Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 38 (23.9.1898)
- Date
- 1898-09-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 38 Dr. Vloch's Wochenschrift Sette 897 Beruhigendes durch auitauchende Neuerungen gedrängt, geschoben, verrückt und wo nicht vertilgt, 'doch in den engsten Raum eingepfercht werde. Die Mittelzeit, wo der Haß noch gegen wirken kann und mag, ist hier Prägnant genug dargestellt, und ein freudiger, unzerstörbarer Enthusiasmus lodert noch einmal in Glanz und Klarheit hinauf. Diesem allen hast Du gewiß Leben und Bedeutung verliehen, und so möge -es denn anch mir zu freudigem Genuß gedeihen." Der Restaurateur des Schachclub. (E i n g e s e n d e t.) Löbliche Redaction der „Oesterreichischen Wochenschrift." Sie haben in der Nummer 37 Ihres Blattes mitgetheilt, daß Herr M i tz k o, Restaurateur in der Schottengasse, seine unzweifelhafte antisemitische Gesinnung dadurch manifestirt hat, daß er sich von den Christlich-Socialen als Candidat für die Genossenschaftsvorstehung der Gastwirthe candidiren ließ. Als Vertreter des Herrn Leopold M i tz k o bitte ich nun gefälligst Ihre Mittheilung dahin richtig zu stellen, daß Herr Mitzko keineswegs der antisemitischen Partei angehört, vielmehr dem politischen Leben vollständig ferne steht. Herr Mitzko wurde allerdings seitens mehrerer College» aufgesordert eine Wahl in die Genossenschaftsvorstehung anzunehmen und hat dieselbe auch angenommen ohne damals eine Ahnung zu haben, daß er von der christlich-socialen Partei aufgestellt werde, vielmehr hat Herr Mitzko die Annahme der Candidatur davon abhängig gemacht, daß er im Falle einer Wahl sich auf den reinen gewerblichen Boden zu stellen erklärte. Als mein Client erfuhr, daß seine Candidatur als eine christlich-sociale aufgefaßt werde, ließ er sich von der Candidatenliste streichen und veröffentlichte eine Verwahrung im „Deutschen Volksblatt". Ich glaube, daß Sie aus allen diesen Mittheilungen entnehmen werden, daß Herrn Mitzko sehr darum zu thun ist klar zu legen, daß er weder der antisemitischen noch einer anderen politischen Richtung angehöre und danke im Voraus für die Veröffentlichung dieser Zeilen. Hochachtungsvoll Dr. H e r z b e r g-F r ä n k e l. Trauer-Kundgebungen für die Kaiserin. Wien. Montag den 19. September 1898 Abends, fanden in den beiden Haupttempeln der Cultusgemeinde I., Seitenstettengasse 4 und II., Tempelgasse 5, die vom Cultusvorstande veranstalteten Trauergottesdienste für w'eiland Ihre Majestät die Kaiserin statt. Die Gotteshäuser waren dem traurigen Anlasse entsprechend decorirt, Bundeslade, Vorbeterpult, Säulen und Galerien waren mit schwarzem Tuche verhängt. Die Zahl der Andächtigen war eine überaus große; an der Spitze der Gesammtvorstand unter Führung des Präsidenten der Cultusgemeinde, die Honoratioren der Gemeinde, zahlreiche Staatsbeamte, die Vorsteher und Vorsteherinnen der Bethaus¬ und Wohlthätigkeitsvereine, die Gemeinderabbiner, die Lehrerschaft und der Beamtenkörper. Nachdem das Seelenlicht entzündet wurde, das über Beschluß des Vorstandes für weiland Ihre Majestät die Kaiserin nach althergebrachter jüdischer Sitte durch 30 Tage in allen Gemeindetempeln erhalten wird, wurden die Trauerandachten durch den Vortrag eines Psalmes in hebräischer Sprache eingeleitet. Hierauf hielten die Prediger Oberrabbiner Dr. Güdemann im Stadttempel