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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-09-09 · 36 (9.9.1898) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
36 (9.9.1898)
Date
1898-09-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 062 Dr. Vloch's Wochrnschrifi Nr-. 36 meinderathes, beginnenden Verwaltung der Gemeinde durch den landesfürstlichen Commiffär alle Gesuche um Verleihung des Bürgerrechtes zurückgelegt und der Entscheidung der künftigen Gemeindevertretung Vorbehalten wurden. Im Jahre 1896 wurden alle diese Gesuche zugleich mit den neueingelaufenen erledigt; an Juden wurde, war schon vorher die Anzahl der mit dem Bürgerrechte beliehenen gering, keines ertheilt. Gegenüber den den Juden so oft ungerechterweise gemachten Vorwürfen, daß sie sich unverhältnißmäßig mehr strafbarer Handlungen schuldig machen, als die Angehörigen anderer Confessionen, darf wohl auf nachstehende Ziffern verwiesen werden, aus denen ersichtlich, daß der Percentsatz der verurtheilten Juden fast durchgehends nicht nur nicht größer, sondern im Gegentheile ein viel kleinerer ist. als der Percentsatz der in Wien wohnhaften Juden an der Gesammtbevölkerung; aus den eingangs angegebenen Ziffern nach dem Stande am Ende des Jahres 1890 beträgt der Percentsatz derJuden in Wien etwa 8'7 Percent. Berurtheilt wurden Personen im Jahre 1896 wegen: Gesammtß f „ , darunter Juden zahl ^£lut männl. weibl. 2257 144 11 17 Majestätsbeleidigung. 1 — 2 Beleidigung der Mitglieder des kaiserlichen Hauses. — — 300 gewaltsames Handanlegen oder gefährliche Drohung gegen obrigkeitliche Personen in Amtssachen. 2 — 3 gewaltsamer Einfall in fremdes, unbewegliches Gut. — — 19 boshafte Beschädigung fremden Eigenthums . — — 2 boshafte Handlungen und Unterlassungen unter besonders gefährlichen Verhältnissen. — — 5 unbefugte Einschränkung der persönlichen Freiheit eines Menschen ... — — 18 Erpressung. — 1 22 gefährlicher Drohung. — — 1 Mißbrauch der Amtsgewalt und Geschenkannahme in Amtssachen ... — — 2 Nachmachung und Abänderung öffentlicher Creditpapiere . — — 1 Münzverfälschung. — 5 Religionsstörung. — — 98 schwere Sittlichkeitsdelicte ..... 3 — 9 Mord. — — 16 Abtreibung. — — 2 Kindesweglegung. — — 106 schwere körperliche Beschädigung . . — 2 Brandlegung. 2 — 1187 Diebstahl. 78 9 192 Veruntreuung. 28 — 3 Raub . — — 241 Betrug. 30 1 3 Verleumdung. -- — 1 Verbrechern geleisteter Vorschub . . — Wegen Vergehens im Allgemeinen wurden verurtheilt im Jahre 1896: männl. weibl. 476 Personen, darunter Juden .... 49 9 30 Auflauf. 1 — 11 Beleidigung einer gesetzlich anerkannten Kirche oder Religionsgenossenschaft . — — 8 öffentliche Herabwürdigung rc. . . . 1 — 1 Beschädigung von Grabstätten rc. . . — — 9 Kauf und Verkauf von Wahlstimmen rc. — — 3 gesetzwidrige Verlautbarungen ... 1 — 29 fahrlässige Tödtung nach 8 335 St.- G.-B. - - 1 fahrlässige Tödtung nach § 337 St.- G.-B.. . - - 1 Vergehen gegen literarisches Eigenthum — — 90 Verschulden von in Conmrs verfallenen Schuldnern. 15 1 8 Ehrenbeleidigung durch Druckschriften 2 — männl. weibl. 6 Verletzung der Sittlichkeit durch Druckschriften . — — 20 Vergehen gegen das Preßgesetz... 7 — 199 Vergehen gegen Thierseuchen und Rindergesetze. 5 6 19 Executiousvereitlung. 2 2 37 Vergehen gegen, das Wehrgesetz . . 