Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 39 (30.9.1898)
- Date
- 1898-09-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 39 Vr. BLoch's Wochenfchrist Seite 713 einer Trauerkundgebnng anläßlich des Ablebens der Kaiserin zu einer feierlichen Sitzung eingeladen. Nach einem von der Präsidentin Frau Dr. Bertha K o h n in warmen Worten gehaltenem Nachrufe wurde beschlossen, zur steten dankbaren Erinnerung an die verblichene Kaiserin: 1. den, in der Ende Mai abgehaltenen außerordentlichen Generalversammlung beschlossenen Lehrmädchenhort bereits am 19. November 1898, als dem Namenstage weiland Ihrer Majestät, zu eröffnen; 2. die Allerhöchste Genehmigung dazu einzuholen, daß der Hort den Titel „E l i s a b e t h i n u m" tragen dürfe; 3. am Jahrestage des Ablebens im Hort ein Seelenlicht anzuzünden und einen feierlichen Gottesdienst abzuhalten; 4. braven und weiterer Unterstützung bedürftigen Lehrmädchen beim Austritte aus dem Hort nach Thunlichkeit die Mittel zur Verfügung zu stellen, um nicht in der ersten Zeit ihrer Selbstständigkeit an dem Nöthigsten Mangel leiden zu müssen. Brüx. Anläßlich des Hinscheidens der Kaiserin Elisabeth vertheilte die israelitische Beerdigungsbrüderschaft 100 fl. an Arme. Am 20. September fand im Tempel eine Trauerfeier statt, der die Spitzen der Behörden und die Vertreter verschiedener Vereine und Corporationen beiwohnten. Nach den erhebenden Tranergesängen, die vom Herrn Obercantor Lamm und dem Tempelchorvereine zunr Bortrage gebracht wurden, hielt Herr Rabbiner Dr. Biach folgende Ansprache: „Andächtige Trauerversammlung! Als einer der bedeutendsten Gelehrten in Israel, ausgezeichnet durch Hoheit des Geistes, Tiefe des Gemüthes, Herzensgute und Wohlthätigkeit, durch eines Römers Hand den Tod erleiden mußte, da traten, so berichtet uns eine Legende, die Engel hin vor Gottes Weltenthron und sprachen: „Solch' ein Mann, und solch' ein Lohn?" Und die göttliche Stimme erwiderte: „Nicht sind meine Gedanken euere Gedanken, nicht sind meine Wege euere Wege; so hoch der Himmel über der Erde, so hoch erhaben sind meine Gedanken über euere Gedanken, meine Wege über euere Wege". Und abermals rief die göttliche Stimme: „Heil jenem Gelehrten, ewiges Leben, ewige Glückseligkeit ist ihm bestimmt." Anwesende Trauergäste! Als vor mehr denn einer Woche die furchtbar erschütternde Kunde uns traf, daß unsere geliebte Kaiserin dem Dolche eines entmenschten Mörders zum Opfer gefallen, da war es uns, als' müßten abermals die Engel hintreten vor Gottes Weltenthron und sprechen: „Solch' eine edle Kaiserin, die ein Meer von Leid in ihrem Herzen trug und doch ein Meer von Liebe ans ihrem Herzen strömen ließ, solch' eine edle Kaiserin, und solch' ein Lohn?" Keine Weisheit, keine Wissenschaft vermag uns hier Trost zu gewähren, und einzig und allein der Glaube, daß wir Erdensöhne die unerforschlichen Wege der Vorsehung zu begreifen nicht im Stande sind, nur der Glaube, den der Prophet mit den Worten kündet: „Nicht sind meine Gedanken euere Gedanken, nicht sind meine Wege euere Wege; so hoch der Himmel über der Erde, so hoch sind meine Gedanken über euere Gedanken, meine Wege über euere Wege". Keine Weisheit, keine Wissenschaft vermag uns hier Trost zu gewähren, nur der Glaube, der in besonders geweihten und feierlichen Augenblicken wie eine himmlische Ahnung unser Herz überkömmt, daß das Dasein