und Rabbiner Dr. Schmied! im Leopoldstädter Tempel die Trauerreden. Oberrabbiner Dr. Güdemann sagte folgendes: Andächtige Versammlung! Ein Weheruf, wie er selten so aufrichtig und so aus tiefstem Herzen erklungen ist, drang durch die Gauen unseres Vaterlandes und widerhallte in den fernsten Wohnsitzen der gebildeten Menschheit, als die Kunde verlautete von dem jähen und schrecklichen Tode unserer allverehrten Kaiserin. Die erste Empfindung, die sich Aller bemächtigte, war die tiefsten Mitleids mit der so plötzlich und auf so grausame Weise dem Leben Entrückten, die auf dem Throne eine Dulderin war und deren Bedürfnißlosigkeit kaum in einer Hütte ihresgleichen fand. Dann aber wendeten sich die Herzen unserem schwergeprüften, guten Kaiser zu, dem nach so manchen traurigen Schicksalen auch dieses Traurigste mcht erspart bleiben sollte, daß die treue Lebensgefährtin durch ruchlose Mörderhand ihm von der Seite gerissen wurde, und dies in einem Augenblicke, in welchem alle Völker der Monarchie sich rüsteten, ihm ihre Liebe und Verehrung zum Jubiläumstage auf glänzende Weise zu bekunden, so daß nunmehr das Wort des Propheten sich erfüllt: „Ich verwandle eure Feste in Trauer und eure Gesänge in Klagelieder!" Nun ruht die edle Todte inmitten ihrer Ahnen zum ewigen Schlaf gebettet, und wenn es uns gedrängt hat, diese heilige Stätte ans^usuchen, um unsere beklommenen Herzen im Gebete für die Dahingeschiedene zu erleichtern und den Himmel um Trost zu bitten, so kommt uns die heilige Zeit, in der wir uns befinden, zu Hilfe. Heiligt die Zeit durch den Gedanken der Versöhnung und dieser Gedanke träufelt den Balsam des Trostes in die Wunde, welche in dem Herzen des Kaisers und mit dem Seinigen in Millionen Herzen brennt. Zwar muß der Genius der Humanität voll Scham sein Haupt verhüllen vor dem entsetzlichen Verbrechen, dem das edelste Frauenleben zum Opfer fiel, aber der einmüthige Ausbruch schaudernder Entrüstung und innigsten Mitgefühls, wovon alle Länder widerhallen, er zeigt denn doch, daß unser Glaube an die Menschheit gleichwohl nicht trügerisch ist. Und wenn wir mit Recht um dasjenige klagen, was unser erhabener Kaiser, was das ganze Vaterland in der Entschlafenen verloren hat, so offenbart doch ihr Tod die Wahrheit jener Worte, die der Herr in dem jüngst verlesenen Wochen abschnitte an Moses richtet, und worin unsere Weisen sinnig die Andeutung der Auferstehung erblicken. „Du legst dich zum Schlafe bei deinen Ahnen nieder, d. h. du stehst erst recht in deiner wahren Größe auf!" Wer hätte nicht in diesen Trauertagen die Empfindung gehabt, als wenn die entschlafene Kaiserin ihm jetzt erst recht vertraut würde, als wenn ihr mit den edelsten Zügen des Geistes und des Herzens geschmücktes Bild jetzt erst unzerstörbare Gestalt gewonnen hätte? So tauchen Liebe und Verehrung das traurige Ereigniß, das uns Alle so tief erschüttert hat, in ein versöhnendes Licht, in welchem nicht mehr das Schreckliche, sondern die verklärte, hehre Gestalt unsere Blicke fesselt, die auf den lichten Spuren, auf denen sie schon im Leben gewandelt, sich zu Gott emporschwingt, um au seinem Throne um Trost für den schwergeprüften Gemal und die erlauchten Kinder zu beten. Und nnt ihrem Gebete wollen wir das unserige vereinen. Möge der Sonnenstrahl der Liebe und Versöhnung das Dunkel der Trauer lichten, von welchem das