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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-09-23 · 38 (23.9.1898) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
38 (23.9.1898)
Date
1898-09-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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S5B3S5 Nr. 38 Dr. Bloch’s Jahrgang XV. Centralorgan für die gefammten Interessen des Iudenthums. -8 K. k. Postspsrkswen-Amt Eteartngverkrtzr Ar. 610.976. Aedsrlion und Administration: »trn u . 1 ' 'r>, 1 , , j'jtjrf’» >fc Telephon - Nr. 6535. » - -* m= Wien, 23. September 1898. Erscheint jeden Freitag. ->. ■» «. - Brief-Adresse: Wien, L, Hauptpostamt — Fach. Telegramm-Adresse: JBlodi’ä WoAenWitHt Bf|ugaor*ta füt Orstrrrrich Halbjährig 4 ff. «= 8 jtr, Einzelexemplare 8» kr. Nr'» Ausland: halbjährig 8 fl. — 10 Stv. ganzjährig 10 „ 10 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 12 kr. f Inhalt. Leitartikel: Für die Zukunft unserer Kinder! — Die österreichische Mianz. — Statistik über die Inden in Wien. — Ein Sonnenstrahl am Horizont. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Vom „Jüdischen Museum". Israelitisches Altersversorgungshaus. Der nächste Zola-Proceß. Die jüdischen Gefangenen in Omdurman. Der ungesetzliche Schulerlaß. Der Proceß Picquart. Goethe über Mendelssohn-Bartholdy. Der Restaurateur des Schachclub. — Trauerkundgebungen für die Kaiserin. — Corres pondenzen: Eine Kaiserin Elisabeth-Stiftung der israelitischen Cultusgemeinde in Wien, Wien, Lundenburg, Budapest, Amsterdam, Salonichi, Pretoria. — Vermischtes: Wien, Prag, Budapest, Reichenberg. Berlin. — Feuilleton: Der Letzte. — Literatur. — Briefkasten. Für die Zukunft unserer Kinder! Der Erlaß des Wiener Bezirksschulrathes, welcher durch ein Hinterthürchen die confessionelle Schule einschmuggeln will, ist vorläufig noch immer in Kraft, und die Schulleitungen richten sich bereits nach demselben, indem sie ausschließlich jüdische Parallelclassen zusammenstellen. Der Vorstand der Wiener Cultusgemeinde, der hiezu vor Allem berufen erscheint, hat aus gesetzlichen und zum Theile auch pädagogischen Gründen gegen die Durchführung des Erlasses Schritte unternommen. Es sind — wir möchten sagen — Erwägungen der Staatstreue, welche hiebei den Cultusvorftand leiteten. Politische Vernunft und patriotisches Gefühl lehnen sich dagegen auf, daß durch den einfachen Beschluß einer localen Schulbehörde das in der Verfassung und im Reichsvolksschulgesetze ausgesprochene Princip der Juterconfessionalität der Schule durchbrochen werden könne. Mitbestimmend ist ferner die Sorge, daß durch die Trennung der christlichen von den jüdischen Kindern die jungen Seelen schon im zartesten Alter vom Racenhasse vergiftet würden. Ob es einem Staate, dessen Existenz von dem friedlichen Beisammenwohnen zahlreicher Volksstämme abhängig ist, frommen kann, wenn schon im frühen Kindesalter die Racenfeindschaft in den Schulen gezüchtet wird, bedarf keiner weiteren Erörterung; das ist gewiß nicht der Weg zu jener „Liebe und Eintracht", von welchem das jüngste kaiserliche Manifest als der Grundbedingung des Gedeihens und Glückes der Völker spricht. W das müßte man sich freilich mehr im Schooße der Staatsregierung, als im Schooße der Judenschast vor Augen halten. Will man die confessionelle Schule, dann mache man sie ehrlich und offen durch ein Gesetz, und man mache sie ganz und voll. Weit entfernt, die confessionelle Schule zu fürchten, ziehen wir Juden dieselbe der interconfessionell drapirten antisemitischen Schule vor. Soll die Trennung erfolgen, dann sei sie eine vollständige, dann gebe man uns das Recht zurück, unsere guten alten Judenschulen mit jüdischen Lehrern wieder zu errichten und sie in unsere eigene Verwaltung zu nehmen. Unsere Kinder können nur dabei Profitiren. Wir werden die Letzten sein, zu verhindern, daß unsere christlichen Mitbürger sich ihre Schulen nach ihrer Fayon einrichten, daß sie dieselben unter weltliche oder geistliche Aufsicht stellen, daß sie die Lehrpläne nach den Bedürfnissen der modernen Entwicklung oder nach den Anforderungen der Kirche feststellen. Wohl aber werden wir in unseren Schulen unsere Kinder nach jenen Grundsätzen erziehen, die wir für ersprießlich erachten, um sie zu tüchtigen, charakterfesten, für den Kampf um's Dasein gestählten Menschen zu erziehen. Dagegen aber müssen und werden wir uns mit aller Kraft wehren, daß man die Trennung durchführt, den jüdischen Kindern aber antisemitische Lehrer gibt. Darauf ist es in dem Erlasse des Wiener Bezirksschulrathes abgesehen, und gegen diese ausgesuchte Bosheit, welche uniere Kinder dem Spott und Hohne gewissenloser Seelenverderber aussetzen würde, werden wir alle gesetzlichen Mittel in Anwendung bringen. Nicht nur aus erziehlichen, sondern auch aus hygienischen Gründen ziehen wir die rein confessionelle Schule dem heutigen Zustande vor. Der dunkle Ehrenmann von Mühldorf erzählt seinen Lehrern, daß die christlichen Kinder neben den mit übelriechenden Krankheiten behafteten „Judenkindern" sitzen müssen. Das glaubt nur der dümmste Kerl von Wien. Die Juden sind das Volk der Hygiene katexochen. Sie haben die Grundsätze der modernen Hygiene schon vor Jahrtausenden in Anwendung gebracht, und nirgends sind dieselben rationeller durchgeführt als in den Schulen der mährischen Judengemeinden. Wie weit aber die Volksschulen der Wiener antisemitischen Gemeindeverwaltung hinter den primitivsten hygienischen Anforderungen Zurückbleiben, das lehren die zahlreichen epidemischen Erkrankungen, welche in diesen Schulen Vorkommen. Die Zahl der Schulen genügt in keiner Weise dem mächtig gesteigerten Bedürfnisse und die Classen sind daher fast durchwegs überfüllt. Statt für neue Schulen verwendet man die Steuergelder für die Subventionirung clerical-antisemitischer Corporationen. Man lasse uns unsere Schulbücher, man gebe uns die Judenschule und es wird sich dann zeigen, wo die hygienische Fürsorge eine größere sein wird. Von dem verletzten Bewußtsein der staatsbürgerlichen

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