Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 38 (23.9.1898)
- Date
- 1898-09-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 38 Vr. DIoch'« Wochrnschrifl Seite 699 Dr. Schmiedl eine tiefergreifende Ansprache. Obercantor Goldstein versah die cantoralen Functionen in herzerhebender Weife. Am selben Tage um 8 Uhr fanden die vom Vorstande der Wiener israelitischen Cultusgemeinde für die Kaiserin veranstalteten Trauerandachten der israelitischen Schuljugend unter überaus zahlreicher Betheiligung derselben in sämmtlichen Gemeindebethäusern statt. Baden. Für die Kaiserin Elisabeth fand Montag den 19. d. M., um 5 Uhr Abends, im Tempel der Badener israelitischen Cultusgemeinde eine würdevolle Gedächtnißfeier statt. Unter den Anwesenden befanden sich viele officielle Persönlichkeiten: Bezirksrichter Landesgerichtsrath Baron Handl-Mazetti; in Vertretung der Bezirkshauptmannschaft Dr. Horak, Oberpostverwalter Likoser, Bürgermeister Zöllner, Vicebürgermeister Reich, sowie eine große. Anzahl von Honoratioren. Rabbiner Wilhelm Reich hielt die Trauerrede, welche einen tiefergreifenden Eindruck machte. Nach Absingung eines Trauerchorals durch Cantor Schaffer wurde vom Präses der Chewra-Kadischa Herrn Moriz Leitner das Seelenlicht angezündet. Erlach a. d. Aspangbahn. Im hiesigen israelitischen Bethause fand für weiland Ihre Majestät die Kaiserin Montag den 19. d. M. über Veranlassung des Vorstehers Herrn Simon Hacker ein feierlicher Gottesdienst statt, welcher ungemein zahlreich,. auch von den in entfernten Ortschaften der Umgebung wohnenden Glaubensgenossen, besucht war. Dem traurigen Anlässe entsprechend war das Bethaus schwarz decorirt. Nach dem Vortrage mehrerer Psalmen recitirte Cantor Sußmann das „El Mole Rach’mum" in wirkungsvoller Weise und hielt eine zu Herzen gehende Ansprache. Patzau, 17. September. Im hiesigen Tempel celebrirte beim heutigen Frühgottesdienste vor dem üblichen Gebete für's allerhöchste Kaiserhaus der Religionslehrer Herr Leopold Weil an der offenen Bundeslade eine Trauerfeier für weiland ° Ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth. Retz, 19. September. Bei festlicher Beleuchtung des Tempels, welcher auch die sichtbaren Zeichen der Trauer trug, fand heute Morgens ein feierlicher Gottesdienst statt. Nach einem von unserem Religionslehrer tief empfundenen Nachruf wurde eine Seelenandacht abgehalten. Brünn. Im israelitischen Tempel fand hier ein überaus feierlicher Trauer gottesdien st statt, dem unter Anderen die Herren Vice-Bürgermeister Roh rer und Gemeinderath Engelman als Vertreter der Stadtgemeinde, mehrere höhere Staatsbeamte und ein ungemein zahlreiches Trauerpublicum beiwohnten. Schon lange vor 6 Uhr war die Synagoge, die schwarz ausgeschmückt war, in allen Räumen dicht besetzt. Andachtsvolle Stille herrschte, als der Tempelchor einen weihevollen Seelengedächtniß-Choral anstimmte, welcher in ein von Herrn Obercantor Heller mit tiefer Innigkeit zum Vortrage gebrachtes Solo ausklang. Hierauf hielt der Herr Landesrabbiner Dr. Placzek eine ergreifende Gedächtnißrede, in welcher er der erhabenen Eigenschaften der verewigten Kaiserin gedachte, die nie etwas anderes anstrebte, als die Herrschaft über sich selbst, über ihr eigenes Innere, die keinen anderen Einfluß üben wollte, als den der Versöhnung. Ein Herz, sagte er, das sich krampfhaft zusammenzog bei dem leisesten Anhauch des Niedrigen, das sich scheu abwenden mochte von allen lauten Huldigungen, von jeder Prunkentfaltung, das sein volles Genügen fand in jener stillen Zurückgezogenheit, welche es mehr ehrte als der rühmliche Thatendrang anderer Herrscher. Ein leidendes Herz, das aber wie eine Muschel nur an kostbaren Perlen krankte, das keinen Raum hatte 'für Stolz, Hoffart, Ehrgeiz, Eitelkeit, Herrschsucht und menschenfeindliches, verletzendes Uebelwollen, mußte Raum bieten dem Dolche eines Frevlers. Dr. Placzek schloß seine Ansprache mit dem Wunsche, der schwergeprüfte Kaiser möge in der einmüthigen Liebe und Hingebung aller seiner dankbaren Völker den Trost und die Stütze finden, welche ihm seine verewigte Lebensgefährtin nicht mehr bieten kann. An Allen, die um die Verklärte tiefergriffen trauern, bewähre Gott sein verheißungsreiches Wort: „Aus Kummer und Leid laffe ich, spricht der Herr, Trost und frischen Lebensmuth erblühen." Die Rede übte eine tiefe Wirkung auf die Anwesenden. Mit zwei Gebeten, die Obercantor Heller verrichtete, nahm die würdige Trauerfeier