Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-09-16 · 37 (16.9.1898) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
37 (16.9.1898)
Date
1898-09-16
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3021223-3021261--08162-3032527
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 686 Dr. Bloch'» Wochenschrift Nr. 37 der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde zweimal wöchentlich, Montag und Donnerstag, arme Curbedürftige mit Geldgaben unterst^t und hiedurch viel zur Linderung ihres Elends beigetragen. Brünn. Zweite Liste der Beiträge zum Kaiser-Jubiläums-Pensionsfonde für die israelitischen Cultus-Angestellten in Mähren respective deren Witwen und Waisen. Die Cultusgemeinden Bisenz, U.-Brod, U.-Hradisch je 100 fl., Herr H. Kuffner, Bürgermeister in Lundenburg 100 fl., Cultusgemeinde Hotzenplotz 25 fl., Kanitz 20 fl., Sammlung in Austerlitz 15 fl. Die geehrten Gemeinden und Wohlthäter werden ersucht, ihre Beitrüge und Spenden ehestens dem Curatorium des mährischjüdischen Landesmaflafonds zu übersenden. Damboritz. Diese Woche reiste der bisherige Leiter der deutschen Volksschule, Herr Lehrer Max Strebinger von hier ab, um seinen neuen Dienstposten in. Lomnitz anzutreten. Herr Strebinger hat sich hier die Liebe seiner'Schüler und die Sympathien seiner Freunde im vollsten Maße erworben. Prag. (Ehrun g.) Der Verein zur Ausspeisung israelitischer Mädchen in Prag hat die Frau Clara von Hirsch-Gereuth in Paris, die dem Vereine und seinen Bestrebungen ihre Gewogenheit besonders durch die munificente Spende von 500 fl. erwiesen hat, zum ersten Ehrenmitgliede des Vereins ernannt. Ferner wurde beschlossen, die Dame um die Ueberlassung ihres Bildnisses behufs Anbringung im Sitzungssaale des Vereins zu ersuchen. Bielitz-Biala. (JsraelitischerFreitis ch verein.) Das am 1. September eröffnete Local des neubegründeten israel. Freitischvereines besteht aus zwei Zimmern. Die Einrichtung ist nach dem Borbilde des Brünner Freitischvereines, welchem auch die Geschäftsordnung und die Jnspection nachgeahmt worden sind. Wie in der gründenden Versammlung des Vereines beantragt wurde, sind der Jnspection auch Damen zugezogen worden, und sie wird täglich von einer Dame und einem Herrn versehen. Krakau. Als Mitglieder für. Galizien wurden, wie zur Richtigstellung constatirt wird, in das Zionistische Actions- Comite folgende Herren gewählt: Julius S ch ö n w e t t e r in Krakau, Dr. Samuel Schur, Chemiker in Stanislau und Dr. Salomon Rosenheck, Arzt in Kolomea. Kapstadt. Eine neue jüdische Gemeinde ist dieser Tage in Kronstadt im Orange Freistaat gegründet worden. London. Dienstag, den 5. August verließen 15 jüdische Familien mit 70 Seelen London, um sich nach der neuen, jüdischen Colonie in Cypern zu begeben. London. Das „Jewish Chronicle" berichtet über eine kleine 1893 gegründete Stadt „Zangwill." Der kleine Ort liegt in dem Territorium Oklahama und wurde 1893 von einem gewissen Frank W. Andersen in das Leben gerufen. „Zangwill" ist 310 engl. Meilen südwestlich von Cansas City und 14 engl. Meilen von dem Hauptort der Grafschaft „Enid" entfernt. London. Die jüdische Freischule hat einen schweren Verlust erlitten; ihr langjähriger Vorsteher Moses Angel ist am 2. September nach längerer Krankheit gestorben. Er war 1817 geboren, also 61 Jahre alt und seit 58 Jahren Vorsteher der jüdischen Freischule, die er aus verhältnißmäßig kleinen Anfängen zu der größten Schule der Welt entwickeln hals. Coustantinopel. Herr Leon Piperno, der Ehrensecretär der italienischen Gemeinde in Coustantinopel, hat von dem Sultan den Osmaninorden erhalten. Rom. Unser Glaubensgenosse, der Unterstaatssecretär der Finanzen, Leone W o l l e n b e r g hat am 30. August vom Könige das Commandeurkreuz des Ordens der ttalienischen Armee erhalten. Sein Vorgesetzter, der Jinanzminister C a r c a n o beglettete diese Verleihung mit einem höchst schmeichelhaften Briefe für den verhältnißmäßig noch sehr jungen Beamten. Nen-Süd-Wales. Bei den letzten Wahlen zum Parlament unserer Colonie wurde in Petersham, einem Vorort von Sidney, Mr. John