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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-09-23 · 38 (23.9.1898) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
38 (23.9.1898)
Date
1898-09-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 690 Dr. Bloch's Wochrnschrist Nr. 38 Gleichberechtigung und der Sorge um die friedliche staatliche Gemeinschaft abgesehen, sprechen alle Gründe auf Seite der Juden für die coufessionelle Schule. Unsere Kinder werden mehr lernen, weil der Unterricht in den nicht überfüllten Claffeu ein individualisirender sein kann, sie werden vor Demüthigungen bewahrt und zu freien Menschen erzogen werden, sie werden sich endlich seltener den Keim zu epidemischen Krankheiten in der Schule holen. Aber jüdische Straf- und Schimpfclassen mit antisemitischen Lehrern werden wir uns nicht aufzwiugen lassen. Noch hoffen wir, daß die Unterrichtsverwaltuug im eigenen, wohlverstandenen Interesse des Staates unseren Standpunkt würdigen wird. Geschieht dies nicht, dann wird die jüdische Bevölkerung Wiens den Kampf um ihr bestes und heiligstes Gut, um die Z u k u n s t ihrer Kinder, mit allen vom Gesetze erlaubten Mitteln aufnehmen. Die österreichische Astian;. Der jüngste Mahnruf der „Oesterreichischen Wochenschrift" zu Gunsten der österreichischen Allianz in Wien sollte in allen jüdischen Herzen ein Echo und bei allen Jenen, die diesem Vereine noch nicht angehören, ein williges Entgegenkommen finden Wenn auch die Memoiren der »Alliance Israelite Universelle« in Paris viel reicher als die der Wiener Allianz sind und jene auf ganz außerordentliche Leistungen Hinweisen kann, so dankt sie dies ihrem längeren .Bestände, der günstigen Lage in der Metropole der Cultur und des Reichthums, der Unterstützung Seitens der Regierung, namentlich unter König Louis Philippe von Orleans und unter der zweiten Republik, der Mitgliedschaft eines Cremieux, Montefiore, James von Rothschild und Baron Hirsch, sowie einer zehnfachen Zahl von contribuirenden Mitgliedern, als sie der Wiener Verein aufweist. Es wäre unbillig, von der heimischen Institution jene Leistungen zu fordern, auf welche die Mutteranstalt in Paris Hinweisen kann. Wir selbst bilden für unsere Allianz einen schwachen Rückhalt, einen relativ geringen Anhang, der sie nur wenig zu Thaten begeistern kann. Ebenso unbillig wäre es, die Leistungen der Allianz vollständig zu negiren und Jene die da fragen „was sie eigentlich leiste?" wollen blos ihren Jndifferentismus rechtfertigen und den Beitrag ersparen. Schon bei vielen Anlässen stand die Allianz richtig auf chrem Platze und hat innerhalb ihrer Mittel, und wo diese nicht langten, mit gesammelten Gelde, geholfen wo sie konnte, wie dies besonders zur Zeit der Vertreibung der Juden aus Rußland hervorgetreten, aus dem sie nicht, wie aus Mizraiim Gold und Silber, sondern Elend mitschleppten und auf ihrer Flucht in Brody zu vielen Tausenden hilflos liegen blieben, eine entsetzliche Zugabe zu dem Pauperismus, der schon damals 'dort endemisch war und ein Jammerbild für den Pinsel eines Berischagin geben konnte. Um so vielem Elend abzuhelfen, bedurfte es einer großartigen, sehr weitgehenden Action, denn es fehlte damals, Angesichts des Winters und eines wachsenden Zuzuges von Emigranten, für Zehntausende armer Leute an Unterkunft, Nahrung und Kleidung, an Lagerstätten für Kranke und für Frauen, die einer Vermehrung ihres Elends entgegen sahen. Was half da bei einer so großen Anhäufung von unglücklichen Menschen, die Alles entbehrten und Alles begehrten, die private Wohlthätigkeit von Einzelnen, welche wie ein Wassertropfen auf glühenden Stein rasch verpuffte und wirkungslos blieb? — Hier mußte kräftig eilige-, griffen und systematisch geholfen werden. Unter energischer Führung des verewigten Josef von Wertheimer, unter thaikräftiger Bechilfe des Bernhard Singer und Dr. Alfred Stern, erschien die „Oesterreichische Allianz" auf dem Plan, griff tief in ihre Reserven und in die Taschen ihrer Freunde, sammelte in Wien fl. 153.000, erhielt von Baron Leitenberger als Resultat einer von ihm eingeleiteten Sammlung fl. 85.000, von Baron Albert Rothschild fl. 30.000, aus Pest fl. 50.000, aus Prag fl. 30.000 und entsandte, ausgerüstet mit einem Capital von fl. 350.000 ihre Delegirten