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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-09-09 · 36 (9.9.1898) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
36 (9.9.1898)
Date
1898-09-09
Page
– (sequence 15)
Language
German
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WM Nr. 36 Dr. Bloch s Wochenschrift Seite 667 und über deren Wirksamkeit aus eigener Anschauung der Kaiserin direct referiren zu dürfen. Gelingt es mir, in dem gegenwärtigen bedeutungsvollen Momente der Kaiserin einen Fall vorzulegen, wo in Folge des peinlichen Verfahrens wieder ein Justizmord hätte begangen werden sollen, so bin ich überzeugt, daß jenes in Oesterreich aufgehoben wird. — Ich bitte Sie, mir nähere Auskünfte über die Verhältnisse der bei dieser Affaire genannten Personen zu geben, vielleicht finden wir vereint noch in der letzten Stunde einen Weg, die Wahrheit aufzufinden. Doch bevor wir auf dieses wichtige Thema übergehen, noch eine Frage. Sie sagten, es falle Ihnen schwer, E. zu verlassen; — darf ich vielleicht erfahren warum?". Globner erröthete. „Herr Regierungsrath! ich liebe ein Mädchen; die Nichte und Mündel des Bürgermeisters. Purkhammer, das Mädchen erwidert meine treue Neigung. Ihr Oheim und Vormund tritt unserer Verbindung mit allen erdenklichen Mitteln entgegen, er beabsichtigt das junge, herrliche Mädchen zu zwingen, einem alten, häßlichen, herzlosen, bösen Mann, Dr. Wallbruck die Hand zu reichen." „Das wäre in jedem Falle eine unpassende Verbindung," meinte der Regierungsrath, „und welchen Zweck kann Dr. Purkhammer durch eine so gröbliche Verletzung seiner Vormundschaftspflichten erreichen wollen?" „Den unedelsten, niedrigsten!... Sebastian Hanger. Purkhammer's Schwestermann, hatte unbeschränktes Vertrauen zu seinem Schwager. Er ernannte ihn zu Agathens Vormund und bestimmte testamentarisch, daß Purkhammer davon befreit sei, dem Gerichte die Rechnung über das Vermögen seiner Mündel abzulegen, und er nur gehalten sei, Agathens einstigen Gatten Rechenschaft zu geben. Ohne jeden Zweifel besteht zwischen Wallbruck und Purkhammer diesbezüglich eine Abmachung zu Gunsten des Letzteren. Dr. Wallbruck ist jeder Niedertracht fähig. Er läßt sich von dem ärmsten Halbbanern Behandlung und Medikamente so theuer als möglich zahlen; er ist im Stande, einen Kranken, der ihn nicht zu entlohnen vermag, in Schmerz und'Qual verkümmern zu lassen! Wallbruck ist ein alter Wüstling, dessen häßliche Leidenschaftlichkeit nur noch von seiner grenzenlosen Habgier überstiegen wird .. ." Globner brach ab. „Sie werden vielleicht mein Urtheil für allzuhart halten, mich der Parteilichkeit gegen meinen Nebenbuhler beschuldigen!.. ." Sonnenfels war Globner's Worten mit erhöhter Aufmerksamkeit gefolgt. „Sie glauben also, daß Dr. Wallbruck unter Umständen geneigt wäre, für ein großes Stück Geld ein Unrecht, vielleicht sogar ein Verbrechen zu begehen?" „Nach meiner vollsten Ueberzeugung muß ich dies bejahen!" Es trat eine Pause im Gespräche ein, endlich sprach Sonnenfels: „Wenn es Ihnen gefällig ist, wollen wir nun den unglückseligen Fall Duppau nochmals durchsprechen; vielleicht sind wir doch so glücklich, den grausamen Tod eines Mannes zu verhindern, den wir Beide nach unserer moralischen Ueberzeugung für schuldlos halten!" (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. H. M. in Eibenschütz. Für unser Blatt nicht geeignet. M. Unl unliebsamen Conflicten zwischen Besuchern des Rathhauskellers vorzubeugen, schlagen Sie vor, für die einzelnen Parteien und „Racen" Besuchstage festzusetzen. Wir bringen Ihren Vorschlag hiemit zur öffentlichen Kenntniß; er lautet: Sonntag: Christlich-Sociale. Montag: Deutschnationale. Dienstag: Czechen. Mittwoch: Judäomagyaren. Donnerstag: Socialdemokraten. Freitag: Aschanti und Chinesen. Samstag: Juden. 91. F. in Rzeszow. Ueber das Vorgehen des Direktors Zubczowski bei der Schüleraufnahme müßten genaue Daten vorliegen, um aus denselben die von Ihnen aufgestellte Folgerung ziehen zu können. Auch Ihre Darstellung berechtigt noch nicht dazu, dem Director antisemitische Tendenzen zuzuschreiben. R. N. Sie schreiben über den in der Wochenschrift erschienenen „Brief aus der Sommerfrische": „Ich bin doch gewiß ein sehr guter Jude, staune aber, daß es Familien gibt, welche ohne vorherige genaue Information bei jedem beliebigen Menschen eine Wohnung nehmen, um e r st späte r die Schattenseiten zu bemerken. Man besichtigt ja vorher eine Wohnung, und alle jene antisemitischen Größen, welche in Stein gehauen das Zimmer schmückten, konnten ja jener Dame nicht entgangen sein! Bevor in einer solch' angenehmen Gesellschaft längere Zeit zu verbringen, wäre es vernünftiger gewesen, das Opfer zu bringen, sofort in die Stadt zurückzukehren". Offenbar waren jene Bilder und Büsten erst angebracht worden, nachdem die jüdische Familie