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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-09-16 · 37 (16.9.1898) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
37 (16.9.1898)
Date
1898-09-16
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 682 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 37 nächsten Tag den gesammten Cultusrath, sowie die Herren Rabbiner zu einer Conferenz, in welcher folgende einstimmige Beschlüsse gefaßt wurden: „Der Vorstand erläßt einen Aufruf an sämmtliche galizische Eultusgemeinden, daß sie so rasch als möglich Sammlungen einleiten und selbe unverzüglich übermitteln. Die hiesige Gemeindecasta soll sich mit einem namhaften Unterstützungsbeitrag betheiligen. Es sollen hier Sammlungen veranstaltet werden. Der Cultusrath mit den Gemeindemitgliedern verstärkt möge ein Hilfscomitä bilden, um die Sammlungen rascher zu bewerkstelligen." Zu diesem Behufe wurden die Verwalter der 3 großen Synagogen (Vorstadt, innere Stadt und Sykstuska), wie auch des israelitischen Tempels und des Spitals in die Vorstandskanzlei eingeladen. Cultusrath David M a s ch l e r eröffnete und leitete in Vertretung des Präsidenten diese Sitzung, und apellirte an den Gemein- und Wohlthätigkeitssinn der erschienenen Herren mit der Bitte, daß sie ihr Möglichstes thun sollen, damit recht bald tausenden unglücklichen Familien, die mit Weib und Kind ohne Dach und Brod im Freien campiren, geholfen werden kann. Anstatt nun, daß sich alle anwesenden Herren mit vollem Eifer dieser Mission der Nächstenliebe, wo es gilt tausende Familien vom Elend und Hunger zu retten, unterziehen, begegneten wir saueren Gesichtern, die sich an den Vorsitzenden mit den merkwürdigen Worten wandten: „Bitte mich in dieser Sammlung zu verschonen, ich bin zu schwach, habe keine Zeit" und dergleichen Ausflüchte mehr. Ein Synagogenverwalter, dem es am Tage seiner Wahl wahrlich nicht an Zeit mangelte, erklärte offen, daß er nicht sammeln wird, weil er jetzt mit dem Vermietheu der Sitze in der Synagoge zu sehr in Anspruch genommen ist. Sonderbarer Weise folgten alle Synagogenverwalter diesem schlechten Beispiele und schlichen sich insgeheim vom Sitzungssaale weg! Die Sammlungen werden trotzdem vor sich gehen, wenn auch diese Herren Functionäre nicht daran theilnehmen. Es stellte schließlich Herr Rabbiner Dr. Caro den Antrag, daß auch die Abbrändler Baranovs am Ertrage der Sammlung participiren sollen, und wurde dieser Antrag einstimmig angenommen. Der anwesende Spitalsrath Herr Moses B u b e r spendete Namens seiner Firma Reinhold und Buber zu diesem Zwecke den Betrag von 50 fl. Krakau. Hier hat sich vor einigen Jahren ein literarischer Verein „S f a s E m e s" gebildet. Um die Bestrebungen dieses Vereins voll zu würdigen, müssen wir uns vorerst vergegenwärtigen, daß nicht mir in Krakau, sondern beinahe in allen galizischen Städten die hebräische Sprache und Literatur und die ruhmreiche Geschichte unseres Volkes so stiefmütterlich wie nirgends sonst behandelt werden. In den Mittelschulen gibt es meistentheils keine Religionslehrer und es findet sich auch sonst gar keine Gelegenheit, Kdisches Wissen zu Pflegen. So wächst denn die Jugend, besonders jene aus „intelligenten" Häusern, heran, ohne auch den dunkelsten Begriff von den unsterblichen Geisteswerken der hebräischen Dichter und von der mit Blut geschriebenen Märtyrergeschichte der Ahnen zu haben. Es ist also unter diesen Umständen eine nicht genug zu schätzende Bestrebung, die sich der Verein „Sfas Emes" zur Aufgabe gestellt hat, indem er die hebräische Sprache und Literatur der Jugend beibringt, unentgeltliche Lehrcurse unterhält und Vorträge aus der jüdischen Geschichte veranstaltet. Einige sechzig Schüler, größtentheils aus Mittelschulen, nehmen am Unterrichte theil. Als Lehrer fungiren die folgenden, bewährten Herren: der Vereinspräsident und frühere Prediger der hiesigen Fortschrittsgemeinde Dr. Samuel Landau, der über Hiob, und Herr Dr. I. G i n z i g, der über die jüdische Literatur und Geschichte vorträgt, Herr Levi Berger, der im Talmud (Sanhedrin) und in Maimonides' „Moreh Nebuchim" unterrichtet, und die Herren Lehrer S. L a z a r, der die hebräische Grammatik und S. Zei tu er, der die Anfangs gründe der hebräischen Sprache und die Bibel lehrt. Außerdem werden von verschiedenen Herren jede Woche öffentliche Vorträge, so über die Mystik, Midrasch rc. abgehalten. Der Verein ist aber auf die geringen Beiträge seiner 150 Mitglieder — Beiträge in der Höhe von zwanzig Kreuzern monatlich — angewiesen, und ist an den Cuttusvorstand mit der Bitte herangetreten, auch ihm eine kleine Subventton zu bewilligen. Der Finanzausschuß, dem diese Petition zur Prüfung zugetheilt wurde, entschied mü allen gegen die Stimme des Herrn Mendel P a m, der Bitte des Vereins „Sfas Emes" keine Folge zu leisten. Dieser Beschluß des