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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-09-30 · 39 (30.9.1898) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
39 (30.9.1898)
Date
1898-09-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 39 jßx. Bloch'« Wochenschrift Sette 707 13. Inwieweit ist das Culturniveau der Juden auf deren wirthschaftliche Lage zurückzuführen und von derselben abhängig? 14. Welche Erfolge haben die Hirsch-Schulen bisher erzielt und zwar: a) die Volksschulen Z d) die Handwerkerschulen? 15. Welche Wirkung übt der Chassidismus ans die Moral der Juden? 16. Soll der Chassidismus bekämpft werden und durch welche Mittel? Versprechen Sie sich von Flugschriften — im Jargon oder in hebräischer Sprache — Nutzen? 17. Halten Sie die Errichtung einer Rabbinerschule für zweckmäßig? 18. Wie wäre die Volksbildung unter den Juden überhaupt zu heben? 6. Die politische Lage der Juden in Galizien. 19. Welche politische Haltung haben die Juden eingenommen' a) bis zu den letzten Reichsrathswahlen? d) seit diesen? 20. In welcher Weise und in welchem Maße hat diese Haltung der Juden vor oder nach den letzten Reichsrathswahlen den Antisemitismus gefördert? 2k. In wessen Interesse liegt die Judenhetze in Galizien? Welche von den oberen Classen der Bevölkerung betheiligen sich offen oder geheim, direct oder indirect an derselben? Welches ist das Verhalten speciell: des Adels, der Geistlichkeit, der autonomen Behörden, der staatlichen Organe gegenüber dieser Judenhetze? 22. Welches sind die unmittelbaren Ursachen namentlich der letzten antisemitischen Bauernunruhen in Galizien? 23. Besteht ein directer Zusammenhang zwischen dem Wiener Antisemitismus und jenem Galiziens? 24. Welche Preßverhältnisse herrschen in Galizien? Durch wessen Einfluß und Unterstützung ist die antisemitische Presse so mächtig geworden? Wie verhalten sich Behörden und Gerichte zur antisemitischen Presse? Wie wäre der Einfluß der antisemitischen Hetzpresse zu bekämpfen? 25. Ist eine Wiederholung der letzten Bauernexcesse zu fürchten und was hätten die Regierung und die autonomen Behörden zur Verhütung derselben vorzukehren? 26. Ist, wenn die Judenverfolgungen fortdauern sollten und hiedurch die Juden nothwendigerweise proletarisirt werden, hievon eine verderbliche Rückwirkung auf das ganze Land und auf den Gesammtstaat zu fürchten? 27. Wie urtheilen Sie über die wirthschaftliche und sociale Zukunft der galizischen Juden, wenn man den sie bedrohenden Zuständen gegenüber in Passivität verharrt? 28. Halten Sie eine Organisation der galizischen Juden für zweckmäßig, und wenn ja, soll dieselbe auf politischer oder nationaler Grrrndlage, oder auf Basis der bestehenden Cultnsgemeinden erfolgen? * * * Mittwoch Abends wurde die Expertenversammlung mit folgender Ansprache des Herrn Siegmund Mayer eröffnet: „Meine geehrten Herren! Ich begrüße Sie mit aufrichtiger Freude und gestatte mir, Ihnen zugleich den herzlichsten Dank abzustatten für den großen Dienst, welchen Sie durch die Theilnahme an dieser Enquete, der allgemeinen Sache zu leisten bereit sind. Ich sage mit Vorbedacht der allgemeinen Sache. Wir bedachten die Enquete nicht als eine speciell jüdische! Der Zustand der Juden in Galizien ist keine „jüdische Frage" allein. Ist es doch vollkommen klar, daß es dem ganzen Lande und der ganzen galizischen Bevölkerung nicht gleichgiltig sein kann, wenn ein bedeutender Theil der Letzteren materiell und geistig verelendet! Es muß ja offenbar die höchsten Interessen des ganzen Landes schädigen, wenn nahezu eine Million Menschen, nach vielfacher Schätzung bis zu 95 Percent, in ständigem, traditionellen Elend verkommt! Umgekehrt müßte die gesunde und normal steigende Prosperität eines solchen Bevölkerungstheiles unbedingt und unzweifelhaft eine wohlthätige Wirkung auf die wirthschaftlichen Verhältnisse des Ganzen ausüben. Hier haben Sie, meine Herren, den Gesichtspunkt, von welchem der Verein, den ich hier zu vertreten die Ehre habe, bei dieser seiner Action ausgeht. Eine andere Tendenz liegt uns ferne und weisen wir von uns ab. Ich glaube, daß diese unsere Richtung aus der Zusammenstellung des Ihnen vorliegenden Fragebogens deutlich zu ersehen ist. Sie dürsten wohl weiter aus der Thatsache, daß wir die Herren Experten aus allen Classen, Confeffionen und Parteien geladen haben, erkennen, wie sehr es uns thatsächlich und unbedingt und ohne jede Schm nur um wirkliche Klarheit und offene Wahrheit zu thun ist. Nie kann die Wahrheit schaden. Immer gleicht sie dem Speer des Achilles, welcher die Wunden, die er schlägt, auch