r i n s, Director der Dampfschifffahrts-Gesellschaft in Arnheim. London. Der neue amerikanische Gesandte in Constantinopel Oscar Straus weilte auf der Durchreise einige Tage hier und begab sich dann nach Paris, wo er mit der Baronin Hirsch, deren Vertrauensmann er ist, zu conferiren hat. Er überbringt dem Sultan die Erklärung des Gouvernements in Washington, daß man beabsichtige, den Posten bei der Türkei zum Range eines Botschafters zu erheben, wenn die Türkei dasselbe mit ihrem Gesandten in Washington thue. Straus würde dann der erste Botschafter Amerikas in der Türkei sein. Petersburg. Der Unterrichtsminister hat die Petition der Odeffaer Universität abgelehnt, den Percentsatz der jüdischen Studenten zu erhöhen. — Der bekannte Zuckerfabrikant Ferest Schenko hat zur Gründung einer Talmud-Thora in seiner Heimatstadt Glucho 3000 Rubel gespendet. Constantinopel. Der Jahrestag der Thronbesteigung unseres jetzigen Sultans ist im ganzen Reiche von den jüdischen Gemeinden durch Festgottesdienste gefeiert worden. Besonders wirksam war hier der Festgottesdienst in der größten, spanischen Synagoge, an dem alle türkischen Beamten unseres Glaubens theilnahmen. Der Oberrabbiner sprach spaniolisch, und ein türkischer Beamter redete die Gemeinde in türkischer Sprache an. Beide wiesen auf die huldvolle Behandlung hin, welche der Sultan und seine Regierung den Juden angedeihen läßt. Der Oberrabbiner und einige andere jüdische Würdenträger hatten noch an demselben Tage eine Audienz bei dem Sultan, und mehreren von ihnen wurden Ordensauszeichnungen zutheil. Jerusalem. Die in allerneuester Zeit wieder verschärften Maßregeln gegen die jüdische Einwanderung, die von den untergeordneten türkischen Beamten in Jaffa besonders rigoros gehandhabt werden, wenn man nicht mit einem Bakschisch ihrem guten Willen nachhilft, haben zu einer Reihe heftiger Conflicte mit den Consulen in Jaffa geführt. Bekanntlich besteht das Einwanderungsverbot nur gegen eine Masseneinwanderung von Juden zu Recht, wurde aber auch schon gegen einzeln einwandernde Israeliten aus Rußland, Galizien und Rumänien angewendet, weil dieselben bei ihren Consulen keinen Schutz fanden. Neuerdings machen aber die Hafenbehörden in Jaffa den Versuch, dieses Verbot auch gegen andere Juden durchzuführen und dies hat zu einem Einschreiten der Consulen geführt, bei dem die Hafenbehörden bisher den Kürzeren gezogen haben. Der Vorgang ist folgender: Der frühere britische Consularagent in Antiochia, Mr. D w e ck, wurde beim Landen von der Hafenbehörde angehalten und sollte auf das Schiff zurückgeschickt werden. Er weigerte sich aber energisch und blieb drei Stunden in seinem kleinen Boote im Hafen, bis die Intervention des Consularagenten von England ihm doch die Landung ermöglichte. Der britische Consul in Jerusalem hat darauf mit einem scharfen Protest geantwortet, der Genugthuung für diese Beleidigung verlangt und eine Beschwerde wurde an den englischen Botschafter nach Constantinopel gerichtet. Gleich darauf passirte einem französischen Unterthanen, daß ihn aus Furcht vor den Behörden kein Boot aus dem Schiffe an das Land bringen wollte. Der französische Viceconsul intervenirte ohne Erfolg bei den Behörden. Aus telegraphische Instructionen seitens des Generalconsuls in Jerusalem nahm er sodann selbst ein Boot, hißte auf demselben die französische Flagge und holte mit ihm seinen Schutzbefohlenen vom Schiffe ab. Beim Landen faßte der Viceconsul seinen Clienten unter den Arm und schritt mit ihm an den Polizisten vorbei, ohne daß diese es wagten, ihn daran zu hindern. Auch der französische Consul hat nunmehr energisch dagegen protestirt und fast alle Consulen haben sich ihm angeschloffen. Speciell der deutsche Consul hat sich mit einer Beschwerde an die deutsche Botschaft nach Constantinopel gewendet. — Bezüglich der Reise des deutschen Kaisers steht jetzt fest, daß er in der Nähe von Sichron Jaacob frühstücken wird, dagegen keine andere der jüdischen Colonien zu sehen bekommt. Die Jerusalemer Juden beabsichtigen für den deutschen Kaiser, ebenso wie seinerzeit für den österreichischen Monarchen, einen Triumphbogen zu errichten, bei dem die beiden Oberrabbiner mit den Thorarollen den Kaiser erwarten. In dem vom Pascha eingesetzten Counts für den Empfang des deutschen Herrschers sind die Juden durch die Person N i s s i m B e h a r's vertreten. — Auf den Colonien war die Weinernte vorzüglich und die riesigen Kellereien in Rischon le Zion vermögen den Gottessegen kaum zu fassen. Immer ernster wird die Frage nach dem Vertrieb des Weines, und alle Freunde Palästinas sollten die Bestrebungen der Gesellschaften in Europa unterstützen. Philadelphia. Soeben ist der vierte Jahresbericht der Baron H i r s ch'schen Ackerbau- und Gewerbeschule in Woalbyne in Jersey erschienen. Die Schule hat den Zweck, praktische und intelligente Bauern heranzuziehen, welche im Stande sein sollen, entweder als brauchbare Gehilfen bei anderen Farmern zu arbeiten, oder nützliche Arbeit auf ihren eigenen Farmen leiten zu können. Die Vorsteher des Baron Hirsch-Fonds beabsichtigen, dem Mangel an landwirthschaftlicher Erziehung, der sehr schwer gefühlt wird, abzuhelfen. Kein Knabe wird zugelaffen, ohne eine Prüfung im Englischen und den Elementarfächern bestanden zu haben. Ferner muß jeder Schüler 14 Jahre alt sein und die Kosten für Wohnung und Esten zum Selbstkostenpreise erlegen. Wenn jedoch die Eltern der Kinder zu arm sind, um diese Ausgabe machen zu können, so kann der Knabe gratis ausgenommen werden, unter der Bedingung, durch Arbeit in der Schulfarm seine Pension abzuverdienen, dagegen muffen alle Schüler für ihre Kleidung selber sorgen. Woalbyne war vor 8 Jahren beinahe eine Einöde, gegenwärtig ist es eine blühende und geschäftige Stadt mit 1000 Einwohnern, zwei öffentlichen Schulen, Kindergarten, mehreren Vereinen, öffentlichen Bädern und allen sonstigen Einrichtungen eines modernen Ortes. Die Eisenbahnverbindung ist gut, das Klima milde und gleichmäßig und die Aussichten für die Zukunft der Stadt sind entschieden sehr günstig. Die Schulfarm besitzt ein Terrain von 240 Acres, ans welchem jeder Zweig des Getreideanbaues, der Milchwirthschast und der Gartencultur gelehrt und praktisch ausgeübt wird. Biele Schüler haben bereits ihr Studium beendet und verwerthen die erlernten Kenntniffe als Bauern und Gärtner.

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