Finanzausschusses hat im höchsten Grad befremdet. Hoffen wir, daß es im Plenum anders sein wird, und daß sich der Krakauer Cultusvorstand nicht dem Verdacht auslegen werde, er stehe der jüdischen Ltteratur fremd gegenüber. «#*&&& Efsegg, 9. September. Wieder hat eine erhebende und imposante Feier Zeugniß abgelegt von dem tiefen religiösen Sinn unserer Glaubensgenossen wie von der mustergiltigen Eintracht unter den verschiedenen Bekenntnissen. Gestern, am 8. d., beging die Gemeinde V a l p o (Slavonien) die Feier der Einweihung eines prächtigen neu erbauten Tempels. Die ersteSpende zu den beträchtlichen Kosten dieses Gotteshauses stammte von eine,» Christen. Der verstorbene hochherzige Baron P r a n d a u, Großgrundbesitzer in Slavonien, hatte nämlich unter Anderem der jüdischen Gemeinde in Balpo (ebenso wie der jüdischen Gemeinde in Dolni Miholjac) schon vor mehreren Jahren ein Legat von 1000 fl. für den Bau eines neuen Tempels hinterlassen. Selbstverständlich blieben unsere edelgesinnten Glaubensgenossen an Opferfreudigkeit nicht zurück und besonders die im benachbarten Belisce begüterten Herrn Gutmann de Gelse zeichneten sich nicht nur durch eine bedeutende Baar-Spende, sondern auch durch Lieferung von Rohmaterial zu Vorzugspreisen aus ihren Fabriken aus. Daneben entwickelten die Gemeinde-Mitglieder große Opferfreudigkeit und in verhältnißmäßig kurzer Zeit wurde ein Gotteshaus hergestellt, das dem Judenthum des Landes zur Zierde gereicht. Zur feierlichen Einweihung fanden sich die politischen Behörden, die Bürgermeister der benachbarten Orte, ferner der Oberrabbiner von Effegg und Deputationen mehrerer jüdischer Gemeinden sowie die Familie Gutmann de Gelse aus Belisce ein. Des Morgens wurde ein Schluß-Gottesdienst im alten gemieteten Bethause abgehalten, worauf Oberrabbiner Dr. K a m i n k a eine Abschieds-Ansprache hielt. Hierauf wurden die Gesetzesrollen ausgehoben und in feierlichem Zuge unter einem Baldachin mit Chorgesängen durch die Straßen zum neuen Gotteshause geleitet, das dicht besetzt war und sich als zu eng für die zahlreichen Gäste erwies. Nach den üblichen Umzügen (Hakofos) und verschiedenen von Herrn Obercantor Friedrich aus Essegg mit Chorbgeleitung vorgetragenen Gesängen, überreichten zwei weißgekleidete Mädchen dem Oberrabbiner den Schlüssel der heiligen Lade. Der Herr Oberrabbiner hielt hierauf eine Ansprache an die anwesenden Schüler und Schülerinnen. Auf das Einheben der Gesetzesrollen folgte die eigentliche Festrede, in welcher Herr Oberrabbiner Dr. Kaminka die dreifache heilige Bestimmung des Hauses, als Stätte der Andacht (Beth Tefila), als Stätte der Belehrung (Beth hamidrasch) und als Stätte der Versammlung und Eintracht (Beth hakneseth) erläuterte und die Weihe des Momentes in erhebender Weise zum Ausdruck brachte. Die Predigt schloß mit einem Segen und Gebet, dem die Gemeinde in tiefer Bewegung lauschte. Um 1 Uhr folgte ein Bankett zu 150 Gedecken, bei welchem eine Reihe von Toasten die Feier von allen Seiten beleuchtete. Aus den herzlichen Trinksprüchen der nichtjüdischen Teilnehmer ließ sich dabei wiederum entnehmen, welch tiefen Eindruck die Feier auf sie gemacht und wie aufrichtig das Wohlwollen der Behörden für unsere Cultusgemeinden ist. Friedland. Bei der beim k. k. Bezirksgerichte Friedland über die Ehrenbeleidigungsktage der Herren I. U. Dr. Isidor Schur, Advocaten in Friedland, und Julius Frei, Frachtencassier bei der Station Friedland der k. k. priv. Südnorddeutsche Verbindungsbahn, gegen Herrn Dr. Paul Pries, Arzt in Friedland, und zugleich Führer der Deutschvolklichen, am 27. August 1898 stattgehabten Hauptverhandlung wurde Letzterer in Gemäßheit, der Anträge der Privatkläger der Uebertretungen gegen die Sicherheit der Ehre nach § 496 St.-G. schuldig erkannt und nach § 493 St.-G. zu einer Geldstrafe von 25 fl., im Nichteinbringungsfalle zu einer Arreststrafe von fünf Tagen, verschärft mit einem Fasttag, und nach § 389 St.-P. 6. Juni, Ersatz der Kosten des Strafverfahrens verurtheilt. Auf den Ersatz der Bertretungskosten wurde Seitens des Herrn Dr. Schur im eigenen Namen und als Vertreter des Herrn Julius Frei ausdrücklich verzichtet^ ff- Berlin.' In der freiheitlich antisemitischen Partei kracht es wieder einmal. Diese Fraction der Judenhetzer hat schon mancherlei Verwandlungen durchgemacht, denn sie begann 1894 mit dem Triumphirat Ahlwardt, Böckel, Mosch. Nach einigen Monaten gab es einen Krach, die Zeitung des Triumphirats, das „Deutsche Volksrecht" ging unter Hinterlassung großer Schulden ein, Ahlwardt verschwand nach Amerika, Böckel zog sich überhaupt zurück und nur Mosch blieb übrig. Dieser verlegte seinen Sitz nach Hamburg und gründete dort den „Germanischen Volksbund." Als der Verein seine Mitglieder nach Hunderten zu zählen begann, verlegte Mosch den Schauplatz

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