eingezogen war, um sie zu ärgern. St. in Freistadt. Derzeit schon verspätet. Sie haben sich mit der Berichterstattung etwas zu lange Zeit gelassen. F. in Kolin. Wir kommen vorläufig auf die Angelegenheit nicht zurück. Med. Dr. V. Herr Leopold Roman H o f b a u e r, Vorstandsmitglied der Wiener Bezirkskrankencasse, maßt sich ein Urtheil über die jüdischen Aerzte an, welches, wie Sie mit Recht sagen, als eine böswillige und verlogene Darstellung der bestehenden Verhältnisse erscheint. Tie jüdischen Aerzte können von solchen verleumderischen Angriffen, wie sie indem Schönerer'schenBlatte vom 1. „S ch e i d i n g s" erschienen sind, nicht beleidigt werden, Rur ist es bedauerlich, daß Leute von so gehässiger Gesinnung, wie besagter Herr Hofbauer, in den Vorstand der Wiener Bezirkskrankencass: Sitz und Stimme haben. Fra» Rosa L—n, Wien. Ans Anlaß Ihres in der letzten Nummer veröffentlichten Briefes „'Aus der Sommerfrische" empfangen wir eine Karte, worin Sie für die nächste Saison eingeladen werden, nach Hacking, XIII.. Auhofstraße 229, zu Glaubensgenossen zu ziehen. Prachtvoller Garten und anständige Vermiether. Herrn K. S.» Lundenburg. Roschhaschonokarten mit Ansichten Jerusalem, Jericho oder angefragte Zionkarte» mit hebräischem Wunsche der der Firma „Marcus Silberstein, Wien, I., Eßlinggasse 8, Papierwaarengeschäft". Filius. Die Haltung der Antisemitcnblätter gegenüber der in Frankreich eingetretenen Wendung zeigt diese Clique in ihrer ganzen lächerlichen Unfähigkeit und niedrigen Gesinnung. Das „Deutsche Volksblatt" war wenigstens so gütig, einzugestehen, daß ihm „Zweifel aufgestiegen" sind, während die „Deutsche Zeitung" des Pauschaliste» Dr. Theodor W ä h n e r den Fälscher Henry als Opfer seines Patriotismus beweint. Das ist mehr als »moral insanitv', das ist Heuchelei und Verworferlheit. Anonymus. Daß wir auf u n s e r e Kosten einen Wagen nehmen sollen, in welchen man Sie auf die psychiatrische Klinik bringt, können Sie füglich doch nicht verlangen. Vergani verfügt über einen eigenen ärztlichen Stab; vielleicht lassen Sie in der Ihnen so sympathischen Redaction des „Deutschen Volksblattes" Ihren Geisteszustand untersuchen. Patient im Rndolfsfpital. Sie bestätigen, daß der Schnhmachergehilfe Knaus und das „Deutsche Volksblatt" infam gelogen. Das Verganiblatt selbst läßt sich in seinen „Berichten" verschiedene Widersprüche zu Schulden kommen und ist überdies so dumm, zu erzählen, wie die Geschichte gemacht wurde. Der betreffende Bursche hätte überhaupt nichts thun wollen, sondern habe die Geschichte einem „Staatsbeamten" erzählt, der den Schuster brühwarm zum „Deutschen Volksblatt" brachte. Dort holte man einen „bestrenommirten" Arzt, der gleich den Beweis gegen Dr. Groß als erbracht erklärte. Wer jenes akademisch produirte Subject war, welches sich erfrechte, auf eine so unwahrscheinliche und suspecte Angabe einen College» verbrecherischer Handlungen zu zeihen, steht im „Deutschen Bolksblatt" leider nicht, und das ist höchst auffallend. Medicus. Wir wissen es sehr genau, daß Ihre Darstellung milde gehalten ist. Glauben Sie nicht, daß im „Deutschen Volksblatt" eine gewisse Abtheilung errichtet werden sollte? An arischen Gästen würde es nicht fehlen. „ Gemeinderath Dr. Fochler." Der Antrag dieses Individuums, Juden und Nichtdeutschen den Eintritt in den Rathhauskeller zu verbieten, gibt einen Vorgeschmack dafür, wie „g e m ü t h l i ch" es im Rathhauskeller zugehen wird. Solche Leute beklagen sich dann über Bubenstücke ihrer christlich-socialen Gegner! Da der Antrag nicht ernst gemeint, sondern nur darauf berechnet sein konnte, insbesondere die Juden zu ärgern, so ist auch dieser Antrag selbst nichts als ein läppisches Bubenstück. Uebrigens wird es den Leuten dieser Sorte nicht schwer fallen, den Rathhauskeller wirklich „judenrein" zu erhalten. Restaurateur H.» innere Stadt. Der „Antisemit" Graf war so anständig, aus dem Genossenschastsvorstande auszutreten, weil er der Ansicht ist, daß der Antisemitismus in der Genossenschaft nicht zur Geltung kommen darf. Von der Qualität des neu zu wählenden Vorstandes, wie ihn die Christlich-Socialen candidiren, kann man sich einen Begriff machen. 9llter Wiener. Ter Musiklehrer, welcher im Cafe Gansmüller ohne jeden Anlaß von zwei rohen Menschen überfallen und brutal mißhandelt wurde, heißt Josef R e i ch m a n n und ist ein Deutschnationaler. Die Thäter, welche den alten Mann am Bart rissen und Zähne einschlugen, sind bekanntlich der Mechaniker Ernst Schneider, Erzeuger der verschiedenartigsten vielfach verwendbaren Stampiglien und der Bezirksausschuß Schwarz in Margarethen. Diese Burschen dürsten Stammgäste im R a thh auske ll er werden, und der Deutschnationale Herr Tr. Fochler wird dort Gelegenheit haben, mit ihnen Bruderschaft zu trinken.

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