ihr Ende. Wall. - Meseritsch. Anläßlich des erschütternden Ereignisses in unserem Kaiserhause fand Dienstag den 20. d. M. Vormittags, eine Ausschußsitzung statt, wobei Cultusgemeindevorsteher Herr Ignaz L ö w die Gefühle über den Verlust unserer geliebten Monarchin in beredten Worten zum Ausdrucke brachte. Hierauf wurde einstimmig beschlossen, den Leiter der Bezirkshauptmannschaft zu ersuchen, den Ausdruck der tiefsten Betrübniß zu den Stufen des Allerhöchsten Thrones gelangen zu lassen. Um halb 12 Uhr fand im hiesigen israelitischen Tempel eine feierliche Trauerandacht statt, an der sich fast sämmtliche Honoratioren der Stadt betheiligten. Herr Rabbiner Dr. Rabbinowicz hielt eine ergreifende Ansprache, welche in ein Gebet für die todte Kaiserin ausklang. Znaim. Montag Abends fand hier ei» feierlicher Gottesdienst statt, welchem nebst Herrn Bürgermeister Brandtner die israelitische Gemeinde vollzählig beiwohnte. Herr Rabbiner Holzer hielt eine ergreifende Rede. Nach einem Trauergesang betete der Rabbiner noch um göttlichen Trost für Kaiser und Vaterland. Bregnitz. In dem schwarz drapirten israelitischen Tempel fand am 18. d. M. für weiland Ihre Majestät ein solenner Trauergottesdienst statt, welchem sämmtliche k. k. Beamte, die Stadtvertretung und Corporationen beiwohnten. Nach dem vom Chore mit Harmoniumbegleitung vorgetragenen Trauergesängen hielt Herr Rabbiner A. Traub eine ergreifende Trauerrede und bei geöffneter Bundeslade ein andächtiges Gebet für Kaiser und Vaterland. ZlabingS, 19. September. Am zweiten Tage des Rosch- Haschonofestes veranstaltete die Judeuschaft unseres Ortes über Anordnung des Cultusbeirathes Herrn S. Allina eine solenne Trauerfeier. Nach dem Einheben der heil. Thora hielt der hiesige Bürgerschullehrer Herr Alois B i ck eine Trauerrede. Holleschau, 19. September. Heute fand im Tempel ein Trauergottesdienst statt, zu welchem sich überaus zahlreiche Theilnehmer in festlicher Kleidung eingefunden hatten. Nebst den Vertretungen der politischen und der Cultusgemeinde und den« Lehrkörper der deutschen Volksschule erschienen auch der Herr k. k. Bezirkshauptmann Zdenko Wacha und der Herr Stationsvorstand. Die Trauerrede hielt Herr Rabbiner Dr. I. Freimann. Bisenz, 19. September. Anläßlich des Ablebens der Kaiserin Elisabeth fand vorgestern, gleich nach dem Mincha- Gottesdienste, in der hiefigen Synagoge eine erhebende Trauerfeier statt, der die Schüler der deutschen Volksschule, der Gemeindevorstand, der Ortsschulrath und fast sämmtliche Gemeiudemitglieder beiwohnten. Eingeleitet wurde die Andacht mit einem Trauerpsalm, woraus unser allbeliebter Herr Rabbiner. Sr. Ehrwürden Herr Dr. Joses Hoff, eine tiefempfundene Gedenkrede hielt. Nach einem ergreifenden Gebete für das Seelenheil der hohen Verblichenen schloß die schöne Feier. Jungbunzlau. Die hiesige israelitische Cultusgemeinde veranstaltete Montag am 19. d. M. einen Trauergottesdienst. Bon den geladenen Gästen hatten sich nebst den Spitzen der Behörden, auch der Bürgermeister und mehrere höhere Officiere eingefuuden. Herr Rabbiner Dr. Klotz hielt eine ergreifende Gedächtnißrede. Lemberg, 19. September. Auf Veranlaffung des hiefigen Cultusrathes fanden im Tempel durch Herrn Rabbiner Dr. Caro, in der vorstädtischen und Syxtuska-Synagoge durch Herrn Oberrabbiner Js. Schmelkes, in der städtischen Synagoge durch Herrn Rabbiner Holpern und im Namen des Cultusrathes, Cultusrath Herr Dr. Wilhelm Holzer, Trauerandachten für. das Seelenheil der verstorbenen Kaiserin Elisabeth statt. Besonders hat Herr Rabbiner Schmelkes ein Gebet in hebräischer und acameischer Sprache für das Seelenheil der hohen Frau verfaßt, das in allen Synagogen von dem Publicum im Vereine mit Herrn Rabbiner Schmelkes gebetet wurde, und einen derartigen Eindruck auf die Frauen hervorbrachte, daß man lautes Schluchzen hörte. In ergreifenden und tiefempfundenen Morten brachte Herr Rabbiner Schmelkes die Trauer der israelitischen Gemeinde in Lemberg zum Ausdruck. Der Vorstand der hiesigen Cultusgemeinde hat, um dem Schmerze der Lemberger Judenschaft über das entsetzliche Verbrechen, welchem Kaiserin Elisabeth zum Opfer fiel, officiellen Ausdruck zu geben, eine Beileidskundgebung an die Stufen des Thrones zu Händen des Herrn Statthalters Grafen Pininski durch den Präsidenten des Herrn Cultusrathes Dr. Byk gelangen laffen und angeordnet, in allen Synagogen durch 30 Tage das Seelenlicht für die hohe Verstorbene brennen zu lassen.