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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-09-09 · 36 (9.9.1898) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
36 (9.9.1898)
Date
1898-09-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 660 Nr. 86 Dr. Bloch'» Wochenschrift Zinsen muß man zahlen, wenn man Geld braucht. Der Wucher in Sicilien und in den südlichen Prov inzen Italiens nimmt einen fabelhaften Umfang an und darf als eine wahre sociale Krankheit bezeichnet werden. Von dem Wucher, dem der Kaufmann und der Grundbesitzer erliegt, der manchmal 12 und 15 Percent bei einem Darlehen gegen erste Hypothek zahlen muß, kommt man stufenweise zu dem Wucher, der die armen Bauern vernichtet; wohl bekommen sie Alles, was sie brauchen — Saatgetreide, Handwerkszeug, Consumgegenstände — auf Borg, aber schließlich müssen sie sich des Besitzes der Getreidefrucht auf dem Halm und der Traube am Stock entäußern, wenn sie nicht gar ihr letztes Betttuch hingeben oder das armselige Eselein im Stalle verkaufen müssen. In einer kleinen Ortschaft Südttaliens lebte eine Frau, die 10 Lire auf eine Woche verlieh und als Zins nur ein Kilogramm Maccaroni forderte; sie cassirte aho, da ein Kilogramm Teig 40 Centesimi kostet, in. einem Jahre 20.80 Lire ein, wobei das Grundcapital von 10 Lire natürlich unberührt blieb. Sie besaß 7 Zehnlire- Scheine, und mit diesem geringen Capital gelang es ihr — da man im Süden fast ausschließlich von Maccaroni lebt — für sich und und ihren Mann das Existenz-Problem zu lösen, denn die sieben Scheine waren immer sicher untergebracht; das Weib wurde sogar noch als eine Menschenfteundin gefeiert, weil sie für ihr Geld keinen Zins verlangte!" Heimgefundeu.*) Von A. Stanislas. Im letzten Haus des Dorfes ein mattes Licht noch glimmt, Als schon im Morgengrauen die Winternacht verschwimmt; Im letzten Haus an's Fenster vor Tage klopft der Tod, Zu führen einen Müden heimwärts um's Morgenrolh . . . Spät kehrend erst vom Tagwerk, der Häusler draußen fand Wildfremden Mann am Wege, dem Fuß erfror und Hand; Mitleidig trug in's Stübchen er ihn, deß' Ende nah', Und schickte seinen Knaben rathlos zum Pfarrer da. Noch harret er der Beiden. Die Uhr am Simse tickt, Dazu am Tisch sein jüngstes, ein Mädchen, träumend nickt. Gebete murmelt schläftig sein Weib, und manchesmal Irrt aus dem Mutterauge zum Liebling hin ein Sttahl. Der Pfarrer kommt. Gesehen hat er noch kaum den Mann, Schon runzelt er die Stirne: „Ein Jude? Seht doch an — Was soll ich dem wohl helfen? Der stirbt noch diese Nacht — Wie dauert mich der Schlummer, um den ihr mich gebracht!" — Ein Jude? — Ganz erschrocken, der Bauer hört das Wort, Und hastig zerrt die Mutter vom Bett den Kleinen fort, Judeß mtt langen Schritten der Pfarrer mißt den Raum, Nicht achtend jener Kleinen, am Tisch versenkt im Traum. Da schlägt die müden Augen der Kranke stöhnend auf, Und seine welke Rechte greift nach der Bettstatt Knauf, Als hätt ein letz' Begehren noch sein verwirrter Geist, Den schon des Todes Schatten ersichtlich jetzt umkreist. Mit Widerstreben schreitet der Schwarzrock zu ihm hin: „Wassoll's?—er fragt's verdrossen—„Ihr merkt doch, wer ich bin?" Und voll hat sich der Jude dem Frager zugekehrt: „Ein Diener Gottes", spricht er, „der Lieb und Duldung lehrt!"— Die Uhr rückt aus zum Schlage — das Kind davon erwacht Und kommt noch halb verschlafen an's Bett getteten sacht. „Mir träumte, daß Christkindlein heut selber unser Gast!" So flüstert's und hat zärtlich der Mutter Hand gefaßt. Das Wort ein seltsam Glimmen im Aug' des Fremden weckt, Der nach dem Haupt der Kleinen den Arm wie segnend streckt: „Sei mir bedankt, du weiser, du heil'ger Kindermund. Daß du das Rechte, Wahre in Einfalt machtest kund!'' Jur letzten Haus der Pfarrer erschütternd beugt das Knie; Hinknieen auch die andern — mit jenem beten sie Nun für des Bruders Seele, die bald, der Erd' entrückt, Im Jensetts ew'ger Liebe i'ns Auge selig blickt. *) Aus „Abhilfe", Neue Gedichte von A. Stanislas, Leipzig, G. Körner. Judentarrfen. In dem neunten Bericht des hannover'schen Comites für evangelische Mission unter Israel (1. Juli 1897 bis 1. Juli 1898) heißt es: „Mit dem diesjährigen neunten Bericht über unsere Thätigkeit für die Mission unter Israel in unserer lutherischen Landeskirche schließen wir die ersten zehn Jahre des Bestehens des hannover'schen Comitäs für evangelisch-lutherische Mission unter Israel ab. Es war am 29. Mai 1888, als unser Comite sich constituirte. — Könnte man die Zahl der Judentaufen in der ganzen Welt genauer Nachweisen, so würde das Ergebniß die