Herz des Kaisers, das kaiserliche Haus und das ganze Vaterland umflort ist, möge der allverehrte Monarch Trost und Erhebung finden in der Treue und Hingebung seiner Völker. Gott verleihe ihm Kraft und Muth, auch fernerhin seines erhabenen Berufes zu walten, ihr aber, der Entschlafenen, gebe er den ewigen Frieden. Gesegnet sei ihr Angedenken. Amen. Rabbiner Dr. Schmied! hielt folgende Ansprache: Seit zwei Tagen bereits wölbt sich der heilige Friede der letzten Ruhestätte über die sterbliche HMe der unvergeßlich geliebten Kaiserin. Das namenlose Leid und Weh, welches dieses so reiche und doch auch so arme Mutterherz neun schwere Jahre hindurch in sich getragen, ist nun auch zu Ruhe gekommen. Mutter und Sohn, umschattet von dem ewigen Frieden, ruhen nunmehr zusammen in der schweigsamen Tiefe. Und dennoch in Millionen trauernder Herzen will der herbe Schmerz noch immer nicht zur Ruhe kommen, und der unversiegliche Thränenquell strömt unvermindert fort — so daß man an das ergreifend tiefsinnige Wort des biblischen Sehers gemahnt wird: „Gras dorrt und auch die B l u m e welkt, wenn Gottes Hauch darüber weht! Gras, das sind die Mtags-, die Dutzendmenschen, die über das Gleichmaß des Gewöhnlichen, Alltägigen nicht hinausragen. Wenn Gras verdorrt, man beruhigt sich, es wird bald wieder anderes nächwachsen. Aber die Blume — ein großes Menschenideal, eine auserlesene Menschenseele, die Tausende überragte, wenn Gottes Hauch über sie weht und sie hinwelkt, das können die Mitlebenden nicht so leicht verschmerzen, und es dauert lange, bis wieder Beruhigung in ihre Herzen einzieht. Und solch ein Ideal war Kaiserin Elisabeth. Wahrlich, nicht nur das launische Glück hat sie zur Herrscherin über Millionen erhoben. Wäre ihre Wiege in einer Hütte gestanden, sie hätte auch ein geistiges Königthum besessen, hervorragend über Taufende durch ihren Herzensadel, ihre Gesinnungsgröße, ihre Eharakterhoheit, ihren strahlenden Geist und die Fülle ihres reichen Wissens. Es werden noch lange die heißen Thränen um sie fließen. Und dennoch muß der- Ausspruch alter Weisheit zur Wahrheit werden: „Man versucht es vergeblich das Menschenherz zu trösten, so lange der Todte noch vor seinen Augen liegt — ist jedoch einmal die Decke der Muttererde über ihn gebreitet, dann müsse — so habe es Gott gefügt — wieder Trost und Beruhigung in die Herzen einziehen." Und so wird auch aus der heiligen Ruhestätte der unvergeßlich -*geliebten Kaiserin uns eine Blume des Trostes auffprießen, die wieder die schwergebeugten Herzen aufrichten wird. Unser erster Trostgedanke besteht darin, daß das schwergeprüfte Mutterherz jetzt erst die Ruhe gefunden, die ihr das Leben me hatte bieten können. Je heller ihr Geist war, um so bitterer hatte sie de» unersetzlichen Verlust erkannt, den das Vaterland durch den Tod des so herrlichen, hochbegabten Sohnes erlitten. Und dieses herbe Bewußtsein wühlte ruhelos in ihrem Mutterherzen. Und dann — der religiöse Glaube hebt unser Auge über diese Welt des Augenblickes in die strahlende Welt der Ewigkeit. ^Dort stehen nun die beiden verklärten Seelen, die Mutter und der Sohn« Und wenn nach dem Ausspruche des Psalmendichters, Gott dem Menschen Schutzengel zuweist, die über ihn Wache halten, so geben wir uns dem schönen Glauben hin, daß jetzt die zwei Auserlesenen die Schutz-, engel des Vaterlandes bilden werden.