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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-09-16 · 37 (16.9.1898) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
37 (16.9.1898)
Date
1898-09-16
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 37 Vr. Bloch's Wochenschrift Seite 683 seiner Wirksamkeit nach Berlin und hier glückte es ihm, in Prof. Förster einen neuen Helfer zu gewinnen, der gleich ihm vom Vereine bezahlt wurde. Mit großem Eifer, aber mit noch größeren Phrasen ging man an die Wahlarbeiten, aber der Ausfall dieser Wahlen brachte eine herbe Enttäuschung. Prof. Förster verlor das sichere Mandat in Neustettin, Mosch vermochte es in keinem Wahlkreis auf eine nennenswerthe Zahl von Stimmen zu bringeil. Diesem Mißerfolg folgt nun die Revolution in den Reihen der „freiheitlichen Antisemiten". Der „Germanische Volksbund" hat sich aufgelöst, Mosch klagt gegen 6 Vorstandsmitglieder desselben wegen Verleumdung und ist gemeinsam mit Prof. Förster bemüht einen neuen Verein zu schaffen. Bisher scheinen aber die Herren keinen Erfolg damit zu haben. Auch Ahlwardt hat Grund, unzufrieden zu sein, denn seine Reden tragen ihm jetzt sehr wenig ein, da das Publicum seine Schaulust an ihm befriedigt hat, mit seinen Geschäften hat er ebensowenig Glück, denn das letzte derselben ist kürzlich geschlossen worden, nachdem eine Pfändung resultatlos verlaufen ist. Vielleicht reist Ahlwardt wieder nach Amerika. Berlin, 5. September. (Bon derjüdischenBolksküche.) Die jüdische Volksküche in der Gormannstraße ist bis auf Weiteres für nichtjüdische Besucher geschloffen worden. Der Vorsteher der Anstalt hat sich hiezu veranlaßt gesehen, weil radaulustiges Gesindel sich dort seit einiger Zeit zusammengefunden hatte, das arge Ausschreitungen beging. Dieselbe traurige Ursache hat vor einiger Zeit die Schließung der von dem Verein Berliner Volksküchen von 1866 in der Andreasstraße eingerichteten Küche erzwungen. Während ihres sechsjährigen Bestehens hat die jüdische Volksküche 3,744.144 Portionen verabfolgt, wovon 2,677.533 für 5 Pfennig und 382.732 unentgeltlich ausgereicht wurden. Königsberg in Pr., im September. Große Bestürzung in den Kreisen der in großer Zahl hier ansässigen russischen und galizischen, jüdischen Commissionäre hat das Bekanntwerden einer Verfügung des hiesigen königlichen Regierungspräsidentelk hervorgerufen. In dieser wird der hiesige Börsenvorstand aufgefordert, über die Zahl dieser Commissionäre, die Art ihres Geschäftes, den schätzungsweisen Verdienst, den sie erreichen, und über deren sonstige Lebensumstände alsbald an die königliche Regierung zu berichten. Man greift wohl kaum fehl, wenn man dieses Vorgehen mit einer Reihe an anderen Orten verfügten Maßnahmen zusammenbringt, welche den Ausbau des Systems des Schutzes deQ nationalen Arbeit dadurch zu fördern unternehmen, daß sie lebensfähige, werthschaffende Existenzen zu Gunsten lebensunfähiger vernichten. Nirgends so wie gerade hier bietet sich dem objectiven Politiker die Gelegenheit zur Erkennt»iß, daß Werthe schaffen nicht deren bloße Production, sondern erst deren Ueberführung und Einreihung in den Verkehr des Weltmarktes heißt. In diesem Sinne erfüllen die gedachten Commissionäre durchaus den Beruf, nationale Güter zu schaffen, und es wäre nicht nur in ihrem Interesse, sondern mindestens ebenso für die