Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 35 (2.9.1898)
- Date
- 1898-09-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 648 Nr. 35 Dr. Vloch's Wochenschrift ^^euschitz. (Todesfall.) Ein braver Mann wurde Freitag hier zu Grabe getragen. Herr Juda S a m e k, Mitglied des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde und langjähriger Vorsteher der „Chewra Kadischah", ist nach langer, schwerer E^Eyert rm 68. ^ahre gestorben. Das Leichenbegängniß gestaltete sich zu emer imposanten Trauerkundgebung für den Verblichenen. An der Bahre war die ganze Gemeinde versammelt. Es fanden sich im Trauerhause unter Anderen ein: Der Präses der'israelitischen Cultusgemeinde Herr Isidor Sinaiberger mit der Gemeinderepräsentanz, der Bürgermeister Herr Samuel I e l l i n e k, Gemeinderath Herr Georg Fischer, die Führer der hiesigen Deutschen Herr Med. Dr. K e ck e i s, Apotheker Hwr Anton W o r e l l und Andere. Nachdem der Obercantor Löwensohn das »Toschew besether« recitirt, widmete der Cultusrath, Herr Jsaias Steiner, dem Verblichenen einen Nachruf, in welchem er das hingebungsvolle, aufopfernde Wirken des Dahingeschiedenen schilderte. — Der Sarg wurde dann von hervorragenden Gemeindemitgliedern zum Tempel getragen, wo Namens der Gemeinde Herr Rabbiner Dr. H a n d l einen »Hessped« hielt. Protznitz. (Sie Iubiläumsmedaille.) Einer Derjenigen, welcher die Jubiläumsmedaille bekommen, ist Herr Max Reik, der seit 42 Jahren in der Baumwollwaarenfabrik Abraham Wolf und Sohn thätig ist. Damboritz, 29. August. Gestern veranstaltete der Vorstand der hiesigen israelitischen Cultnsgemeinde anläßlich der fünfzigjährigen Wiederkehr des Regierungsantrittes unseres Kaisers ein Jubiläumsfest. Bon nah und fern strömten unzählige Gäste herzu, um das Fest durch ihre Gegenwart zu verherrlichen. Um 1 Uhr Nachmittags begann das Schulfest. Unter Borantritt der Beteranenkapelle und des vollständig aus gerückten Beteranenvereins, und gefolgt von einem unübersehbarem Zuge von Festgästen, rückte die Schuljugend unter Führung des Schulleiters in den Wald, wo von den Kindern der oberen Abtheilungeu Gedichte, welche auf die habsburgische Dynastie Bezug hatten, vorgetragen wurden. Im Walde entwickelte sich ein wahres Volksfest, da sich die gesammte Bevölkerung unseres Ortes dort an demselben betheiligte. Um 7 Uhr Abends begann das Festtheater. Die drei Einacter wurden von den Dilettanten mit lobenswerther Verve gegeben, welche auch durch Beifallssalven ausgezeichnet wurden. Besonders hervorzuheben sind die Damen: Fräulein Josefine Matzuer und Fräulein Bertha Zeitschek; die Herren: Richard Fischer, Hugo Dukes, Ernst Kollek, Siegfried Sachs, Ernst Kollek, Jacques Strebinger und Albin Sachs. Die Festrede hielt der Schulleiter Herr Max Strebinger. Nach dem Theater bewegte sich ein glänzender Fackelzug durch die Gassen und Sttaßen des ganzen Ortes, worauf ein Tanzkränzchen, welches bis in die frühesten Morgenstunden in animirtester Stimmung anhielt, das schöne Fest, das noch lange in dem Gedächtnisie unserer Mitbürger fortleben wird, beschloß. Um das Zustandekommen dieses erhebenden Festes haben sich außer den schon Genannten der löbliche Cultusvorstand, der Vorsteher Herr Moriz Huber, die Ortsschulräthe Herr Jacob Kollek und Herr Moriz Zeitschek, und um das Arrangement die Herren Heinrich Wachsmann jun. und Max Kohut besondere Verdienste erworben. Das Reinerträgniß, welches zur Bekleidung armer Schulkinder bestimmt wurde, war ein besonders großes. Stratzuitz. Am 18. August wurde im hiesigen Tempel das Geburtsfest des Kaisers begangen, zu welchem die Colonisteu des „Ferienheim" in Petrau mit Schärpe, Trommel und Fahne ausgerückt waren. Nach dem Minchagebete, bei welchem die vom Präfecten Herrn Carl Ehrenfest geschulten Colonisten als Choristen wirtten, hielt Se. Ehrwürden Dr. Adolf Friedmann eine schwungvolle Festtede. Berlin. Sein 50jähriges Doctorjubiläum feierte der Geh. Sanitätsrath Dr. Adolf Abraham, der stellvertretende Vorsitzende der Berliner medicinischen Gesellschaft. — Der Svnagogenverein Moabit, der vor acht Jahren iu's Leben gerufen wurde, wird jetzt in seiner Synagoge auf dem Hofe des Grundstücks Lessingstr. 