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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-09-30 · 39 (30.9.1898) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
39 (30.9.1898)
Date
1898-09-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 716 Dr. Bloch's Wochenschrift Sir. 39 Menge den Weg 'gebahnt hatte, den Kindern zu Hilfe eilen. Die eigene Gefahr nicht achtend, warf er sich den herbeirafenden Pferden entgegen, ergriff die Zügel und riß sie mit einem heftigen Ruck zur Seite. Die Pferde blieben stehen und die Kinder waren gerettet. Der wackere Mann ist Cassier der Lebensversicherungs-Gesellschaft „Victoria", Namens Leopold Weiß, ein Jude, der seine Menschenpflicht gegen christliche Kinder brav erfüllt hat. Lemberg. Von der Bosheit der antisemitischen Presse sei hier ein Pröbchen mitgetheilt. Das hier erscheinende „Slowo polskie" veröffentlichte gewissenhaft alle ihm zugehenden Nachrichten über Trauerandachten in den katholischen, evangelischen und jüdischen Gotteshäusern des Landes. Der Schmerz über den Heimgang der verklärten Kaiserin ist eben ein allgemeiner und wird von den Juden noch lebhafter empfunden, weil diese die hohe Toleranz der Verklärten am besten zu schätzen wissen. Darüber entbrennt der heilige Zorn eines hiesigen, von Jesuiten gegründeten und mit clericalen Mitteln erhaltenen Antisemitenblattes, „Prade katolicki", zu deutsch „Katholischer Geist", und in einem besonderen Artikel fällt er über „Slowo polskie" her und nennt dieses ein Judenblatt, weil es Nachrichten über Trauerandachten in jüdischen Gotteshäusern bringt. Sollte eine so niedrige Gesinnung wirklich „katholischer Geist" sein? In der Bethätigung unserer loyalen Gefühle für das hohe Kaiserhaus werden wir uns am allerwenigsten durch den,, Katholischen Geist" stören lassen. M Budapest. Der Bischof von Neutra war kürzlich aus seinem Gute in Mocsonok und empfing bei dieser Gelegenheit die Deputation der dortigen jüdischen Gemeinde, welche ihm hiebei mittheilte, daß sie die Absicht habe, eine neue Synagoge zu bauen. Der Bischof stellte den Juden aus seinem Privatvermögen eine namhafte Geldsumme zur Verfügung und veranlaßte die Ortsbehörde, der jüdischen Gemeinde die Baustelle für die Synagoge zu schenken. Raab. (I n st a l l a t i o n). Am 13. September fand die Installation des neuerwählten Oberrabbiners Dr. Moritz Schwarz in Raab statt. Eine mehrgliederige Deputation aus Raab fuhr dem von Turocz-Szent-Marton kommenden Rabbiner bis Budapest entgegen, den von dort ebenfalls eine Deputation begleitete; auch die Heimatsgemeinde des jungen Oberrabbiners, Csakathurn, war bei der Installation vertreten. Bei der Bahnstation erwartete denselben eine Abordnung des Raaber Cultusvorstandes, geführt von Dr. Rieß, der ihn mit einer warmen Ansprache begrüßte, die ebenso warm vom Rabbiner erwidert wurde. Nun erfolgte in langer Wagenreihe der feierliche Einzug bis zum Thore des aus diesem Anlaffe decorirten Tempels. Hier begrüßte den Oberrabbiner der hochbetagte Präses der Chewra- Kadischa, Herr Stadler, und überreichte ihm einen Seidentalis. Im Tempel wurde der neue Oberrabbiner mit dem „Boruch Habo", gesungen von dem vorzüglichen Obercantor Herrn Szanto, empfangen. Hier begrüßte den Rabbiner der Präses der Cultusgemeinde, Herr Dr. Philipp Pfeiffer, mit einer gehaltvollen Ansprache und führte denselben an seinen decorirten Sitz. Nun wurde das Minchagebet verrichtet, nach welchem der Vater des Oberrabbiners, Sr. Ehrwürden Herr I. Schwarz, Oberrabbiner zu Csakathurn, vortrat und am Schluffe einer, an seinen Sohn gerichteten ergreifenden Rede, worin er denselben erinnerte, wie er ihn schon von srühestester Kindheit dem Dienste Gottes weihte und bestrebt war, den innigsten Glauben mit dem heißen Wissensdrang in Einklang zu bringen, seine Hände segnend auf das Haupt seines Sohnes legte und zu Gott flehte, daß es demselben gelinge, seine Gemeinde zu einem geistigen Mittelpunkte zu erheben und im Sinne unserer großen Koryphäen Maimonides, Nuchmanides und Ben Adoret das Licht des Glaubens und Wissens in seiner Gemeinde und in weiteren Kreisen zu verbreiten. Nun bestieg der neue Rabbiner die Kanzel und hielt seine formvollendete Jnstallationsrede, worin er eingangs des traurigen Ereignisses des Todes unserer allgemein angebeteten und verehrten Königin gedachte, das jede persönliche Freude zurückdrängt und die ganze gebildete Welt in tiefe Trauer versetzt, und nachdem er in ergreifenden Worten seinem tiefen Schmerz Ausdruck gegeben und für das Seelenheil der leider so früh vom Tode hinweggerafften Königin gebetet, begann er seine eigentliche Programmrede, in welcher er Tempel, Haus und Schule als die Mittelpunkte seiner Wirksamkeit bezeichnete. Die herrliche