Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 37 (16.9.1898)
- Date
- 1898-09-16
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021223-3021261--08161-3032526- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 37 Dr. Bloch'» Wochenschrift SeUe 685 fiten aus allen Ländern der Welt sind hier zusammengeströmt und natürlich haben sich auch verschiedene Congregationen gebildet, in denen sich die Landsmannschaften zusammenfinden. Sv besteht hier die Officin Congregacion Israelita de la Rebuplica Argentine, in der die deutschen und französischen Juden wohnen, ferner die saphardische Congregacion Israelita Latina und dann vor allen die Gemeinden der russischen Israeliten, die eine compacte Masse von circa 490 Familien bildet. Die meisten von diesen sind erst in den letzten drei Jahren nach Buenos Ayres gekommen und haben hier eine Anzahl von Industrien eingcführt, die vorher in Argentinien unbekannt waren. So ist die Fabrication von Herrenkleidern, Hüten, Posamenten, Stickereien Seife u. s. w., erst durch diese Einwanderer ermöglicht worden. Auch eine große Anzahl von wackeren Handwerkern sind unter diesen vertreten, Metallarbeiter, Schneider, Schuster rc., einige haben sich mit der Weinbereitung in der Provinz Mentoza beschäftigt und haben sehr gute Erfolge erzielt. Philadelphia. Ueber den Heldentod eines jüdischen Soldaten im spanisch-amerikanischen Kriege wird aus dem Fort Mc Pherson berichtet: Dort fiel am 1. Juli Charles D. Jacob firn, vom ersten Cavallerieregiment, als er den Sergeanten seiner Truppe, Namens Barry, welcher durch die spanischen Scharfschützen verwundet worden war, aus der feindlichen Schußlinie tragen wollte. Vier Abtheilungen des Regimentes lagen etwa eine halbe Meile von San Juan entfernt hinter einer Umwallung; dort war auch die schwere Artillerie postirt, um die an Santiago heranrückenden Truppen zu decken. Sie warteten noch auf das Commando, als ein Beobachtungsballon sich gerade in ihrem Bereich niederließ und das Feuer der spanischen Scharfschützen und der leichten Artillerie auf sich zog. Der erste Sergeant Barry, der auf der Nmwallung stand, wurde verwundet, und als Jacob sah, daß dieser getödtet werden würde, wenn er nicht sofort Deckung erhielte, lief er sofort vorwärts, um ihn aus der feindlichen Schußlinie zu tragen. Hiebei wurde er durch ein Shrapnel am Kopfe verwundet und sofort getödtet. Jacob wurde 9 Meilen von El Caney begraben, zwischen El Caney und San Juan. Er war der Sohn jenes Charles D. Jacob, der viermal Bürgermeister in Louisville war. — Es ist bekannt, daß Rev. Dr. Josef Krauskopf in Philadelphia als Hilfscommissär der Vereinigten Staaten nach Cuba geschickt wurde. Eines Tages, es war am 24. v. M., trat der Capitän des Schiffes an ihn mit der Bitte heran, den nächsten Sonntagsgottesdienst abzuhalten. Dr. Krauskopf lehnte zunächst ab und nahm erst auf wiederholtes dringendes Bitten des. Capitäns an. Am nächsten Sonntag versammelte sich die ganze Schiffsmannschaft, 1030 Marinesoldaten und Passagiere, in der Schiffskapelle, und der Rabbiner von Philadelphia hielt den Gottesdienst ab, zum Theil aus dem Gebetbuch der jüdischen Gemeinden Amerikas und mit den von der „Hilfscommission" vvrgeschriebenen Hymnen. Dann hielt er die Predigt, die allgemeinen Beifall fand. Unter der Schiffsmannschaft waren im Ganzen nur vier Juden. In der That eine interessante Episode aus diesem Kriege: Ein Rabbiner hält den Gottesdienst vor einem nichtjüdischen Auditorium auf einem Kriegsschiffe der Vereinigten Staaten, angesichts der Küste von Cuba, im Carabischen Meer auf Befehl eines nichtjüdischen Schiffscommandeurs ab! Dr. Krauskopf schließt seinen Bericht über diese Episode mit den Worten: „Ich nehme die Ehre in Anspruch, den ersten jüdischen Gottesdienst auf Cuba abgehalten zu haben!" Vermischtes. Wien. Der T r a u e r g o t t e s d i e n st der israelitischen Cultusgemeinde in Wien für weiland Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Elisabeth findet Montag den 19. September d. I. im Stadttempel um 5 Uhr Nachmittags, und im Leopoldstädter Tempel um halb 7 Uhr Abeuds statt. Der Politische Volksverein, eine solenne Trauerkundgebung seiner Vollversammlung vorbehaltend, hat zunächst durch seinen Präsidenten, Herrn Dr. F i a l l a, die nachfolgende Condolenzäußerung telegraphisch au Seine Excellenz den Herril Statthalter Grafen