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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-09-23 · 38 (23.9.1898) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
38 (23.9.1898)
Date
1898-09-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 698 Vr. Vloch's Wochenschrift Nr. 38 Schwergeprüft ist wieder das Herz unseres vielgeliebten Kaisers geworden. Doch ein schlichtes Gleichniß unserer Weisen, das einen liefen Sinn birgt, läßt sich hier anwenden. Wenn der Töpfer zeigen will, wie stark und fest das von ihm angefertigte Geschirr sei, dann klopft er mit seinem Finger darauf. Nur das starke Gefäß hält das Klopfen aus, während das schwache zusammenbricht unter dem klopfenden Finger. Und so wählt sich auch Gott nur die starken, durch ihre Grundsätze gefestigten Charaktere aus, wenn er ihnen schwere Lebensprüftmgen auferlegen will. Möge der erhabene, vielgeliebte Kaiser in seinen großen Herrschertugeuden, denen er sein Ruhmesblatt in der Geschichte verdankt, die Kraft finden, sich zum Glücke seiner Völker aufrecht zu erhalten, auch unter dieser schweren Heimsuchung. Beide Ansprachen riefen bei den Anwesenden einen tiefen Eindruck hervor. Mit andächtiger Spannung lauschten die Trauerversammlungen den ergreifenden Worten und konnten sich kaum der Rührung erwehren. Mit einem Gebete für die Kaiserin und dem Gebete für Sr. Majestät den Kaiser und das kaiserliche Haus schloß die erhebende Feier. Die gesanglichen Functionen vollzogen Obercantor Singer im Stadttempel, Obercantor G o l d st e i n im Leopoldstädter Tempel in würdevoller, herzerhebener Weise. — Im Gotteshaus, ll., Fugbachgasse 7, hielt Sonntags Vormittags Rabbiner Weiß der Kaiserin einen tiefempfundenen Nachruf. — Ebendaselbst fand Montag den 19. d. M., Früh, in Anwesenheit des gesammten Vorstandes und unter zahlreicher Betheiligung des Publicums ein feierlicher Trauergottesdienst für die Kaiserin ftöti Als Cantor Gritz das „El mule rächmim“ für die verstorbene Kaiserin in ergreifender Weise r«Mcte, brach ein großer Theil der anwesenden Frauen in lautts Schluchzen aus und konnte sich keiner der Anwesenden der Thränen erwehren. Der Cantor selbst konnte nur mit oebender Stimme seiuen Bortrag beenden. Hierauf wurde für die verstorbene Kaiserin ein Seelenlicht entzündet, welches während der Dauer von 30 Tagen unterhalten werden wird. : —. Der Synagogeuverein „Beth Israel", nach polnischüdischem Ritus, in Wien, hat in einer außerordentlichen Borftandssttzung eine ergreifende Trauerkundgebung veranstaltet-und beschloffen. an dem Bersöhnungstage, das ist am 26. d. M. um 11 Uhr Bormittags, in seiner Synagoge^ ll., Leopoldsgaffe Nr. 29, eine feierliche Seelenandacht abzuhalten. — Im Bethause des Talmud-Thoravereins, U., Malzgaffe 16, wurde Dienstag am 20. September d. I., 7 Uhr Morgens, ein feierlicher Trauergottesdienst für weiland Ihre Majestät der Kaiserin Elisabeth abgehalten, wobei Herr Rabbiner Kramer eine ergreifende Trauerrede hielt. — Im Bethause „Marpe Lanefesch", Taborstraße 38. fand Montag den 19. d. ffl. ein Trauergottesdienst für Ihre Majestät der Kaiserin statt. Aus diesem Anlässe war das Gotteshaus festlich beleuchtet und schwarz drapirt. Nach Recitirung der entsprechenden Psalmen, hielt Sr Ehrwürden der Herr Rabbiner Friedman« eine ergreifende Ansprache. Zum Schlüße wurde für das Seelenheil Ihrer Majestät ein „El mole rachamim" gebetet. — Montag den 19. d. M. fand im Tempel der türkisch-israelitischen Gemeinde ein feierlicher Trauergottesdienst für die Kaiserin Elisabeth statt. Der Tempel hatte aus diesem Anlässe Trauerschmuck angelegt. Es erschien das Präsidium der Gemeinde, sowie fast sämmtliche Gemeindemitglieder mit den Damen. Nach Aufführung eines Trauerpsalmes durch Obercantor Bauer mit Orgel und Chor unter Leitung des Dirigenten Löwit hielt Rabbiner Papo die Trauerrede. Nach derselben recitirte Ober- Cantor Bauer das Kadischgebet in ergreifender Weise. — Am 19. d. M. hielt der Humanitäre Geselligkeitsverein „Rudolfsbund" in Hatscheck's Restaurant, ll., Praterstraße 11, eine Trauerfeier ab, die einen erschütternden Eindruck machte. Sämmtliche Theilnehmer, der Saal konnte sie kaum faffen, waren in Trauerkleidung erschienen. Bor der mit Trauereuiblemrn und Gewächsen umgebenen, schwarz verhüllten , Büste der verblichenen Kaiserin, trug Herr Obercantor Bauer mtt semem Chor unter Leitung des Dirigenten Herrn Löwit einen Trauerchoral vor; hierauf hielt der Obmann Herr Josef Pollakeine Trauerrede, bei der kein Auge trocken blieb. Der Verein faßte den Beschluß, das Andenken der Kaiserin durch Acte der Wohtthättgkeit zu ehren. * — (Israelitische Kinderbewahranstalt). Die