13 — 4 Vergehen gegen das Markenschutzgesetz 2 — (Fortsetzung folgt.) Ein neues Buch von Zangwill. Rasch ist dieser Schriftsteller bis zur Weltberühmtheit vorgedrungen und gleich mit seinem ersten Meisterwurf, den „Kindern des Ghettos". Dieses Buch zählt nicht blos zu den Werken, die man, wie's gewöhnlich heißt, „gelesen haben muß", sondern, was mehr ist, zu jenen, welche man gelesen haben s o l l. Ein neuer Dichter sprach und lebte sich kräftig darin aus, begabt mit reichen Fähigkeiten, Gestalten zu schauen, Gestalten zu bilden, mit einer Beobachtungsschärfe, die ihn gleichwohl nicht zu Verzerrung und Uebertreibung verführte, mit einer Tiefe und Wärme der Empfindung, die niemals in thränenreiche Sentimentalitäten überfloß. Und er zeigte uns nicht den Juden im Menschen auf, sondern den Menschen im Juden! Die Ghettogeschichte hatte wieder ihren Meister und zwar einen, wie man, ohne den Vorgängern Unrecht zu thun, hinzufügen darf, wie sie ihn noch nicht zuvor besessen hatte, von so kräftiger und edler Eigenart, einen, der als sicherer Wegeskundiger auch wieder herausführte aus dem Ghetto, nachdem er hiueingeleitet . . . Jedes neue Buch dieses interessanten Unterhaltungs- Schriftstellers — „interessant" und „Unterhaltung" im besten und vornehmsten Wortsinn zu nehmen! — darf auf den Antheil der Gebildeten aller Culturnationen rechnen, insbesonders auf den Theil der gebildeten Judenschaft, welche Bücher liest und kauft, und für den ja Alles, was ein Zangwill schreibt, zuerst bestimmt ist. — „Träumer aus dem Ghetto", so nennt sich die neueste Nvvellensammlung, die aus etwa fünfzehn werthvollen, wenn auch nicht völlig gleichwerthigen Stücken besteht, welche durch gemeinsame geistige Bande, eines tiefpoetischen Grundgedankens, gehalten, sich zu einem einheitlichen Kunstwerke zusammenschließen. Vorläufig liegt blos die englische Originalausgabe vor, doch dürfte eine deutsche Uebersetzung kaum allzulang auf sich warten lassen. „Träumer aus dem Ghetto!" Einer heißt Baruch Spinoza von ihnen und ist ein stiller, versonnener, kränkelnder, portugiesischer Jude, und einer heißt Uriel Acosta, nicht der von Carl Gutzkow's Gnaden, sondern ein ungleich lebenswahrer, und wieder einer Moses Mendelssohn- ,,Nathan!" — Heinrich Heine und Ferdinand Lassalle, der Heiland des Volkes, fehlen nicht, sogar der angenehme und geistreiche Causeur schließt sich an, welcher das reizende Feuilleton vom Judenstaat an seinem Schreibtisch erträumt hat! Dazwischen tauchen allerlei Geschöpfe der frei gestaltenden dichterischen Phantasie auf, die aber um nichts weniger lebensvoll sind, als diejenigen, welche einen historischen Namen führen. Es ist ein hoher, wenn auch nicht immer ganz müheloser Genuß, einem echten Dichter in sein blühendes Reich zu folgen, wo er als unumschränkter Herrscher allmächtig gebietet. Zangwill besitzt in hohem Grade die Kunst, das Zeitcolorit der verschiedenen Jahrhunderte getreu festzuhalten und seine Erzählung auf den richtigen Ton zu stimmen; er wird hierin vielleicht blos von Conrad Ferdinand Meyer noch übertroffen. Nicht Puppen bekleidet er mit buntem Flitterkram und läßt ihnen Zettel zum Munde heraushängen, nicht Coulissen kleckst er in den verschiedenen Stylarten. Er verlebendigt und vergegenwärtigt Alles, macht es faßbar und greifbar. Wir athmen die beklemmende Stickluft der alten, verstorbenen Jahrhunderte ein, wir fühlen und leiden mit jedem seiner Helden mit, weil wir sein innerstes Empfinden und Denken erkannt haben. Das Ghetto von Venedig im Mittelalter und seine Bewohner werden mit derselben unfehlbaren Wahrheit und Genauigkeit verglaubwürdigt, wie das aufklärerische Polizei-Berlin unter Moses Mendelssohn — will sagen Friedrich dem Großen — oder Holland unter Spinoza. Ohne alle ermüdende Breite wird das in's Werk gesetzt und man sieht lebendiges Leben sich regen. Die wirksamen Gegensätze an rechter Stelle einzuschalten, ist ein wichtiger Behelf von Zangwill's schildernder Kunst. Dem eintönigen,

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