Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 38 (23.9.1898)
- Date
- 1898-09-23
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 38 i£r. Vloch's Wochenschrift Seite 701 'bv in-03® mnan maus so profanirt und hintangesetzt wird. In diesen Tagen tritt noch ein anderer Umstand hinzu, der die Betreffenden sicherlich abhalten sollte, eine n3ön *6» nS'fc vornehmen zu lassen; es fallen nämlich die hohen Feiertage mehrmals auch auf Sonntage und darf eine reöD xbtf n^ö, selbst wenn eine solche nach vorhergegangener Krankheit oder Schwäche des Kindes sonst statthaft wäre — am aus by* unter keinen Umständen vollzogen werden. Ich erlaube mir daher, die Eltern und Mohelim darauf aufmerksam zu machen und bitte sie, sich competenten Ortes darüber näheren Aufschluß einholen zu wollen. Rabbiner S. F ü r st. Lnndenburg. (Ein B ü r g erm e i st e r-Ju b i l ä u m.) Die Stadtgemeinde Lundenburg feierte mit Rücksicht auf die Landestrauer im engsten Kreise beit 25jährigen Gedenktag der Wahl des Großindustriellen H. Kuffner zum Bürgermeister der Stadtgemeinde Lundenburg. Vice-Bürgermeister Dr. Robert Speck begrüßte die vollzählig erschienenen Vertreter der Gemeinde, die Vorstände der hiesigen Staatsbehörden, die Lehrkörper der deutschen und czechischen Schulen und die sonstigen Corporationen, und hob in längerer Rede die mannigfachen Verdienste des Jubilars um das Gemeinwesen hervor. Zum Schluffe brachte der Redner ein dreifaches Hoch auf Bürgermeister Kuffner aus. Der Jubilar dankte in bewegten Worten für die ihm dargebrachte Kundgebung, durch welche er sich im hohen Grade geehrt fühle. Budapest, 21. September. (Ein antisemitisches Verleumderstück.) Der bekannte Antisemit Doctor Victor I z t o c z y, Advocat in Budapest und ehemaliger Abgeordneter, wird morgen als Angeklagter in einem Preßproceß vor dem Schwurgerichte erscheinen. Er hatte in Artikeln den Med.-Dr. Bela K e l e n beschuldigt, den jungen I z t o c z y, der vor einem Jahre starb, absichtlich nicht mit der nöthigen Sorgfalt behandelt zu haben. Dies sei unter de nt Drucke des jüdischen Einflusses geschehen. Als sich Dr. K e l e n aus Kränkung hierüber vergiftete, brachte dessen Sohn, gleichfalls ein Arzt, gegen den Beleidiger seines Vaters die Ehrenbeleid'igungsklage ein, Dr. I z t o c z y führt an, er st ehe unter dem Cherem (Bann) der großjüdischen Excommunic a t i o n. Als Zeuge hiefür gibt er den Pater Scheicher und den Redacteur der „Libre Parole", D r u m o n t, an. Diese Zeugen werden jedoch, da sie Ausländer sind, nicht vernommen. Amsterdam. Die Theilttahme der Juden an den Nationalfestlichkeiten, die zu Ehren der Krönung der jungen Königin von Holland stattfinden, ist eine außerordentlich rege. Sie kann aber nicht groß genug sein, wenn man die Wohlthaten würdigt, die die Juden von der oranischen Herrscherfamilie zu einer Zeit erhielten, als sie int ganzen Europa verfolgt würden. Seitdem haben sie immer eine günstige Position und volle Gleichberechtigung in den Niederlanden gehabt, und auch in der Gegenwart ist dieser Staat eine der wenigen Inseln geblieben, die als sichere Zufluchtsstätte der Juden aus der Hochfluth des Antisemitismus hervorragen. Bei der großen Festlichkeit in der Amsterdamer Kirche zur Einsetzuiig der Königin war unter den geladenen Ehrengästen auch der Oberrabbiner von Amsterdam, Dr. I. H. Dünner. Selbstverständlich fand in allen Synagogen des Königreiches Festgottesdienst statt, und besonders die Amsterdamer Synagogen waren prächtig geschmückt; allen voran die alte portugiesische Synagoge, in der große Schätze von Gold und Silber zur Ausschmückung verwendet waren. Auch das Ghetto von Amsterdam, die Joden Breestraat, ist mit ebenso großem Geschmack wie mit reichen Mitteln decorirt worden. Besonders in den Abendstunden, in denen diese Straße die ganze Woche lang illuminirt war, zog sie die Aufmerksamkeit aller Fremden und selbst vieler Amsterdamer auf sich. Es ist allgemein bekannt, daß die junge Königin den Juden sehr wohlgesinnt ist. Man erzählt sich in Amsterdam darüber folgendes Histörchen: Vor einigen Jahren machte die junge Königin einen Ausflug durch die Stadt und wurde überall mit lautem Jubel begrüßt. Sie wurde plötzlich jedoch etwas unwohl und schlief ein. Als der Wagen durch das Judenviertel kam, hatte sich die Nachricht davon blitzschnell verbreitet, und die Juden bildeten Spalier, alle entblößten