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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-09-23 · 38 (23.9.1898) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
38 (23.9.1898)
Date
1898-09-23
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 38 Dr. Bloch's Dienst zu versagen; er mußte zuerst die Lippen, die fiebertrocken waren, mit der Zunge befeuchten, und auch dann schlugen sie mehrmals lautlos aneinattder, bevor er ein Wort hervorzubringen vermochte. „Claudy Rodler!" begann jetzt Georg Halbzuber, der sich bisher nur als stummer Zeuge gerirt hatte, „ich weiß nöt, auf was Du Dich zu b'sinnen brauchst; ich beneid Dich Mensch! — noch heut Früh is mir's das höchste Glück geschierleu, der Elsbeth ihr Mann zu werden!" „Ich . ... ich ... ." stieß Rodler gewaltsam hervor — „kann die Elsbeth nöat nöma — nein, nein, und Hunderttausendmal nein!.Nimm Du sie Girg! — willst Du Geld? — ich bin reich, wenn Du sie heirathst, geb' ich Dir Geld, so viel Du willst; aber heirathen kann ich die Elsbeth nie und nimma!" „Aber, wie werd denn ich die Elsbeth nemma? das kann ja kein Mensch verlangen!" rief Görg ganz verdutzt. „Also nöat! so laß es fein bleiben!" schrie Rodler und schlug mit der Faust auf den Tisch, daß die Platte krachte; dann wandte er sich wieder an Buckerban. „Lenz, ich geb' Dir und Deiner Schwester Geld, so viel Ihr nur wollt .... aber Ihr dörfts fein das Maul nöat aufreißen, Ihr dörft's über die ganze Geschichte kein Wort reden, und keiner darf je d'erfauren*), daß das Kind mein Kind ist..." und als der Corpora! entrüstet schwieg, fuhr Rodler, sich selbst in gesteigerte Erbitterung hineinredend fort: „Ich weiß es ja, Du willst fein nix arideres, als Geld aus mir Herauspressen; — woan ich's auf der Kloag bei Gericht ankommen ließ, kummet ich billiger weg; — darauf möcht ich ein Jurament ablegen — aber ich bin kein Schmutzian, ich will mich nöat filzig zeigen — ich will Dir und Deiner Schwester ein so groß Stück Geld geben, wie Du's — Commisbrodsresser! — noch Dein Lebtag nöat gesehen hast .... aber Ruh' will ich Hann, — schriftlich müßt Ihr mir's geben, daß keine lebendige Seele von der maledeiten Geschichte was d'erfahrt!" „Hund Du, sakrischer!" fuhr nun Buckerban in furchtbarer Wuth auf und wollte auf Rodler losstürzen; — jetzt hatte diesen der wilde Jähzorn, dem er unterworfen zu sein pflegte, im höchsten Grad erfaßt, er griff nach dem Taschenmesser, das vor ihm lag, und zuckte dieses in maßloser Heftigkeit nach des Excorporals Brust. Georg Halbzuber erfaßte seinen Arm und Lorenz entwand Claudy das Messer, das nun wieder in des Grenadircorporals Hand funkelte. „Claudy! ich sog Dir's, mach mich nöat folsch**), schrie Lorenz.... „Ich frag Dich ernstlich, willst meine Schwester zu Ehren bringen, sie zu Deinem Weib machen?" „Aber Lenz, Lenz," jammerte Rodler, „ich kann ja die Elsbeth nöat zum Weib nehma, die Menschen sind ja böse, da thäten die Leut sogen, ich .... ich ... ." seine Stimme war heiser und fast unverständlich worden, „ich wär der elendeste Mensch auf der Welt, ich wär der ... ." In der großen Angst, in der peinlichen Seelenqual, in dem Bestreben, einestheils seinen Dränger günstig für sich zu stimmen; anderseits seine innersten Gedanken, seine geheimsten Befürchtungen zu verbergen, war ihm nur dieses gelungen, jenes aber total mißglückt. Der schwergereizte Lorenz mußte glauben, Rodler beabsichtigte die ihm angethane Schmach zu verschärfen, seine Schwester herabzusetzen, eine Verbindung mit ihr als seiner unwürdig zu bezeichnen, in sinnloser Wuth stach er mit dem Messer nach Rodler, Georg wollte seinen Arm niederstoßen, erreichte damit aber nichts Anderes, als daß der von Lorenz mit aller Kraft geführte Stoß, Rodler nicht in die Brust, sondern in den Unterleib traf. „Herr und Gott!" konnte Rodler noch ausrufen, dann brach er blutüberströmt zusammen. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Dubuow's „Jüdische Geschichte". Besprochen von Rabbiner Dr. Max Beermann. . Die alte Hagada hat in der modernen Ausgestaltung des jüdischen Geisteslebens nur eine recht einseitige Nachfolgerin in der Kanzelliteratur gefunden. *) erfahren. **) Böse, bringe mich ans. Wochenschrift Seite 703 Ihre Aufgabe als constructive und zusammenfaffende Denk¬ oder Phantasie-Arbeit,, als tiefe und umfassende Ausdeuterin der jüdischen Gesetzesvorschriften hat kein Zweig der jüdischen Wissenschaft unserer Tage fortgeführt. In die Einzelheiten hat man sich vertieft, nützliche Anmerkungen philosophischer und historischer Art geschrieben, die Detailsthatsachen gehäuft, aber den Geist, den die Thatsachen künden, die Seele, die in ihnen schlummert, hat man nicht zu wecken verstanden, die geschichts-philosophische Behandlung, die den lebendigen Pulsschlag einer reichen und organischen Entwickelung aus dem kalten Marmor der Einzelfacta herausfühlt, ist der jüdischen Geschichte in ihren Begebenheiten in unserer Zeit nur selten zutheil geworden. Mit Freude begrüßen wir daher die jüngst erschienene Arbeit des russisch-jüdischen Gelehrten S. M. Dubuow*), dessen Leistungen auf dem Gebiete der chassidischen Geschichte seinen wissenschaftlichen Ruf begründet hat und der als einer der bedeutendsten Geschichtsschreiber und Literaturhistoriker seiner Heimat gilt, als einen Versuch, die jüdische Geschichte philosophisch zu charakterisiren, ihren inneren Gehalt und die in ihr sich ausprägenden Wahrheiten darzulegen oder, wie der Verfasser sich selbst ausdrückt, „die Seele der jüdischen Geschichte, der die äußern Thatsachen nur als körperliche Hülle dienen, uns vor Augen zu führen". Nachdem der Verfaffer gezeigt hat, wie die Geschichte des jüdischen Volkes „gleich einer Centralachse die ganze Geschichte der Menschheit von deren einen Pol bis zum anderen durchläuft" und demgemäß schon ihrem Umfange nach eine in ihrer Art einzig dastehende Erscheinung bildet, stellt er in markigen Zügen den gewaltigen Inhalt dieser Geschichte dar, die er in zwei Hauptabschnitte theilt : „Die Erzählung von dem Volke als Religionslehrer, dies ist der Inhalt der ersten Hälfte der jüdischen Geschichte, die Erzählung von dem Volke als Denker und Dulder, dies ist der Inhalt der zweiten Hälfte dieser Geschichte." Der Verfasser erörtert sodann die Bedeutung der jüdischen Geschichte, die er nach zwei Richtungen hin verfolgt; nach der nationalen, indem er die Kraft derselben nachweist, das „geschichtliche Bewußtsein", das die Juden der Jetztzeit, sogar diejenigen von ihnen, die nicht mehr auf dem religiösen Boden des Judenthums stehen, zu einer festen Einheit zusammenfügt, zu heben und zu vertiefen; nach der universalen, weil sie einerseits als geistige, fast von allem Politischen losgelösten Geschichte den dankbarsten Baustoff für die Geschichtsphilosophie liefert und andererseits durch die religiösen Wahrheiten in ihrer ersten Hälfte auf die gläubige, und durch das gewaltige Martyrium im Namen dieser Wahrheiten in ihrer zweiten Hälfte auch auf die denkende Menschheit herzerhebend und gemüthveredelnd wirken muß, und geht dann zu einer philosophisch-historischen Synthese über, in der die „Grundformationen" der jüdischen Geschichte angezeigt und psychologisch charakterisirt werden. Der ersten Phase, dem Mosaismus, folgt, nach dem Verfasser, als zweite der Prophetismus; indem aber der Prophetismus, im Gegensatz zur alten Frömmigkeit, die in Opferceremonien und in dem Nationalcult eine Hauptstütze der Religion erblickt, die religiöse Gedankenwelt aus den Fesseln der Formen und der Nationalität befreit und zum Universalismus fortführt, sei er, meint Dubuow, die Antithese des Mosaismus. Diese Anschauung des Berfaffers scheitert unseres Erachtens an einer besonnenen Prüfung der Quellen. Stellen, wie Jesaias 58,3, Jeremias 17,21, Ezechiel 4,14, Maleachi 3,22 zeigen deutlich, daß die Propheten durchaus auf dem Boden des Mosaismus stehen und lediglich gegen die falsch verstandene Frömmigkeit eifern. Auch die Thatsache, daß Jesaias. Ezechiel, Haggarj, Zacharja und Maleachi mit aller Kraft ihrer Beredsamkeit und aller Glut ihrer Begeisterung für die Auferbauuug des Heiligthums und die Wahrung des Opfercultus eintraten, beweist, daß die phrophetische Opposition sich nicht gegen den Tempeldienst an sich, sondern gegen dessen mißbräuchliche Ueberschätzung richtet. Der Rabbinismus, der nach der Periode der Soferim, der „Schullehrer der Judenheit", den Prophetismus ablöste, zerfällt nach dem Verfaffer in vier Perioden (1. in die Hegemonie der morgenländischen Juden, 2. in die Hegemonie der spanischen, 3. der deutsch-polnischen und 4. die Aufklärungszeit), *) Die jüdische Geschichte, ein geschichtsphilosophischer Versuch. Autorisirte Uebersetzimg von I. F., Verlag von S. Calvary.

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