ökonomische Blüthe unseres auf den Auslandsverkehr hingewiesenen Geschäftslebens zu bedauern, wenn, wie befürchtet wird, die angestellte Enquete zur Beschränkung der Bewegungsfreiheit dieser rührigen Geschäftsleute Stoff und Grundlage bieten sollte. Mainz. (Thronbesteigung der Königin W i lh e l m i n e von Holland.) Ganz Holland ist nach den Berichten aus den Niederlanden in einem wahren Festjubel, mit welchen die Thronbesteigung der jugendlichen Königin W i lh e l m i n e begangen wurde. Auch die Juden haben alle Ursache, in die Begeisterung für Holland und seine junge Königin miteinzustimmen. Während die Juden überall anderswo entweder gar nicht geduldet wurden, oder als eine ausgestoßene Kaste in abgesonderten Gassen wohnten und ihren Gottesdienst nur in unscheinbaren, versteckt liegenden Localen abhalten durften, wurde ihnen in den Niederlanden ungehinderte Belegung in Handel und Verkehr und freie Religionsübung gestattet. Die Capitalien, welche die Maranen allmälich nach Amsterdam brachten, kamen dem ganzen Lande zu statten. Erst dadurch lvaren die Holländer im Stande, den Grund zu ihrer Größe zu legen, indem sie den indischen Handel den mit Spanien in einer Mißehe verbundenen Portugiesen entrissen. Die Krönungsfeier wurde innerhalb der Neuen Kirche in Amsterdam vollzogen. Bon einer wirklichen Königskrönung kann nach der niederländischen Verfassung nicht die Rede sein; geistliche oder weltliche Functionen dieser Art sind ausgeschlossen. Aus der Thatsache, daß die officielle Einführung oer Königin in die Regierung in einer Kirche stattfand, darf man keine Schlüsse ziehen; die neue Kirche, in Wirklichkeit sehr alt, hat keinen religiösen Act gesehen, sie wurde gewählt. weil sie den größten Raum bietet; die Gleichberechtigung derConfessivlien verbietet einen A c t d u r ch den p r o t e st a n t i s ch e u Geistlichen. Neben den protestantischen Pastoren erschienen auch die katholischen Bischöfe und die Rabbiner eller großen holländischen Gemeinden in der Kirche, die bei dieser Gelegenheit. ebenso wie ihre nichtjüdischen College», reichlich mit Orden bedacht wurden. Straßburg, 8. September. Heute Nachmittag fand die Einweihung der neuerbauten Synagoge statt. Tie amtliche Eorrespondenz berichtet über den Bau: Das schon vor 1870 hervorgeiretene Bedürfnis; nach einem größerem Gotteshaus an Stelle des im ältesten und engsten Stadttheil gelegenen Tempels, wurde mit dem ungeahnten Aufschwung Straßburgs, dessen Bevölkerung sich seit jenem Jahre ja nahezu verdoppelt hat, für die israelitische Eultusgemeiude, die heute 4100 Seelen zählt, zu einem unabweisbaren. In den achtziger Jahren wurde dem Gedanken eines Neubaues näher getreten, woran sich Verhandlungen mit dem hervorragenden Architecten Professor Levy in Karlsruhe knüpften, der bereits einige größere Synagogenbauten ausgeführt hatte. Im Jahre 1889 legte er die ersten Skizzen vor, die im Allgemeinen auch die Grundlage für den jetzt vollendeten Prachtbau gebildet haben, bei dessen Ausführung Professor Levy die Oberleitung in der Hand behielt. Die neue Synagoge, welche unter den zahlreichen in den letzten Jahrzehnten in Straßburg entstandenen öffentlichen Bauten einen ganz hervorragenden Platz einnimmt, erhebt sich am Kleberstaden des Stadtgrabcn-Eanals in der Nähe des zur Markthalle umgewandelten alten Bahnhofs. Tie Lage ist eine freie und für