Hauptes, aber in größter Ruhe, um das Königskind nicht zu wecken. Der jungen Fürstin wurde später dieser Zug von liebevoller Rücksicht seitens ihrer jüdischen Unterthanen mitqetheilt, und sie hat ihnen dies Benehmen sehr hoch angerechnet. Salonichi. Unsere Stadt zählt bekanntlich itnter ihren 130.000 Einwohnern nahezu 80.000 Juden. Dieselben leben aber in Folge ihrer Armuth in äußerst bescheidenen Verhältnissen und obwohl sie mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, gehört ihnen doch kaum der zehnte Theil der Häuser und ihre Wohnungen sind fürchterlich eng und klein. Der gegenwärtige Umzug, gewohnheitsgemäß findet derselbe alljährlich zwischen dem 15. Ab und dem Ultimo Elul statt, bietet eine gute Gelegenheit, sich über die Wohnungsverhältniffe zu informiren. Leider sind die Ergebnisse solcher Forschung sehr schlechte und die ungünstigen Wohnungsverhältnisse erklären auch zum größten Theil die schlechten anitären Verhältnisse unter den hiesigen Israeliten. Pretoria. Bon der Einweihung unserer neuen Synagoge am 14. August ist zu berichten, daß dieselbe mit großem Pomp stattfand und an der Feier auch Vicepräsidettt General Joubert, Oberster Richter Gregorowsky, Staatsseeretär Reitz re. iheilnahmen, sowie viele hervorragende christliche Geistliche. Der Rev. Harres aus Johannisburg leitete die Feier, an der ein Chor von 30 Personen mit Musikbegleitung hervorragenden Antheil hatte. Vermischtes. Wien. (Trauung.) Donnerstag den 29. September l. I., 1 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel, I., Seitenstettengasse, die Trauung von Fräulein Elsa Schefftel, Tochter des kaiserlichen Rath Herrn N Schefftel, mit Herrn Josef Kareis, Sohn des Herrn Heinrich Kareis, statt. Wien. (Wohlthätigkeits-Berein „Frauenh o r t".) In pietätvollen! Gedenken an Ihre Majestät Kaiserin Elisabeth von Oesterreich und in Erinnerung an ihren Edelsinn und ihre Herzens güte hat der Ausschuß des Wohlthätigkeits- Bereins „Frauenhort", IX., Müllnergasse 21, über Anregung seiner Präsidentin, Frau Rosa Zifferer, in außerordentlicher Sitzung den Beschluß gefaßt, sämmtliche während der Sterbewoche an ihn gelangenden Bittgesuche zu berücksichtigen. Demgemäß wurden auf Grund von 124 eingelaufenen Gesuchen 124 Personen, beziehungsweise Familien mit insgesammt 625 fl. unterstützt. Hiezu haben die Herren Gemeinderath Donat Zifferer und Gottlieb Bettelheim je 100 st. gespendet. Wien. In der behördlich concessionirten Clavier- und Orgelschule „Storch", II. Leopoldsgaffe 27, finden für die Hauptfächer, sowie für den Staatsprüfungs-Curs, die Einschreibungen täglich von 3 bis 6 Uhr statt. Prag. (Vierzigjähriges Geschäftsjubiläum.) Die Verlagsbuchhandlung Samuel W. P a s ch e l e s in Prag feiert heuer das Jubiläum ihres 40jährigen Bestandes. Bon kleinen Anfängen hat sich dieses bekannte Unternehmen durch die rastlose Thätigkeit seines Eigenthümers zu dem heutigen Umfang vergrößert. Insbesondere auf dem Gebiete der israelitischen Liturgie hat sich die rührige Verlagsbuchhandlung einen guten Ruf erworben. Von den bei ihr erschienenen Werken sind die berühmten Landau'schen und Kämpf'schen Gebet- und Andachtsbücher und die große illuftrirte Prachtbibel von Professor Julius Fürst besonders hervorzuheben. Budapest. Die durch Berufung des Rabbiners Dr. I. Fischer nach Prag frei gewordene Stelle eines Rabbiners in Raab wurde dem Rabbiner Dr. M. Schwär z-T. Szt. Marion übertragen. — Der Asrikareisende Dr. E. Holub spendete der Wag-Neustadtler jüdischen Realschule eine werthvolle Sammlung ethnographischer Gegenstände aus Asien und Afrika. — In Budapest starb der pensionirte Bezirksarzt Dr. S. T. B l u m g r u n d nach einer nahezu vierzigjährigen segensreichen Thätigkeit in Italien, der Türkei und Ungarn. Reichenberg» 13. September. Am 2. September verschied in Saaz der langjährige Cultusvorsteher der Gemeinde Lnbenz nach kurzer Krankheit im 71. Lebensjahre. Der Verblichene stand durch volle 40 Jahre ununterbrochen an der Spitze der Gemeinde, für welche er durch die ganze Zeit rastlos bemüht war, das Wohl derselben sowohl zu heben als auch zu fördern; wenn es galt die Interessen seiner Gemeinde zu vertreten, war ihm kein Opfer zu schwer, kein Weg zu weit. Mit zunehmenden! Alter legte der Verblichene diese Ehrenämter nieder um nur für seine Fainilie^und seiner engeren Gemeinde zu leben, welch letztere er bis zu seinem Tode