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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1898-08-26 · 34 (26.8.1898) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
15 (1898)
Issue
34 (26.8.1898)
Date
1898-08-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 632 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 34 arbetter veröffentlicht, die von allgemeinem Interesse sind. In dem Städtchen Schadowo, Gouvernement Kovno, beschäftigt sich säst die ganze jüdische Bevölkerung (2605 Seelen) mit Garten- und Gemüsebau. Da die Leute kein eigenes Land besitzen, so pachten sie solches von ruffischen Besitzern und exportiren ihre Bodenerzeugniffe nach Petersburg und Riga. Ebenso wird in dem Dorfe Vartaschen im Kaukasus, dessen Tabak sich großen Ruf erobert hat, der Anbau von Tabak fast ausschließlich von Juden betrieben, die das nöthige Land von den Bauern pachten. — Lazar Brodsky, der Znckerfabrikant in Kiew, hat dem dortigen jüdischen Hospital ein Stück Land mit Gebäuden geschenkt, düs einen Werth von 110.000 Rubel repräsentirt. — In Kiew starb kürzlich ein reicher Christ, Namens Narrogezha, der 150.000 Rubel testamentarisch zur Errichtung einer Ackerbauschule in Statapol vermachte. In demselben Testament bestimmte er auch, daß die Religion der Schüler keinen Unterschied bei deren Aufnahme rc. machen dürfe. Der „Wosehod" veröffentlicht neuerdings schlechte Nachrichten aus den Hirsch'schen Colonien in Argentinien. Sieben Präsidenten von jüdischen Vereinen in Buenos-Ayres erlassen einen Aufruf in dieser Zeitung, in der sie sich darüber beklagen, dast Hunderte von Colonisten, besonders aus Moisesville, nach Buenos-Ayres strömen und dort den Wohlthätigkeitsvereinen und der Gemeinde zur Last fallen, die nicht mehr im Stande sind, diese Bürde zu tragen. Paris. Fünfunddreißig Professoren der Sorbonne haben dem Unterrichtsminister Bourgeois einen Protest gegen die zeitweilige Ausschließung des Professors S t a p f e r in Bordeaux vom Lehramte überreicht. Professor Stapfer hat bekanntlich in der Rede, die er am Grabe eines Generals hielt, die Revision des Processes D r e y f u s gefordert. London. Oberst Goldsmid ist bei den großen Manövern in Salisbury Plain eine hervorragende Stelle eingeräumt und zwar die des Generalstabs-Chefs der dritten Division der Nord- Armee, an deren Spitze der Prince of Connaught steht. — Der älteste Sohn des verstorbenen Elim Henry d'Avigdor, M. Osmond Elim, hat dieser Tage seine Volljährigkeit erreicht und ist in den "Besitz des ihm von seinem Oheim Sir Julian Goldsmid als Universalerben hinterlassenen collosalen Vermögens getreten. Er wollte sich anfangs der diplomatischen Carriere widmen, hat sich jedoch schließlich für das Bureau entschieden. Wie der Feldprediger im Lager von Aldershoot, Rev. Francis Cohen, in dem soeben erschienenen jüdischen Jahrbuch mittheilt, dienten im Jahre 1897 in der englischen Armee circa 600 Juden, davon 75 als Officiere. Ein Correspondent der „Times", der jetzt Bosnien bereist, berichtet über die Lage der dortigen Juden folgendes: Die spanischen Juden, welche hierher im XVI. Jahrhundert einwanderten, bilden in Serajewo eine recht beträchtliche Gemeinde. Sie stehen vollkommen auf demselben Fuß, wie die anderen religiösen Gemeinschaften und bei den Festen, die Madame Kallay, die Frau des Statthalters gibt, sieht man neben einander die Geistlichen aller Religionen, den Oberrabbiner Seite an Seite mit den Hochwürdenträgern der Griechisch-Orthodoxen, Katholiken und Muhammedaner. Rom. Die Idee der Colonisation Palästina's findet erfreulicherweise auch in Italien immer mehr Freunde und Förderer. Außer in Livorno sind neuerdings Vereine entstanden, in Florenz, wo Herr Oberrabbiner Dr. Margulies an der Spitze steht, in Neapel und Turin. — Der greise Dichter David Levi hat soeben ein Epos „Ahasver auf der Teufelsinfel" vollendet, das, wie der Titel besagt, das bejammernswerthe Geschick Alfred Dreyfus' behandelt. Amsterdam. Die junge Königin und die Regentin, ihre Mutter, besuchten kürzlich das Städtchen Tiel in Galdern. Bei dem feierlichen Empfang stand an der Spitze der Schuldeputation unser Glaubensgenvffe A. Hirsch, der seit 40 Jahren Rector der dortigen Gemeindeschule ist. Bei dem kürzlichen Empfang der Handelskammer- Deputation haben die Königin und die Regentin unseren Glaubensgenoffen Herrn A. D u p a r c aus Leeuwarden ganz besonders ausgezeichnet. — A 1. d. M. beging im Spanisch- Porttlgiefischen Waisenhause die Gesellschaft Awi Jessomim ihr 250jähriges Bestehen. Dieselbe wurde im Jahre 1648 von 42 Mitgliedern gegründet, um jüdische Waisen in