auf Erden nur eine Prüfungs-, eine Vorbereitungszeit für ein höheres Leben ist, auf daß dort der Edle, Fromme und Gerechte ewiges Leben, ewige Glückseligkeit genieße. Keine Weisheit, keine Wissenschaft soll den Trost uns rauben, daß unsere theuere, dahingeschiedene Kaiserin, die zum Grundsätze sich gemacht des Dichters Wort: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut", ewiges Leben und ewige Glückseligkeit erlangen wird. Von dem Schmerze um unsere geliebte Landesmutter wendet sich unser Blick voll tiefer Theilnahme auf unseren edlen und erlauchten Monarchen, den die Vorsehung abermals so schwer heimgesucht, daß es uns nicht wundern kann, wenn er in seinem tiefsten Schmerze gleich unserem vielgeprüften Stammvater Jacob in die Worte ausbrach: „olaj hoju kulono, über mich ergeht doch alles, nichts bleibt mir erspart auf dieser Welt". Gleichwohl aber sprach unser geliebter Kaiser, kaum daß er seinem Schmerze in der segensreichen Throne freien Lauf gelassen, das denkwürdige Wort: „Mein Gottvertrauen wird mich nicht verlassen". Ein Herrscher, der so oft und so schwer von der Vorsehung heimgesucht wurde und noch immer mit dem Psalmisten sprechen kann: adonoj salliu mezudosi, Gott ist mein Fels, Gott ist meine Veste, der ist nicht blos König in seinem Lande, der thront auf den höchsten Höhen der ganzen Menschheit". Kein Wunder daher, daß nicht blos Oesterreichs Völker, sondern die Völker und Regenten auf dem ganzen Erdenrund von tiefster Theilnahme für unseren erlauchten Monarchen erfüllt sind. Doch die Zeit eilt dahin und die Völker auf dem übrigen Erdenrund werden sich wiederum ihren Aufgaben widmen. Heiligste Pflicht der Völker Oesterreichs aber wird es bleiben, nie zu vergessen das unsägliche Leid ihres hart und schwer geprüften Landesvaters; heiligste Pflicht der Völker Oesterreichs wird es bleiben, den trüben Lebensabend unseres geliebten Kaisers zu erhellen durch Liebe, Eintracht und Einigkeit. Zu Dir aber, o Allvater, flehen wir: Gib unserem geliebten Kaiser Kraft, zu ertragen das namenlose Weh, das Du in Deinem unerforschlichen Rathschlusse über ihn verhängt, gib, o Ewiger, daß bald die Zeit herannahe, in der des Propheten Wort sich erfülle: „Ich werde den Völkern schaffen eine geläuterte Sprache", die Sprache der Liebe, Eintracht und Einigkeit. Unsere theuere dahingeschiedene Landesmntter aber, die ein Bild der Sanstmuth, Milde und Herzensgüte gewesen, die ein Meer von Leid in ihrem Herzen trug und doch ein Meer von Liebe aus ihrem Herzen strömen ließ, laß theilhaft werden ewigen Glückes, ewiger Glückseligkeit. Amen." Aspern» 28. S eptember. Am 22 d. M., Nachmittags 5 Uhr, wurde in dem schwarz decorirten Bethause der Betgenossenschaft zu Aspern ein solenner Trauergottesdienst abgehalten, an welchem der Vorstand und mehrere Mitglieder des Groß-Enzersdorfer „Minjan- Vereines", wie auch von der hierortigen politischen Gemeinde, mehrere Gemeindevertreter, mit dem Herrn Secretär an der Spitze, die Herren Lehrer und mehrere Frauen der christlichen Intelligenz theilnahmen. Religionslehrer Emanuel H ö n i g hielt eine ergreifende Trauerrede. Eibeuschitz. Aus Anlaß des Hinscheidens unserer allgeliebten Kaiserin hielt der Ausschuß der hiesigen Cultusgemeinde eine feierliche Sitzung ab, in welcher Herr Cultusvorsteher Isidor Sinaiberger uuserer edlen Kaiserin einen tief empfundenen Nachruf widmete