Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 15 (1898)
- Issue
- 34 (26.8.1898)
- Date
- 1898-08-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 630 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 34 Weise die Erinnerung an die große Künstlerin, welche in Hietzing lange Jahre gewohnt hat und dort gestorben ist, festgehalten werde. Warum muß aber zu diesem Zwecke die Eskelesgasse ihren Namen verlieren? Es scheint bei dem gegenwärtig in der Gemeindevertretung herrschenden Geiste wahrscheinlicher, daß man hauptsächlich den Namen Eskeles aus dem Verzeichnisse der Wiener Gassennamen verschwinden lassen wollte. Jene Hietzinger Straße ist nach Bernhard Freiherrn v. Eskeles benannt, der in Hietzing eine Villa hatte, wo er am 7. August 1839 gestorben ist. Er hat bekanntlich als Bankier dem österreichischen Staate in finanziellen Nöthen große Dienste geleistet und genoß dafür das volle Vertrauen des Kaisers Franz. Aber auch in der Wiener Stadtgeschichte hat er seinen Platz — schon als einer der Gründer der Ersten Oesterreichischen Sparcasse — und sein Name ist mit einer großen Zahl wohlthätiger Stiftungen verknüpft. Während des Wiener Congresses versammelten sich die Staatsmänner und Diplomaten in seiner Hietzinger Villa, und mancher alte Hietzinger, der Sinn für die historischen Denkwürdigkeiten seiner ehemaligen Gemeinde hat, wird mit der Abschaffung des Namens Eskelesgasse nicht einverstanden sein. Eine Niederlage der Christlich-Socialen. Die Sonntag in Wien stattgehabten Gewerbegerichtswahlen in der Gruppe der Nahrungsundf Genußmittelgewerbe, der Gewerbe für persönliche Dienstleistungen und der Verkehrsgewerbe, zu welchen unter Anderen die Fleischhauer, Fleischselcher, Kellner, Fiaker, Einspänner, Omnibus- und Tramwaybediensteten gehören, haben mit einem kläglichen Fiasco für die Christlich-Socialen geendet. Bon 2009 abgegebenen Stimmen entfielen nämlich 1766 auf die socialdemokratische und nur 233 auf die christlich-sociale Liste. Jamnitz, 19. August. (T e m p e l w e i h e.) Auf Anregung des hiesigen Notars, Herrn Gustav Lederer, wurde der vor 250 Jahren erbaute Tempel in allen seinen Räumen restaurirt und renovirt. Ein Tempelbaucomite, bestehend aus den Herren Cultusvorsteher Samuel K o h n, k. k. Notar Lederer und Moritz Schlesinger, welchen sich noch Herr Emanuel P o l l a k, Tempelvorsteher, als eifriger Mitarbeiter beigesellte, hat diese Restaurirung durchgeführt, für welche die Gemeinde und ihre Mitglieder große Opfer brachte. Der Cultusvorsteher Herr S. Kohn spendete zwei sehr schöne in der Altgraf Salm'- schen Eisengießerei zu Blansco verfertigte reich mit Gold verzierte Kandelabres, Herr Notar Lederer zwei prachtvolle hohe silberne Leuchter auf den Schulchan, Frau Adelheid Mayer und Frau Johanna Pollak spendeten je eine sehr schöne Tischdecke. Gestern am Geburtsfeste unseres geliebten Monarchen fand uni 10 Uhr Vormittags ein Festgottesdienst statt, wobei Herr Rabbiner Dr. M o r g e n st e r n die Festrede hielt und Herr Schulleiter und Cantor B l ü m e l mit dem gutgeschulten Tempelchore einige Psalmen zum Vortrage brachte. Herr Dr. M o rg e n st e r n erörterte das Wesen und den Zweck der Synagoge wobei ihm der Vers des dieswöchentlichen Thoraabschnittes „leschichno sidreschu uwoso schomoh ‘ als Thema diente. Nach dem Gebete für den Landesfürsten und das Kaiserhaus wurde die Bolkshymne bei offener Bundeslade gesungen. Anwesend waren Herr Markgraf P a l l a v i c i n i, die k. k. Staatsbeamten, an deren Spitze Herr Landesgerichtsrath Zw ekina und Herr Steuereinnehmer K o c z i r, die Vertretung der Stadtgemeinde, da» Veteranencorps, die k. k. Finanzwache und Gendarmerie, sowie ein sehr zahlreiches Publicum. Mödling. Am 17. d. M. fand die Wahl des Ausschusses der israelitischen Cultusgemeinde statt und ergab folgendes Resultat: Isidor Bermann, Bankbeamter; Dr. Josef Brust, Advocat; Carl Kulka, Kaufmann; Josef Löw, Privatier; Nathan Löwit, Fabrikant in Perchtoldsdorf; Dr. Emil Löwy, Heilanstaltsbesitzer in Salz-Stangau; Jacob Moses, Lederhändler; Josef Neurath, Kaufmann; Gustav Oberländer, Oberbuchhalter; Julius Pasternak, Buchdruckereibesitzer; Gustav Pollak, Ledersabrikant in Atzgersdorf; Max Quittner, Weingroßhändler in Perchtoldsdorf; Dr. Siegfried Rappa, praktischer Arzt; Dr. Josef Weiß, Weingroßhändler in Mauer. Am 21. d. M. constituirte sich der Ausschuß und wählte zum Vorsteher: Nathan Löwit; zum Vorsteher-Stellvertreter: Dr. Josef Brust; zum ersten Beirath: Dr. Siegfried Rappa; zum zweiten Beirath: Gustav Oberländer; zum dritten Beirath: Julius Pasternak. Diese Wahl wurde