Rede erntete allgemeinen Beifall. Zu erwähnen ist noch, daß alle weltlichen und geistlichen Behörden und Körperschaften im Tempel anwesend waren. Abends versammelte sich, da das geplante Bankett wegen der tiefen Trauer entfiel, ein großer Theil der Raaber Cultusgemeinde und die von der Ferne herbeigekommenen Deputationsmitglieder, sowie auch die Verwandten-des neuen Oberrabbiners, beim Präses Herrn Dr. Pfeiffer. Sarajevo. (Einweihung einer Synagoge.) Der feierlichen Einweihung der Synagoge in Bjelina wohnte die gesammte Beamtenschaft, mit dem Bezirksvorsteher Baron Pitner an der Spitze, bei. Die Weihe des Tempels wurde von dem Sarajevoer Oberrabbiner Abinun vorgenommen. Derselbe hielt eine Rede über die Frömmigkeit. Nach ihm ergriff der Vorstand der Cultusgemeinde David B. L e v i das Wort und schloß seine Ansprache mit Hochrufen auf Se. Majestät den Kaiser. Die Anwesenden stimmten begeistert in die Hochrufe ein, und ein Chor sang die Volkshymme in spaniolischer Sprache. Auf die beiden Reden antwortete Bezirksvorsteher Baron Pitner. Eine Unterhaltung, welche dem Programme zufolge die Feier Abends hätte beschließen sollen, wurde in Folge der Nationaltrauer abgesagt. Die Synagoge ist ein sehr schöner Bau, der einen Schmuck der Stadt bildet; in die Frontmauer sind zwei Marmorplatten eingelassen, welche in hebräischer Sprache und in der Landessprache die Inschrift tragen: „Dieser heilige Tempel ist aus Anlaß des 50jährigen Regierungs-Jubiläums Sr. Majestät des Kaisers im Jahre 1898 errichtet worden." Berlin, 21. September. In den Redactionsstuben der antisemitischen Blätter dürfte der heutige Tag der Sommerwende kaum als ein Freudentag verzeichnet werden. Einer ihrer „jüdischen" Handlanger, der Berichterstatter Felix S e l d i s, ist von der VIII. Strafkammer des Landgerichts I zu zwei 'Monaten G e f ä n g n i ß verurtheilt worden. Derselbe war der wiederholten Beleidigung des Ober-Regierungsrathes B o ß in Marienwerder beschuldigt, dem er unredliche Praktiken bei Grundstücks-Speculationen vorwarf. In seinem Plaidoyer hob es Staatsanwalt K a n z o w als kennzeichnend hervor, daß der Angeklagte, der sich als „Dissident" bezeichne, thatsächlich aber noch heute Jude sei, in dem Schreiben an Herrn v. Voß sich als „Antisemit" gerire und t h a t,s äch l ich g e g en sei n e j irdisch en Glaub ensgen o s s e n j o u r n a l i st i s ch thätig sei. Mit dieser, übrigens von Seldis gar nicht bestrittenen Kennzeichnung, ist eine Thatsache öffentlich bekannt geworden, die man in unterrichteten Kreisen längst wußte; dieser edle „Journalist", der, wie der Staatsanwalt erklärte, „zu denjenigen Elementen der Presse gehört, die von der letzteren im eigensten Interesse ferngehalten werden sollten", schreibt seit Jahr und Tag die wüthigsten Hetzartikel gegen Juden und Judenthum in den antisemitischen Blättern, namentlich in dem hiesigen „Moniteur". Das Handwerk dürfte ihm jetzt gelegt sein, nachdem er in der Ehrenreihe der B r i m a n n - I u st u s, Paulus M e y e r rc. seinen Platz gefunden hat. (Richter V, 31.) („Jüdische Press e".) Berlin. Ein umgefallener Antisemit, obendrein noch ein solcher, der vor wenigen Monaten als antisemitischer Candidat für die Reichstagswahl aufgestellt war und jetzt seinen früheren Parteigenossen eine öffentliche Absage ertheilt, ist immerhin der Erwähnung Werth. Besagter Ex- Antisemit ist der praktische Arzt Dr. B o ck in der hannoverschen Stadt Peine, dem Gebursorte Friedrich Bodenstedt's, und die Erklärung, die er im „Hannover','chen Courier" erläßt, lautet: „Im unermüdlichen Studium über die wahren Ursachen der bestehenden wirthschaftlichen Noth im deutschen Baterlande und nach gewissenhafter Prüfung bin ich zu der Ueberzeugung gekommen, daß ich den Juden Unrecht gethan habe, wenn ich sie als den vornehmsten Grund alles socialen Uebels bezeichnete. Wenn auch das Volk Israels allerlei Sünden auf dem Kerbholze hat, so steht ihm doch, wie jedem anderen Volke, das falsche herrschende Wirthschaftsprincip als Entschuldigung und Erklärung zur Seite. Da ich für die letzte Reichstagswahl als antisemitischer Candidat aufgestellt war, halte ich es für meine Pflicht, die Aenderung meiner politischen Stellung öffentlich bekanntzugeben, um nicht in Folge Mißverständnisses als „politischer Schaukelmeier" betrachtet zu werden." Breslau. Die schlesischen Zeitungen berichten: „Ein Veteran der Militärmusik, der Musikdirector des in Liegnitz stehenden Grenadier-Regiments König Wilhelm I., der weit und breit bekannte „alte Goldschmidt", wird nach den diesjährigen Herbstmanövern in den Ruhestand treten, nachdem er über 40 Jahre das Musikcorps des Regiments geleitet hat. 1848 trat er

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