Privathäusern zu versorgen, kaufte im Jahre 1757 ein Haus, das als Waisenanstalt eingerichtet wurde, und weihte am 30. November 1817 das noch jetzt bestehende Gebäude ein. Manche Zierde der hiesigen Gemeinde ist aus diesen Häusern hervorgegangen. St. Louis (Missouri). Einer nach dem Andern von unseren Piomriren, die uns in der neuen Welt den Weg ebneten, sinkt in das kühle Grab. Nun hauchte Isidor Busch, einer der angesehensten Bürger des Staates Missouri seine edle Seele aus, allgemein betrauert, darunter von Taufenden, denen er im Stillen ein Wohlthäter oder Wegweiser gewesen. Er wurde 1820 in der altehrwürdigen Josefstadt, dem Judenviertel Prags, geboren. Er wanderte, da als gebildeter Mensch ihn die damaligen schlimmen Zustände doppelt schwer drückten, anfangs der 40er Jahre nach Amerika aus. Wie alle jungen Leute, die in der Ferne ihr Glück suchen, war er anfangs ein Spielball der Verhältnisse. Er gab die erste jüdische Zeitung: „Israels Herold" 1848—1849 heraus und vertrat das Princip, daß der Jude Ackerbauer werden sollte. Er zog nach dem Westen und wurde selbst Farmer. Beim Ausbruch des Bürgerkrieges ward Busch Secretär des kommandirenden Generals Fremont. 1863 wurde er Mitglied des Verfassungconvents von Missouri, 1865 ward er Secretär der Staatseinwanderungsbehörde, welche Stellung er 15 Jahre lang bekleidete. 1866 in das Oberhaus gewählt, hatte er 240 Oker zum Weinbau geeignetes Hügelland 20 Meilen von St. Louis erworben, seither als Buschberg benannt, und nachdem er seine Anpflanzungen vollendet, widmete er sich vollständig dem Weinbau und gründete die Weinfirma Isidor B u sch & Co. Als im Jahre 1870 die Nachrichten von den Verheerungen der Reblaus nach den Vereinigten Staaten kamen, war Busch der er st e, welcher die w if> e r st a n d s f ä h i g e a m erikanische Rebe als Rettungsmittel empfahl und mehrere Tausend Wurzelsprößlinge als Geschenk zu Versuchen nachMontpellier, Frankreich, sandte. Der Erfolg war bekanntlich überraschend. Buschberg ward nun zur Rebschule. Busch errang europäische Berühmtheit und ein bedeutendes Vermögen. Sein Weinbaukatalog, den er jährlich in mehreren Sprachen herausgab, wurde von den Weinbauern der ganzen Welt gelesen . Von seinem Vermögen verwendete er mehr als als ein Zehntel für wohlthätige Zwecke. Er gründete mit anderen Glaubensgenossen das Jewish Orphan Asylum*) in Cleveland Ohio, ein Institut, in welchem Tausende verwaiste, jüdische Kinder zu brauchbaren Menschen herangezogen werden. Als einer der Aeltesten der Benai Berith war er bei jeder Convention anwesend. Sein weiser Rath wurde nicht nur gerne gehört, sondern auch willig befolgt. Er sicherte den Witwen der Benai Berith eine Witwenunterstützung von 1000 Dallars in allen Logen der vereinigten Staaten. In seinem District sogar 3000 Dollars. Wo etwas Gutes, Gemeinnütziges im Westen entstand, ob confessionell oder communal, überall fand man Isidor Busch als Mitglied gebend und rathend an der Spitze. Busch hinterließ einen Sohn und sechs Enkel. Mexico. Eine große hiesige Zeitung „The Twö Republics" erneuert den Aufruf an alle Juden, nach Mexico zu kommen und sich in diesem freien Lande niederzulassen. Doch scheint es unbefangenen Beurtheilern, als wenn bei diesen Einladungen ein arger Haken wäre. Man stellt sich eben hier, wie in vielen andern Ländern, die Juden als sehr reich vor und möchte ihre Capitalien ausnützen für die Entwicklung des Landes. Arme Juden will man hier auch nicht haben, und wenn diese kommen werden, wird die Enttäuschung groß sein. *) Das Jewish Orphan Asylum zu Cleveland, eine Schöpfung des Benai Berith-Ordens, feierte Anfangs Juli bcu 30. Stiftungstag. Dr. S. W o l f e n st c i n, ein Studiengenosse des Herausgebers der österreichischen Wochenschrift, ist Director der Anstalt, welche ausgedehnte Grundstücke, wohl eingerichtete Jnstitutslocale und einen Baarfond von einigen Hnnderttausend Dollars besitzt. Dr. W o l f e n st e i n ist der väterliche Freund seiner Pfleglinge, die ihn alle vorn ganzen Herzen lieben und hoch ehren. Die Alumnen der Anstalt, meist in geachteter unabhängiger Stellung versammelten sich in ihrer Alma «toter und enthüllten einen prachtvoller! Springbrunnen, der auf dem großen Lawn vor dem Hauptgebäude seine Aufstellung fand. Die meisten dieser Herren und Damen sind nicht nur mit Liebe dem Institute zngethan, sondern sind zahlende Mitglieder und eifrige Förderer der Anstalt. Sie überreichten auch ihrem ehemaligen Lehrer Dr. Wolfe nst e i n einen prachtvollen silbernen Pokal (5ilver loving cap, silberner Liebesbecher).

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