Kielmausegg gerichtet: „Das Präsidium des Politischen Bolksverein es in Wien, Schottenring 23, unterbreitet Namens der Gesammtheit seiner zahlreichen Bereinsmitglieder Euer Excellenz den Ausdruck des schreckerfüllten Abscheues über die verruchte Missethat, durch welche unser erhabener Kaiser seiner hoheitsvollen Gent a l i n, höchstdessen Thron dieser ebleu Huldgestalt, die tieftrauernden Völker ihrer leidensreichen, allgeliebten L a n desmutter und die gesammte Menschheit des idealsten Frauenbildes grausam, heimtückisch, erbarmungslos beraubt worden sind. Wir flehen zum Himmel um gnadenreiche Tröstung und Erhebung unseres allzuschwer heimgesuchten Monarchen, und bitten Euere Excellenz diese unsere ehrfurchtsvolle Trauerbezeugung an die Stufen des Allerhöchsten Thrones gelangen lassen zu wollen. Politischer Bolksverein. Dr. Hermann Fialla, Präsident. Consul Arnold Marek und Heinrich T e l t s ch e r, Bicepräsidenten. Dr. Marcell Ho ff manu, Schriftführer." Wien. (Die „O e st err ei ch is ch - Jsr ael iti s ch e Uni o it",) richtet an alle Glaubensgenossen, welche den „U n i v n- Kalender" pro 1898 99 bezogen, den Preis für denselben jedoch noch nicht entrichtet haben, die dringende Bitte, den entfallenden Betrag von fl. —'70 so rasch als möglich mit Hilfe des jedem Kalender beigelegten Postsparcaffe-Erlagscheines einz uz ah len, da aus der Verzögerung der Einzahlung dem Vereine namhafte Kosten und Schwierigkeiten erwachsen. Wien. (K u n d m a ch u n g.) Die Einschreibungen für Volks-, Bürger- und Mittelschüler in die von der hohen niederösterreichischen Statthalterei concessionirten Privatbibelschule im XVM. Bezirk Währing, Schopeuhauerstraße -39, finden vom 19. September 1898 an täglich in der Gemeindekanzlei während der Amtsstunden, d. i. von 10—12 Uhr Vormittags und von 3—5 Uhr Nachmittags statt. Zugleich wird bekannt gegeben, daß an dieser Anstalt ein separater Wiederholungs-Unterricht für Mittelschüler (Real und Gymnasium) ertheilt wird. Bemittelte zahlen sehr geringes Honorar, Unbemittelte erhalten den Unterricht gratis. Beginn des Unterrichtes am 28. September 1898. Wien, am 11. September 1898. Der Obmann des Bibelschul-Comites: E m a n u e l H o f f m a n u. Wie». (Verlobung.) Die Tochter des verdienten Tempelvorstandsmitgliedes in Währing, Ignatz K a tz, hat sich mit Herrn Emil Hoffmann, Kaufmann in Wien, verlobt. Wien. (Spenden) für die geplünderten Juden in Galizien sind uns zugekommen von Herrn Adolf Singer in Rican, Schwarzkircheu, 5 fl. Herrn I. S. Straßberg, Realitätenbesitzer in Wien 5 fl. Herrn David Kohn, Wien, Holzhändler 5 fl Wien. Zu denen, die auf die Jubiläumsmedaille Anspruch, haben, gehört auch der Religionslehrer der Cultusgemeinde, Herr Aron Schnürmacher, der seit dem Jahre 1854 als Lehrer wirkt und bereits im Jahre 1876 für seine Verdienste um die Schule von Sr. Majestät dem Kaiser mit dem silbernen Verdienstkreuz mit der Krone ausgezeichnet wurde. Die Musikschule Morini, der es durch Gewissenhaftigkeit im Unterrichte auf jeglichem Gebiete der Musik, gelungen ist, sich zu ihrem jetzigen Ansehen emporzuschwingen, sah sich neuerdings genöthigt, in Anbetracht der stets zunehmenden Schülerzahl, 6. Bezirk, Mariahilferstraße 76 (im Kaiserhof), eine zweite Musikschule ins Leben zu rufen. Es soll hiedurch in erster Linie jenen Zöglingen gedient sein, welche aus äußerst gelegenen Bezirken die Musikschule besuchen. Die Einschreibungen für beide Institute, 11., Taborstraße 11b und VI., Mariahrlferstraße 76 (im Kaiserhof) finden täglich statt. Baden. Unser israelitischer Frauen-Wohlthätigkeits-Verein hat im Laufe dieser Sommersaison auf dem ihm zugewiesenen Gebiete der Wohlthätigkeit Großes und Ersprießliches geleistet. An jedem Montage uttterzogen sich, von dem Beirathe unterstützt, die Damen aus dem Präsidium der schweren, aber verdienstlichen Aufgabe, und sie ist, hauptsächlich für Frauen, keine kleine. Kommen doch aus allen Theilen der Monarchie, und nicht in kleiner Anzahl, Curbedürftige nach Baden, welche aller Mittel bar und nur auf fremde Hilfe angewiesen sind. Und unser für das Elend dieser Armen warm fühlendes Präsidium sah sich daher veranlaßt, tief in den Säckel zu greifen, um den vielen und dringenden Anforderuitgen gerecht zu werden. Dieser Verein darf des Dankes und Vertrauens aller Gut- und Edelgesinnten sicher sein. Ebenso hat der Vorstand