heilt. Nur bei voller Wahrheit, bei rücksichtsloser Klarstellung der Verhältniffe werden wir zur Erkenntniß der Mittel, zu einer Abhilfe gelangen. Wir sind ohne alle vorgefaßte Meinung an's Werk gegangen. Eines aber wollen wir Ihnen allerdings nicht verhehlen. Wir legen von vorneherein das allerentschiedenste, ja das entscheidende Gewicht auf die wirthschaftliche Seite. Dem Hungrigen zu predigen, ist vergebliche Mühe. In dem durch den Mangel an Arbeit bewirkten materiellen Elend sehen wir die Hauptquelle aller Uebel, aller Vorwürfe. Und von welcher Art und Größe ist speciell das galizische Elend! Gestatten Sie mir, zur Illustration in dieser Richtung, mit der Erinnerung an eine merkwürdige Episode zu schließen. Nach Beendigung seiner theoretischen Erziehung machte unser verewigter Kronprinz Rudolf eine Studienreise nach England. Mit richtigem Blicke verlangte er in London vor Allem nicht das reiche und wohlhabende London, das West-End, sondern das Ost-End. das London der Armen und Elenden, die Stätte der letzten Classe der Arbeiter und der Arbeitslosen, zu sehen. Und als der Prinz vor dem Anblick und den Scenen, die sich hier seinen Augen darboten, zurückschreckte, sagte ihm sein Begleiter bei dieser Reise, Prof. Carl Menger: „Kaiserliche Hoheit, die englischen Armen, die Sie hier sehen, sind auf der Stufenleiter der Armuth und des Elends wahre Gentlemens gegen die Annen und Elenden in den Judenvierteln Krakaus und Lembergs!" Niemand kann diese Worte Menger's besser verstehen, mehr bekräftigen als Sie, meine Herren. Und wenn diesem Elend in den galizischen Judenquartieren überhaupt abzuhelfen möglich sein soll, besitzen Sie, meine Herren, auch die Kenntniffe und Erfahrungen zu diesem Werke. Was wir. die Union, zu dieser Enquete mitbringen, ist neben unserem guten Willen allerdings ein negatives, aber gerade ein solches Moment, aus welchem wir eine gewiffe Legitimation zur Einberufung der Enquete glaubten schöpfen zu können. Wir stehen nämlich — ich muß das erklären — außerhalb aller Parteien Galiziens. Wir stehen allen Parteien, insoweit sie nicht offene, erklärte Gegner der Vernunft und des Fortschrittes, der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit sind, mit der gleichen Objectivität, mit dem gleichen Wohlwollen gegenüber. Denn alle diese Parteien können, wenn sie die Interessen des Landes voranstellen, zur Beruhigung, zur wirthschaftlichen Hebung desselben beitragen; und wir, die Union, werden uns glücklich schätzen, wenn wir thatsächlich durch Einberufung der Enquete hiezu Gelegenheit gegeben haben werden. Ich glaube nur noch Eines vor Eröffnung derselben erwähnen zu müssen. Wir werden die stenographischen Protokolle nicht veröffentlichen, sondern dieselben lediglich als Grundlage für die einzuleitende Action verwerihen. Wir werden auch von keiner einzelnen Depofition öffentlichen Gebrauch machen, sofern der Herr Experte wünscht, deren vertraulichen Charakter zu wahren, so daß die Herren mit aller Beruhigung dieselbe erstatten können. Und damit, meine Herren, erkläre ich die Enquete und die heutige Sitzung für eröffnet". Die preußischen Landtagswahlen. Berlin, 26. September. Die bevorstehenden preußischen Landtagswahlen drängen die Frage in den Vordergrund, warum die Juden in Preußen es sich bisher ruhig gefallen ließen, daß auch nicht ein einziger Jude ein Mandat erhält. Die freisinnigen Parteien bedienen sich der Juden, insoweit sie ihre Stimmen brauchen, ohne daß sie sich jedoch verpflichtet fühlen würden, durch die Aufstellung auch nur eines einzigen jüdischen Candidaten in einem Wahlbezirke, wo nur ein solcher durchdringen könnte, ihr Eintreten für die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Juden zu doeumentiren. Die Zahl der preußischen Staatsbürger jüdischen Glaubens verhält sich zu der Gesammtzahl der Bevölkerung, wie etwa 1 zu 80. Das Abgeordnetenhaus hat 433 Mitglieder und es sollten also mindestens 4 Mandate auf die Juden entfallen, ganz abgesehen davon, daß -hiebei das ausschlaggebende Berhältniß der Steuerleistung gar nicht in Betracht gezogen erscheint. Mit Recht erklärt es die „Allgemeine israelitische Wochenschrift" als einen irreführenden und vielfach bewußt trügerischen Einwand, daß die politischen Wahlen mit confessionellen Dingen nichts zu thun haben und deshalb der Mandatsbewerber nicht auf sein religiöses Bekenntnis angesehen werden dürfe. Der Satz an sich ist richtig, doch verliert er in dem Augenblick seine Geltung, indem von einer Seite ein bestimmtes religiöses Bekenntniß als disjL. MUMM MBB

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