israelittsche Kinderbewahraustalt in Wien, deren Protectorin weiland Ihre Majestät die Kaiserin Elisabeth gewesen ist, hat Donnerstag den 15. September 1898, in Abwesenheit der Präsidentin Frau Rosa Schiff, durch die Vorstandsdame Frau Fanny Biach und das Vorstandsmitglied, Herrn k. k. Baurath Theodor Ritter von Goldschmidt beim Statthalter das Beileid über das Hinscheiden ihrer hohen Protectorin ausgedrückt. Die Kinderbewahranstalt besteht seit dem Jahre 1843 und war weiland Ihre Majestät Caroline Auguste die' erste Protectorin dieses Instituts. Der hohe Schutz, den die Anstalt durch das jähe Ableben der allerhöchsten Kaiserin Elisabeth plötzlich eingebüßt, war jederzeit für das Institut von großer Bedeutung. Zwei Kränze, vom Vorstande und den Kindern der Anstalt gewidmet, wurden an der Bahre niedergelegt. — Der Vorstand des Tempelvereines Mariahilf und Neubau versammelte sich Freitag, 16. d. M. vollzählig zu einer außerordentlichen Sitznng, welche ausschließlich einer würdigen Trauerkundgebung anläßlich des erschütternden Ereignisses galt. Der Vereins-PräsidentHerr Architekt Max Fleischer hielt der dahingeschiedenen gütigen Landesmutter einen ergreifenden Nachruf und beantragte, am Dienstag 20. September, im Vereinstempel eine solenne Trauerandacht zu veranstalten. Seim Vorschlag wurde einstimmig angenommen und fand die Seelenandacht in dem zu diesem Zwecke schwarz drapirten Tempel unter geradezu massenhafter Betheiligung eines vornehmen Publicums statt. Man sah als Vertreter des Cultusvorstandes die Herren kaiserlichen Räthe Hirsch und Pollak, Herrn Director Heller vom Blinden-Jnstitute, Herrn Director Alexander Hecht, Herrn Lector Fciedmann, Prediger Di. Löwy, Secretär-Stellvertreter, Dr. Adler, der gesammte Vorstand des Tempelvereines unter Führung des Vereins-Präsidenten, fast sämmtliche Vereinsmitglieder mit ihren Frauen, welche den Tempel in allen Räumen bis auf das letzte Plätzchen füllten. Eingeleitet wurde die Feier durch das Anzünden des .Seelenlichtes, das zum Andenken an die allerhöchste Verblichene durch 30 Tage unterhalten werden wird, hierauf wurde in bekannt vorzüglicher Weise durch Obercantor Sußmann und den Tempelchor der Psalm 49 in der herrlichen Composirion Meister Sulzer's recitirt. .Den Mittelpunkkoer Trauerandacht bildete die nach Form und Inhalt meisterhafte Gedenkrededes Vereinsprediger Dr. Taglicht, die auf alle Anwesenden einen außerordentlichen Eindruck machte. So verlief diese Feier wie alle Veranstaltungen dieses Mustervereines in höchst würdiger und vornehmer Weise. — Am 20. d. M. Abendsum 6 Uhr fand im israelitischen Tempel des IX. Stadtbezirkes ein feierlicher Trauergottesdienst für die Kaiserin statt. Das schöne Gotteshaus prangte in düsterem Trauerschmucke, strahlendes Licht erhellte den Raum, der von Trauergästen überfüllt war. Feierliche Chöre leiteten die Feier ein. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Gelbhaus eine ergreifende Rede. Mit einem Gebet für den Kaiser, für das kaiserliche Haus, für das Vaterland, für das Seelenheil der Verewigten schloß die tiefergreifende Trauerfeier. — Im Tempel für den zehnten Bezirk hielt Rabbiner Herr Dr. D. Löwy am ersten Tage Neujahr ein Trauergebet, sowie auch einen ergreifenden Nachruf für unsere Kaiserin ab. Außerdem hat der Vorstand des Tempelvereines im Tempel ein Seelenlicht angezündet, welches 30 Tage brennen wird. — Ferner wurde am 20. d. M. um 8 Uhr Früh, ein Jugend-Trauergottesdienst abgehalten, bei welchem Ehrwürden Herr Dr. D. Löwy neuerlich eine rührende Ansprache an die Schul-Jugend hielt. — 20. September. Heute Früh, 8 Uhr, wurde in dem schwarz decorirten Tempel des XVlll. Bezirkes eine Trauerandacht für weiland Ihre Majestät Kaiserin Elisabeth in sehr würdiger und erhebender Weise unter zahlreicher Betheilignng abgehalten. Vorstand, Lehrer und Functionäre waren in Tränerkleidung erschienen. Einem exact ausgeführten Choräle folgte eine kurze, inhaltsreiche Gedenkrede, gehalten vom Gemeinderabbiner Wilhelm S o r. Der Redner brachte der Schuljugend ihren Huldigungs-Festzug in Erinnerung, der sich leider in den heutigen Trauerzug verwandelt habe, so daß das Prophetenwort sich schmerzlich erfüllt habe: „Und ich verwandle Eure Feste in Trauer und Eure Lieder in Wehklagen". Redner schloß mit einem Appell an die Jugend der hochseligen Monarchin, ein heiliges, pietätvolles Angedenken zu bewahren und ihre seltenen Tugenden sich zur ewigen Erinnerung „auf die Tafel des Herzens zu schreiben".. — Bei dem am 20. d. M. abgehaltenen Trauergottesdienste für die Mannschaft jüdischen Glaubens, hielt Rabbiner

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