19 sein ständiges Heim beziehen. Die Einweihung erfolgt Sonntag, 4. September, Nachm. 67, Uhr. — Das immer stärker auftretende Bedürfniß nach jüdischen R e l i g i o n s l e h r e r n an den höheren staatlichen und städtischen Schulen von Berlin hat den deutsch-israelitischen Gemeindebund veranlaßt, sowohl an der hiesigen „Lehranstalt für die Wisienschaft des Judenthums" als auch au dem hiesigen „Rabbinerseminar" einen unentgeltlichen d verjähr ige- Borlesungscyklus einzurichten für solche akademisch gen bildete Herren (Studenten und pro facultate docendi Geprüfte), die an höheren Schulen den jüdischen Religionsunterricht zu ertheilen beabsichtigen. Näheres ist zu erfahren am schwarzen Brett der hiesigen Universität, im Bureau des Deutsch-Israelitischen Gemeindebnndes, W. Sigismundstraße 5, Parterre, sowie bei Herrn Rabbiner Dr. M a y b a u m und Herrn Dr. I. W o h lg e m u t h. Berlin. Berlins älteste Bewohnerin ist Frau Friederike Pinkus, die in dem hohen Alter von über 103 Jahren steht. Die Greisin wurde am 3. Jänner 1795 zu Milles law bei Posen geboren, wo sie sich auch vermälte und wo ihr verstorbener Gatte Synagogendiener war. Erst vor fünf Jahren siedelte sie nach Berlin über und ist zur Zeit infolge eines Fußbruches bettlägerig. Magdeburg. Der hiesige erste Arzt am städtischen Krankenhause, Herr Sanitätsrath Dr. E. Aufrecht, einer jüdischen Familie aus Oberschlesien entstammend, ist zum „Geheimen Sanitätsrath" ernannt worden. Worms. Der Kaiser hat Frau Henriette Unger, geb Mannheimer, die jetzt in Cannstatt wohnt, die Centenarmedaille verliehen. Ems. Prinz Georg von Preußen übergab vor seiner Abreise einem hiesigen Beamten die Mittel für ein Denkmal, das dem von ihm hochgeschätzten Maler Prof. Emil Löwenthal aus Rom, der vor zwei Jahren hier verstarb, aus dem hiesigen israelitischen Friedhofe errichtet werden soll. Riga. In der letzten Zeit haben zahlreiche Juden aus Livland, und namentlich von hier, sich zur Auswanderung entschlossen. Sie schiffen sich über Libau nach Hamburg ein und gehen von dort zumeist nach Johannesburg oder Prätoria, zu einem kleineren Theile nach England oder Amerika. Conftantinopel, 27. August. Nachrichten ans Beirut besagen, daß Einheimische und Fremde wieder aus der Rothschild'schen Colonie im Hauran ansgewiesen, und selbst gezwungen werden, ihre Ländereien anfzugeben. Der Bali gibt an, auf höheren Befehl zu handeln. Feuilleton. Der Letzte. Erzählung von S. K v h u. Verfasser von „Gabriel". (Fortsetzung.) Er fand Abraham Duppau allein in seiner düsteren Kerkerzelle, auf seinem harten Lager sitzend. Man hatte ihm die schweren Ketten abgenommen; das sahen selbst die trefflichen Archonten jener Zeit ein; der zerquälte, zermarterte Mann hätte die schweren Fesseln an seinen wunden Gliedern nicht zu ertragen vermocht; vielleicht hätte ihre Wucht den letzten Lebensfunken in ihm gänzlich erlöscht; dann hätte ja Hie menschliche Gerechttgkeit nicht die hohe moralische Genugthuuug gehabt, den Unglücklichen übermorgen zum Gaudio einer entmenschten Popnlace die Glieder stückweise zu zerstoßen, die blutenden, zuckenden Theile des gottähnlich geschaffenen Wesens auf's Rad zu flechten. Ein Fluchtversuch war aber von einem Manne, der kurz vorher alle Grade der Tortur durchgemacht, in der That nicht zu befürchten. Abraham Duppau war zweiundfünfzig Jahre alt, uub noch vor wenigen Wochen ein hochgewachsener, starker Manu mit einem blühenden Gesichte, schwarzen, glänzenden Augen, einem vollen kastanienbraunen Barte, gewesen; aber die entsetzlichen geistigen und körperlichen Qualen, denen er in der letzten Zeit unterworfen gewesen, hatten ihn total gebrochen. Seine Gestalt war zusammengesunken, sein Haar gebleicht, sein Gesicht fahl und welk und von hundert Fältchen bis zur Unkenntlichkeit durchfurcht; das Feuer seiner Augen war erloschen, er schien ein langsam verendender Greis von achtzig Jahren. Er war in Gedanken tief versunken und hatte es nicht bemerkt, daß sich die Thür geöffnet und-Jemand eingetreten. „Abraham Duppau!" rief Sonnenfels.