I. Cohen gewählt. Der neue Abgeordnete hat eine interessante Carriere hinter sich; er war erst Baumeister, da er aber als solcher nicht recht vorwärts kam, sattelte er um, studirte Jura und ist jetzt ein gesuchter Anwalt. Feuilleton. Der Letzte. Erzählung von S. K o h n. Verfasser von „Gabriel". (Fortsetzung.) Sech st es Capitel. Es ist spät Nachmittag und Claudy Rodler ist von seinem Knechte Mathes begleitet, vom Felde in seine Wohnstube gekommen. Er wirst sich ermüdet in einen alten Lehnstuhl, der schon durch eine lange Reihe von Jahren den Rodlerhofbesitzern gedient hatte. Rodler ist etwa achtunddreißig Jahre alt und war bis vor wenigen Wochen, bis zu dem Lebensende seiner Frau ein starker, stattlicher Mann gewesen. Er schien sich den plötzlichen und furchtbaren Tod seiner Frau sehr stark zu Herzen zu nehmen. Er war in wenigen Wochen bis zur Unkenntlichkeit verfallen. Er mied den Anblick Fremder, als würde er durch diese an sein zerstörtes Lebensglück erinnert. Während er früher stets mit Lust und Liebe bei der Arbeit war, bekümmerte er sich jetzt fast gar nicht um die Bewirthschaftung seines umfangreichen Besitzes und überließ Alles seinem Großknecht Mathes. Dabei war er das geworden, was man jetzt als nervös bezeichnen würde, was aber die Dorfleute damals „schreckhaft" nannten. Das geringste Geräusch machte ihn erbeben; wenn Jemand unerwartet die Zimmerthüre öffnete, fuhr er zusammen und sein Jähzorn — er war in der ganzen Gegend als ein gefälliger höflicher, aber auch als auffahrender Mann bekannt — hatte sich noch wesentlich gesteigert, und Mathes hatte von seinen Launen und seiner Heftigkeit viel zu leiden. Trotz alledem ließ es der treue Knecht an tröstendem Zuspruche und freundlichem Rathe nicht fehlen. „Schau Bauer?" sagte er auch jetzt zu ihm in dem Diaalecte, wie er in der Nähe der bairischen Grenze, und zwar in den verschiedenartigsten Nuancen vorherrscht, und den wir, wenn wir den Lesern verständlich bleiben wollen, nur leicht andeuten; nicht aber lautgetreu wiedergeben können. „Glaub mir's, Du bist fein krank, leicht') is Dein Blut dick und schwarz waurn -), vor lauter Kümmerniß und Kränkerei um Dein' Bäuerin! Aber schau Bauer! wenn auch Du fein krank wirst, dormit wird Dein Weib nöirt lebendig! Folg' fein mein Roath — ich moans ja gut mit Dir, ich lauf Dir um den Dr. Wallbruck .... er is eigentlich wie man zu sagen pflegt ein Lump; — aber das muß man ihm lassen, geschickt ist er wie. wie . . . ." und nachdem Mathes eine Zeit lang vergebens nach einer hervorragenden medicinischen Capacität gesucht, ergänzte er, „wie der Teufel! — wenn man ihm fein gut zahlt, curirt er auch fein gut!" „Laß mich in Ruh' Mathes!" schrie der Bauer, mit der Faust auf den Tisch schlagend, „ich bin gesund, mir fehlt nix!.. ich will keinen Doctor — und den Wallbruck schaut gar nöat! — den am Allerwenigsten", stieß er nachträglich mit gesteigerter Bitterkeit hervor; nach einer kurzen Pause aber fuhr er viel ruhiger fort: „Woaßt warum den groad am allerwenigsten? — weil er ein Geldfresser is, gerne die Kranken lange im Bette hält, um fein auch lange Rechnungen schreiben zu können." Nach einer kurzen Pause schienen seine Gedanken aber wieder eine andere Richtung zu nehmen, es schien ihn bezüglich des Dr. Wallbruck doch eine mildere Anschauung zu überkommen und er fuhr wieder fort: „Aber leicht thu' ich dem Wallbruck unrecht, er is im Ganzen doch fein ein braver Moan! .... Daß man ihm nachsagt, er hätt's Geld zu gerne, wird sein auch nur Plauscherei und leeres Geschwätz sein — Teufel auch! wer kann das wissen? — ich goar nöat — wie sollt' denn groad ich's wissen?!" er lachte gezwungen. Mathes blickte bestemdet auf; der Bauer hatte seit dem Tode seines Weibes nicht gelacht und der Ausbruch seiner Heiterkeit paßte weder zu seinen Worten noch zu seiner Sttmmung; die schlug auch sofort um, denn er fuhr fort: „Mathes, Du bist ein treuer Mensch und meinst mir's gut — aber mit meinem Lebensglück is es sein aus... seit . . . jener Nacht." ') vielleicht. -) worden. 3) schon.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.