Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 36 (9.9.1898)
- Date
- 1898-09-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 36 jßx. Bloch's Wochenschrift Seite 661 Man führt die Gefangenen herbei und stellt sie in eine Reihe Der Officier, der die Abtheilung führt, senkt den Degen, eine Salve kracht, begrüßt von st ürmischen Bravos, in di: selbst die Damen, lebhaft die Tücher schwenkend, laut einstimmen. Ist die Vorstellung beendet, dann fahren die Wagen im Gallopp davon und die Promenademusik spielt Tanzweisen". Das ist ein Genrebild aus dem Leben eines judenreinen Volkes, welches vor Jahrhunderten damit begonnen hat und seither ununterbrochen damit beschäftigt war, Andersgläubige mit Feuer und Schwert zu verfolgen und auszurotten, eines Volkes, in welchem der Elericalismus und Antisemitismus eine ideale Vollkommenheit erreicht haben. Statistik über die Inden in Wien. Von Dr. Arnold Ascher. Arbeiten mit vielen Ziffern gehören allerdings nicht zu jenen, welche überall Interesse erregen. Gleichwohl kann nicht geleugnet werden, daß in vielen Beziehungen wenige Ziffern oft eine viel beredtere Sprache führen und dem denkenden Beobachter ein selbständigeres Urtheil ermöglichen, als es spaltenlange Artikel vermöchten. Wir haben seit 4 Jahren an dieser Stelle die unsere Wiener Glaubensgenossen betreffenden Ziffern angeführt, ohne hieran Conclusionen zu knüpfen, so verlockend dies auch in dem einen oder anderen Punkte gewesen wäre; dieselbe Enthaltung wollen wir auch diesmal üben, wenn wir daran gehen, die Daten, betreffend die Wiener Juden im Jahre 1896, an der Hand des vor wenigen Tagen erschienenen statistischen Jahrbuches der Stadt Wien anzuführen. Diese Mittheilungen dürften um so eher Beachtung verdienen, als seit März 1866 der Wiener Gemeinderath in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung functionirt; zur Ermöglichung eines Vergleiches glauben wir an mehreren Stellen auch Ziffern aus Vorjahren anführen zu sollen. Ungeachtet der außerordentlichen Mühewaltung der mit der Herausgabe des Jahrbuches betrauten Herren Magistratsrath Dr. Stefan Sedlaczek, Magistratssecretär Dr. Wilhelm Löwy und Magistrats concipisten Dr. Wilhelm Hecke ist es natürlich nicht möglich gewesen, nach jeder Richtung die speciell die israelitischen Mitbürger betreffenden Ziffern aufzunehmen, allein in vielen Beziehungen finden wir interessante Daten. Die Zählungsergebnisse nach der Bearbeitung durch die k. k. statistische Centralcommission wurden diesmal nicht wiederholt, so daß zur Beleuchtung nachfolgender Daten blos die Ziffern nach dem Stande am Ende des Jahres 1890 angegeben werden können. Damals wurden Israeliten gezählt: I. II. III. IV. V. gesammte Juden Bezirk Bevölkernngsziffer männnlich weiblich zusammen I. 67.029 6.515 6.304 12.819 II. 158.374 24.942 24.156 49.098 III. 110.279 3.641 3 663 7.304 IV. 59.135 1.246 1.083 2.329 V. 84.031 1.359 1.326 2.685 VI. 63.901 2.433 2.199 4.632 VII. 69.859 2.377 2.117 4.494 VI». 48.976 1.101 930 2.031 IX. 81.170 6.247 5.704 11.951 X. 84.813 1.013 1.085 2.098 XI. 28.685 229 221 450 XII. 60.866 701 716 1.417 XIII. 44.006 328 347 675 XIV. 54.341 1.156 1.104 2.260 XV. 44.162 1.027 1.241 2.268 XVI 106.861 1.694 1.675 3.369 XVII. 74.657 1.620 1.625 3.245 XVIII. 68.862 1.774 1.592 3.366 XIX. 31.890 622 666 1.328 Militär 22.651 676 Zusammen 1,363.548 60.025 57.754 118.495 Eheschließungen fanden in Wien statt im Jahre 1892 12.981 darunter mos. Männer 695 Frauen 679 „ 1893 13.076 Ir „ lr 814 „ 805 1894 13 901 749 „ 734 1895 15.012 800 „ 780 1896 15.202 „ „ „ 899 ,, 687 Ehen, bei denen der Bräutigam mosaisch, die Braut dagegen confessionslos war, fanden statt: 1892 . 36 1893 . 32 1894 . 40 1895 . 40 1896 . 50 Ehen, bei denen der Bräutigam confessionslos, die Braut dagegen mosaisch war, fanden statt: 1892 . 20 1893 . 23 1894 . 25 1895 . 20 1896 . 38 Einverständliche Scheidung erfolgte 1892 in 14 Fällen 1893 „ 8 ., 1894 „ 10 ., 1895 „ 5 „ 1896 „ 8 „ Ohne Einverständniß 1892 rn 7 Fällen 1893 „ 2 „ 1894 „ 1 „ 1895 „ 2 „ 1896 „ 2 „ Eine Ehetrennung erfolgte 1892 in 46 Fälle»: 1893 „ 48 f/ 1894 „ 49 „ 1895 „ 41 „ 1896 „ 58 „ Geboren wurden Kinder 1892 1.551 männliche 1.504 weibliche 1893 1.672 1.472 1894 1.691 1.580 „ 1895 1.713 1.541 „ 1896 1.800 1.536 „ Todesfälle waren in Wien: 1892 915 männliche 827 weibliche 1893 ' 1.020 757 1894 1.013 806 1895 980 816 „ 1896 1.003 760 31 Männer und 6 Frauen tödteten sich selbst; als Ursache erscheint angegeben Langwierige Krankheit .... bei 5 Männern, — Frauen Geistesstörung. 9 „ 1 „ Liebesgram. ff w 2 „ Furcht vor Schande oder Strafe . ff ft i „ Schlechte Fortgangsclasse . . . „ 2 Knaben Schlechter Geschäftsgang, Roth „ 8 Männern 2 „ Mißliche Familienverhältnisse . . it 1 ,, — Lebensüberdruß. „ 1 1 Unbekannte Ursache. „ 5 „ — Die Selbsttödtung erfolgte durch: Erschießen. bet 20 „ —■ ,, Schnitt- und Stichwunden . . . ff ff 1 » Herabstürzen von Höhen . . . » 5 „ 1 » Erhenken . Vergiften. 4 „ 1 „ „ 2 2 „ Es verunglückten: . . . „ 13 „ 6 „ Das Heimatsrecht in Wien erhielten im Jahre 1866 im Ganzen 6090 Personen, davon waren mosaischen Glaubensbekenntniffes 77 Inländer, 131 Ausländer. Das Bürgerrecht wurde verliehen: 1891 an 619 Personen, darunter 23 Juden 1892 288 „ 16 1893 235 „ 4 1894 374 „ „ 10 1895 166 „ „ 5 1896 „ 491 „ „ — Die Verminderung in der Zahl der Bürgerrechtsverlechungen im Jahre 1895 erklärte sich daraus, daß während der vom 31. Mai 1895, dem Tage der Auflösung des Wiener Ge-