nach Brody. Als es sich herausstellte, daß man auch mit diesem Gelde kein Auslangen finde, um sechzehntausend von allem Besitz entblößter Flüchtlinge nach Ameriür zu expediren und etwa zwölftausend nach Rußland zu repatriiren, versammelte die Allianz nach Wien Vertreter' der Pariser, Londoner, Berliner und Leipziger Hilfscomites, welche zu obigen Zwecken zusammen eine Million Francs votirten. Die Wiener Allianz stand damals auf der Höhe ihrer Aufgabe, die sie wacker löste und so für alle Zeiten ihre Existenzberechtigung darlegte. Die geringere Theilnahme ist somit ganz ungerechtfertigt und blos der Ausfluß vornehmer Jgnorirung oder engherziger Indifferenz. Eine Institution, die an ihre Mitglieder den geringen Anspruch von fl. 3 jährlich stellt und dabei nicht blos humanitäre, sondern auch culturelle Zwecke verfolgt, zählt in einem Staate in dessen Hauptstadt allein 118.000 und in dessen östlichem Theile 800.000 Juden leben, blos 3000 Mitglieder. Ist dieß kein Armuthszeugniß für unsere Verhältnisse, für unfern Gemeinsinn, unsere Zusammengehörigkeit? - Allerdings ist nicht alle Schuld der jüdischen Bevölkerung allein zuzuschieben; die Allianz selbst muß schon einen Theil derselben auf eigene Rechnung nehmen, wenn ihr Dasein und ihr Wirken nicht in die große Masse des Volkes gedrungen und ihre Popularität nicht eine breitere ist. Aus Furcht, oben oder seitwärts anzustoßen, blieb sie in der unglückseligen Periode des Antisemitismus gegenüber den flagrantesten Ungerechtigkeiten gegen Juden, passiver Zuschauer. Es gab und gibt doch täglich Anlaß genug, die Centralstellen gegen die unteren Behörden, die Bischöfe gegen die Pfarrer, die gebildete Bevölkerung gegen die Roheit eines Bruchtheiles, die anständige Presse gegen die nichtswürdigen Auswüchse derselben anzurufen; gegen die Vergewaltigung der Staatsgrundgesetze zu protestiren und die vielfältig entweihten Menschenrechte der österreichischen Juden an entscheidender Stelle zu schützen — es wäre kaum erfolglos geblieben, wenn die social hochstehenden und einflußreichen Männer, welche an der Spitze unserer Allianz stehen, oben, ganz oben, unerschrocken für ihre drangsalirten Brüder eingetreten wären, statt das Uebel unthätig wachsen zu lassen. Die Leitung der^ Allianz hätte sich als den berechtigten und verpflichteten Anwalt, als das Präsidium der gesammten Juden ansehen und darnach Vorgehen, sollen. Auf die jüdischen Reichsboten ist kein Verlaß; sie sind nicht selbstständig, sie stehen unter der Disciplin des Polenclubs, unter dem Terrorismus der polnischen Blätter. Diese Herren werden den Reichsrath nicht allarmiren, und ohne Genehmigung des Clubs nicht einmal bei den Ministern antichambriren! Es bliebe uns demnach blos die Allianz als Sachwalter und wahre Volksvertretung. Wird dieselbe ihre Aufgabe so erfassen, so wird die Zahl und die Qualität ihrer Mitglieder rasch zunehmen und sie dadurch eine imposante Bedeutung gewinnen. Niemand bleibt dann zurück, wo es gilt, hinter der Allianz zu stehen, sie in ihren Bestrebungen moralisch und pecunär zu unterstützen, die Gemeinbürgschaft und Jnteressensolidarität zu manifestiren und unserr Gegnern darzuthun, daß ein unlösliches Band die Juden alle» Kronländer vereint, mögen sie deutsch oder slavisch sprechen, das Band der Bruderliebe! Teplitz, Ende 5658. Leo Herzberg-Fränkel. Statistik über die Juden in Wien. Von Dr. Arnold Ascher. (Schluß.) Als Beitrag zu der gegenwärtig beabsichtigten Stellenvermittlung sei angeführt, daß das städtische Lehrlingsstellen- Nachweiseamt, welches im Jahre 1896 217 Lehrstellen vermittelte, nur 2 jüdische Lehrlinge unterbrachte; der Centralverein für Lehrlingsunterbringung vermittelte unter 5014 Stellen 124 an jüdische Knaben der Centralverein für Vermittlung von Lehrstellen an Mädchen, von 160, 6 an jüdische Mädchen. Rühmlichst muß des im Jahre 1840 gegründeten Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten gedacht werden. Zu Ende des Jahres 1896 standen 754 Lehrlinge in seiner Obhut; die Ausgaben des Vereines betrugen fl. 35.014-71; von ihm wurden untergebracht Lehrlinge: Bäcker 6 Bildhauer 4 Buchbinder, Cartonnagewaarenerzenger 26 Buchdrucker und Schriftgießer 6 Bürsten- und Pinselmacher 2 Drechsler 14

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