den Gesammteindruck günstige. Der Bauplatz, auf dem früher der vordere Theil der alten 'Zollhalle stand, wurde von der Stadt gegeben, die außerdem einen Z u s ch u ß von 200.000 Mark zum Banfonds beisteuerte. Der Vorlage der Regierung entsprechend, bewilligte der Landesausschuß einen Beitrag von 60 000 Mark. Im Juli 1895 wurde mit der Filndamentirung begonnerr imb am 9. April des folgenden Jahres erfolgte die Grundsteinlegung. Dem 'Architecten Zeime für PH. Holzm a n u und dem Baumeister Singrün für Profefsor Levy, lvaren insbesondere Ausführung und Leitung des Baues übertragen. Dieser ist in den edlen Formen des romanischen Stils gehalten, wie er in solcher Vollendung und Reinheit bei anderen modernen Bauten wohl noch nicht häufig zum Ausdruck gelangt ist. Als Baumaterial diente hellgrauer, sorgfältig ausgewählter Vogesensandstein. Im Aenßern wie im Innern ist reiche, streng stilisirte Bildhauerarbeit angebracht, ausgeführt von den hiesigen-Bildhauern Rie gger und M a r z o l s f. Sehr schön ist auch die von P u l und Wagner in Rirdorf bei Berlin hergestellte Glasmosaik. An den Glasmalereien sind Gebrüder O t t hier, die Professoren Geiger- Freiburg und L i n n e m (um - Frankfurt, Wilhelm Schell - Offenburg und Trinneberg -Karlsruhe beteiligt, wie den überhaupt die Zahl der Künstler und Kunstgewerbetreibenden, die nnt der Ausführung und Ausschmückung des Baues zu thun hatten, eine sehr beträchtliche ist. An die eigentliche Synagoge, die gegen 1400 Sitzplätze umfaßt, von dennen sich die für die Frauen auf den Galerien befinden, ist die sogenannte kleine Synagoge angebaut, die für den täglichen Gottesdienst bestimmt ist. Ter Anbau enthält ferner Diensträume, eine größere Wohnung für den Vorbeter und eine kleinere für den Pförtner. Zur Einweihung war auch der Statthalter erschienen. München. Der bekannte Egyptologe und Romanschriststeller Georg Ebers, der auf seinem bayerischen Besitzthmn in Tutzing am Starnberger See gestorben ist, war jüdischer Abstaiw inuitg, aber getauft. Er entstammte der altberlinischen Familie des Münzjuden Ephraim. Ebers wurde am 1. März 1837 in Berlin geboren. Er verlor früh seinenBater und die Mutter, eine Holländerin hat ihn der Taufe zugeführt. Carl Gutzkow behauptet allerdings, daß er Ebers noch als jüdischen Studenten gekannt habe. Der Letztere hat es aber bestritten und behauptet, schon als Christ geboren zu sein. In seiner Lebeusgeschichte hat er die jüdische Abstammung gar nicht erwähnt, ja dieselbe sogar öffentlich bestritten, als er von einem Antisemitenblatte als „Judenstämmling" bezeichnet wurde. Das ist ein dunkler Punkt in seinem sonst so reinen Charakterbilde. Aber es soll nicht verschwiegen werden, daß diese Schwäche ihn keineswegs zur Abneigung oder gar zum Haß gegen das Judenthum führte, wie dies gewöhnlich bei Renegaten der Fall ist. Er trat im Gegentheil oft mit Wärme für Juden und Judenthum ein. In verschiedenen Romanen hat er Mische Typen mit Sachkenntniß und unverkennbarer Theilnahme geschildert. Ein großer Theil seiner wissenschaftlichen Thätigkeit war der Erforschung des biblischen Schriftthums gewidmet und der antisemitischen Bewegung ist er wiederholt entgegengetreten. Wreschen. Die Blätter theilen das folgende Schreiben mit, welches Erzbischof Dr. v. S t a b l e w s k i an die Witwe

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