und den Gefühlen der Treue und Anhänglichkeit an den Kaiser warmen Ausdruck verlieh. Hierauf wurde Montag den 19. d. M. im hiesigen Tempel ein feierlicher Trauergottesdienst abgehalten. Der Trauerfeierlichkeit wohnten der ganze Beamtenkörper des Gerichtes und des Steueramtes, der k. k. Postmeister Herr Anton Worell, der Direktor der Krankenanstalt Herr Dr. Josef Keckeis, der Director des Taubstummeuinstituts Herr Josef Kolar, der Lehrkörper der deutschen Volksschule, die Obmänner aller hiesigen deutschen Vereine, ferner des Feuerwehr¬ und Veteranenvereines nebst vielen Mitgliedern dieser Vereine, sowie ein zahlreiches Publicum bei. Der Rabbiner Herr Dr. Hermann Handl hielt eine ergreifende Trauerrede, und Herr Obercantor Wilhelm Löwensohn rührte die Herzen durch seinen weihevollen Trauergesang. Mähr.-Wettzkirchen. Montag den 19. d. M., 6 Uhr Abends, veranstaltete die hiesige Cultusgemeinde einen Trauergottesdienst für die Kaiserin Elisabeth. Im schwarz drapirien Tempel versammelten sich die Spitzen der Behörden, Deputationen des Officiercorps der k. u. k. Militär-Oberrealschule, der Cavallerie- Cadettenschule, des Laudwehr-Jnfanterie-Regiments Nr. 15, der Lehrkörper des Staats-Obergymnasiums, die Vertreter beider Stadtgemeinden, die Schuljugend, geführt vom Schulleiter und die gesammte Bevölkerung unserer Stadt. Das Gotteshaus erwies sich zu klein, um die zahlreichen Besucher zu fassen. Eröffnet wurde die Feier mit dem »Ma towuhs welches vom Damenchore stimmungsvoll zum Bortrag gebracht wurde. Herr Dr. Rabbinovicz hielt eine formvollendete Rede, welche den Grundgedanken hatte: „Wir heben unsere Hände zu Dir, o Gott, denn sie sind frei von jeder Schuld." Leipnik, 23. September. Anläßlich des Ablebens der Kaiserin Elisabeth fand am 19. d. M. um 5 Uhr Nachmittags in der hiesigen Synagoge ein solenner Trauergottesdienst statt. Nebst den Vertretungen der polittschen und der Cultusgemeinde und der k. k. Gendarmerie erschienen auch Herr k. k. Landesgerichtsrath Lovik mit den Herren k. k. Gerichtsadjuncten Hanak und Schneider, Stadtbürgermeister Kain mit den Gemeinderäthen, die Directoren der deutschen und slavischen Landes-Oberrealschulen sammt dem Lehrkörper. Dem traurigen Anlaffe entsprechend war das Gotteshaus schwarz decorirt. Einqeleitet wurde die Andacht mit einem Trauerpsalm, woraus Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Fainel H i l l d eine ergreifende Trauerrede hielt. Stratznitz, 21. September. Am 20. d. M. wurde für die verewigte Kaiserin in der hiesigen entsprechend schwarz decorirten Synagoge neuerlich ein solenner Trauergottesdienst abgehalten, an welchem die Vorstände und Vertteter der politischen und der Cultusgemeinde. die Schuljugend unter Leitung der Lehrer und ein zahlreiches Publicum theilnahmen. Nachdem die Trauerpsalmen vom Cantor Segal stimmungsvoll recittrt waren, hielt unser ehrwürdiger Rabbiner, Herr Dr. Friedm a n n, eine die Herzen und Gemüther ergreifende Trauerrede. Neubistritz. Am 18. d. M. Nachmittags, nach dem Bespergebete, fand in der hiesigen Synagoge anläßlich der Leichenfeier unserer verblichenen Kaiserin ein Trauergottesdienst statt, wozu die Beamten des Bezirksgerichtes, die Stadtvertretung. der Lehrkörper der Volks- und Bürgerschule, sowie Abordnungen der Veteranen-, Feuerwehr- und Gesangsvereine und eine große Menge Andächtiger erschienen. Der Rabbine ü i i