von sämmtlichen Mitgliedern unserer Gemeinde mit Genugthuung ausgenommen, da sich die gewählten Herren großer Beliebtheit erfreuen. Neubydzow. Am 15. d. M. fand die feierliche Einweihung des anläßlich des 50jährigen Negierungsjubiläumsjjunseres Kaisers vom Großindustriellen und Cultusvorsteher Herrn I. Be r gm a n n aus eigenen Mitteln mit einem Kostenaufwande von 40.000 Kronen erbauten israelitischen Gemeindehauses statt. Um 11 Uhr Vormittags versammelten sich die Cultusgemeindemitglieder und die geladenen fremden Gäste im Hofe des neuen Gemeindehauses. Herr Cultusvorsteherstellvertreter F. L u r i e überreichte mit einer kurzen Ansprache dem k. k. Regierungsvertreter den Schlüssel zum Gebäude und derselbe eröffnete mit einer kurzen Erwiderung den feierlichen Act der Einweihung. Ein vom Tempelchor präcis ausgeführter Choral empfing die Eintretenden im Festsaale, der mit dem Bildnisse Sr. Majestät und mit dem des Erbauers und seiner Gemalin geschmückt war. Sodann hielt Herr Rabbiner Dr. Weiner aus den königlichen Weinbergen Prag die formvollendete Festrede. Der 24. Psalm, vorzüglich vorgetragen von Herrn Cantor Freund, reihte sich würdig dieser Festrede an. Hierauf schilderte der Cultusvorsteherstellvertreter, Herr F. L u r i e, in einer gehaltvollen Ansprache den Entwicklungsgang der hiesigen Cultusgemeinde, die jetzigen und einstigen Verhältnisse, welche durch die Munificenz des hochherzigen Erbauers geordnete wurden und die Zukunft der Gemeinde sichere. Im weiteren Verlaufe der Rede gedachte er der Schule, die seit Kaiser Josef II. besteht und ein prachtvolles Heim in dem neuen Gemeindehause gefunden. Er erwähnte der Anfeindungen, welcher die Gemeinde dieser Schule wegen ausgesetzt ist; trotzdeni werde dieselbe erhalten werden, solange das nothwendige Schülermaterial vorhanden sein werde. Mit einem Hinweis auf den erhabenen Landesfürsten, unter dessen weiser Negierung die Inden eine bürgerliche Stellung erlangten, schloß er seine Rede mit einem dreimaligen Hoch auf Se. Majestät, in das die Festgäste begeistert einstimmten. Die Absingung der Volkshymne beendete die Feier. Unter Führung des Herrn Cultusvorstehers I. Bergmann wurde sodann das Gebäude in allen seinen Räumen besichtigt. Dasselbe ist ein schöner Bau, welcher nach den Plänen des Architekten I. Gärtner aus Wien ausgeführt wurde. Im Erdgeschosse befinden sich die nach den Grundsätzen der Pädagogik und Hygiene eingerichteten Schul- und Nebenlocalitäten, im ersten Stockwerke der prachtvolle Festsaal, der Sitzungssaal und die Wohnungen. Nachmittags vereinigte ein Festbanket die Theilnehmer. Der erste Toast wurde vom Herrn Cultusvorsteher I. B e r g m a n n auf Se. Majestät ausgebracht und unter begeisterter Zustimmung der Bankettheilnehmer ein Huldigungstelegramm an den Kaiser abgeschickt. Während des Bankets wurden die eingelaufenen Drahtwünsche und schriftlichen Gratulationen verlesen. So gratulirten unter Anderen Herr Dr. R o s e» b a ch e r, Namens der Prager Cultusgemeinde; Herr Dr. Lichtenstern, Namens der jüdischen Landesrepräsentanz in Böhmen; die Cultusvorstände in Reichenberg, Königgrätz, Königinhof u. v. A. Den schönsten Schluß des Festbankets bildete eine Collecte für das zu erbau- 'ende Knabenwaisenhaus in Prag und den Kaiser Franz Josef- Juöiläumsfond für Cultusbeamte, deren Witwen und Waisen. Prag. Der LandtagsabgeMrdnete und Stadtverordnete in Prag, Herr Dr. Scharf, sendet uns folgende Zuschrift: „Löbliche Redaction! Auf Grund des § 19 Pr.-G. ersuche ich um Veröffentlichung nachstehend.er Berichtigung, zu dem in der vorigen Nummer des geschätzten Blattes veröffentlichten, an mich gerichteten „offenen Schreiben". Es ist nicht wahr, daß der Stadtverordnete Breznovsky in der Sitzung des Prager Stadtverordnetencollegiums am 8. August 1898 mir mein Judenthum vorwarf, es ist nicht wahr, daß er es mir als einen Schandfleck und als einen untilgbaren Schandfleck vorwarf, es ist nicht wahr, daß er erklärte, daß der Jude in seiner Gesammtheit, ungetanst oder gewässert, ohne Ausnahme der Ausbenter seiner christlichen Mit« bürger sei. Der Sachverhalt ist ein ganz anderer, als der in dem „offenen Schreiben" dargestellte. Bei der Berathung über den vom Stadtrathe beantragten Ankauf eines einem Juden gehörigen Bräuhauses — für welchen Antrag ich eintrat — bemängelte der Stadtvertreter Breznovsky, der gegen den Antrag sprach, den angeblich zu hohen Preis und erhob den Vorwurf, daß man für „jüdische" Häuser immer genug Geld habe, für christliche keines. Zum Belege für seine Behauptung führte er einige Namen von Hausbesitzern an, deren Häuser, respective