allermeisten ungemein überraschen. In der S t a d t Wien sind von 1880 bis 1894 in den verschiedenen christlichen Kirchen nicht weniger als 3163 Juden ausgenommen worden. Nach den nicht einmal vollständigen Berichten traten zu den evangelischen Landeskirchen Deutschlands 1890—1894 2088 Juden über. Wenn man die Zahl der Juden, die sich seit der antisemitischen Bewegung, und speciell seit 1880 irgend einer christlichen Kirche angeschlossen haben, auf 35.000 schätzt, so ist dies eine mäßige Angabe. Die Zuwendung zum Christenthum geschieht heute in auffälliger Weise, daß man nicht fehlgreifen wird, wenn mau die Zahl der jährlichen Judentaufen gegenwärtig auf 2500 bis 3000 annimmt." Die Renegaten schützen sich durch das treulose Verlassen ihres Glaubens durchaus nicht vor der Anfeindung seitens ihrer neuen Glaubensgenossen. Dem Judenthume sind sie abtrünnig geworden und vom Christenthum werden sie nicht recipirt. Spanische Greuel auf den Philippinen. In der „Revue des Reimes" veröffentlicht Dr. Pinto de G u im a r a e s eine Darstellung des spanischen Verwaltungssystems auf den Philippinen, die auf eigene Beobachtungen des Verfassers gestützt ist und eine Reihe fast unglaublicher Einzelheiten enthält. Dort wie auf Cuba und allerwärts hat das traurige Regiment von Madrid die Eingeborenen gebunden an Händen und Füßen dem Schmarotzerthum der Beamten und der Mönche ausgeliefett. „Jeder Gouverneur, dessen Zukunft nicht reichlich gesichert ist, wenn er zwei Jahre im Amte war, wird allgemein für eiiWl Dummkopf gehalten", sagte der Verfasser. Und der Gehalt ist nicht gering; Weyler zum Beispiel bezog 300.000 Pesetas (Francs) jährlich. Die Einwohner sind durch die Steuern förmlicherdrückt; Alles gibt einen Vorwand zu Steuern ab. Der Eingeborene hat sich ein Rind oder ein Schwein zu seinem eigenen Gebrauch gemästet; wenn er es schlachten will, muß er Steuer zahlen. Für Pferde und Cocosbäume muß er zahlen; für die Erlaubniß, aus Eocosnüssen Oel zu bereiten, muß er zahlen. Nicht weniger als 45 Millionen an solchen Abgaben werden aus den Eingeborenen erpreßt. Das Mutterland thut dafür nichts. Man baut Kirchen und Klöster, aber für die Schulen, ausgenommen die größeren Städte, wird nichts gegeben, und die öffentlichen Arbeiten bleiben stets im Zustande der Projekte. Das Geld fließt in die Taschen der habgierigen Beamten und Mönche. Um einen Aufftand zu verhüten, hat die Regierung den Besitz von Waffen bei Todesstrafe verboten; in der Verzweiflung hat die Bevölkerung nach Allem gegriffen, was ihr in die Hände viel, und ihre Wuth war so groß, daß sie in manchen Kämpfen siegreich blieb. Ganze Regimenter wurden überwältigt und entwaffnet, und jetzt hatten die Aufständischen auch Flinten und Munition und lernten sich ihrer bedienen. Die Spanier waren furchtbar in ihrer Rache, und die Aufständischen übten wieder Vergeltung, wo sie konnten. Ihr Zorn richtet sich hauptsächlich gegen die Mönche, Franciskaner und Dominikaner, die ln den Standgerichten, an denen sie sich betheiligen, die unbarmherzigsten waren; sie widersetzten sich jeder Milde und verlangten immer die T o d e s st r a f e. Auf ihr Betreiben wurde auch wieder die „heilige Inquisition" eingeführt. Ueber einen Ort, in den die Gefangenen geworfen wurden, berichtet Dr. de Guimaraes: „Das ist ein verpestetes Loch, eingegraben in den Fundamenten des Dammes längs des PasigflusseS. Seit mehr als hundert Jahren war das Gefängniß verlassen. Es war halb gefüllt mit faulem Wasser und wimmelte von Natten, Schlangen und Gewürm jeder Art. Hier wurden hundert Gefangene eingeschlossen. Sie brachten eine furchtbare Nacht darin zu. Man hörte sie schreien und heulen, denn sie hatten keine Luft, und sie riefen fortwährend, man solle sie umbringen oder ihnen wenigstens Lust zum Athmen geben. Der Lieutenant, der mit der Bewachung betraut war, wurde ungeduldig und schloß die einzige Oeffnung, durch die etwas Lust in den Raum dringen konnte. Am Morgen waren alle Gefangenen todt". Diese Schandthaten, durch die Mönche und die Soldaten begangen, erregten keineswegs die Entrüstung der Spanier, sondern vielmehr deren Bewunderung und Billigung. „Am Tage, wo man die Aufständischen erschießt, ist es eine große Premitzre". Die Execution geschieht auf der Lunetta, der feinen Promenade Manilas, und sie ist das Rendezvous der ganzen vornehmen Welt. In Erwartung des bluttgen Schauspiels drängen sich Herren und Damen, stellen sich in ihren Wagen aufrecht, um besser sehen zu können, trinken Champagner und bringen Hochs auf Spanien aus.

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